So, 08:30 Uhr
17.12.2017
MEHR ALS HEGE MIT DER BÜCHSE
Ein Leben gegen das Artensterben
Ein Jäger sei auch ein aktiver Naturschützer. Jagd sei mehr als Hege mit der Büchse. Auch der Vorstand der Kreisjägerschaft betont es. Immer wieder. Besonders dann, wenn es in Gesprächen mit der Bevölkerung darum geht, Vorbehalte der Jagd gegenüber abzubauen. Wo aber finden wir die Männer und Frauen im grünen Rock, die aktiven Naturschützer im Südharz?
Dem weiteren Artensterben will Hartmuth Bauer durch aktiven Naturschutz Einhalt gebieten. Als Weidmann sieht er sich in der Pflicht, durch vielseitige Maßnahmen neue Lebensräume für Insekten und Vögel zu schaffen. (Foto: Kurt Frank)
Dem weiteren Artensterben will Hartmuth Bauer durch aktiven Naturschutz Einhalt gebieten. Als Weidmann sieht er sich in der Pflicht, durch vielseitige Maßnahmen neue Lebensräume für Insekten und Vögel zu schaffen. Foto: Kurt Frank
Kleinfurra. Die zwei Alpha-Leute aus dem Vorstand, die wir danach fragten, taten sich schwer, Beispiele zu nennen. Erst nach mehrmaligen Anfragen kam der Tipp: Hartmuth Bauer, Kleinfurra. Der wuchs auf dem Lande auf. Hühner, Kaninchen, Hund und Katze, Schwalben und Spatzen gehörten damals zu jedem Hof auf dem Lande.
Ich wuchs inmitten von Tieren auf. Sie weckten mein Interesse und die Liebe zu ihnen, erinnert sich Bauer rückblickend und fügt an: Mit zehn Jahren bekam ich meinen ersten Hund geschenkt. Einen Langhaarteckel. Die Tante hatte meine Mutter überzeugt, mir einen Welpen zu kaufen. Glückstrahlend brachte ich den kleinen Vierbeiner in einem Karton nach Hause.
Waldi, so hieß das Tier, fiel nach sechs Jahren leider einem Verkehrsunfall zum Opfer. Direkt vor der Haustür lief er in ein Fahrzeug. Es folgte Hexe. Aron ist der derzeit aktuelle Teckel. In der 5. Generation. Auch leistungsgeprüft. In der Wohnung der Bauers hat der treue Begleiter sein kuscheliges Plätzchen.
Schon als Kind setzte sich Hartmuth vehement für den Vogelschutz ein. Im Ort brüteten Steinkäuze. Der Junge kannte die Brutstätte. Und erlebte seinerzeit noch Kurioses: In der lauten Stimme der Vögel kuwit, kuwit sah dieser und jener einen Todesruf: Komm mit, komm mit. Diese Deutung bedeutete den Tod für so manchen Vogel der Nacht. Die Leiter zum Nest war schon angesetzt. Energisch verhinderte der 14-Jährige eine schlimme Tat.
Als 20-Jähriger erwarb Hartmuth Bauer die Jagderlaubnis. Erschreckend sein Vergleich von damals und heute. Vor Jahrzehnten bei Streifzügen durch Wald und Flur noch ein gewohntes Bild: Hasen sprangen aus der Sasse. Rebhuhnvölker flogen auf und davon. Allgegenwärtig die vielen Vögel: Gimpel, Lerchen, Goldammern, Stieglitze, Finken, Rotrückenwürger, Bachstelzen, Bluthänflinge, Rohrsänger, Spatzen, Schwalben.
