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Mo, 19:00 Uhr
14.08.2017
Industriegebiet und andere Baustellen

Spatenstich im Oktober?

Es tut sich was im Industriegebiet Goldene Aue. Vielleicht. Mal wieder. Zumindest die Hoffnung auf eine baldige Ansiedlung wurde heute beim Bauunternehmen Henning in Urbach geweckt. Der Nordthüringer Unternehmerverband hatte das Gespräch mit der Politik gesucht. Dabei kam nicht nur diese "Baustelle" zur Sprache. Auch die Fachkräftefrage und das umstrittene Tourismuskonzept des Freistaates standen auf der Agenda...

Geschäftsführerin Doris König führt den Bundestagsabgeordneten Steffen-Claudio Lemme über das Betriebsgelände der Firma Henning (Foto: Angelo Glashagel) Geschäftsführerin Doris König führt den Bundestagsabgeordneten Steffen-Claudio Lemme über das Betriebsgelände der Firma Henning (Foto: Angelo Glashagel)


Eigentlich hatte man das Gespräch Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee suchen wollen. Allein, der Minister musste den Besuch im Thüringer Norden absagen, eine Trauerfeier war dazwischen gekommen.

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An Gesprächspartnern mangelte des den Nordhäuser Unternehmern dennoch nicht. Neben Bürgermeisterin Jutta Krauth, die den NUV als wertvolles Gut der Region lobte, war auch der SPD-Kandidat für die anstehende Bundestagswahl, Steffen-Claudio Lemme, zu Gast beim Bauunternehmen Henning.

Der Abgeordnete hatte gute Nachrichten für die Nordhäuser dabei: von der Landesentwicklungsgesellschaft habe er gehört, dass sich ein Logistiker für die Ansiedlung im Industriegebiet Goldene Aue interessiere und ein Spatenstich schon im Oktober stattfinden könnte. "Fasst einer Fuß, dann ziehen andere nach", meinte Lemme, die Politik müsse unabhängig vom Wahlkampf auch weiterhin mit der Wirtschaft im Gespräch bleiben.

Der Applaus der Anwesenden hielt sich in Grenzen, nicht zum ersten Mal hört man Vielversprechendes zu einer Industrieansiedlung, bisher aber wächst in der Nachbarschaft des Urbacher Unternehmens nur frisches Grün. Man sei etwas vorsichtig bei so einem optimistischen Termin, sagte Niels Neu, Vorsitzender des NUV, für seine unverminderte "Standfestigkeit" in Sachen Industriegebiet habe der Verband schon viel "Hohn und Kritik" einstecken müssen, umso mehr würde es die Unternehmerschaft freuen wenn es dieses mal klappen würde, sagte Neu.

Wie geht es weiter mit dem Industriegebiet - neue Hoffnung nährte man heute beim Unternehmen Henningbau in Urbach (Foto: Angelo Glashagel) Wie geht es weiter mit dem Industriegebiet - neue Hoffnung nährte man heute beim Unternehmen Henningbau in Urbach (Foto: Angelo Glashagel)


Den NUV treiben aber noch ganz andere Fragen um. Eigentlich hatte man mit Minister Tiefensee über die neue Thüringer Tourismuskonzeption sprechen wollen. Der Thüringer Norden finde hier überhaupt keine Beachtung, kritisierte Neu, die "Schaufensterphilosophie" der Landesregierung teile man nicht, die "Destination Harz" gehöre mit in das Konzept. Den Unternehmern gehe es dabei nicht nur um die reine touristische Erschließung, sondern auch um die allgemeine Attraktivität der Region als Arbeitsplatz. Man brauche gute Hotels und Angebote, sagte Neu.

Viel hatte die versammelten politischen Vertreter hierzu nicht zu sagen, er werde sich darum bemühen, dass das Gespräch mit dem Parteikollegen Tiefensee möglichst bald nachgeholt werden könne, versprach Lemme.

Noch wichtiger ist der Unternehmerschaft im Moment aber die allgemeine Arbeitsplatz- und Ausbildungssituation. Man solle bei der Suche nach neuen Fachkräften nicht nur "auf eine Schiene setzen", so Neu, während die Akquise von Arbeitskräften aus dem europäischen Ausland schon ohne größere Probleme funktioniere, sei das Anwerben von Mitarbeitern aus Nicht-EU Staaten wie der Ukraine mit erheblichen bürokratischem Aufwand verbunden.

Unterstützung fand Neu in Person von Doris König, Chefin des Bauunternehmens Henning. Seit 1994 bildet das Unternehmen selbst aus, in den letzten Jahren reiche das aber nicht mehr aus um den Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Dabei gibt man sich alle Mühe, sowohl Kindergartenplätze wie auch der Besuch im Fitnessstudio werden den Mitarbeitern vom Unternehmen gesponsort. "Alleine schaffen wir es nicht mehr", sagte Doris König, an der A38 sehe sie manches ausländische Kennzeichen, das an Urbach und Nordhausen vorbeifahre. Es müsse mehr getan werden, um diese wertvollen Arbeitskräfte hier her zu bekommen. Die passenden Zahlen zu den Beobachtungen der Geschäftsführerin hatte Karsten Froböse, Chef der Nordhäuser Agentur für Arbeit, seit 2011 habe man weniger Bewerber als freie Lehrstellen, in den nächsten Jahre werde der Renteneintritt vieler Arbeitgeber die Situation noch verschärfen. Mit der zunehmenden Digitalisierung verschiedener Arbeitsbereiche brauche man in Zukunft zudem weniger Hilfs- und mehr Facharbeiter.

