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Do, 06:34 Uhr
01.06.2017
nnz-doku

Fragen eine Stadtrates

Prof. Dr. Ansgar Malich ist er ein sehr emotionaler Mensch. Vor allem, wenn es um Ungerechtigkeiten in der Politik geht. Er, der Hallenser, kämpft für Nordhausen. Vor allem für den Kreissitz. Der Mann hat Befürchtungen...


Hintergrund seiner Befürchtungen sind die politischen Spielchen, die in Erfurt rund um die Gebietsreform gespielt werden. Da Nordhausen - geht es nach den Vorstellungen von Innenminister Poppenhäger - seinen Status als Kreisstadt verlieren wird, schwant dem Mediziner, dass die Landesregierung die Stadtregierenden (Verwaltung und Stadtrat) mit finanziellen Verlockungen "kaufen" wolle.

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In der gestrigen Sitzung des Stadtrates fragte Malich denn auch nach, konnte aber nicht alle Fragen vorlesen. Wir veröffentlichen sie innerhalb unserer doku-Reihe.

Anfragen des Bürgers Ansgar Malich an die Stadtverwaltung Nordhausen
  • Gibt es derzeit bereits Angebote der Staatsregierung an die Stadtverwaltung, den Kreisitzverlust finanziell zu kompensieren, wenn ja in welcher Höhe? Wird der Stadtrat und die Bürger über diese Angebote laufend informiert?
  • Gibt es in diesem Zusammenhang Anträge der Stadt Nordhausen oder werden diese vorbereitet, die aus Nordhausen weggezogenen Behörden wieder kompensatorisch zurückzuholen nach Nordhausen?
  • Gibt es Analysen der Stadtverwaltung über die zu erwartende sinkende Kaufkraft in Nordhausen, über den zu erwartenden Bevölkerungsschwund durch den Wegzug zahlreicher Behörden, der Mitarbeiter und Familien, der Schwächung der regionalen Wirtschaft?
  • Gibt es Garantien, dass beispielsweise die Kreissparkasse Nordhausen auch in einem neuen Kreis erhalten bleibt, über die unverbindliche Absichtserklärung und gesetzliche Möglichkeit des Gesetzentwurfs der aktuellen Staatsregierung hinaus? Es droht der Verlust von Sponsorengeldern für soziale und kulturelle Projekte in erheblichem Umfang.
  • Gibt es Garantien der Staatsregierung des Erhalts der schulischen und außerschulischen Standorte in Nordhausen nach der Gebietsreform? Es droht eine Revision der Schullandschaft zulasten der Nordhäuser, Fakten zählen hierbei ja leider nicht, wie man aktuell am postfaktisch ignorant agierenden Innenminister sieht.
  • Gibt es einen garantierten Stellenschlüssel, beispielsweise der Kreismusikschule oder gibt es hier der Stadtverwaltung bekannte Überlegungen einer Zusammenlegung mit Hauptsitz in der kommenden Hauptstadt des Kreises oder der Zusammenlegung der Stellenplanungen? Ein Beispiel für den bereits existierenden Abbau des Angebots: Ab Sommer 2017 wird es nach aktuellem Stand nur noch eine einzige fest angestellte Klavierlehrerin für den gesamten Landkreis Nordhausen geben, da vorhandene Stellen gestrichen werden. Ist das der Vorgeschmack einer „Außenstelle Nordhausen“ des Konservatoriums/der Kreismusikschule Sondershausen?
  • Erfolgte die Übernahme der Schulden des in Sondershausen pleite gegangenen Tourismusverbands anteilig durch Landkreis Nordhausen, Stadt Nordhausen oder sonstige Nordhäuser Träger? Wo hat der neu gegründete Tourismusverband seinen Sitz?
  • Kann ausgeschlossen werden, dass im kommenden Kreis die Kommunen finanzielle Lasten des Nachbarlandkreises oder entsprechender kommunaler Unternehmen mit übernehmen müssen, beispielsweise durch eine Erhöhung der Kreisumlage? Falls nein, wie hoch wird diese Belastung pro Jahr für den Nordhäuser Bürger zusätzlich ausfallen?
  • Wird derzeit durch die Stadtverwaltung an einer Klage gegen diese zu erwartende Situation gearbeitet und an einer Kalkulation der resultierenden Gesamtkosten?
  • Gibt es Kalkulationen, was die Stadt Nordhausen die Gebietsreform direkt und indirekt kostet, um dies der Staatsregierung in Rechnung zu stellen und die finanzielle Kompensation einzuklagen?
  • Wie war die für den Bürger vorhandenen Sprechzeiten des Finanzamtes für Nordhäuser Bürger vor dem Umzug nach Sondershausen (in Stunden pro Woche), unmittelbar danach, nach 1 Jahr und wie viele Wochenstunden ist ein Finanzbeamter aktuell im Mai 2017 in Nordhausen für die Nordhäuser Bürger sprechbar gewesen?
  • Gibt es Gespräche mit der Staatsregierung, die Bahn- und Straßenanbindung an Sondershausen notfallmäßig relevant auszubauen, um den zu erwartenden Strom an Klienten aus Nordhausen nach Sondershausen zu kompensieren? Die bisherigen Bedarfsstudien haben diesen Mehrbedarf ja gar nicht mitkalkuliert, die Straßen sind jetzt schon völlig überlastet.
  • Welche rechtliche Handhabe besteht für ein dem Landkreis unterstehendes teilkommunales Unternehmen, gegen einen möglichen Beschluss des kommenden Kreistages zu agieren, um so beispielsweise die ggf. mehrheitlich im neuen Kreistag beschlossene Kostenübernahme eines anderen vergleichbaren, verschuldeten, Unternehmens des zuvor anderen Landkreises zu finanzieren? Konkret denkbares Beispiel wäre hier das rekommunalisierte aktuell hoch verschuldete Krankenhaus Sondershausen und Bad Frankenhausen und die Tilgung der Schulden durch das finanziell potente Südharz Klinikum. Das ist so nicht vermittelbar und nicht akzeptabel!
  • Werden auskömmliche Finanzierungen des Theaterbaus in Höhe von 17 Mio €, des AKS in Höhe von 7 Mio €, eine permanente finanzielle auskömmliche Förderung des Tourismus des Landkreises Nordthüringen durch den Freistaat, ein Ausbau der Bahnverbindungen mit realer Verbesserung der Anbindung an Erfurt und Halle, der Erhalt aller Schulen mit aktueller Stellenplanung in NDH, ein sinnvoller Name des neuen Kreises (Landkreis Nordhausen-Kyffhäuser), Abkürzung auf den Nummernschildern wäre dann NKH mit dem Land verhandelt werden, um die abstrus hohen Kosten der Gebietsreform für die Kommunen abzufedern, egal wer Kreissitz wird? Sind hier Klagen (beispielsweise Verfassungsklagen) denkbar, möglich bzw. in Vorbereitung gegen die permanente kontinuierliche Benachteiligung Nordhausens (Gleichheitsgrundsatz)?
  • Übrigens mein Vorschlag für den Namen des neuen Landkreises: Nordhausen-Kyffhäuser mit dem Autokennzeichen NK(H).
Autor: red

