eic kyf msh nnz uhz tv nt
So, 16:43 Uhr
27.08.2017
Gastgewerbe:

NGG gegen längere Arbeitszeiten

13 Stunden täglich arbeiten an bis zu sechs Tagen pro Woche? Wenn es nach dem Willen des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) geht, könnte das im Landkreis Nordhausen für rund 1.000 Beschäftigte der Branche bald Alltag werden. Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG)...

Nachtarbeit in der Gastronomie (Foto: NGG) Nachtarbeit in der Gastronomie (Foto: NGG)

Schon heute arbeiten in der Region Nordthüringen rund 20.000 Menschen an Sonntagen – 18.000 sogar nachts. Und 34.000 Beschäftigte sind zwischen 18 und 23 Uhr im Job aktiv. Das geht aus dem aktuellen Mikrozensus hervor.

Anzeige Refinery (lang)
„Die Zahlen zeigen, dass Arbeitszeitgesetz und Tarifverträge den Arbeitnehmern bereits jetzt eine hohe Flexibilität abverlangen. Den Betrieben geben sie die Freiheit, ihre Beschäftigten weitgehend so einzusetzen, wie sie es brauchen“, sagt Christl Semmisch. Die Geschäftsführerin der NGG Thüringen hält jede Aufweichung dieser Regeln für unnötig. Insbesondere der Einführung einer wöchentlichen statt einer täglichen Höchstarbeitszeit müsse eine klare Absage erteilt werden, so Semmisch. Dies sei ein Angriff auf Tausende Beschäftigte in der Region – besonders im Gastgewerbe.

Dort gehörten lange Arbeitszeiten an jedem Tag der Woche schon immer zum Beruf. So gaben bei der Befragung durch den Mikrozensus rund 10.000 Beschäftigte in thüringischen Hotels, Gaststätten und Pensionen an, regelmäßig nach 18 Uhr zu arbeiten. 12.000 arbeiten demnach häufig an Samstagen, 10.000 an Sonntagen. Semmisch: „Die Behauptung des Dehoga, ein zu strenges Arbeitszeitgesetz belaste die Branche über alle Maßen, ist nicht zu halten. Wenn zum Beispiel eine Hochzeit länger dauert als geplant, dann schieben Küchen-Team und Kellner Überstunden, statt einfach nach Hause zu gehen. Und diese Überstunden werden dann noch nicht einmal immer bezahlt.“

Harte Arbeitsbedingungen in der Gastronomie und Beherbergung führten schon heute zu großen Problemen, noch Fachkräfte zu finden, betont die Gewerkschafterin. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage stellt auch die Bundesregierung fest: „Die Zahl der Auszubildenden im Hotel- und Gaststättengewerbe hält nicht mit dem Bedarf an Fachkräften Schritt“ (Deutscher Bundestag, Drucksache 18/11735). Danach bildet in Thüringen nur noch jeder dreizehnte Gastro-Betrieb aus.

„Die Arbeitgeber sollten wieder auf bessere Ausbildung setzen und einen wirklichen Richtungswechsel hin zu besseren Arbeitsbedingungen einleiten. Dazu zählen die Stärkung der Tarifverträge und damit deutliche Einkommenszuwächse, aber genauso gesunde Arbeitszeiten“, so Semmisch weiter. Das Gastgewerbe sei dazu in der Lage, eine „Qualitätsoffensive“ zu machen. Am Geld jedenfalls, so die NGG Thüringen, sollte es nicht hapern. Der Jahresumsatz der Branche ist nach Angaben des Dehoga zum siebten Mal in Folge auf zuletzt bundesweit 81 Milliarden Euro gestiegen.
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
hatschibenoma
27.08.2017, 17:44 Uhr
Dann sollte
sich die NGG endlich stärker für die Arbeitnehmer in den entsprechenden Berufen einsetzen und anfangen, einen ordentlichen "Arbeitskampf" zu führen.
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)