Schon seit einigen Jahrzehnten pflanzt Hartmuth Bauer Blüh- und Beerensträucher in der Feldflur. Im Bild (links) zäunt er mit fleißigen Helfern der Jagdgenossenschaft ein Feld ein, auf dem auch Schutzhecken entstanden, auch für Rebhühner (Foto: privat)
Schon seit einigen Jahrzehnten pflanzt Hartmuth Bauer Blüh- und Beerensträucher in der Feldflur. Im Bild (links) zäunt er mit fleißigen Helfern der Jagdgenossenschaft ein Feld ein, auf dem auch Schutzhecken entstanden, auch für Rebhühner. Foto: privat
Das war gestern. Die Feldflur wandelte sich. Radikal. Heute ist sie ein Paradies für Schwarzwild. In den riesigen Mais-, Getreide -und Rapsschlägen fühlt es sich wohl. Die Eintönigkeit der Landschaft bewirkte hingegen die Schwindsucht bei Insekten, Vögeln, Hasen, Schmetterlingen. Hartmuth Bauer registrierte den schleichenden Verlust mit zunehmender Sorge: 80 Prozent des Insektenbestandes verschwanden. Anteilmäßig reduzierte sich die Vogelwelt. Dem weiteren Niedergang muss man Einhalt gebieten. Ich will meinen Teil dazu beitragen. Mit ganzer Kraft. Als Jäger bin ich in erster Linie aktiver Naturschützer, beschreibt er sein Tun.
Der 71-Jährige, studierte Veterinäringenieur, Fachingenieur für Wildbewirtschaftung und Lebensmittelkontrolleur, hat 2,7 Hektar eigenes Land. Er nahm es aus der intensiven Bewirtschaftung heraus. Bei der Stiftung Lebensraum kaufte Hartmuth Bauer verschiedene Sorten Saatgut. Als eine blühende Feldflur will er sein Land sehen: für Insekten, Bienen, Rebhühner, Singvögel, Feldhasen.
Hartmuth Bauer inmitten seines Blühfeldes. Die Fläche hatte er selbst eingesät, das Saatgut gekauft. Auf dem Areal summt und schwirrt es im Sommer: Hummeln, Bienen, Vögel finden hier Nahrung (Foto: privat)
Hartmuth Bauer inmitten seines Blühfeldes. Die Fläche hatte er selbst eingesät, das Saatgut gekauft. Auf dem Areal summt und schwirrt es im Sommer: Hummeln, Bienen, Vögel finden hier Nahrung. Foto: privat
Stolz ist er auf sein Volk Rebhühner. Die Rarität leide bei ihm nicht an Futtermangel. Leider, weiß er, lagen im Vorjahr nur drei Bestellungen aus dem Landkreis für Blühmischungen vor.
Noch sei es Zeit, den Antrag zum Kauf von Saatgut an den Landesjagdverband zu stellen, ermahnt Bauer Jäger und Geschäftsführer von Agrarbetrieben.
Hartmuth Bauer motivierte den Vorsitzenden der Agrargenossenschaft in Wolkramshausen, Dieter Göbel, der auch der Jagdgenossenschaft Kleinfurra vorsteht, etwa zwei Hektar Stilllegungsfläche einzusäen und sie ebenfalls in eine blühende Oase zu verwandeln. Außerdem gelang es, an Gebäuden Nisthilfen für Mauersegler und Steinkäuze anzubringen. Die Hebebühne stellte das Unternehmen. Diesen Bemühungen steht Uwe Merx aus Kehmstedt, ebenfalls Agrarchef und Flinte schulternd, nicht nach. Die nnz hatte ihn bereits als Rehkitzretter vorgestellt.
Den Besitzer einer Streuobstwiese überzeugte Bauer, das Schnittholz zu Ostern nicht den Flammen zu übergeben, sondern die Reisighaufen zu belassen: für Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Igel. Etliche Nisthilfen für die heimische Vogelwelt zieren heute den Bereich. Selten geworden sind auch Amphibien. Der Grünrock regenerierte und erweiterte einen Feuchtbiotop. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Beschämend sei es, sagt der Weidmann, wenn Leute, die sich Jäger nennen, Netze vor ihren Hauswänden spannen oder Vergrämungsmaterial anbringen, um Mehlschwalben am Nestbau zu hindern. Keine Mühe mache es, Kotbrettchen unterhalb der Nester anzubringen.
Schon in jüngeren Jahren pflanzte der heutige Rentner mit fleißigen Helfern Hecken und Sträucher. Auf Brachflächen. Auch einen Meliorationsgraben bestückte er. Als Schutz und Nahrung für Vögel. Die betreffenden Areale umzäunte man, um sie vor Verbiss zu schützen. Neben Bäumen, Blüh -und Beerensträuchern in der Flur – unter anderem Ahorn, Pfaffenhütchen, Hartriegel - kamen andere in den Wald: Kastanien, Wildkirschen, Walnüsse. Nahrung für Gefiederte und Vierbeiner.
