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Fr, 14:34 Uhr
17.09.2004

Nicht in Fahrt gekommen

Nordhausen (nnz). Die Industrie- und Handelskammer Erfurt hat heute das regionale Konjunkturbarometer vorgestellt. Fazit: Es sinkt. Einzelheiten zu dieser Entwicklung mit dem bekanten Klick.


Bereits zum zweiten Mal in Folge ist der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Situation als auch die Pläne und Erwartungen der Unternehmen für die nächsten Monate berücksichtigt, um fünf Punkte zur vorhergehenden Analyse gefallen. Er erreicht damit 121 von 200 möglichen Prozentpunkten und liegt bereits 11 Punkte unter dem Höchststand vom Jahres-ende 2003, wo insbesondere das Vorziehen der Steuerreform für eine optimistische Grundstimmung sorgte. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Erfurt unter 1.014 Firmen Nord- und Mittelthüringens.

„Die Hoffnung auf eine andauernde Konjunkturerholung hat erneut einen Dämpfer bekommen“, beurteilt IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser die aktuelle Situation. Trotzdem wertet er dies nicht als Signal für einen neuen Abschwung, sondern nur als Zeichen für eine Verlangsamung der Dynamik. Immerhin würden 76 Prozent der Unternehmer die derzeitige Geschäftslage mit „gut“ bis „befriedigend“ einschätzen und jeder Dritte im Gewinnbereich wirtschaften. Für eine Wende auf dem Arbeitsmarkt reiche dies jedoch nicht aus. Selbst der Stellenzuwachs in der Thüringer Industrie könne den Abbau in Handel, Gastronomie, Bau und Dienstleistungen nicht kompensieren.

„Stütze der Konjunktur bleibt die Industrie und hier vor allem der Export“, so Grusser. Fast 70 Prozent der befragten Firmen rechneten auch in den nächsten Monaten mit lebhaften Auslandsgeschäften und steigender Kapazitätsauslastung. Neueste Zahlen aus der Statistik bestätigten den stabilen Kurs. So stieg der Auslandsumsatz der Thüringer Industrie in den ersten sieben Monaten im Vergleich zum Vorjahr um beachtliche 16,8 Prozent auf knapp 3,6 Milliarden Euro und die Exportquote auf 27,1 Prozent.

Weitaus skeptischer beurteilen die Thüringer Manager die nächsten Monate. Jeder Vierte erwartet einen ungünstigeren Geschäftsverlauf und sieht Gefahren in hohen Öl- und Stahlpreisen, nachlassenden Impulsen aus der Weltwirtschaft und schwacher Binnennachfrage. „Der private Konsum und die massive Kaufzurückhaltung der Verbraucher ist und bleibt die Achillesferse der Konjunktur“, verweist Grusser auf den Einbruch des Einzelhandels-Index um 17 Punkte gegenüber der vorhergehenden Analyse. Mehr als die Hälfte der Händler würden über Gewinn- und Umsatzrückgänge berichten. Die schlechte Arbeitsmarktlage und die anhaltende Diskussion um Hartz IV führten zu übertriebenem Angstsparen, dessen Auswirkungen auch die Gastronomie schmerzhaft zu spüren bekomme. „Bei 43 Prozent der Befragten laufen die Geschäfte schlecht; fast jeder Zweite schreibt rote Zahlen“, fasst Grusser zusammen. Im bisherigen Jahresverlauf hätten die Thüringer Gastwirte durchschnittliche Umsatzeinbußen von 8,4 Prozent verkraften müssen.

Die Stimmung auf dem Bau zeige sich nicht mehr so dramatisch wie am Jahresanfang. Allerdings würden lediglich 9 Prozent der Firmen mit Gewinn arbeiten, plane jeder zweite Betrieb weitere Entlassungen. Im Thüringer Baugewerbe ging in den letzten 12 Monaten jeder achte Arbeitsplatz (3.256) verloren. Den deutlichsten Umsatzeinbruch verbuchte der Wohnungsbau mit 16,1 Prozent, gefolgt vom gewerblichen Bau mit 9,3 Prozent.

Fazit: Die konjunkturelle Erholung hat weiter an Dynamik verloren. Die Stimmung in der regionalen Wirtschaft hinkt den vergleichsweise „robusten“ Wachstumsprognosen der Bundesregierung deutlich hinterher. Impulse kommen gegenwärtig nur vom Export, während die Binnenwirtschaft deutlich lahmt. Hohe Arbeitslosigkeit und Angst vor dem Jobverlust drosseln die Konsumlust. Die konfuse Reformdebatte verunsichert zusätzlich, statt Hoffnungen zu wecken. Zu groß sind die konjunkturellen Unwägbarkeiten, zu unsicher die künftigen Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Oder anders formuliert: Das schlingernde Schiff braucht wieder einen klaren Kurs.
Autor: nnz

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