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Fr, 07:10 Uhr
15.10.2004

Retter müssen Personal abbauen

Nordhausen (nnz). In den kommenden Tagen wird es Verhandlungen der Leistungserbringer des Rettungsdienstes mit den Krankenkassen geben. Da soll das Budget für das kommende Jahr abgeklopft werden. Vieles hängt in der Luft, einiges ist neu, doch fest steht: Der Rettungsdienst muß im Landkreis Nordhausen mit weniger Personal auskommen...


Die eigentlich gute Nachricht: Im Rettungsdienstzweckverband des Landkreises Nordhausen soll es keinen Zoff mehr geben. Dafür werden die drei Leistungserbringer (DRK, Johanniter und Rettungsdienst Ellrich) ein Defizit in diesem Jahr einfahren. Mit anderen Worten: Alle drei werden mehr ausgeben, als ihnen die Kassen in diesem Jahr zur Verfügung gestellt haben. Der Vorsitzende des Nordhäuser DRK, Gerhardt Weith, schätzt das Minus auf rund 200.000 Euro. Und dieses Defizit soll der Landkreis ausgleichen, meinen die Rettungsdienstexperten. Eigentlich ist das keine so besonders neue Situation für den Landkreis, denn auch in den zurückliegenden Jahren musste in der gleichen Größenordnung zugeschossen werden. Bestätigt wurde die Richtigkeit der Zahlen auch durch das kreisliche Rechnungsprüfungsamt.

Damit der Landkreis in den kommenden Jahren nicht weiter belastet werde, wird nun mit den Krankenkassen selbst verhandelt. Diesen „Job“ übernahm bislang der Rettungsdienstzweckverband Nordthüringen. Der erhielt auch die ausgehandelte Summe von den Kassen, zog für sich rund fünf Prozent ab und verteilte die 95 Prozent auf die Landkreise. Das soll anders werden, sagten sich die Ellricher sowie die Nordhäuser gemeinsam. Und so sollen die Kassen künftig mit Rettungsdienstlern im Landkreis Nordhausen direkt verhandeln, bzw. soll bei den Verhandlungen ein Vertreter, in diesem Fall Andreas Triftshäuser aus Ellrich, direkt mit am Tisch sitzen. Der Fachmann kann den Kassenvertretern dann auch genau erklären, warum im Landkreis Nordhausen im nächsten Jahr rund 2,7 Millionen Euro gebraucht werden. Die Fachleute sprechen davon, dass das Krankenkassen-Geld nach den eigenen Kosten-Leistungs-Nachweisen gezahlt werden soll.

Trotz dieser Fortschritte wird es ab dem Jahr 2005 nicht nur zu einem Rückbau an Fahrzeugen, sondern auch beim Personal kommen. Betroffen ist in erster Linie der Rettungswachenstandort Bleicherode. Aus zwei dort stationierten Rettungstransportwagen (RTW) werden ein Krankentransportwagen (KTW) und ein RTW gemacht. Dabei gehen vier Stunden Vorhaltezeit verloren. Für das Deutsche Rote Kreuz wiederum bedeutet das den Abbau von zwei Planstellen. Insgesamt gehen im Zweckverband 2,5 Planstellen verloren, derzeit sind es noch 57. Das hat nicht nur für die Mitarbeiter unangenehme Konsequenzen, auch für eventuelle eventuell betroffene Patienten oder Unfallopfer. Sollte der RTW im Raum Bleicherode unterwegs sein und sich ein weiterer Unfall ereignen, dann müsse zum Beispiel ein Rettungswagen mit der entsprechenden Ausrüstung aus Nordhausen oder Sundhausen angefordert werden. Und da werden die notwendigen 14 oder 15 Minuten keinesfalls eingehalten. Für den Landkreis Nordhausen gibt es glücklicherweise noch den Rettungshubschrauber Christopf 37, der einen Rettungsarzt schnell zur Unglücksstelle bringen kann.

Mit diesen neuen Gegebenheiten müssen nicht nur die Rettungsdienst-Fachleute zurecht kommen, sondern auch die Bürger des Landkreises Nordhausen. Für die kann nun auch nicht mehr garantiert werden, dass zur gewünschten Zeit ein Patient zum Beispiel zur Chemotherapie gefahren werden kann. Auch die Auslastung hochwertiger Geräte im Südharz-Krankenhaus ist gefährdet.

Um so wichtiger ist also, dass die Kassen künftig mit den Leistungserbringern direkt verhandeln können, ohne den Umweg über den Nordthüringer Zweckverband. Bleibt aber die Frage: Wo liegt dann eigentlich noch dessen Daseinsberechtigung? Der Verband kann nur aufgelöst werden, wenn alle Mitglieder dem zustimmen. Diese Einstimmigkeit ist nach Einschätzung von Eingeweihten derzeit kaum herzustellen, denn irgendwie hat es der Zweckverband Nordthüringen immer geschafft die Gelder der Kassen zu verteilen, nur eben nicht gleichmäßig. Und der Landkreis Nordhausen ist in den zurückliegenden Jahren oftmals auf der Verliererstrecke geblieben. Siehe Rettungswache im eichsfeldischen Deuna (nnz-Archiv).
Autor: nnz

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