Hartmuth Bauer, der 1992 den Wildhandel ins Leben rief und in der Jagdgenossenschaft Kleinfurra tätig ist, wirft der Politik schwere Versäumnisse vor. Erst wenn in der Natur schon der Trauermarsch erklingt und die Sterbeglocke immer heftiger läute, werde sie langsam rege. Deutlich sei das kürzlich in der ARD-Fernsehsendung Hart aber fair mit Moderator Plasberg geworden: Glyphosat, äußerst umstritten, weil angeblich krebserregend, vernichte nicht nur Unkraut. Auch Wildkräutern mache der Giftcocktail den Garaus und nehme vielen Arten damit die Nahrungsgrundlage.
Die Förderpolitik der EU für die Landwirtschaft müsste besser auf die Arterhaltung ausgerichtet, den Landwirten einen deutlich besseren Anreiz gegeben werden, fordert Bauer. Stilllegungsflächen nach EU-Verordnung böten gute Möglichkeiten, dauerhafte Oasen für eine Artenvielfalt zu schaffen.
Wo findet man noch Amphibien? In diesem Feuchtbiotop, das Hartmuth Bauer ins Leben rief, sind zu heimisch geworden. Auch die Kinder freuen sich, wenn sie die Frösche quaken hören und Kammmolche beobachten (Foto: privat)
Wo findet man noch Amphibien? In diesem Feuchtbiotop, das Hartmuth Bauer ins Leben rief, sind zu heimisch geworden. Auch die Kinder freuen sich, wenn sie die Frösche quaken hören und Kammmolche beobachten. Foto: privat
Leider ist so eine Vielfalt in Wald und Flur, wie sie die heute über 70-Jährigen in ihren Kinder- und Jugendjahren vor Augen hatten, Geschichte, ist unwiderruflich dahin. Aber stoppen könne man den weiteren Niedergang, ist Bauer optimistisch. Wenn man sich engagiert. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht beim Anblick der Früchte seiner Arbeit.
Jeder, meint er, könne auf seine Art etwas gegen das Artensterben tun. Schon ein Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch genannt, ein blühender Busch oder Blumen, die über die gesamte Vegetationsperiode ihre Pracht entfalten und Pollen für Insekten liefern, tragen dazu bei. Vor oder hinter dem Haus, im Garten, auf dem Balkon.
Kurt Frank
Autor: red
Dem weiteren Artensterben will Hartmuth Bauer durch aktiven Naturschutz Einhalt gebieten. Als Weidmann sieht er sich in der Pflicht, durch vielseitige Maßnahmen neue Lebensräume für Insekten und Vögel zu schaffen. (Foto: Kurt Frank)
Dem weiteren Artensterben will Hartmuth Bauer durch aktiven Naturschutz Einhalt gebieten. Als Weidmann sieht er sich in der Pflicht, durch vielseitige Maßnahmen neue Lebensräume für Insekten und Vögel zu schaffen. Foto: Kurt Frank
Kleinfurra. Die zwei Alpha-Leute aus dem Vorstand, die wir danach fragten, taten sich schwer, Beispiele zu nennen. Erst nach mehrmaligen Anfragen kam der Tipp: Hartmuth Bauer, Kleinfurra. Der wuchs auf dem Lande auf. Hühner, Kaninchen, Hund und Katze, Schwalben und Spatzen gehörten damals zu jedem Hof auf dem Lande.
Ich wuchs inmitten von Tieren auf. Sie weckten mein Interesse und die Liebe zu ihnen, erinnert sich Bauer rückblickend und fügt an: Mit zehn Jahren bekam ich meinen ersten Hund geschenkt. Einen Langhaarteckel. Die Tante hatte meine Mutter überzeugt, mir einen Welpen zu kaufen. Glückstrahlend brachte ich den kleinen Vierbeiner in einem Karton nach Hause.
Waldi, so hieß das Tier, fiel nach sechs Jahren leider einem Verkehrsunfall zum Opfer. Direkt vor der Haustür lief er in ein Fahrzeug. Es folgte Hexe. Aron ist der derzeit aktuelle Teckel. In der 5. Generation. Auch leistungsgeprüft. In der Wohnung der Bauers hat der treue Begleiter sein kuscheliges Plätzchen.
