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Do, 11:50 Uhr
02.11.2017
Interview mit Oliver Genausch

"Wir haben nichts zu verlieren"

Übermorgen kommt der Spitzenreiter der Regionalliga Nordost, FC Energie Cottbus in den AKS. Wie das Team die angriffsstarken Cottbuser stoppen will, was den 26-jährigen Dresdner Oliver Genausch zu seinem Wechsel von der 3. Liga in die Regionalliga bewogen hat und wie er seinen ersten Saisontreffer wahrgenommen hat, darüber sprach er mit Sandra Arm...

Schoss in Neustrelitz sein erstes Wacker-Tor: Oliver Genausch (Foto: Bernd Peter) Schoss in Neustrelitz sein erstes Wacker-Tor: Oliver Genausch (Foto: Bernd Peter)
Herr Genausch, Ihr erster Saisontreffer sah sehr kurios aus. Wie haben Sie ihn wahrgenommen?

Das haben meine Mitspieler und der Trainer auch so gesagt. (lacht) Als der Ball in der Luft war, wusste ich, dass ich ihn volley aufs Tor schießen wollte. Durch den Wind und andere Umstände veränderte der Ball etwas die Flugbahn. In dem Moment habe ich mir nur gedacht: Augen zu und durch. Ich habe ihn glücklicherweise gut getroffen - und dann ging er rein.

War das so gewollt?

Ja, der Ball sollte schon so auf das Tor kommen. Obwohl die Distanz zum Ball nicht ganz gestimmt hat, er hat ein bisschen geflattert. Dass er mit Aufsetzer ins lange Eck knallte, da war sicherlich viel Glück dabei.

Es war zugleich der Siegtreffer. Das hat den Nachmittag noch perfekter gemacht.

Es war für alle wichtig, dass wir mal so ein Spiel dabei hatten, in dem wir das Tor verteidigen, wir alle zusammenstehen und den Sieg über die Zeit bringen konnten.

War das erste Saisontor fast schon eine Befreiung für Sie?

Es gibt jedenfalls ein positives Gefühl und ein bisschen Sicherheit.

Sie standen gegen Neustrelitz erst zum dritten Mal in der Startelf. Worauf lassen sich die eher durchwachsenen Einsatzzeiten zurückführen?

Das ist der Tatsache geschuldet, dass ich mich anfangs der Saison gleich verletzt habe (Bänderriss im Knöchel). Dann war ich wieder dabei und es folgte eine zweiwöchige Krankheit, die mich mit Antibiotikum herausgerissen hat. Von daher bin ich glücklich, dass ich am Wochenende wieder zum Einsatz gekommen bin.

Sie waren einer der letzten Wacker-Transfers im Sommer. Warum erst so spät der Wechsel nach Nordhausen?

Der Kontakt bestand schon ein bisschen eher. Zwischendurch gab es ein, zwei Wochen, wo es sich hingezogen hatte. Dann ging es aber relativ schnell. Ich habe mich für Nordhausen entschieden, weil ich hier eine größere Perspektive sehe, regelmäßig zu spielen. Ich war in Zwickau eine Zeitlang verletzt, wollte einfach wieder in den Rhythmus reinkommen. Ich hatte gute Gespräche mit den Wacker-Verantwortlichen.

Beim Drittligisten in Zwickau hatten Sie noch einen Vertrag bis 2018. Sie haben sich stattdessen für die Regionalliga entschieden. Das ist doch ein Schritt zurück?

Manchmal ist es ein Schritt zurück, manchmal aber ein Schritt nach vorn. Für mich war es wichtiger regelmäßiger zu spielen, um einfach in den Rhythmus reinzukommen. In Zwickau wäre es nicht so einfach gewesen. Dadurch, dass auch die Konkurrenz auf meiner Position relativ groß war. Und ich hatte das Gefühl, ich brauche etwas anderes, etwas Neues. Ich wollte für mich einen neuen Reiz setzen.

Haben sich Ihre Erwartungen bisher erfüllt?

Absolut. Was ich vorgefunden habe entspricht dem, was mir gesagt wurde. Ich bin glücklich hier. Die Einsatzzeiten waren verletzungsbedingt nicht optimal, das lässt sich halt nicht ändern. Ich hoffe, dass es ab sofort besser läuft. Ich brauche noch ein bisschen Spielfitness, bin auf einem guten Weg. Gegen Neustrelitz hat es noch nicht für 90 Minuten gereicht. Es ist wichtiger, wenn da jemand reinkommt, der Vollgas geben kann, als wenn ich mich da irgendwie rumschleppe.

