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Mo, 11:06 Uhr
06.03.2017
Chancen und Grenzen moderner Schmerzbehandlung

Krank vor Schmerz

Er kann brennen, pochen, stechen oder drücken. Manchmal kommt er schleichend oder ganz plötzlich: der Schmerz. Schmerz ist unangenehm und löst das Verlangen nach rascher Betäubung aus. Doch er ist wichtig, denn der Körper gibt damit zu verstehen: Stopp, hier ist etwas nicht in Ordnung...

Schmerzskala (Foto: Helios Bleicherode) Schmerzskala (Foto: Helios Bleicherode)

Dr. Steffen Zwanzig, Leitender Oberarzt für Anästhesie und Intensivmedizin und Schmerztherapeut in der HELIOS Klinik Bleicherode leitet die multimodale Schmerztherapie und weiß um die komplexe und manchmal langwierige Therapie schmerzgeplagter Patienten. Im Rahmen der nächsten Patientenakademie spricht er morgen (7. März) über Chancen und Grenzen moderner Schmerztherapie. Vorab im Interview erklärt er, wodurch Schmerzen ausgelöst werden, wie lange eine individuell abgestimmte Schmerztherapie dauert und welche Wege aus dem „Schmerzdilemma“ möglich sind.

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Herr Dr. Zwanzig, was genau ist Schmerz und wie drückt er sich aus?

Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit aktueller oder potentieller Gewebeschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird. Schmerz ist ein Phänomen, was nach Verletzungen oder Störungen des Körpers ebenso entstehen kann, wie durch „Verletzungen“ der Psyche, ähnlich dem Trennungsschmerz oder auch Heimweh.

Was muss ich mir unter einer Schmerztherapie vorstellen?

Eine Schmerztherapie zielt immer auf die Linderung von Schmerz, von Leid, Qual, Pein oder Traurigkeit. Die Art des Schmerzes entscheidet über die Behandlung. Ein sogenannter Akutschmerz nach Bruch eines Armes ist immer zeitlich begrenzt, kann recht schnell gelindert oder gar behoben werden. Ein chronischer Schmerz stellt den Behandler vor eine größere Herausforderung. Die vom Akutschmerz bekannte Warn- und Schutzfunktion geht beim chronischen Schmerz verloren. Oft stellt er ein eigenständiges Krankheitsbild dar. Die Behandlung erfordert die Betrachtung zahlreicher Puzzleteile. Erst das Zusammenfügen ergibt ein erkennbares Bild und hat beste Aussicht auf einen Behandlungserfolg. Die Behandlung eines Patienten mit chronischem Schmerz ist immer eine Teamleistung von Vertretern verschiedener medizinischer Fachrichtungen.

Wie viele Schmerzpatienten gibt es?

Dr. Steffen Zwanzig (Foto: Helios Bleicherode/Weller) Dr. Steffen Zwanzig (Foto: Helios Bleicherode/Weller) Etwa jeder 7. Bundesbürger leidet unter chronischen Schmerzen. Bei rund 2,2 Millionen Thüringern wären das 300 000 Betroffene. Es gibt in der Bundesrepublik keine epidemiologischen Studien, die wissenschaftlich gesicherte Aussagen über die Häufigkeit, Dauer und Intensität verschiedener Schmerzsyndrome, deren Ursachen und Folgen ermöglichen. Es gibt jedoch Erhebungen, die besagen, dass für eine flächendeckende Versorgung chronischer Schmerzpatienten etwa 2000 schmerztherapeutische Einrichtungen notwendig wären. Tatsächlich gibt es weniger als die Hälfte notwendiger Spezialisten, die gezielt Schmerztherapie betreiben.

Welche Arten von Schmerz werden in der HELIOS Klinik Bleicherode behandelt und wie sieht diese Therapie aus?