Schon als Kind setzte sich Hartmuth vehement für den Vogelschutz ein. Im Ort brüteten Steinkäuze. Der Junge kannte die Brutstätte. Und erlebte seinerzeit noch Kurioses: In der lauten Stimme der Vögel kuwit, kuwit sah dieser und jener einen Todesruf: Komm mit, komm mit. Diese Deutung bedeutete den Tod für so manchen Vogel der Nacht. Die Leiter zum Nest war schon angesetzt. Energisch verhinderte der 14-Jährige eine schlimme Tat.
Als 20-Jähriger erwarb Hartmuth Bauer die Jagderlaubnis. Erschreckend sein Vergleich von damals und heute. Vor Jahrzehnten bei Streifzügen durch Wald und Flur noch ein gewohntes Bild: Hasen sprangen aus der Sasse. Rebhuhnvölker flogen auf und davon. Allgegenwärtig die vielen Vögel: Gimpel, Lerchen, Goldammern, Stieglitze, Finken, Rotrückenwürger, Bachstelzen, Bluthänflinge, Rohrsänger, Spatzen, Schwalben.
Schon seit einigen Jahrzehnten pflanzt Hartmuth Bauer Blüh- und Beerensträucher in der Feldflur. Im Bild (links) zäunt er mit fleißigen Helfern der Jagdgenossenschaft ein Feld ein, auf dem auch Schutzhecken entstanden, auch für Rebhühner (Foto: privat)
Schon seit einigen Jahrzehnten pflanzt Hartmuth Bauer Blüh- und Beerensträucher in der Feldflur. Im Bild (links) zäunt er mit fleißigen Helfern der Jagdgenossenschaft ein Feld ein, auf dem auch Schutzhecken entstanden, auch für Rebhühner. Foto: privat
Das war gestern. Die Feldflur wandelte sich. Radikal. Heute ist sie ein Paradies für Schwarzwild. In den riesigen Mais-, Getreide -und Rapsschlägen fühlt es sich wohl. Die Eintönigkeit der Landschaft bewirkte hingegen die Schwindsucht bei Insekten, Vögeln, Hasen, Schmetterlingen. Hartmuth Bauer registrierte den schleichenden Verlust mit zunehmender Sorge: 80 Prozent des Insektenbestandes verschwanden. Anteilmäßig reduzierte sich die Vogelwelt. Dem weiteren Niedergang muss man Einhalt gebieten. Ich will meinen Teil dazu beitragen. Mit ganzer Kraft. Als Jäger bin ich in erster Linie aktiver Naturschützer, beschreibt er sein Tun.
Der 71-Jährige, studierte Veterinäringenieur, Fachingenieur für Wildbewirtschaftung und Lebensmittelkontrolleur, hat 2,7 Hektar eigenes Land. Er nahm es aus der intensiven Bewirtschaftung heraus. Bei der Stiftung Lebensraum kaufte Hartmuth Bauer verschiedene Sorten Saatgut. Als eine blühende Feldflur will er sein Land sehen: für Insekten, Bienen, Rebhühner, Singvögel, Feldhasen.
Hartmuth Bauer inmitten seines Blühfeldes. Die Fläche hatte er selbst eingesät, das Saatgut gekauft. Auf dem Areal summt und schwirrt es im Sommer: Hummeln, Bienen, Vögel finden hier Nahrung (Foto: privat)
Hartmuth Bauer inmitten seines Blühfeldes. Die Fläche hatte er selbst eingesät, das Saatgut gekauft. Auf dem Areal summt und schwirrt es im Sommer: Hummeln, Bienen, Vögel finden hier Nahrung. Foto: privat
Stolz ist er auf sein Volk Rebhühner. Die Rarität leide bei ihm nicht an Futtermangel. Leider, weiß er, lagen im Vorjahr nur drei Bestellungen aus dem Landkreis für Blühmischungen vor.
Noch sei es Zeit, den Antrag zum Kauf von Saatgut an den Landesjagdverband zu stellen, ermahnt Bauer Jäger und Geschäftsführer von Agrarbetrieben.
