Sa, 08:21 Uhr
23.10.2004
nnz-Forum: Reality-Programm
Nordhausen (nnz). Die nnz-Redaktion hat gestern einen Beitrag ihres Lesers Klaus-Uwe Koch erhalten. Der wiederum reagiert auf einen Brief in der hiesigen Tageszeitung. Also bedarf es zuvor einiger Aufklärung.
Auch die nnz-Redaktion hatte eine Mail von Hobby-Filmer Ingolf Schieke erhalten. Nach langem Überlegen hatten wir uns doch entschieden, das Teil nicht zu veröffentlichen. Hauptgrund war die Tatsache, dass Herr Schieke am 9. November eine öffentliche Verbrennung von dokumentarischem Filmmaterial plant. Ursache für das pyrotechnische Umsetzen der Vernichtung soll die Tatsache sein, dass Herr Schieke der Stadtverwaltung vorwirft, keinen Cent für das Material zur Verfügung zu stellen. Damit wird Herr Schieke sowohl gegen geltendes Recht (außerhalb der Brenntage) verstoßen als auch sein makaberes Vorhaben an einem Tag umsetzen, der einst in diesem Land mit Brandschatzung zu tun hatte: Die so genannte Reichskristallnacht und damit den Beginn der Pogrome gegen die in Deutschland lebenden Juden.
Soweit die kurz zusammen gefasste Einführung. Vielleicht macht es auch deshalb Sinn, den Beitrag im nnz-Forum dennoch als Reaktion auf die angekündigte Verbrennungsorgie zu veröffentlichen:
Manchmal treibt der Zeitgeist Stilblüten, die klein und verborgen im Schatten gedeihend doch Wesensausdruck seines immanenten Selbstverständnisses sind. Die handelnden Akteure werden zu bloßen Statisten des geistigen Mainstreams. So konnte Herr Schieke, ein eifriger Sammler von Filmmaterialien der Geschichte Nordhausens, die Stadtverwaltung nicht bewegen, seine Sammlung zu kaufen. Als Reaktion kündigt er nun die öffentliche Selbstverbrennung, pardon, die Vernichtung des Materials, zum Jahrestag des Pogroms der Nazis vom 9. November an. Nachzulesen in der Tageszeitung. Ich bin mir nicht sicher, aus dem Beispiel welcher Talkshow oder welches Reality-Programms solche Gnatzhaltung entspringt, die öffentliche Aufmerksamkeit ist Herrn Schieke bei einer solchen reißerischen Tat gewiss. Hauptsache es erzeugt Resonanz. Schreien ist alles, das Geschriene nichts.
Im Ernst, sollte die Sammlung wirklich so wertvoll für die regionale Zeitgeschichte sein, so bitte ich als Nordhäuser, der seiner Stadt in tiefster Hassliebe ergeben ist, Herrn Schieke zur Vernunft: Lassen Sie um Himmels Willen die Filme in Ruhe! Wir oder zumindest nachfolgende Generationen werden Ihnen gewiss ein Denkmal gleich neben dem Neptun setzen! Ärgern Sie sich weiter über ignorante Verwaltungsleute, die Ihnen keine Knete locker machen wollen! Beschimpfen Sie, wenn’s denn sein muss, die Beamten öffentlich! Aber lassen Sie doch die unschuldigen Filme am Leben! Als nächstes kommt jemand auf die Idee, seinen Hund öffentlich zu erwürgen, weil die Stadtverwaltung ihm die Hundesteuer nicht erlässt. Herr Schieke, wenn Ihr Beispiel Schule machen sollte! So etwas können Sie doch unmöglich wollen! Ich appelliere an Ihr Gewissen!
