So, 09:21 Uhr
24.12.2017
OB Richard Senger von Amerikanern ein-, von Russen abgesetzt
Ein Liberaler mit kurzer Amtszeit
Der Nordhäuser OB Dr. Richard Senger war wohl der Bürgermeister mit der kürzesten Amtszeit in der tausendjährigen Geschichte der Roland-Stadt. Eingesetzt von der amerikanischen Besatzungsmacht im Juni 1945, also wenige Wochen nach Kriegsende, setzte ihn die sowjetische Militäradministration schon einen Monat danach wieder ab...
Statt des Sternenbanners wehte nun die rote Flagge mit Hammer und Sichel über Nordhausen. Die Berufung Sengers geschah auf Empfehlung der Nordhäuser Stadtverordneten. In einer politisch turbulenten Zeit löste er Otto Flagmeyer ab, den ersten Bürgermeister nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches.
Seine Pflichten und Kompetenzen wurden in einem Memorandum umrissen, das der amerikaniche Stadtkommandant, Captain William A. McElroy, ihm am 14. Juni 1945 aushändigte. In einem Aufruf appellierte Senger an die Bevölkerung, alle Straßen in Nordhausen bis zum 27. Juli von Trümmern zu räumen.
Der Rechtsanwalt Senger wurde am 6. Februar 1897 als dritter Sohn des Justizrates Artur Senger und seiner Frau Katharina, geb. Boetticher, in Nordhausen geboren. Er besuchte das Gymnasium und meldete sich als 1914 als Kriegsfreiwilliger. Im selben Jahr konnte er das Notabitur ablegen. Als Leutnant seit 1916 erhielt er das EK I und das EK II. Mit ehemaligen Kriegskameraden pflegte er Freundschaften bis an sein Lebensende.
Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er Jura in Halle und wirkte anschließend als Rechtsanwalt und Justitiar in Berlin. Ende der zwanziger Jahre wurde er als Anwalt am Oberlandesgericht Naumburg zugelassen. Senger galt während der Weimarer Republik als Liberaler und lehnte den Nationalsozialismus ab. Beim Thüringer Juristentag 1933 votierte er in offener Abstimmung gegen den Ausschluß jüdischer Berufskollegen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1940 als Hauptmann der Reserve eingezogen. Bis 1945 stand er an der Ostfront. Senger führte eine Nachschub-Einheit. In der Schlussphase des Krieges gelang es ihm, mit seiner Truppe nach Westen ab-zurücken und so in US-Gefangenschaft zu geraten. Unbelastet von Verbrechen
des Dritten Reiches wurde er schon Mitte Mai 1945 entlassen. Bald darauf kam er mit seiner achtköpfigen Familie von Naumburg nach Nordhausen.
Senger diente vom 24. September 1945 bis zum 31. Mai 1946 in der Präsidialkanzlei des thüringischen Landespräsidenten Dr. Rudolf Paul, ab 30. November 1945 als deren Direktor. Danach war er bis 1948 als Rechtsanwalt und Notar in Nordhausen tätig. Wie viele andere verließ er die Sowjetzone und ging mit seiner Familie nach Düsseldorf. Auch dort hatte er eine Anwaltskanzlei bis zu seiner Pensionierung 1962. Für die FDP wirkte er von 1951 bis 1962 als Beigeordneter der Stadt Düsseldorf (Dezernent für Verkehr, Ordnung und Schulen), vorher von 19949 bis 1951 als Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes.
Richard Senger hatte mit seiner Ehefrau Elfriede, geb. am 9. August 1909 in Naumburg an der Saale, vier Töchter und drei Söhne. Elfriede war bis 1936 als Anwaltsgehilfin tätig und lernte über den Beruf ihren Ehemann kennen. Im 2009 feierte sie ihren 100. Geburtstag mit dem engsten Familienkreis – rund hundert Verwandten bei ihrem Sohn in Goslar. Zu dieser Zeit wohnte sie allein in ihrer Wohnung in Düsseltal, ging noch selbstständig einkaufen und hatte 26 Enkel und 22 Urenkel.
Manfred Neuber
Autor: redStatt des Sternenbanners wehte nun die rote Flagge mit Hammer und Sichel über Nordhausen. Die Berufung Sengers geschah auf Empfehlung der Nordhäuser Stadtverordneten. In einer politisch turbulenten Zeit löste er Otto Flagmeyer ab, den ersten Bürgermeister nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches.
Seine Pflichten und Kompetenzen wurden in einem Memorandum umrissen, das der amerikaniche Stadtkommandant, Captain William A. McElroy, ihm am 14. Juni 1945 aushändigte. In einem Aufruf appellierte Senger an die Bevölkerung, alle Straßen in Nordhausen bis zum 27. Juli von Trümmern zu räumen.
Der Rechtsanwalt Senger wurde am 6. Februar 1897 als dritter Sohn des Justizrates Artur Senger und seiner Frau Katharina, geb. Boetticher, in Nordhausen geboren. Er besuchte das Gymnasium und meldete sich als 1914 als Kriegsfreiwilliger. Im selben Jahr konnte er das Notabitur ablegen. Als Leutnant seit 1916 erhielt er das EK I und das EK II. Mit ehemaligen Kriegskameraden pflegte er Freundschaften bis an sein Lebensende.
Nach dem Ersten Weltkrieg studierte er Jura in Halle und wirkte anschließend als Rechtsanwalt und Justitiar in Berlin. Ende der zwanziger Jahre wurde er als Anwalt am Oberlandesgericht Naumburg zugelassen. Senger galt während der Weimarer Republik als Liberaler und lehnte den Nationalsozialismus ab. Beim Thüringer Juristentag 1933 votierte er in offener Abstimmung gegen den Ausschluß jüdischer Berufskollegen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1940 als Hauptmann der Reserve eingezogen. Bis 1945 stand er an der Ostfront. Senger führte eine Nachschub-Einheit. In der Schlussphase des Krieges gelang es ihm, mit seiner Truppe nach Westen ab-zurücken und so in US-Gefangenschaft zu geraten. Unbelastet von Verbrechen
des Dritten Reiches wurde er schon Mitte Mai 1945 entlassen. Bald darauf kam er mit seiner achtköpfigen Familie von Naumburg nach Nordhausen.
Senger diente vom 24. September 1945 bis zum 31. Mai 1946 in der Präsidialkanzlei des thüringischen Landespräsidenten Dr. Rudolf Paul, ab 30. November 1945 als deren Direktor. Danach war er bis 1948 als Rechtsanwalt und Notar in Nordhausen tätig. Wie viele andere verließ er die Sowjetzone und ging mit seiner Familie nach Düsseldorf. Auch dort hatte er eine Anwaltskanzlei bis zu seiner Pensionierung 1962. Für die FDP wirkte er von 1951 bis 1962 als Beigeordneter der Stadt Düsseldorf (Dezernent für Verkehr, Ordnung und Schulen), vorher von 19949 bis 1951 als Vorsitzender des FDP-Kreisverbandes.
Richard Senger hatte mit seiner Ehefrau Elfriede, geb. am 9. August 1909 in Naumburg an der Saale, vier Töchter und drei Söhne. Elfriede war bis 1936 als Anwaltsgehilfin tätig und lernte über den Beruf ihren Ehemann kennen. Im 2009 feierte sie ihren 100. Geburtstag mit dem engsten Familienkreis – rund hundert Verwandten bei ihrem Sohn in Goslar. Zu dieser Zeit wohnte sie allein in ihrer Wohnung in Düsseltal, ging noch selbstständig einkaufen und hatte 26 Enkel und 22 Urenkel.
Manfred Neuber