Hartmuth Bauer motivierte den Vorsitzenden der Agrargenossenschaft in Wolkramshausen, Dieter Göbel, der auch der Jagdgenossenschaft Kleinfurra vorsteht, etwa zwei Hektar Stilllegungsfläche einzusäen und sie ebenfalls in eine blühende Oase zu verwandeln. Außerdem gelang es, an Gebäuden Nisthilfen für Mauersegler und Steinkäuze anzubringen. Die Hebebühne stellte das Unternehmen. Diesen Bemühungen steht Uwe Merx aus Kehmstedt, ebenfalls Agrarchef und Flinte schulternd, nicht nach. Die nnz hatte ihn bereits als Rehkitzretter vorgestellt.
Den Besitzer einer Streuobstwiese überzeugte Bauer, das Schnittholz zu Ostern nicht den Flammen zu übergeben, sondern die Reisighaufen zu belassen: für Rotkehlchen, Heckenbraunelle, Igel. Etliche Nisthilfen für die heimische Vogelwelt zieren heute den Bereich. Selten geworden sind auch Amphibien. Der Grünrock regenerierte und erweiterte einen Feuchtbiotop. Der Erfolg stellte sich schnell ein. Beschämend sei es, sagt der Weidmann, wenn Leute, die sich Jäger nennen, Netze vor ihren Hauswänden spannen oder Vergrämungsmaterial anbringen, um Mehlschwalben am Nestbau zu hindern. Keine Mühe mache es, Kotbrettchen unterhalb der Nester anzubringen.
Schon in jüngeren Jahren pflanzte der heutige Rentner mit fleißigen Helfern Hecken und Sträucher. Auf Brachflächen. Auch einen Meliorationsgraben bestückte er. Als Schutz und Nahrung für Vögel. Die betreffenden Areale umzäunte man, um sie vor Verbiss zu schützen. Neben Bäumen, Blüh -und Beerensträuchern in der Flur – unter anderem Ahorn, Pfaffenhütchen, Hartriegel - kamen andere in den Wald: Kastanien, Wildkirschen, Walnüsse. Nahrung für Gefiederte und Vierbeiner.
Hartmuth Bauer, der 1992 den Wildhandel ins Leben rief und in der Jagdgenossenschaft Kleinfurra tätig ist, wirft der Politik schwere Versäumnisse vor. Erst wenn in der Natur schon der Trauermarsch erklingt und die Sterbeglocke immer heftiger läute, werde sie langsam rege. Deutlich sei das kürzlich in der ARD-Fernsehsendung Hart aber fair mit Moderator Plasberg geworden: Glyphosat, äußerst umstritten, weil angeblich krebserregend, vernichte nicht nur Unkraut. Auch Wildkräutern mache der Giftcocktail den Garaus und nehme vielen Arten damit die Nahrungsgrundlage.
Die Förderpolitik der EU für die Landwirtschaft müsste besser auf die Arterhaltung ausgerichtet, den Landwirten einen deutlich besseren Anreiz gegeben werden, fordert Bauer. Stilllegungsflächen nach EU-Verordnung böten gute Möglichkeiten, dauerhafte Oasen für eine Artenvielfalt zu schaffen.
Wo findet man noch Amphibien? In diesem Feuchtbiotop, das Hartmuth Bauer ins Leben rief, sind zu heimisch geworden. Auch die Kinder freuen sich, wenn sie die Frösche quaken hören und Kammmolche beobachten (Foto: privat)
Wo findet man noch Amphibien? In diesem Feuchtbiotop, das Hartmuth Bauer ins Leben rief, sind zu heimisch geworden. Auch die Kinder freuen sich, wenn sie die Frösche quaken hören und Kammmolche beobachten. Foto: privat
Leider ist so eine Vielfalt in Wald und Flur, wie sie die heute über 70-Jährigen in ihren Kinder- und Jugendjahren vor Augen hatten, Geschichte, ist unwiderruflich dahin. Aber stoppen könne man den weiteren Niedergang, ist Bauer optimistisch. Wenn man sich engagiert. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht beim Anblick der Früchte seiner Arbeit.
Jeder, meint er, könne auf seine Art etwas gegen das Artensterben tun. Schon ein Sommerflieder, auch Schmetterlingsstrauch genannt, ein blühender Busch oder Blumen, die über die gesamte Vegetationsperiode ihre Pracht entfalten und Pollen für Insekten liefern, tragen dazu bei. Vor oder hinter dem Haus, im Garten, auf dem Balkon.
Kurt Frank

