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So, 09:20 Uhr
21.05.2017
JU StartUP

Barrierefreie und behindertengerechte Gesellschaft?

Einen uneingeschränkten Zugang zu allen gestalteten Lebensbereichen, das wünschen sich viele Menschen mit körperlichen und seelischen Einschränkungen. Aber wie barrierefrei und behindertengerecht ist unsere Gesellschaft eigentlich? Mit diesem Thema befasste sich am gestrigen Samstagabend der JU StartUP in einer Podiumsdiskussion…

JU StartUP (Foto: Nicole Schulz) JU StartUP (Foto: Nicole Schulz)

Das Leben und den Alltag ganz ohne Barrieren gestalten zu können, ohne große Erschwernis und Hilfe von anderen, das ist leider heute noch nicht vollständig möglich. Dabei hindern gerade die Barrieren oftmals die Teilhabe an einem kulturellen und sozialen Leben sowie in der Arbeitswelt. Dies kam auch in der gestrigen Podiumsdiskussion der JUngen Union deutlich zum Ausdruck.

Eröffnet wurde der Abend im Speisesaal des Nordhäuser Schachtbaus durch den stellvertretenden Kreisvorsitzenden der Jungen Union, Tobias Ostmann. Dieser hieß die gekommenen Gäste herzlich willkommen und begrüßte die einzelnen Teilnehmer (Chris Schröder – Kreisvorsitzender der Jungen Union; Christoph Zyrus – Kreisvorsitzender der CDU Nordhausen; Tilly Pape – Leiterin der Nordthüringer Lebenshilfe Nordhausen; Carina Schmidt – Vorstand NUV) der Diskussionsrunde.

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Ehrengast der Runde war die 22jährige Denise Marko. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Filmpreis und dem Bambi, ist sie vielen aus der ARD Verfilmung CONTERGAN bekannt. Schon vor der Veranstaltung begrüßte die junge Frau die Gäste am Eingang des Veranstaltungsortes und hatte dabei eine so angenehme, positive Ausstrahlung, die sehr viel Kraft und Mut zum Ausdruck brachte. Selbst das sonst normale Händeschütteln war überhaupt kein Problem. Sie reichte zur Begrüßung einfach jedem Gast ihren rechten Arm.

Denise Marko unternahm bereits am Vormittag einen Rundgang durch die Innenstadt von Nordhausen. Chris Schröder, ausgestattet mit einem Rollator, machte sich mit seinen Begleitern einen Überblick darüber, wie barrierefrei man sich in unserer Stadt eigentlich bewegen kann und wie schwierig es letztendlich doch ist, mit einer körperlichen Einschränkung zu leben. Gerade der Gang durch die Altstadt mit all den Stufen und dem Kopfsteinpflaster war nicht ganz so einfach, so Denise Marko.

Eröffnet wurde die Podiumsdiskussion mit der Frage, wo sollten sich Besserungen ergeben? Frau Pape gibt an, dass es allein schon bei der Erreichbarkeit der öffentlichen Verkehrsmittel losgeht. Dabei erzählte sie von einem Fall, bei dem ein Fahrgast (im Rollstuhl sitzend) auf den Gleisen der HSB nicht beachtet wurde, obwohl die dafür zur Verfügung gestellten Hilfsmittel (ausklappbare Rampe) in der Bahn vorhanden waren. Aber an wichtigster Stelle stehen ein barrierefreies Denken und das Thema der Aufklärung der Gesellschaft.

Ein weiteres Thema der Diskussionsrunde war die Beschäftigung von behinderten Menschen. Hier gab es ordentlich Gesprächsbedarf zwischen Frau Pape und Frau Schmidt. Letztere kann einen guten Trend erkennen, dass Arbeitgeber bemüht sind, die vorgeschriebene, zu besetzende Quote zu besetzen und Menschen mit Behinderung zu beschäftigen. Sie betonte aber auch, dass es nicht allen Arbeitgebern möglich ist, dies in die Tat umzusetzen, da dies oft mit einem großen Aufwand verbunden ist. Frau Pape ist da anderer Meinung. Manche Arbeitgeber tun sich schwer mit der Einstellung von schwerbehinderten Arbeitnehmern. Gründe dafür sind oft die Aussagen, dass sie diese nicht mehr bzw. schwer kündigen können, wenn die Arbeitsanforderungen nicht geleistet werden können.

