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Mo, 11:49 Uhr
21.08.2017
AM STEUER EINES REISEBUSSES

Es war im April 1990

Fernweh kennen sie wohl kaum: wer hinter dem Steuer eines Reisebusses sitzt, der kann viel von Land und Leuten sehen. Der Arbeit langjähriger und verdienstvoller Busfahrer widmet Kurt Frank jetzt eine eigene Reihe in der nnz. Heute stellt er Thomas Erbsmehl vor...

Nordhausen. 23 Jahre war er alt, als er es sich hinter dem Steuer eines Reisebusses bequem machte. Ein junger Mann mit lockigem Haar. Das war im April 1990. Es wurde der Beruf seines Lebens.

Mit dem Reisebus seit 27 Jahren durch Deutschland und fremde Länder: Thomas Erbsmehl. (Foto: Archiv) Mit dem Reisebus seit 27 Jahren durch Deutschland und fremde Länder: Thomas Erbsmehl. (Foto: Archiv)

Mit dem Reisebus seit 27 Jahren durch Deutschland und fremde Länder: Thomas Erbsmehl. Foto: Archiv

Thomas Erbsmehl war Fahrlehrer beim Kraftverkehr Nordhausen. Eines Tages kreuzte dort ein Jürgen Brauer auf. Sein Anliegen: Erwerb der Berechtigung für das Führen eines Reisebusses. Der junge Lehrer drehte mit ihm einige Runden. Eines Tages sprach ihm der Schüler an, ob er, der Fahrlehrer, nicht als Busfahrer bei ihm anfangen wolle. Brauer beabsichtigte, ein Reiseunternehmen zu etablieren.

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36 Fahrschulen, sagt Erbsmehl, zählte damals der Südharz. Nicht alle würden mit der Zeit überleben, wusste er. Eine eigene Schule aufzubauen, dafür habe ihm das Geld gefehlt. Der Fahrlehrer sattelte um. Ein bisschen Abenteuerlust hätte zudem seine Überlegungen bestimmt und letztlich auch zum Ja geführt.

Die ersten Wochen nur Tagesfahrten. „Meine erste größere Reise führte nach Österreich. Hinauf zum Großglockner“, erinnert sich der heute 50-Jährige. Nur wenige Jahre, hatte er sich vorgenommen, wollte er am Lenkrad sitzen, fremde Länder ansteuern und es dann geruhsamer angehen lassen. Mit der Zeit aber fand Thomas Erbsmehl mehr und mehr gefallen an diesem Beruf.

Verstehen sich gut: Thomas Erbsmehl und Katrin Brauer, die heute mit ihrem Mann das Reiseunternehmen führt. (Foto: Kurt Frank) Verstehen sich gut: Thomas Erbsmehl und Katrin Brauer, die heute mit ihrem Mann das Reiseunternehmen führt. (Foto: Kurt Frank)

Verstehen sich gut: Thomas Erbsmehl und Katrin Brauer, die heute mit ihrem Mann das Reiseunternehmen führt. Foto: Kurt Frank

Bereut habe er es nicht, in den Diensten des Jürgen Brauer getreten zu sein. Dienstlich habe er sich mit dem Chef immer gut verstanden, menschlich sei man verschieden gewesen. 25 Jahre lang nur per Sie. „Erst vor zwei Jahren bot er mir das Du an. Als er in Rente ging“, erzählt Erbsmehl und streicht sich über das schüttere Haar einer einstmals lockigen Pracht. Nach den Ursachen des Schwundes befragt, schmunzelnd die Antwort: „Fragen sie Brauer“.

Eine gewisse Distanz zum Vorgesetzten hielt Thomas Erbsmehl schon für geboten. Brauer sei ein mutiger Chef gewesen. Immerhin habe er ein Reiseunternehmen aufgebaut, von dem man vor 27 Jahren nicht ahnen konnte, dass es sich weit über den Südharz hinaus zu einer bekannten, beliebten und gefragten Firma entwickeln würde. Das gute Verhältnis zur Chefetage setzt sich mit Katrin Brauer, die heute mit ihrem Mann das Unternehmen führt, fort. Auf Du und Du sei man hier allerdings von Anfang an.

