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So, 17:00 Uhr
28.01.2018
Stückwerk No. 15

Opulent, artistisch, musikalisch

Ein kulturelles Medley aus Klassik, HipHop, Improvisation und Schauspiel gab es gestern Abend auf der Nordhäuser Bühne zu sehen. Der Theaterjugendclub gab mit "Stückwerk No. 15" Einblick in die aktuellen Produktionen. Mit dabei: eifersüchtige Amazonen, flinke Breakdancer und die zwei von der Tankstelle...


Vorhang auf hieß es gestern für die jungen Tänzerinnen, Schauspieler und Künstler des Theaterjugendclubs. Von den ganz kleinen Eleven der Tanzschule Taimba bis zu den abgebrühten Veteranen des jungen Theaters durften sie gestern auf der großen Bühne zeigen, was sie sich in diesem Jahr vorgenommen haben.

Tanzende Gäste

Traditionell lädt sich das Jugendtheater zu ihrem "Stückwerk" immer auch Gäste ein. Gestern waren das die großen und kleinen Tänzerinnen der Tanzschule Taimba. Die Eleven zeigten klassisches Ballett und modernen Tanz. Die Gruppe "Jugendclub tanzt" hat ihr neues Programm in Eigenregie erstellt und zeigte was auch ohne Anleitung der "großen" Profis mit ein bisschen Bühnenerfahrung möglich ist. Special Guest des Abends war der Rapper "LIO", der zurzeit im Jungen Theater sein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur absolviert.

Mobbing in Zeiten des Smartphones

Die jüngsten des Theaterclubs zeigten einen Ausschnitt aus dem Stück "Klasse 7b ohne Sophie". So heißt die WhatsApp-Gruppe der fiktiven Schulklasse, Sophie, das ist die "Neue". Und sie hat es schwer. So manch Erwachsener dürfte sich zurück versetzt gefühlt haben in die eigene Schulzeit, Zweifelderball auf der Bühne, die 7b hält sich nicht zurück, mittendrin Sophie. Kein leichter Stoff für die 9 bis 15jährigen Schauspieler, aber auch einer der der eigenen Lebenswirklichkeit nicht zu weit entrückt sein sollte. Bis es Ernst wird, hat der Jugendclub Junior noch ein wenig Zeit, am 3. Juni feiert "Klasse 7b ohne Sophie" Premiere.

Schauspiel ohne Plan

Wenn mitten im Stück plötzlich das Gedächtnis versagt und Romeo nicht mehr weiß obs die Nachtigall oder nicht doch die Lerche war, dann muss improvisiert werden. Die Alternative: man lässt das planen einfach ganz weg, verlässt sich auf die eigenen geistige Spritzigkeit und macht "Improtheater". Die Truppe "Acker Nordhausen" nennt das auch liebevoll "Theatersport". Statt ein fertiges Werk zu zeigen wissen die fünf Improvisationskünstler selbst nicht was passieren wird, wenn der Vorhang sich öffnet. Ein Dialog auf der Toilette nach dem ABC, ein Zwiegespräch zwischen renitentem Kind und geplagten Elternteil oder "Hänsel und Gretel" im Gangsterstyle geraten da zu einer schön humorigen Mischung, die gestern Abend auch beim Publikum gut ankam. Am 10. März werden "Acker Nordhausen" wieder auf der Bühne stehen, was dann passiert, davon darf man sich überraschen lassen.

Eifersüchtige Endzeit-Amazonen

Opulent wird es bei "HipHop Händel", der aktuellen Großproduktion des Jugendclubs. Erzählt wird die Geschichte der Amazonenfürstin Bante von Marseille, ihrem Geliebtem, dem Ritter Giero und der Zauberin Alcina. Dabei trifft Klassik auf Moderne, Georg Friedrich Händels Musik auf moderne Hip-Hop Beats, garniert mit Break-Dance Performances des jungen Zirkus Zappelini. Das ist nicht nur musikalisch und artistisch beeindruckend sondern auch optisch ein echter Hingucker, im großen Haus stürmten gestern ein Heer von Endzeit-Amazonen Kriegerinnen im "Mad Max" Style die Trauminsel der Zauberin.

Von der Geschichte wurde nicht mehr verraten, die Breakdancer zeigten stattdessen in ihrem eigenen Solo was sie drauf haben. Wer den Ritt durch die Kulturgeschichte in seiner Gänze erleben will, der muss sich noch bis zum 31.03. gedulden, dann feiert "Hip-Hop Händel" Premiere.

Brenn, Baby, brenn

Das Schauspiel ist tot, es lebe das Schauspiel. Wer Nordhäuser Theater ohne Gesang und Tanz erleben wollte, der war in den letzten Jahren auf die "jungen Wilden" angewiesen. Und die waren bei der Wahl ihrer Themen wenig zimperlich. Shakespeare mit Hashtag oder sperrige Weltliteratur mit Kafka's Verwandlung? Kein Problem. Ein Psychodrama wie "Liebe Jelena Sergejewna"? Aber bitte.

"Burn, Baby, Burn" dürfte sich in diese Riege nahtlos einreihen. Das neue Stück widmet sich der jugendlichen Identitätssuche, gespickt mit Träumen, Drogen, Sehnsucht und der unabwendbaren Wirklichkeit. Im Zentrum stehen Erla und Violett, die eine scheinbar naiv überbetont fröhlich und kindlich, die andere betont rebellisch, unzufrieden und nicht ganz ungefährlich. Beide sitzen an einer alten Tankstelle fest und träumen sich in ein fernes Leben bis der Pizzabote auftaucht und Nachrichten aus der Realität mit sich bringt. "Burn, Baby, Burn" wird ab dem 24. Februar im Theater unterm Dach zu sehen sein.

Aufregung und physische Anstrengung aber auch Stolz und Spielfreude im Rampenlicht entfalten im Laientheater immer einen ganz eigenen Reiz und waren den großen und kleinen Künstlern gestern immer wieder anzusehen. Wer den Mut aufbringt, sich auf die Bühne zu begeben, dem gebührt Respekt. Die Einblicke des 15. "Stückwerkes" lassen hoffen das am Ende auch die Qualität stimmt und man guten Gewissens applaudieren kann.
Angelo Glashagel
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