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Mi, 07:13 Uhr
27.10.2004

Briefe aus Bad Schandau (2)

Nordhausen (nnz). Es ist nicht mehr viel zu sehen von der Katastrophe entlang der Elbe. Auch nicht in Bad Schandau. Doch es gibt noch Spuren.


12,02! Diese Zahl hat sich auch bei Kerstin Meve-Garreis fest eingebrannt. 12,02, das war die offizielle Hochwassermarke des August 2002. Für die Mitarbeiter des Parkhotels sollte der August damals eigentlich ein Monat des Feiern sein, am 9. August 2002 war der neue Hotelkomplex, die Residenz Elbblick, eingeweiht worden. Drei Tage später kamen die ersten Warnungen, einen Tag später begannen die ersten Händler auf dem Schandauer Marktplatz mit der Sicherung ihrer Geschäfte. Am 15. August, also nur sechs Tage nach der Eröffnung, mussten alle Mitarbeiter das Hotel verlassen. Doch die Leute um Kerstin Meve-Garreis gaben nicht auf, so wie viele in Bad Schandau, wie viele entlang der Elbe.

Man schrieb an der Elbe Ostern 2003, da wurde im Park in Bad Schandau das Parkhotel wieder zu neuem Leben erweckt. Und seit dem geben sich die Gäste aus Berlin, Halle, aus Bayern oder Schleswig-Holstein wieder die Klinke in die Hand. Sie suchen vor allem die Natur entlang des Flusses, sie suchen die Ruhe in dem großen Areal – und: Hier findet man sie. Auf den Wellness-Trip waren die Parkhotel-Macher schon in den 90er Jahren gekommen. Jetzt gibt es entsprechende Angebote und Pakete – landauf, landab. In Bad Schandau sucht man nach einem Slogan und scheint ihn wohl auch gefunden zu haben – „natürlich erfrischend“.

Im Schnitt bleiben die Gäste im Parkhotel fünf bis sechs Tage. Es könnten ein paar mehr sein, doch im Elbsandsteingebirge liegt der Schnitt eher noch darunter. Nicht viel gibt die junge Hotelleiterin auf das Ergebnis der Landtagswahlen. „Das waren Protestwähler, die da bei der NPD ein Kreuz gemacht hatten“, so Kerstin Meve-Garreis. In einem Nachbarort war zum Beispiel ein Arzt zur NPD gewechselt, die Leute kannten ihn jahrelang und so machten sie ihr Kreuz hinter dem Namen, wohl kaum hinter der Partei.

Auch bei den 30 Mitarbeitern und Azubis im Parkhotel gab es NPD-Wähler, das versteht Kerstin Meve-Garreis nicht so richtig. Sie vermutet, dass vor allem junge Leute sich nicht intensiv genug mit der deutschen Parteienlandschaft und vor allem nicht mit der Demokratie auseinander gesetzt haben. Im Park-Hotel flatterten nach der Landtagswahl ein Brief und eine Mail ein, in der entsetzt über das Abschneiden der Rechtsradikalen reagiert wurde. In anderen Orten entlang der Elbe wurden offizielle Internetseiten der Städte und Gemeinden abgeschaltet, die Einträge in den virtuellen Gästebüchern waren nicht mehr zu ertragen.
Autor: nnz

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