Mit dem Auswärtserfolg hat sich die Mannschaft in der Tabelle auf den dritten Platz vorgeschoben. Wie fällt Ihr Zwischenfazit vor dem Cottbus-Spiel aus?

Der Tabellenplatz ist repräsentativ für uns. Wir hatten viele gute, aber auch schlechtere Spiele dabei. Wenn ich auf die letzten drei Spiele schaue, dann haben wir sieben Punkte geholt. Das ist ein guter Schnitt. Wir hätten gegen Neugersdorf gern gewonnen. Logisch, die Heimspiele willst du gewinnen. Anfangs hatten wir auswärts Probleme, jetzt haben wir auswärts die Punkte geholt. Nun haben wir zu hause ein bisschen Probleme.

Wie lassen sich die Schwankungen erklären?

Wir haben im Schnitt eine junge Mannschaft, wo jeder an jedem Tag noch dazulernen kann. Das ist manchmal so im Fußball, den einen Tag funktioniert es, den anderen Tag funktioniert es weniger. Die Schwankungen müssen wir noch rausbekommen, damit wir ein richtig gutes Level erreichen.

Woran kann die Mannschaft explizit noch arbeiten?

Was wir gut machen, ist im Verbund verteidigen. Was wir weniger gut machen, wenn eine Mannschaft tief steht, dort immer die richtige Lösung zu finden.

Vorwiegend haben Sie bisher gegen Mannschaften gespielt, die hinten drin standen. Gegen Cottbus erwartet uns sicherlich ein anderes Spiel.

Es kommt uns vielleicht mehr entgegen, wenn der Gegner auch Fußballspielen will und wir Räume bekommen.

Und dann richtig Vollgas geben, vor einer ordentlichen Zuschauerkulisse.

Wir freuen uns darauf. Die Stimmung ist gut. Wir wissen, dass zu diesem Spiel doch der eine oder andere mehr ins Stadion kommt. Das ist ein schöner Anreiz.

Der Fanblock wird sicher gut gefüllt sein - auf beiden Seiten.

Ich hoffe, Cottbus bringt reichlich Fans mit. Ich denke, es wird ein schönes Spiel. Über ein volles Stadion freut sich jeder. Egal, ob es 2.000, 5.000, 10.000 oder 50.000 Zuschauer sind. Solange die Stimmung cool ist und wir gewinnen, passt das.

Es ist das Spitzenspiel in der Regionalliga Nordost, Erster gegen Dritter. Schon aufgeregt?

Aufgeregt würde ich nicht sagen, ich verspüre eher Vorfreude. Wir haben nichts zu verlieren. Man ist vielleicht ein bisschen angespannter und fokussierter. Wir gehen in jedes Spiel mit dem Ziel, es zu gewinnen. Aufregung wäre fehl am Platz. Wer aufgeregt ist, der macht Fehler. Wir wollen am Samstag nicht so viele Fehler machen.

Ein bisschen Cottbus ärgern ist also erlaubt.

Absolut. Wir können sogar noch weiter gehen. Ein gutes Spiel machen und dann trotzdem verlieren, das bringt uns gar nichts. Drei Punkte wollen wir schon mitnehmen. Noch dazu, weil wir zu Hause spielen.

Was bereitet Ihnen Freude abseits des Fußballs?

Meine Freundin wohnt noch in Dresden, so dass ich bei einem freien Tag zu ihr gefahren bin oder sie ist hergekommen, um gemeinsam Zeit zu verbringen. Ich bin eher der Familientyp, ich habe gern meine liebsten Menschen um mich. Freie Zeit ist Luxus und die sollte man auch mit den Menschen genießen, die man am liebsten hat. Wir befinden uns momentan im Umzugsmodus. Meine Freundin zieht mit nach Nordhausen. Wir hoffen, dass alles glatt läuft und wir bis Weihnachten durch sind.

Eine Stadt wie Dresden zu verlassen, schmerzt sicherlich richtig.

Ich bin mit Leib und Seele gern Dresdner. Ich finde die Stadt, die Leute toll. Ich habe mit meinem Teamkollegen Robin Fluß, er ist ebenfalls Dresdner, eine gute Fahrgemeinschaft gehabt. Ich finde Nordhausen zum Entspannen und Ausruhen schön, es ist eine gemütliche Stadt. Und wenn es am Wochenende die Zeit zulässt, können wir nach Hause fahren und die Familie besuchen.
Autor: red

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