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Mo, 05:00 Uhr
18.12.2017
Berufliche Ausbildung in Thüringen

Stabilisierung auf niedrigem Niveau

Das deutsche Ausbildungssystem gilt als Garant für Fachkräfte-Nachwuchs und gute Jobperspektiven. Doch das System schwächelt. Betriebe bilden seltener aus, die Nachfrage der Jugendlichen geht zurück. Im Osten hatte sich die betriebliche Ausbildung seit 2007 nahezu halbiert. Jetzt scheint der Abwärtstrend gestoppt...

Angebots-Nachfrage-Relation der dualen Ausbildung in Thüringen (Foto: Bertelsmann Stiftung) Angebots-Nachfrage-Relation der dualen Ausbildung in Thüringen (Foto: Bertelsmann Stiftung)
In Thüringen werden immer weniger Fachkräfte ausgebildet. Im Jahr 2015 begannen 14.886 Jugendliche eine Ausbildung. Das sind noch einmal knapp 700 weniger als 2013, als der bis dato historische Tiefstand erreicht war. Die Zahl der Auszubildenden sank damit innerhalb von zwei Jahren um weitere 4,5 Prozent. Dies geht hervor aus dem „Ländermonitor berufliche Bildung“ des Soziologischen Forschungsinstituts (SOFI) und der Abteilung Wirtschaftspädagogik der Universität in Göttingen, der von der Bertelsmann Stiftung gefördert wurde.

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Verantwortlich für den Rückgang sind die sinkenden Anfängerzahlen in den vollzeitschulischen Ausbildungsgängen. Die betriebliche Ausbildung hingegen hat sich, wenngleich auf niedrigem Niveau, stabilisiert. Die aktuell knapp 11.200 Stellen in den Betrieben bedeuten zwar gegenüber 2007 (18.100) nach wie vor einen regelrechten Einbruch der dualen Ausbildung. Seit 2013 gingen jedoch nur rund 250 weitere Ausbildungsplätze verloren.

Weil aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge auch die Nachfrage um nahezu die Hälfte zurückging, hat sich die Situation auf dem Ausbildungsmarkt aus Sicht der Jugendlichen entspannt. Mit 103 Ausbildungsstellen auf 100 Bewerbern gibt es in Thüringen einen Überhang an Angebot. Nur in Bayern haben Jugendliche rechnerisch noch bessere Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz. Der einzige thüringische Arbeitsagenturbezirk, in dem das Angebot die Nachfrage rechnerisch nicht deckt, ist Gotha. Dort kommen auf 100 Bewerber lediglich 94 Ausbildungsplätze. In Altenburg-Gera hingegen sind es 107.

Obwohl Angebot und Nachfrage landesweit in Thüringen fast ausgeglichen sind, findet allerdings nicht jeder Betrieb den passenden Bewerber und umgekehrt. Jede zehnte Ausbildungsstelle bleibt derzeit unbesetzt, und knapp 8 Prozent der Bewerber gehen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus. Das liegt zum einen am Ausbildungsmarkt in der jeweiligen Region, denn die meisten Jugendlichen sind örtlich nur begrenzt mobil. Zum anderen sind die Branchen höchst unterschiedlich attraktiv.

Probleme bei der Suche nach Nachwuchs haben in Thüringen Unternehmen in der Lebensmittel- und Genussmittelherstellung sowie in der Speisenzubereitung, aber auch Hotels und
Gaststätten sowie das Baugewerbe. Währenddessen konkurrieren Jugendliche stark um Ausbildungsstellen als medizinische Fachangestellte oder Bürokaufleute. Von dem insgesamt entspannten Ausbildungsmarkt profitieren vor allem die Jugendlichen mit mittlerem Schulabschluss, denen zu 97 Prozent der Einstieg in eine duale oder vollqualifizierende schulische Ausbildung gelingt. Hauptschüler und Ausländer haben es schwerer.

Von den Schulabgängern, die über keinen Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss verfügen, beginnen nur 55 Prozent eine Ausbildung. Unter den ausländischen Jugendlichen schaffen 52 Prozent direkt nach der Schule den Sprung in eine Ausbildung. Bis 2013 hatte sich diese Quote stark verbessert, jedoch zeigen sich nun erste Effekte des Zuzugs von Schutz- und Asylsuchenden, die oftmals zuerst Sprachkurse benötigen.

Ein Problem ist in Thüringen die geringe Erfolgsquote in der dualen Ausbildung. Erstens werden 30 Prozent (bundesweit 24,8 Prozent) der Verträge vorzeitig gelöst. Das bedeutet zwar oft nur einen Wechsel des Ausbildungsbetriebes und nicht den Abbruch der Ausbildung, verursacht aber Kosten bei allen Beteiligten und spricht nicht für einen störungsfreien Ausbildungsverlauf. Zweitens ist die Absolventenquote im Bundesvergleich niedrig. Nur 72 Prozent eines Jahrgangs, der drei Jahre zuvor eine Ausbildung aufnahm, schließen sie in Thüringen erfolgreich ab (bundesweit 80 Prozent).

Die Bertelsmann Stiftung setzt sich dafür ein, jedem jungen Menschen die Chance auf einen Berufsabschluss zu eröffnen. Dafür fordert sie bessere ausbildungsbegleitende Unterstützung für kleine Betriebe und Azubis, eine intensivere berufliche Orientierung während der Schulzeit sowie eine Ausbildungsgarantie in Form von staatlich geförderten Ausbildungsplätzen für Jugendliche, die bei der Suche erfolglos bleiben.

Zusatzinformationen

Das Forschungsprojekt „Ländermonitor berufliche Bildung 2017“ des soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI – Prof. Baethge) und der Abteilung für Wirtschaftspädagogik und Personalentwicklung der Universität Göttingen (Prof. Seeber) wird von der Bertelsmann Stiftung gefördert. Es untersucht die Situation der beruflichen Bildung in den 16 Bundesländern vergleichend und im Zeitverlauf. Für das Projekt wurden vorhandene Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung der Bundesagentur für Arbeit und der statistischen Ämter des Bundes und der Länder ausgewertet sowie Dokumente zu Berufsbildungspolitik aus den Bundesländern analysiert. Schutz- und Asylsuchende, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, werden in den vorliegenden Zahlen noch nicht aufgeführt. Quellen: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30.09.; Bundesagentur für Arbeit (Ausbildungsmarktstatistik) ab 2015 inkl. Abiturientenausbildungen, Berechnungen des SOFI und der Universität Göttingen
Autor: red

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