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Fr, 18:00 Uhr
15.12.2017
Der Unternehmer

Der Elektro-Check (III)

Die Welt bewegt sich weiter, egal was kommt. Die eigentlich spannende Frage ist angesichts schwindender Ressourcen und sich anbahnender Umwälzungen aber nicht die nach dem "ob", sondern nach dem "wie". Die nnz will in dieser kleinen Reihe mit Enthusiasten, Skeptikern und Technikern über die Fragen von heute und morgen reden. Im dritten Teil sprechen wir mit Unternehmer Sascha Albertsmeyer vom gleichnamigen Autohaus über die Zukunft des Automobils...

Der Elektro Check (Foto: Angelo Glashagel) Der Elektro Check (Foto: Angelo Glashagel)

Unsere Autos werden nicht nur elektrisch sondern auch autonom, ein eigenes Fahrzeug braucht man nicht mehr, man nimmt einfach eines, das gerade ohne Passagier ist. Ein paar Klicks, schon ist das Fahrzeug da. Dann heißt es Füße hochlegen bis man am Ziel ist, das fahren übernimmt die Elektronik. Steigt man aus, macht sich das Fahrzeug auf zum nächsten Kunden. Ein solches Szenario klingt nach reiner Zukunftsmusik, eher einem Sci-Fi Film wie "Minority Report" als der Realität entlehnt. In Teilen sind wir davon aber gar nicht mehr soweit entfernt. Das autonome Fahrzeug werde noch eher Realität als die flächendeckende Verbreitung des Elektro-Autos, meint Sascha Albertsmeyer vom gleichnamigen VW-Autohaus vor den Toren Nordhausens.

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Das klassische Autohaus werde sich in den nächsten Jahren verändern, aber nicht aussterben, meint der Unternehmer. "Ein Auto ist kein Turnschuh den man sich mal eben im Internet bestellt. Das ist ein hochkomplexes Geschäftsfeld in dem der Handel neben Dienstleistung und Service nur ein Bereich ist", in Zukunft werde man mehr Dienstleister und "Mobilitätsanbieter" sein als Händler.

Der Anteil an Fahrzeugen im privaten Eigentum werde zu Gunsten von Mietmodellen prozentual zurückgehen aber nicht verschwinden, schätzt auch Betriebsleiter Ronny Schwolow. Die ersten Anfänge würden bereits gemacht, wer heute einen Golf mit Elektromotor erwirbt, dem stelle man auch für 30 Tage im Jahr ein Mietfahrzeug zur Verfügung. Für die kleinen Wege im Alltag reicht das E-Auto, für den Jahresurlaub oder den großen Umzug könne der Kunde ein normales Fahrzeug leihen.

Vertriebsleiter Ronny Schwolow (links) und Geschäftsführer Sascha Albertsmeyer - Zahl der Autos im eigenen Besitz wird zurückgehen (Foto: Angelo Glashagel) Vertriebsleiter Ronny Schwolow (links) und Geschäftsführer Sascha Albertsmeyer - Zahl der Autos im eigenen Besitz wird zurückgehen (Foto: Angelo Glashagel)

In Zukunft könnten Modelle wie diese noch weiter gedacht werden, ähnlich einer "Flatrate" für das Handy würden Autohäuser verschiedene Tarife und Mietmodelle anbieten anstatt nur Fahrzeuge zu verkaufen, erklären Albertsmeyer und sein Betriebsleiter im Gespräch mit der nnz, individuell angepasst je nach Bedarf, Lebenslage und Geldbeutel. Am Wochenende den Sportwagen unter der Woche die Familienkutsche oder den Kleinwagen für Singles.

Die Hersteller hätten das Thema fest im Blick, ganze Zukunftskongresse habe etwa VW bereits organisiert. 2020 werde der Konzern sein erstes "reines" Elektroauto auf den Markt bringen. So groß wie ein Golf, aber Platz wie im Passat, lautet die Devise.

