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Mo, 11:40 Uhr
07.08.2017
Wie weiter mit der Gebietsreform?

Sorgfalt vor Schnelligkeit

Sommerzeit ist Reisezeit, das gilt nicht nur für Urlauber sondern auch für Politiker. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Thüringer Landtag beendete seine Rundreise jetzt in Nordhausen. Themen gab es viele, eines kam überall zur Sprache: wie weiter mit der Gebietsreform?

Sorgfalt vor Schnelligkeit - der Grüne Landtagsabgeordnete Dirk Adams (2 v.r.) vor seinem Nordhäuser Büro (Foto: Angelo Glashagel) Sorgfalt vor Schnelligkeit - der Grüne Landtagsabgeordnete Dirk Adams (2 v.r.) vor seinem Nordhäuser Büro (Foto: Angelo Glashagel)


Zwei Programmpunkte standen vor dem Abschluss der Sommerreise des Abgeordneten noch auf der Liste: die Landespolizeiinspektion und die Gedenkstätte Mittelbau-Dora.

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Viel Lob fand Adams für die Arbeit der Gedenkstätte. Zur Zeit hilft hier ein internationales Team aus Freiwilligen dabei, die Spuren der Geschichte wieder sichtbar zu machen. Dora sei auch ein Ort der Aufarbeitung europäischer Geschichte der nicht nur Einheimischen historische Anknüpfungspunkte zur Gegenwart biete, verbunden mit einem exzellenten pädagogischen Konzept, meinte Adams.

Der zweite Besuch war schon etwas heikler für den Landespolitiker. Wie an vielen anderen Orten Thüringens auch plagen die Nordhäuser Polizeiinspektion Sorgen um Personalmangel und steigenden Altersdurchschnitt. Man habe sich lange auf dem Pfad des Personalabbaus befunden, erläuterte Adams, die CDU hätte diesen Weg der Konsolidierung aus fiskalischen Gründen gewählt und zu Beginn wäre die Rot-Rot-Grüne Regierung diesem Pfad unter Druck der Opposition auch weiter gefolgt. Inzwischen kenne man aber die tatsächlichen Zahlen und habe begonnen Gegenzusteuern, 200 frische Auszubildende soll es pro Jahr geben, meinte Adams der Mitglied im Innenausschuss des Landtages ist.

Ob das ausreichen wird die Zahl der anstehenden Verrentungen im Polizeidienst auszugleichen oder sogar die Anzahl der Beamten zu erhöhen, das vermag auch Adam nicht mit Sicherheit zu sagen, die Ausbildung sei keine einfache, die Zahl der Absolventen werde also naturgemäß fluktuieren. Dazu komme die Konkurrenz mit anderen Bundesländern wie Bayern, die potentiellen Bewerbern bessere Bedingungen bieten könnten. Die verstärkte Ausbildung könnte daher nur ein erster Schritt sein, auch die Rahmenbedinungen müssten verbessert werden.

Von der Gebietsreform würde die Zukunft der Polizeidienststellen und Feuerwehren in jedem Falle nicht tangiert werden, erklärte der Abgeordnete. "Die Standorte der Feuerwehren sind nach der Hilfeleistungsfrist bemessen, die Polizeidienststellen in Schutzbereiche aufgeteilt, daran wird sich auch nichts ändern", sagte Adams.

v.l.n.r. Leiter der LPI, PD Detlev Schum; Dirk Adams MdL, Fraktionsvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag; Leiter der KPI, KOR Detlef Grabs (Foto: Bettina Ehrhardt) v.l.n.r. Leiter der LPI, PD Detlev Schum; Dirk Adams MdL, Fraktionsvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Thüringer Landtag; Leiter der KPI, KOR Detlef Grabs (Foto: Bettina Ehrhardt)


Die Zukunft des großen Rot-Rot-Grünen Reformwerks hängt derweil weiter in der Schwebe. Gänzlich aus der Welt scheint sie nicht zu sein, auch nach dem jüngsten Urteil des Thüringer Verfassungsgerichts. Die Richter hatten angemahnt dass die Landesregierung wirtschaftliche und kulturelle Faktoren stärker berücksichtigen und die tatsächliche Notwendigkeit von Zusammenlegungen beachten müsse.

"Im Grunde sind wir wieder bei Schritt zwei von drei", erklärte der Abgeordnete, auf Gemeindeebene sei man auch jetzt noch gut im Plan. "Den Gemeinden, die sich freiwillig auf den Weg des Zusammenschlusses gemacht haben, muss jetzt Sicherheit gegeben werden.", so Adams, das gelte sowohl für Geldfragen wie auch für die weitere Unterstützung des Landes.

Neue Kreisstrukturen dürfte es in absehbarer Zeit hingegen kaum geben. Ziel könne nicht sein, das man wie in Nordthüringen eine Neuordnung mit dem Streit zweier Städte beginnt, erklärte Adams, "wir brauchen transparente, allgemein gültige Parameter, die für jeden klar nachzuvollziehen sind. Sorgfalt und Qualität gehen hier für mich vor Schnelligkeit."

