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14.02.2018
Theaterjugendclub startet in die Saison

Die Jugend drängt auf die Bühne

Wo andere über Nachwuchssorgen klagen kann man sich am Nordhäuser Theater nicht beschweren. Der Theaterjugendclub kann in der aktuellen Spielzeit gleich fünf Werke auf die Bühne bringen, vom kleinen Kammerstück bis zur Großproduktion. Dabei geht es den Theatermachern um mehr als nur Spaß am Spiel...

Burn Baby Burn (Foto: Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH)
Gutem Theater wohnt eine gewisse Leichtigkeit inne, zumindest für den Zuschauer. Man wird gut unterhalten von Menschen, die ihr Handwerk verstehen und sich scheinbar mühelos durch komische, tragische, dramatische, ruhige oder hektische Szenen hindurchspielen, dem Publikum zur Freude.

Hinter dem Spiel, sei es nun eine Großproduktion mit über 30 Leuten auf der Bühne wie das aktuelle "Opus Magnum" des Theaterjugendclubs "Hip Hop Händel" oder ein kleines Kammerstück mit gerade einmal drei Protagonisten wie "Burn Baby Burn", steckt viel Arbeit, Wochen und Monate voller Proben.

Disziplin und Verbindlichkeit vermittele das junge Theater, sagt Eva Lankau, die Theaterpädagogin an der Nordhäuser Bühne. Texte müssen gelernt werden und irgendwann sitzen und wer die Proben schwänzt, der lässt die anderen hängen. "Man muss lernen miteinander zu arbeiten und sich aufeinander zu verlassen. Im Leben dreht sich auch nicht alles nur um einen Selbst, Kollegen oder Mitschüler kann man sich nicht aussuchen. Das gilt auch für das Theater." Für den Einzelnen biete die Bühne am Ende auch Selbsterfahrung und Selbstbehauptung. "Auf der Bühne zu stehen und zu merken "ich kann das und ich schaffe das", das ist eine ganz große Erfahrung".

Schwere Aufgaben für Heranwachsende, mag der ergraute Pessimist mit Blick auf "die Jugend von heute" denken. Aber: das junge Theater boomt. "Wir haben eigentlich sogar eher zu viele als zu wenig Mitglieder", sagt Lankau. Die jugendliche Truppe ist zwischen 14 und 20 Jahren alt und gut 35 Mann stark, die "kleinen" im Juniorclub zwischen 9 und 14 Jahren kommen auf 27 Mitglieder.

Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat in Nordhausen gute Tradition, seit den 90er Jahren kommt der Nachwuchs regelmäßig auf der Bühne zum Zug. In kreativen Kreisen werde das Nordhäuser Haus für seine Jugendarbeit hoch gelobt, sagt Lankau, die ihre Laufbahn im Darmstädter Staatstheater begonnen und an verschiedenen Spielstätten gearbeitet hat. Das die ersten Gehversuche auf der Bühne auch professionell begleitet werden sei keine Selbstverständlichkeit, auch nicht an größeren Häusern.

Sie selbst arbeite wenig mit frontalen Ansagen, meist erst gegen Ende einer Produtkion wenn auch die letzten Details sitzen müssen. "Der größere und wichtigere Teil ist die Prozessarbeit", erklärt die Theaterpädagogin, "man findet über Spiel und Spaß mit den Kindern zusammen heraus wo Stärken liegen und was funktionieren kann."

Zusammengefügt kann das dann ein Stück wie "Hip Hop Händel" ergeben, welches am 31. März Premiere feiert. Die Mischung aus Schauspiel, modernem Tanz, klassischer Musik und Hip Hop Beats ist eine Gemeinschaftsproduktion des jungen Theaters, der Kreismusikschule und des jungen Zirkus Zappelini. Moderne und Klassik spiegeln den Widerstreit der Zauberin Alcina und der Amazonenfürstin Bante von Marseille wieder, die um die Liebe des Kriegers Giero streiten, Intrigen spinnen und mit Einsamkeit, Eifersucht, Hingabe und Freundschaft zu ringen haben.

Eva Lankau und Ronald Winter auf dem Set von "Burn Baby Burn" (Foto: Angelo Glashagel)
Ähnlich intensiv sind zumeist auch die Kammerspiele des jungen Theaters. Die kleinen Stücke mit nur wenigen Schauspielern werden seit 2013 regelmäßig von Ronald Winter inszeniert. "Die Stücke sind nicht explizit auf Relevanz getrimmt", sagt Winter, wichtigstes Kriterium sei für ihn das die Jugendlichen auch Rollen spielen können, die in etwa ihrem eigenen Alter entsprechen. Leicht und seicht ist das selten bis nie, bei "Und drin bist du" betrachtete man das Innenleben einer psychatrischen Anstalt aus Sicht eines jungen Mädchens mit Borderline-Störung, "Liebe Jelena Sergejewna" ließ sich drei Schüler bei der Verwirklichung ihrer Vorstellungen weit über ethische und moralische Grenzen hinwegsetzen.

In diesem Jahr geht es mit "Burn Baby Burn" für zwei Junge Mädchen auf Sinnsuche. "Violet und Anna sind zwei junge Frauen die ihren Platz in der Welt noch nicht gefunden haben. Beide sind Grundverschieden hätten sich aber gegenseitig viel zu geben", erklärt Ronald Winter, "und da könnte die Geschichte eigentlich vorbei sein, wäre da nicht ein Pizzabote der dazu kommt und ab da es geht in eine völlig andere Richtung".

"Burn Baby Burn" wird ab dem 24. Februar im Theater unterm Dach zu sehen sein. Das Angebot des jungen Theaters ist damit noch nicht erschöpft, für die kommende Spielzeit stehen auch noch Improvisationstheater mit "Acker Nordhausen", das Tanztheater "Katjuscha" und das Stück des Juniorclubs "Klasse 7b ohne Sophie" auf dem Programm. "Außerdem stehen wir jederzeit bereit Einführungen zu allen aktuellen Stücken zu geben", sagt Lankau, auch zu denen der Profis. Hinzu kommen Lehrerfortbildungen, Theaterführungen und Orchesterwerkstätten. "Wir bringen Theater unter das Volk", sagt Lankau, die Nordhäuser Jugend, so scheint es, hat das Angebot dankend angenommen.
Angelo Glashagel
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