Denn weniger Bauteile lassen mehr Platz für Fahrer und Begleiter. Andererseits dürfte damit auch ein Teil des einträgliche Reparaturgeschäfts der Autohäuser verlustig gehen. Weniger bewegliche Teile bedeutet auch weniger Verschleiß, weniger Reparaturen und damit weniger Arbeit für die Werkstätten. In der Helmestraße sieht man diesem Szenario eher gelassen entgegen. Karosserie, Räder, Bremsen und andere Bauteile braucht auch ein Elektrofahrzeug und mit der zunehmenden Digitalisierung kämen auch neue Wartungsfelder auf die Werkstätten zu. Man werde eher zum Betreuer für den Kunden und zum Zentrallager für die Hersteller, so die Einschätzung bei Albertsmeyer.

Alle heimischen Hersteller arbeiteten an der Elektromobilität, meint der Unternehmer, dessen Familie neben Volkswagen auch die Marken Audi und Seat vertreibt. Neue Firmen wie die amerikanische Elektro-Schmiede Tesla seien da ernstzunehmende Wettbewerber und hätten auch einen gewissen Vorsprung vor dem Standort Deutschland, Albertsmeyer nimmt die Herausforderung aber eher sportlich. "Wir sind in Deutschland nicht immer die ersten aber wenn wir kommen, dann kommen wir meistens besser. Ein Auto ist mehr und umfasst mehr als einen tollen Computer und damit haben wir seit über hundert Jahren Erfahrung."

Bei aller Euphorie dürfe man aber auch nicht die Fakten vergessen und auf "Schnellschüsse" verzichten. Die Infrastruktur liege noch hinter der Entwicklung der Hersteller zurück, hinzu kommen Probleme bei der Batterieherstellung und dem Strombedarf, es gebe viele Faktoren zu beachten. Nüchtern betrachtet werde es einen Mix brauchen, die Elektromobilität allein sei kein Allheilmittel, so die Autohändler. Wolle man die selbstgesteckten CO2 Ziele erreichen, werde man auch den Diesel brauchen, dem man im vergangenen Jahr sachlich und fachlich Unrecht getan habe. Und es gibt Alternativen wie Erdgas-Antriebe in verschiedenen Modellen, die CO2 freundlich zu produzieren, gut zu transportieren und schnell zu tanken seien.

Auf die autonome Fahrt würden viele neue Fahrzeuge schon jetzt vorbereitet. So sei die nächste Itteration des Audi A8 grundsätzlich dazu in der Lage, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h autonom zu fahren, die entsprechnde Technik werde schon verbaut, aber noch nicht freigeschaltet. "Die Technik wächst heute mitunter schneller als das Vertrauen der Menschen", sagt Sascha Albertsmeyer, und auch von Seiten des Gesetzgebers fehlen bisher entsprechende Regelungen zum autonomen fahren. Das selbstfahrende Auto ist noch Zukunftsmusik, aber das Crescendo ist nicht mehr zu überhören. Die Science Fiction von gestern rückt damit vielleicht schon morgen in greifbare Nähe.

"Wir erleben spannende Zeiten", meint auch Sascha Albertsmeyer, mit einer Einschränkung: bewegte Zeiten habe man immer wieder durchmachen müssen. Das Familienunternehmen hat im Sozialismus überlebt, die Wende überstanden und den Schritt in das 21. Jahrhundert getan. Die nächsten Jahre sind da vielleicht nur eine weitere Herausforderung, die es zu meistern gilt. Eine Glaskugel habe niemand, sagt Albertsmeyer, am Ende werde sich durchsetzen, was am effektivsten sei.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
LithiumTim
16.12.2017, 02:03 Uhr
multimodaler individueller Mobilitätsanbieter
Ja hier ist ein prima Artikel gelungen. Es ist vielversprechend, wie die Profi`s von Albertsmeyer das sehen. Ja, multimodale individuelle Mobilität, CO2 Reduktion, u.a. auch mit Elektromobilität. VW will Marktführer in Elektromobilität werden und setzt auf modernste ionische Batterien wie Li-Ionen-Batterien. Ja spannende Zeiten, multimodal wird individueller. Eigentlich ja unter Hochspannung. Übrigens eine der ersten HV Hybrid Li-Ionen-Batterien Deutschlands und auch erfinderische Beiträge kamen vor vielen Jahren schon auch aus Nordhausen ...
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