Konkret heißt das: die Kreisgebietsreform wird vor den nächsten Landtagswahlen kaum realisiert werden. Bis zum Frühjahr 2018, in jedem Fall vor den nächsten Wahlen auf Kreisebene, müsste die Rot-Rot-Grüne Koalition ihr Kernprojekt durchbringen. Dauert es länger, und danach sieht es im Moment aus, würden die Konsequenzen einer Umstrukturierung für Ungemach sorgen. Die neu zu wählenden Landräte wären in der alten Kreisstruktur dann nur ein knappes Jahr im Amt bevor es zu einem erneuten Wechsel käme, der politische Gegenwind aus den Kreisen wäre vorprogrammiert, wahrscheinlich also dass man die Finger von neuen Kreiszuschnitten lassen wird.

"Es besteht weiter Gesprächsbedarf in der gesamen Gesellschaft, wir werden uns intensiver erklären müssen und weiter konstruktiv streiten", sagte Dirk Adams, man wolle mit der Reform nicht noch einmal vor dem Verfassungsgericht landen.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Liane Enzinger
08.08.2017, 07:11 Uhr
Thüringen bizarr: Keiner wollte die Gebietsreform?
Herr Adams will die Gebietsreform nicht, “unser“ Landrat plötzlich auch nicht mehr. Die Landräte der LINKEN auch nicht mehr .

Da stellt sich dem staunenden Bürger die Frage: Wer hat die Reform denn nun eigentlich gewollt? Jedermann weiß, dass derartige Großprojekte durch Parteibeschlüsse gedeckt sind und keinesfalls ein Alleingang des Herrn Poppenhägers oder des Herrn Ramelows sind. So etwas geht nur mit Parteivotum. Doch die kleinen Pöstchenjäger spielen “Schraps hat den Hut verloren“.

Jetzt springen alle von Bord, aus Angst, die Wahl und Posten und Pensionen zu verlieren. Zurück bleibt ein zerstrittenes Thüringen und verunsicherte Bürger.

Bizarres Thüringen.

Liane Enzinger, M A.
NDHler
08.08.2017, 08:06 Uhr
RRG ist gescheitert
Mit dem Großprojekt Gebietsreform ist auch RRG gescheitert. Die Gebietsreform ist ja nicht der einzige Punkt der RRG sehr schlecht dastehen lässt. Akuter Lehrermangel an Thüringer Schulen, finanzschwache Kommunen wo man nur hinschaut, kaputte Straßen und Brücken und hier oben im Norden Thüringens kommt noch ein leeres Industriegebiet dazu. Und weil dem Herrn Wirtschaftsminister nichts dazu einfällt nennt er die Goldene Aue einfach mal „Standortreserve“ Am Erfurter Kreuz wird dagegen fleißig weiter investiert.
Es verhält sich in Thüringen übrigens wie bei der Gebietsreform, RRG wollte eigentlich niemand haben. Der größte Verlierer der letzten Landtagswahl, die SPD, machte sich zum „Königsmacher“. Hauptsache Macht, egal wie!
milfhunter
08.08.2017, 11:21 Uhr
"niemand hat die absicht...
eine mauer zu bauen" (zitat walter ulbricht), "niemand hat gesagt, dass die gebietsreform zu kosteneinsparungen führen wird" (zitat bodo ramelow) und neuerdings hat auch niemand die gebietsreform gewollt, obwohl es im koalitionsvertrag von rot-rot-grün sowie in den parteiprogrammen von spd, linke und grünen stand. ich bin mir sicher, dass auch niemand im märz 2016 einen brief an bundeskanzlerin merkel geschrieben hat, in dem er die kanzlerin darum gebeten hatte, "thüringen noch einmal 2.000 bis 3.000 flüchtlinge aus dem flüchtlingslager idomeni zu schicken, da die thüringer wirtschaft bereits ihre besorgnis geäußert habe, dass jetzt gar keine flüchtlinge mehr nach thüringen kommen." (zitat bodo ramelow). diese landesregierung ist am ende und wer das nicht sieht, hat tomaten auf den augen. in niedersachsen war man letzte woche wenigstens so konsequent und hat neuwahlen angekündigt, nachdem eine grüne landtagsabgeordnete zur cdu-fraktion gewechselt war. übrigens hatte die cdu-niedersachsen gleich nach dem verrat der grünen erklärt, man habe nichts damit zu tun und der frau twesten auch nichts angeboten. es ist erst wenige monate her, da hatte auch die thüringer spd eine landtagsabgeordnete an die cdu-fraktion verloren und auch diese verräterin (die frau von richard dewes!) hat angeblich nichts dafür bekommen. dies alles zeigt, wie tief diese landesregierung bereits gesunken ist. die koalition wurde de facto aufgelöst, die regierung hat schon lange keine mehrheit mehr, aber alle kassieren noch ihre ministergehälter und abgeordnetendiäten.
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