Ein junger Mann mit lockigem Haar – Thomas Erbsmehl als Busfahrer vor 26 Jahren (Foto: Archiv) Ein junger Mann mit lockigem Haar – Thomas Erbsmehl als Busfahrer vor 26 Jahren (Foto: Archiv)

Ein junger Mann mit lockigem Haar – Thomas Erbsmehl als Busfahrer vor 26 Jahren. Foto: Archiv

2,5 Millionen Kilometer brachte Thomas Erbsmehl bislang, hinter dem Lenkrad eines Busses sitzend, hinter sich. So um die 85 000 Kilometer im Jahr. Über 60-mal um den Erdball. Jede Tour sei schön, meint das Fahrer-Urgestein. Vor allem dann, wenn die Gäste zufrieden sind, sich gut erholen, Land und Leute kennen lernen und auch das Wetter es gut mit ihnen meinte.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Erbsmehl könnte es. Stundenlang. Auch über Ereignisse, die, wie ein Blitz aus heiterem Himmel, unerwartet eintreten. Das könnte, als ein Beispiel, ein plötzlicher Herzinfarkt eines Fahrgastes sein. So eine Situation müsse man managen, sich um alles Notwendige kümmern, einfühlsam wirken, besonnen bleiben, auch wenn es in einem solchen krankheitsbedingten Fall, der glücklicherweise die große Ausnahme bleibt, schwer fällt.

Thomas Erbsmehl weiß aus Erfahrung, dass mit dem Leichtsinn anderer Verkehrsteilnehmer auf jeder Reise zu rechen ist. In Österreich war es. Plötzlich wechselte ein PKW-Fahrer die Spur, kam ihm mit etwa 80 bis 100 Stundenkilometer auf seiner Seite entgegen. Um einen Frontalcrash zu vermeiden, bei dem der PKW-Fahrer womöglich ums Leben gekommen wäre, sei er seitlich ausgewichen. Der Wagen schrammte am Bus entlang, erlitt Totalschaden. Der Hyundai-Fahrer kam mit dem Schrecken davon. Unfallursache: Sekundenschlaf.

Ob er, Thomas Erbsmehl, ein Lieblingsland habe? Ja, das habe er: Griechenland. Gern fahre er dorthin: dienstlich wie privat im Urlaub. Ob seine Frau Verständnis für seinen Beruf, der ihn doch oft von der Familie trenne, aufbringe? Ja, sie habe Verständnis. 17 Jahre sei er verheiratet, habe zwei Jungs im Alter von 13 und 15 Jahren. Ob die in seine Fußstapfen treten wollen? Das könne er derzeit noch nicht sagen.

Der Bus wird fein gemacht. Nico Brauer hilft Thomas Erbsmehl (rechts) bei der Säuberung (Foto: Archiv) Der Bus wird fein gemacht. Nico Brauer hilft Thomas Erbsmehl (rechts) bei der Säuberung (Foto: Archiv)

Der Bus wird fein gemacht. Nico Brauer hilft Thomas Erbsmehl (rechts) bei der Säuberung. Foto: Archiv

Thomas Erbsmehl genießt im Reiseunternehmen hohes Ansehen. Eine Vertrauensperson innerhalb der Belegschaft sei er, versichert Katrin Brauer. Zuständig für Sicherheit und Technik, stets um das Wohl der Kollegen bemüht.

Er selbst sieht sich als Mädchen für alles.

Thomas Erbsmehl wird sich auch künftig hinter das Steuer moderner Reisebusse schwingen und mit erwartungsvollen Gästen an Bord durch Deutschland und europäische Länder fahren. Er kann es sich aber auch vorstellen, später einmal im Innendienst bei Brauer-Reisen tätig zu werden.
Kurt Frank
Autor: red

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