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Kommentare
Flitzpiepe
01.06.2017, 08:44 Uhr
Der aktuelle Kurs
der Kompensationszahlungen des Landes an die den Kreisstadtsitz verlierenden Kommunen liegt (Stand 1.6.) bei 5 Mio. € einmalig. Der Startwert war 3 Mio. €.
Da geht noch was...
Nur müssten die jährlich gezahlt werden und nicht einmalig!
Reality
01.06.2017, 17:10 Uhr
es ist fünf vor zwölf
Die gestellten Fragen sollten allen Nordhäusern, die bisher nur abgewiegelt und die Konsequenzen des Kreissitz-Verlustes klein geredet haben die Augen öffnen und den Ernst der Lage verdeutlichen. Nicht nur die Kommunalpolitiker verlieren ggf. einen Posten. Nein wir Nordhäuser verlieren Angebote die wir inzwischen als selbstverständlich und nicht weiter wahrgenommen haben. Bildungsangebote, der ÖPNV, Veranstaltungen durch Wegfall/Reduzierung von Sponsorengeldern der KSK NDH bis hin zur Gesundheitsvorsorge bei einer Privatisierung/Verkauf des SHK NDH! Was wird aus dem KSB NDH, der Kreisverkehrswacht NDH, und anderen Trägern des Lkr. NDH??? Wer glaubt hier würde alles bleiben wie es ist, der sollte langsam aufwachen!
Es hilft keinen Schritt weiter ständig über die Lokalpolitiker zu meckern. Wir Nordhäuser müssen das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen. Aus EF hatten wir noch nie Gutes zu erwarten! (letztes Beispiel: verbrieftes Heimrecht Thüringen Pokal) Wir müssen denen in EF zeigen, dass wir in der Lage sind für unsere Heimatstadt Nordhausen zu kämpfen! Deshalb ist es an der Zeit nicht nur Unterschriften zu sammeln, sonder auf die Straße zu gehen und für unseres 1090jähriges Nordhausen zu demonstrieren. Also Kommunalpolitiker organisiert und meldet eine Kundgebung an. Ich bin dabei!!!
Mueller13
01.06.2017, 18:51 Uhr
Gegenfrage
Müsste der Sondershäuser Fragenkatalog nicht identisch aussehen?