Zur Beruhigung kann ich Herrn Schieke noch eine Hegelsche Weisheit mitgeben: Der Zeitgeist wird auch über diejenigen hinweg schreiten, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben - da möchte ich mich mit einschließen. Unsere Stadt hat Heinrich den Löwen, die Pest, Napoleon und die Preußen, Nazis, Bomben und die SED überstanden. Sie wird auch eine Stadtverwaltung ohne Bereitschaft, Geld für einen etwaigen filmischen Kulturschatz auszugeben, überleben. Dafür muss der einzelne allerdings auch etwas tun. Herr Schieke z.B. kann dafür sorgen, die Filme gut für die Nachwelt zu bewahren.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
Autor: nnzAuch die nnz-Redaktion hatte eine Mail von Hobby-Filmer Ingolf Schieke erhalten. Nach langem Überlegen hatten wir uns doch entschieden, das Teil nicht zu veröffentlichen. Hauptgrund war die Tatsache, dass Herr Schieke am 9. November eine öffentliche Verbrennung von dokumentarischem Filmmaterial plant. Ursache für das pyrotechnische Umsetzen der Vernichtung soll die Tatsache sein, dass Herr Schieke der Stadtverwaltung vorwirft, keinen Cent für das Material zur Verfügung zu stellen. Damit wird Herr Schieke sowohl gegen geltendes Recht (außerhalb der Brenntage) verstoßen als auch sein makaberes Vorhaben an einem Tag umsetzen, der einst in diesem Land mit Brandschatzung zu tun hatte: Die so genannte Reichskristallnacht und damit den Beginn der Pogrome gegen die in Deutschland lebenden Juden.
Soweit die kurz zusammen gefasste Einführung. Vielleicht macht es auch deshalb Sinn, den Beitrag im nnz-Forum dennoch als Reaktion auf die angekündigte Verbrennungsorgie zu veröffentlichen:
Manchmal treibt der Zeitgeist Stilblüten, die klein und verborgen im Schatten gedeihend doch Wesensausdruck seines immanenten Selbstverständnisses sind. Die handelnden Akteure werden zu bloßen Statisten des geistigen Mainstreams. So konnte Herr Schieke, ein eifriger Sammler von Filmmaterialien der Geschichte Nordhausens, die Stadtverwaltung nicht bewegen, seine Sammlung zu kaufen. Als Reaktion kündigt er nun die öffentliche Selbstverbrennung, pardon, die Vernichtung des Materials, zum Jahrestag des Pogroms der Nazis vom 9. November an. Nachzulesen in der Tageszeitung. Ich bin mir nicht sicher, aus dem Beispiel welcher Talkshow oder welches Reality-Programms solche Gnatzhaltung entspringt, die öffentliche Aufmerksamkeit ist Herrn Schieke bei einer solchen reißerischen Tat gewiss. Hauptsache es erzeugt Resonanz. Schreien ist alles, das Geschriene nichts.
Im Ernst, sollte die Sammlung wirklich so wertvoll für die regionale Zeitgeschichte sein, so bitte ich als Nordhäuser, der seiner Stadt in tiefster Hassliebe ergeben ist, Herrn Schieke zur Vernunft: Lassen Sie um Himmels Willen die Filme in Ruhe! Wir oder zumindest nachfolgende Generationen werden Ihnen gewiss ein Denkmal gleich neben dem Neptun setzen! Ärgern Sie sich weiter über ignorante Verwaltungsleute, die Ihnen keine Knete locker machen wollen! Beschimpfen Sie, wenn’s denn sein muss, die Beamten öffentlich! Aber lassen Sie doch die unschuldigen Filme am Leben! Als nächstes kommt jemand auf die Idee, seinen Hund öffentlich zu erwürgen, weil die Stadtverwaltung ihm die Hundesteuer nicht erlässt. Herr Schieke, wenn Ihr Beispiel Schule machen sollte! So etwas können Sie doch unmöglich wollen! Ich appelliere an Ihr Gewissen!
Zur Beruhigung kann ich Herrn Schieke noch eine Hegelsche Weisheit mitgeben: Der Zeitgeist wird auch über diejenigen hinweg schreiten, die meinen, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben - da möchte ich mich mit einschließen. Unsere Stadt hat Heinrich den Löwen, die Pest, Napoleon und die Preußen, Nazis, Bomben und die SED überstanden. Sie wird auch eine Stadtverwaltung ohne Bereitschaft, Geld für einen etwaigen filmischen Kulturschatz auszugeben, überleben. Dafür muss der einzelne allerdings auch etwas tun. Herr Schieke z.B. kann dafür sorgen, die Filme gut für die Nachwelt zu bewahren.
Klaus-Uwe Koch, Nordhausen
| Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
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Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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