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Di, 11:32 Uhr
04.07.2017
105 mal Nordhäuser Kunst

Umfassende Werkschau Philip Oesers

Das Kunsthaus Meyenburg zeigt dieser Tage die Kunst eines Sohnes der Stadt. 105 Werke Phillip Oesers sind zu sehen, dieser Sommerausstellung, die bis zum 27. August dauert, wünscht man Besucher aus ganz Deutschland, denn man begegnet einer feinsinnigen Künstlerpersönlichkeit mit großer Ausstrahlung, meint Heidelore Kneffel...

Die seit dem 24. Juni im Kunsthaus Meyenburg vorgestellten 105 Werke Oesers zeigen, wie es der Titel der Ausstellung aussagt, Malerei, Zeichnung und Grafik. Dr. Cornelie Becker-Lamers aus Weimar, eine exzellente Kennerin des Künstlers, hielt eine sehr einfühlsame Laudatio, die im Internet veröffentlicht wurde und somit auch von Interessierten, die nicht zu der gut besuchten Eröffnung kommen konnten, nachzulesen ist.

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Seine Witwe, Dr. Renate Müller-Krumbach, ist zur Zeit in Weimar-Taubach damit beschäftigt, seinen Nachlass zu ordnen, den drei Museen in Deutschland erhalten werden. Oeser verstarb am 3. Januar 2013.

Besonders ans Herz gelegt sei diese Werkschau den Bewohner seiner Geburtsstadt, wo er in der Familie eines Buchhändlers am Hagen 17 zur Welt kam. Von Nordhausen nach Weimar und zu noch anderen Stationen führte ihn sein Lebensweg, der in der am Rande des Harzes gelegenen Kleinstadt am 1. Juni 1929 begonnen hatte, allerdings unter dem Namen Helmut Müller. Kindheit und Jugend in dieser Stadt, die eine reiche Geschichte in eindrucksvoller Landschaft aufzuweisen hat, prägten sich ihm fest ein, hier war seine „Ursubstanz“, wie er es nannte, die auch die Arbeitslosigkeit des Vaters und die Zerstörung der Stadt Anfang April 1945 einschloss. Er traf hier auf zwei begnadete Künstler, die in den Trümmerbergen Kunst lehrten, Renate Niethammer und Martin Domke. Als kunstbegabter Schüler wurde er nach Weimar an die Hochschule für Baukunst delegiert, gemeinsam mit seiner späteren Frau Marlies Pape, die er leider bei der Geburt eines Sohnes in West-Berlin 1959 verlor, gleichfalls sein Kind. Früh also begegneten ihm Bedrohung, Zerstörung und Tod. Diese Erfahrungen werden in seinem Werk dann mehrfach thematisiert. Aber auch sein feiner Humor tritt zu tage. Er war ein großer Leser und Freund der Künstler der Renaissance, vor allem von Albrecht Dürer, Leonardo da Vinci und Lucas Cranach d. Ä. Das Werk des letztgenannten hat er auch als Restaurator intensiv studiert.

105 Werke des Nordhäuser Künstlers Phillip Oeser sind zur Zeit im Kunsthaus Meyenburg zu sehen (Foto: Heidelore Kneffel) 105 Werke des Nordhäuser Künstlers Phillip Oeser sind zur Zeit im Kunsthaus Meyenburg zu sehen (Foto: Heidelore Kneffel)


Seine 2. Frau, die Kunstwissenschaftlerin Dr. Müller-Krumbach, die mit dem Künstler seit 1964 verheiratet war, hat für seine Heimatstadt Werke zusammengestellt, die dem Betrachter die Entwicklung seines Künstlertums sehr gut vor Augen führen. Ihr gebührt großer Dank für die sorgfältige Auswahl, die in seiner Geburtsstadt deutlich macht, welch begnadeter Künstler hier seine Wurzeln hat. Man begegnet gezeichneten Bildern, von denen bis dato wenige in Ausstellungen zu sehen waren, gleiches gilt für Malereien in Ölfarbe. Sein Hauptwerk liegt in der Druckgrafik, die er entscheidend weiterentwickelte und die nicht alle Geheimnisse der angewandten Techniken preisgibt. Angefangen hat er mit Radierungen, Lithographien, Materialdrucken. Gekonnt kombinierte er Drucktechniken miteinander; wir entdecken Collagen, Copygraphien und Prägedrucke. Sein ästhetisches Gefühl ist zu bewundern, zu bestaunen, Ehrfurcht vor so viel Können stellt sich ein, auch Ehrfurcht vor dem Erfindungsreichtum des von Oeser Dargestellten.

105 Werke des Nordhäuser Künstlers Phillip Oeser sind zur Zeit im Kunsthaus Meyenburg zu sehen (Foto: Heidelore Kneffel) 105 Werke des Nordhäuser Künstlers Phillip Oeser sind zur Zeit im Kunsthaus Meyenburg zu sehen (Foto: Heidelore Kneffel)


Prof. Dr. Kai Uwe Schierz, Erfurt, titelte in einem umfänglichen Oeserkatalog: „Melancholie und Eigensinn Zum Verhältnis von Geist und Material im Werk von Philip Oeser.“ Genauer kann man des Künstlers Eigenheit nicht formulieren.

Sehr einprägsam sind auch seine Assemblagen, von denen mehrere in Nordhausen gezeigt werden. Das französische Wort bedeutet Zusammensetzung, Zusammenfügung. In der bildenden Kunst sind dies dreidimensionale Werke der Objektkunst. Eine Assemblage besteht in der Regel aus einer Grundplatte mit montierten Objekten, kann auch als plastische Collage mit reliefartiger Oberfläche benannt werden. Der französische Künstler Jean Dubuffet (1901-1985) begründete sie. Philip Oeser schuf damit mit großem Einfallsreichtum hohe Kunst.
Das Kunsthaus Meyenburg ist mit Park von Dienstag bis Sonntag von 10.00 bis17.00 Uhr geöffnet.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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