Das Gesetz legt dabei oft Steine in den Weg und geht oft an der Praxis vorbei. So ist es zum Beispiel schwierig, für einen Mitarbeiter, der zuvor in der Werkstatt der Nordhäuser Lebenshilfe beschäftigt war und an den Anforderungen im normalen Betriebsbereich scheitert, wieder zurück in die Werkstatt zu kommen. Dies sei mit einem enormen Bürokratie-Aufwand und einer langen Wartezeit verbunden. Zudem gibt es oft Reibungspunkte mit den Kostenträgern. Die Lebenshilfe hat begonnen Außenarbeitsplätze einzurichten. Derjenige wird dann zwar in einem Betrieb beschäftigt, gehört aber weiterhin zur Werkstatt. Somit ist die Rückkehr zurück in die Werkstatt beim Scheitern um einiges leichter.

Carina Schmidt sieht die Anpassung der Arbeitgeber an die Beschäftigung von Mitarbeitern mit Behinderung schon vorhanden. Arbeitgeber müssen sich immer mehr auf die Mitarbeiter einlassen und die Rahmenbedingungen so anpassen, dass sich die Mitarbeiter wohlfühlen und auch ihre Bedürfnisse weitestgehend abdecken können. Nur so kann auch gewährleistet werden, dass die Beschäftigten bis zum Rentenalter "durchhalten" können. Es werden auch noch viele Unternehmen nachziehen und sich entsprechend anpassen, denn der Konkurrenzkampf untereinander wird nicht weniger.

Auch die Thematik „barrierefreie Gebäude und barrierefreies Wohnen“ wurde analysiert. Denise Marko kann nicht nachvollziehen, warum es in den meisten Gebäuden immer Treppen oder eine Stufe geben muss. Ein ebener Eingang wäre für viele Menschen mit Behinderung viel besser. Auch Frau Pape hält das Umdenken der Wohnungs- und Hausbaugesellschaften für dringend notwendig. So sollte beim Neu- und/oder Umbau auf mehr Barrierefreiheit geachtet werden. Es müssen nicht immer die Stufen zum Einstieg in die Dusche sein. Vielmehr sollte der Fokus auf höher angebrachte WC-Anlagen; fußbodenebene Duscheingänge; breitere Türen und entsprechend eingerichtete Rampen gesetzt werden.

Im Laufe der Diskussionsrunde einigten sich Chris Schröder, Tilly Pape und Carina Schmidt auf einen gemeinsamen Deal. Herr Schröder, respektive die Junge Union wird sich die Zeit für einen Besuch in der Nordthüringer Lebenshilfe nehmen und sich nochmals mit Carina Schmidt zu einem gemeinsamen Gespräch zusammensetzen. Hier sollen alle heute gewonnenen Kenntnisse und dringenden Handlungsbedarfe sowie die Thematik der Aufklärung nochmals besprochen, in einem gemeinsamen Antrag festgehalten und zum Landestag im August präsent gemacht werden. Um den Zuhörern einen Beleg zu liefern, dass dieses Vorhaben auch tatsächlich in die Tat umgesetzt wurde, soll ein entsprechender Artikel im August/September erscheinen.

Frau Pape mochte zum Schluss der Podiumsrunde nochmals darauf hinweisen, dass das barrierefreie Denken enorm wichtig ist. Das fängt schon bei der bürgerlich-gemeinsamen Unterstützung an. Barrierefreiheit nutzt allen: Menschen mit und ohne Behinderung, Senioren, Kindern, Eltern und Menschen, die nur vorübergehend in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. So hilft ein Aufzug Eltern mit Kinderwagen, alten und gehbehinderten Menschen gleichermaßen. Barrierefreiheit geht Menschen ohne Behinderung auch deswegen an, weil sie irgendwann womöglich selbst auf gut zugängliche Gebäude angewiesen sind.

Geschenkübergabe an Denise Marko (Foto: Nicole Schulz) Geschenkübergabe an Denise Marko (Foto: Nicole Schulz)


Das Schlusswort hat Herr Ostermann. Er bedankt sich recht herzlich bei seinen Podiumsgästen und überreichte als Dankeschön kleine Geschenke in Form von Blumen für die Frauen und einen edlen Tropfen für die Männer. Denise Pape bekam als Ehrengast einen blühenden Rosenbaum überreicht, als Dankeschön und gleichzeitig als Einzugsgeschenk in ihr eigenes Häuschen. Auch ein Dankeswort an die gekommenen Gäste und an die Unterstützer der Veranstaltung durfte dabei nicht fehlen. Bei einem anschließenden Snack ließen die Gäste beim gemütlichen Smalltalk den Abend ausklingen.
Nicole Schulz
Autor: nis

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