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Mo, 15:10 Uhr
13.08.2001

Die Psychologie des Fußballzuschauers

Nordhausen/Köln (nnz/ots). Gehören Sie auch zu den Fußballfans, die private Termine am Wochenende verschieben? König Fußball regiert seit drei Wochen, doch hat der Monarch an Macht verloren. „ran“ geht mit seinen Einschaltquoten den Bach runter. nnz betrachtet diese Entwicklung aus einem psychologischen Blickwinkel.


"ran" scheitert bei den Zuschauern um 20.15 Uhr auf Sat.1 nicht an attraktiven Konkurrenz-Programmen, sondern an der Missachtung der psychologischen Grundvoraussetzungen für die Bundesliga-Berichterstattung durch die Programmplaner. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben: Die bundesdeutschen Fußballfans können ihre Wünsche nach Erregungs-Komprimierung und -verarbeitung nicht bis 20.15 Uhr aufschieben. Dies ist das zentrale Ergebnis vieler „rheingold“-Studien der letzten Jahre zum Rezeptionsverhalten der Fernsehzuschauer und zur Bedeutung der Fußball-Berichterstattung. Das ZDF-SPORTstudio trägt dem gegenüber durch seine besondere Machart den Wünschen der Zuschauer Rechnung.

Der Erfolg von "ran" beruhte auf zwei Faktoren, die den seelischen Bedürfnissen der Fußball-Fans in besonderer Weise entsprachen und die auf dem neuen Sendeplatz nicht mehr befriedigt werden.

1. Faktor: Unmittelbare Erregungs-Verarbeitung!

Für den Fußball-Fan sind die Bundesligaspiele am Samstag der Erregungs-Höhepunkt der Woche. Sie geraten während der Dramatik des Spieltages in einen vehementen Prozess des Mitfieberns und Mitleidens. Ein Teil der Fans stellt sich diesem Ereignis live. Sie suchen die Echtzeit-Erregung entweder im Stadion, am Radio oder bei "Premiere". Sie befinden sich nach den Bundesliga-Spielen in einem Zustand hochgradiger emotionaler Aufgewühltheit. "ran" erfüllte für diese Fans auf dem Sendeplatz um 18.30 Uhr die Funktion der Erregungs-Verarbeitung: Der gerade erst erlebte Triumph des Lieblingsvereins sollte noch einmal nachgekostet oder die Hintergründe für die Niederlage sollten geklärt und aufgearbeitet werden. Die Rezeption von "ran" unmittelbar nach Spielende beruhigte so bislang die Erregungs-Kurve der Fans und ermöglichte es ihnen, sich wieder gelassener anderen Themen oder Aufgaben zuzuwenden. Die Verschiebung des Sendeplatzes zwingt viele Fans jetzt dazu, andere Wege der Erregungs-Verarbeitung zu suchen.

2. Faktor: Zeitnahe Erregungs-Komprimierung

Auch die zweite Funktion von "ran" auf dem alten Sendeplatz - die "Erregungs-Komprimierung" - wird durch die Verlegung entwertet: Die Fans, die sich der Echtzeit-Erregung nicht stellen können oder wollen, haben den Wunsch, die Dramatik der Spiele zeitlich komprimiert und dramaturgisch zugespitzt zu durchleben. Sie halten die Spannung, indem sie sich vorher nicht über die Ergebnisse informieren. Ihren Erregungs-Stau lösten sie dann zeitnah durch die Rezeption der "ran"-Spielberichte auf dem vormaligen Sendeplatz auf. Die Verlegung von "ran" führt jetzt dazu, dass die Erregungskurve zusammenbricht, da viele Zuschauer die Ergebnisse nicht bis 20.15 Uhr ignorieren können. Häufig halten sie die Spannung nicht länger aus und suchen aktiv in den Kurznachrichten von ARD, ZDF, Videotext oder Internet eine Auflösung der Erregung.

Durch die bereits vor 20.15 Uhr vollzogene Auflösung der Erregung wird "ran" für die Zuschauer zu einer entdramatisierten Langeweile-Sendung, die mit großem Getöse versucht, die bereits gelöste Spannung wieder auf zu bauen. Das "ZDF -SPORTstudio" um 22.15 Uhr beabsichtigt hingegen erst gar nicht, die Erregung des Nachmittags noch einmal hochzukochen: Die Sendung betreibt eine entspannende Erregungs-Auflockerung und Seelenmassage. Die Hintergründe und das Drumherum des Spieltages werden ausgeleuchtet. Die lockeren Gesprächrunden mit Trainern oder Spielern vermitteln den Zuschauern das beruhigende Gefühl, dass trotzt der Dramatik des Spieltages das Leben wieder harmonisch weitergeht.

Fernsehen am Samstagabend: Die Zuschauer verlangen Erlebnisse aus
einem Guss. Überdies sind mit der Prime time am Samstagabend traditionelle Erlebniswünsche verbunden, die "ran" in keiner Weise erfüllen kann. Der Samstagabend soll der Unterhaltungs-Höhepunkt der gesamten Woche sein und die Zuschauer erwarten ein Erlebnis aus einem Guss: Für gute Quoten sorgen daher ein fesselnder Spielfilm, eine moussierende Show, eine harmonisierende Musik-Sendung oder ein packendes Live-Fußball-Spiel. "ran" ist da durch die parzellierten kleinen Erlebnis-Häppchen zu fragmentarisch, um diesen Erwartungen der Zuschauer zu entsprechen.
Der Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung des „rheingold Institut für qualitative Markt- und Medienanalysen“
Autor: nnz

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