Als Klinik mit operativen Abteilungen für Orthopädie und Neurochirurgie behandeln wir natürlich Schmerzen rund um Operationen an großen und kleinen Gelenken und der Wirbelsäule. Dafür nutzen wir modernste Narkoseverfahren, schmerzlindernde Präparate und Schmerzkathetertechniken. Patienten mit chronischen Schmerzen, insbesondere am Stütz- und Bewegungssystem, werden im Rahmen eines multimodalen Behandlungsprogrammes betreut. Ein interdisziplinäres Expertenteam befindet über die Notwendigkeit der Behandlung und deren Behandlungsinhalte. Die Patienten erhalten dann von uns einen individuellen Behandlungsplan. Regelmäßige Patientenkontakte und Besprechungen der Mitglieder des Behandlungsteams ermöglichen jederzeit eine Anpassung der Therapieinhalte.

Wie lange dauert eine Schmerztherapie?

Der Behandlung chronisch schmerzkranker Patienten in speziellen Abteilungen geht zumeist eine langwierige ambulante Betreuung voraus. Wir betreuen unsere Patienten bis zu 14 Tagen im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie. Die Dauer der stationären Behandlung ist natürlich von zahlreichen individuellen Faktoren abhängig. Ist eine Veränderung der Behandlungsintensität angezeigt, erfolgt auch eine Anpassung der Behandlungszeit.

Was ist das Besondere an der Schmerztherapie in Ihrer Klinik?

Betroffene mit anhaltenden, schwer beeinflussbaren Schmerzen benötigen eine gezielte, spezialisierte Behandlung. Die Multimodale Schmerztherapie als ein neues Behandlungskonzept im Umgang mit chronischem Schmerz kann Ansätze finden und Wege aus dem „Schmerzdilemma“ weisen. Patienten, die durch den Schmerz oder dessen Folgen deutlich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt sind oder denen das bisherige medizinischen Vorgehen (Operationen, Medikamente, Behandlungen) nicht geholfen hat, bei denen eine Medikamentenabhängigkeit besteht oder gravierende psychische oder körperliche Begleiterkrankungen diagnostiziert wurden, können von einem individuellen, speziell auf die Erfordernisse abgestimmten Behandlungsplan profitieren. Unser Behandlungsteam von Pflegenden, Psycho- und Physiotherapeuten, Ärzten verschiedener Fachdisziplinen betreut, untersucht, diagnostiziert, behandelt gezielt alle Patienten nach einem vorgegebenem Behandlungsplan. Jedem Patienten wird eine inhaltlich fundierte, zeitlich und in der Vorgehensweise aufeinander abgestimmte, umfassende Behandlung in angenehmer Umgebung zuteil.

Einmal Schmerzpatient – immer Schmerzpatient? Kann man den Schmerz langfristig lindern oder ganz und gar heilen?

Für einige Patienten trifft dies zu. Viele Kopfschmerzpatienten können bisher nur eine Linderung erwarten. Migräne ist zum Beispiel nicht heilbar. Aber die Behandlung anderer chronischer Schmerzen orientiert sich zu häufig noch an Konzepten der Akutschmerztherapie, mit der Konsequenz, dass wegen zu lange hinausgezögerter oder unterbleibender interdisziplinärer Diagnostik und Therapie viele Betroffene geschädigt werden. Interdisziplinäre Behandlung zielt auf eine Beeinträchtigungsminderung, auf eine Verbesserung der Lebensqualität und weniger auf das Erreichen einer Schmerzfreiheit ab. Erst das Zusammenspiel schmerzmedizinischer und psychosozialer Behandlungen ermöglicht dem chronisch Schmerzkranken eine persönliche und berufliche Zukunft.

Weitere wichtige Informationen von Dr. Steffen Zwanzig zum Thema Schmerz, Schmerztherapie und Behandlungsmöglichkeiten erfahren Interessierte zur Patientenakademie morgen in der HELIOS Klinik Bleicherode. Der Eintritt ist frei.
Autor: red

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