An der Entlohnung soll es auch nicht liegen, meinten die Unternehmer. Mehr als Mindestlohn zahlt man bei Henningbau so oder so, wenn man die Löhne nicht regelmäßig anpasse sei das Personal weg, erzählte Frau König. Zwar sei das Lohnniveau noch immer nicht auf dem Stand der Ballungsgebiete im Westen des Landes, der Angleichsprozess habe aber in den letzten Jahren deutlich angezogen, ergänzte Niels Neu, selber Bauunternehmer. Es gehe dem Baugewerbe auch nicht darum günstigere Arbeitskräfte zu bekommen, auch neue Mitarbeiter müssten ordentlich bezahlt werden. Um diese zu bekommen müssten aber Gesetzeslücken geschlossen werden.

Seine Fraktion plane Änderungen am Regelwerk, die in der jetzigen Koalition nicht durchzusetzen gewesen seien, entgegnete Lemme, es bedürfe aber auch der entsprechenden Stimmung in der weiteren Gesellschaft.

Ihre Themen werden die Nordhäuser Unternehmer in den nächsten Wochen wohl noch an den einen oder anderen Politiker herantragen können, schließlich ist Wahlkampf. Was nach dem Wahlgang tatsächlich geschieht steht auf einem anderen Blatt. Neu forderte mehr Eigeninitiative in den Verwaltungen und Kommunen, man könne sich nicht hinter der Landesentwicklungsgesellschaft verstecken. Zu diesem Zweck wird der NUV Anfang Oktober in Zusammenarbeit mit der Stadt, dem Kreis und einigen Unternehmern auf der Expo in München für den Standort Nordhausen und das Industriegebiet werben. Vielleicht hat man im Industriegebiet dann schon die Spaten geschärft. Oder nicht. Die Erfahrung mahnt zu vorsichtigem Optimismus.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Eckenblitz
14.08.2017, 19:08 Uhr
Logistiker
Also wird das ganze doch nur ein Lagerplatz. Rotorplätter werden ja dort schon gelagert. Was hat ein Logistiker mit einen Industriegebiet zu tun.
Nur damit die Politiker/innen nicht wieder als die De...... dastehen, kommt ein moderner lagerhalter. Sehr intelegent.
geloescht.20220103
14.08.2017, 19:15 Uhr
LKW
Wie wäre es mit einen Parkplatz für LKW, die fehlen doch überall. Ist sehr gut gelegen, gleich neben der Autobahn.
Checker
14.08.2017, 20:43 Uhr
Spatenstich...
Wieder einmal mehr saßen alle wichtigen die der Landkreis zu bieten hat zusammen, da kann es ja nur aufwärts gehen...
Realist 1.0
14.08.2017, 21:14 Uhr
Die Goldene Aue wird zum Arnstädter Kreuz für Arme
Da kann man doch nicht jubeln, das sich ein Logistiker ansiedeln will. Jobs im Niedrig Lohn Sektor gibt im Landkreis Nordhausen genug. Wen man sich in Nordhausen umschaut sieht man das wir genug freie Gewerbe Gebiete haben die kaum genutzt werden, da könnte man spöttisch sagen blühende Landschaften. Das hat uns ja der Herr Kohl damals versprochen und heute bewahrheitet es sich z.B. Im Krug Gewerbegebiet.
free Gigi
14.08.2017, 21:24 Uhr
Autohof
wäre doch nicht schlecht.
Ansonsten nur Konjunktiv!!!
Bodo Schwarzberg
14.08.2017, 23:56 Uhr
"Industriegebiet": "nur frisches Grün"
So schnell vergessen Presse und NUV-Akteure, dass mit "frischem Grün" am Möchtegernindustriegebiet einst Geld verdient wurde. Auch Landwirtschaft ist Wirtschaft. Zumindest klingt es so ähnlich.
Ob dort nun zubetoniert wird oder nicht: Das so genannte Industriegebiet ist mit und ohne Investoren ein Skandal in der endlosen Kette von wirtschaftsgenerierten Skandalen. Es gibt in dieser Welt kaum einen schlimmeren, als wertvollstes Ackerland den Betonmischern zum Fraß vorzuwerfen.
So lange die Unternehmer und deren Kerzenhalter in der Politik nicht begreifen, dass ungehemmter Ressourcenverbrauch nicht gleichzusetzen ist mit guter, vorausschauender Ökonomie, werden sie auch weiterhin die Verantwortung für soziale und ökologische Tragödien weltweit übernehmen müssen. - Falls sie sie übernehmen. Die Leute, die so eine Verschwendung von Raum, Boden und Geld gut finden, sind nicht in der Lage, Beziehungen zwischen der aktuellen Situation unserer Biosphäre und dem lokal von Ihnen Favorisiertem herzustellen. Oder besser: Sie möchten und können auf Grund ihrer Netzwerke und Verpflichtungen dazu gar nicht in der Lage sein. Das wird uns und den folgenden Generationen noch sehr bitter und apokalyptisch auf die Füße fallen.
Leser X
15.08.2017, 07:15 Uhr
Interessant
Zitat:
"...sagte Doris König, an der A38 sehe sie manches ausländische Kennzeichen, das an Urbach und Nordhausen vorbeifahre. Es müsse mehr getan werden, um diese wertvollen Arbeitskräfte hier her zu bekommen."

Das ist genau der Einkommensrassismus, der in diesem Lande billige gegen noch billigere Arbeiter ausspielt. Das Wort "wertvoll" klingt wie purer Hohn.
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