Mal auf die Schnelle:
Gibt es Analysen der Stadtverwaltung über die zu erwartende sinkende Kaufkraft in Nordhausen, über den zu erwartenden Bevölkerungsschwund durch den Wegzug zahlreicher Behörden, der Mitarbeiter und Familien, der Schwächung der regionalen Wirtschaft?
-> So horrend wird das nicht ausfallen. Ein paar Landratsangestellte werden nach SDH fahren (nicht wegziehen, sondern pendeln) und werden vermutlich weiterhin im Marktkauf einkaufen gehen und nicht im Kaufland. Es wird eine Aufteilung diverser Ämter geben. Nicht alles wird nach SDH ziehen, einiges wird vermutlich sogar komplett nach NDH umziehen.

Gibt es Garantien, dass beispielsweise die Kreissparkasse Nordhausen auch in einem neuen Kreis erhalten bleibt, über die unverbindliche Absichtserklärung und gesetzliche Möglichkeit des Gesetzentwurfs der aktuellen Staatsregierung hinaus? Es droht der Verlust von Sponsorengeldern für soziale und kulturelle Projekte in erheblichem Umfang.
-> Warum sollte nach einer Fusion (die nach meinem Wissen nicht unmittelbar bevorsteht) die Kreissparkasse (wo auch immer die dann sitzt) in NDH keine Sponsorengelder mehr ausschütten? Gibt es dafür irgendeinen Anhaltspunkt?

Erfolgte die Übernahme der Schulden des in Sondershausen pleite gegangenen Tourismusverbands anteilig durch Landkreis Nordhausen, Stadt Nordhausen oder sonstige Nordhäuser Träger? Wo hat der neu gegründete Tourismusverband seinen Sitz?
-> Der Tourismusverband ist 2013 in die Insolvenz gegangen. Was meinen Sie, was mit den Schulden einer GmbH oder eines e.V. passiert? Der Verein wird abgewickelt. Diese Schulden hängen nicht irgendwo rum und lauern darauf Nordhausen auf die Pelle gedrückt zu werden. Der Landkreis Sondershausen hatte eine Mietforderung an den Verein. Dieser konnte den Anspruch nicht bedienen, deshalb ist der Verein in die Insolvenz gegangen (Vermögen hatte er nicht), also bucht der Landkreis seine Forderungen aus und das war es. Die Delle sehen Sie in der Bilanz 2012/2013 und damit ist die Sache beendet.
-> Im übrigen kann ich Ihnen sagen, wo der Tourismusverband seinen Sitz haben wird: Trommelwirbel... in SDH. Was aber reichlich wenig mit der Fusion der Kreise zu tun hat, sondern schlichtweg dem Umstand geschuldet ist, dass dieser Verband schon 2 Jahre existiert und zu dieser Zeit noch andere Kriterien gezählt haben. Im übrigen hat dieser Verband einen ganz tollen Namen: Trommelwirbel... Tourismusverband Südharz Kyffhäuser... ich denke eine Umbenennung wäre angemessen in TV NUR (Erklärung folgt später).
siehe auch:
http://www.nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=162756

Übrigens mein Vorschlag für den Namen des neuen Landkreises: Nordhausen-Kyffhäuser mit dem Autokennzeichen NK(H).
-> Ich bin für: "Nordhausen-Unbedeutender Rest" mit dem Autokennzeichen NUR...
Waldemar Ceckorr
01.06.2017, 21:40 Uhr
die zeit für eine neuorientierung,
ist gekommen. weg von thüringen, richtung westen, hier hat nordhausen nichts zu erwarten.
verraten und verkauft von erfurt, von den kommunalpolitikern, allen voran LR klare kante.
und den anderen nickemännchen.

so sieht's der waldi
Mueller13
02.06.2017, 09:18 Uhr
Kindergarten!
Wenn dem Kleinkind früh die falsche Jacke angezogen bekommt, ruft es auch: Du bist nicht mehr meine Mutti, ich suche mir eine neue...

Wenn man solchen Anwandlungen nachgehen würde, kann man nie wieder etwas durchsetzen in diesem Land, weil die Peripherie sofort schreit: "dann suche ich mir eben eine neue Mutti..."
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