Fr, 13:37 Uhr
10.09.2004
Besuch im Depot
Nordhausen (nnz). Am Sonntag zeigen viele Museen ihre historischen Schätze. Die nnz durfte heute schon mal einen Blick ins neue Museumsdepot werfen. Auch der Speicher des früheren Meyenburgmuseums bot einige Geheimnisse.
Besuch im Depot
(Foto: nnz)
Eigentlich sieht es auf dem Boden des ehemaligen Meyenburgmuseums nicht anders aus als in der Rumpelkammer alter Häuser. Möbel stehen herum, staubige Tierpräparate, Einzelteile aus Holz und die unwiederbringlichen, alten Fahnen hängen von der Decke. Die Wände sind nicht isoliert, im Sommer ist es hier brennend heiß, nicht selten über 40 °C, im Winter eiskalt. Das ist wirklich kein guter Ort zur Lagerung wertvoller, stadtgeschichtlicher Exponate.
Viele Dinge besitzen nicht mal eine Registriernummer. Nur was einmal in einer Ausstellung des Meyenburgmuseums gezeigt wurde, bekam eine Nummer im Katalog zugewiesen.
Die wertvollsten Stücke wurden schon vor einer Weile in das neue Depot im Walkenrieder Hof gebracht. Dazu gehört unter anderem ein Altartuch, welches jahrelang als "Teil eines barocken Kleides" katalogisiert war. Auch die Porzellansammlung und die archäologischen Exponate befinden sich dort. Um letztere kümmert sich Denkmalpfleger Hans-Jürgen Grönke.
Andere Ausstellungstücke gehen an die ursprünglichen Besitzer zurück. So stellte die Stadt Heringen Ansprüche an Gegenständen, die in den 1950 er Jahren dem Museum überlassen wurden. Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose empfindet das als Entlastung für das Depot.
Der Boden des Kunsthauses Meyenburg soll nach einer Renovierung weiterhin genutzt werden. Hier können Bilderrahmen, Vitrinen für Ausstellungen und wenig empfindliche Gegenstände untergebracht sein.
Über wie viele Exponate die Stadt Nordhausen verfügt, wissen weder Dr. Klose noch Astrid Sanftleben, die sich um die Katalogisierung kümmert, wirklich. Sie schätzen, daß 20.000 bis 30.000 Dinge an verschiedenen Orten lagern. Der älteste Besitz sind vermutlich Pfennige aus dem 13. Jahrhundert. Archäologische Funde sind aber oft noch älter.
Einige Stücke wurden von späteren Generationen zweckentfremdet. So wurde eine Friedensschlußdecke vom 15. Februar 1763 später als Kaffeedeckchen mißbraucht. Entsprechende Flecken der braunen Brühe weisen darauf hin. Die Friedensdecken wurden in früherer Zeit gewebt, um an bedeutende Verträge zu erinnern.
Sie bestanden aus sehr hochwertigen Stoffen, sonst wären sie längst zerstört wie einige der historischen Fahnen. Diese hingen früher einfach unter dem Dach des Meyenburgmuseums, was ihnen nicht gut tat. Fahnen sind kompliziert zu lagern, da sie aus Holz, Metall und Stoff bestehen, Materialien also, die jeweils unterschiedliche Bedingungen brauchen. Ein passender Schrank ist schon bei den Werkstätten des Horizont-Vereines bestellt. Es wird eine fahrbare Spezialanfertigung ausschließlich aus Holz sein.
Einiges ist auch im neuen Depot im Walkenrieder Hof noch nicht so wie es sein soll. Nicht alle Möbelstücke stehen auf Paletten. Das liegt daran, daß der Boden dort leicht abschüssig ist und sich die Möbel verziehen, wenn sie nicht genau senkrecht stehen. Dieses Problem muß noch ausgeglichen werden.
Seit 2002 wurden Exponate vom Museum hier ins Depot geschafft. Astrid Sanftleben ist erst seit Februar diesen Jahres damit beschäftigt diese Dinge zu sortieren und zu entscheiden, was man rekonstruieren könnte. Das hängt davon ab, wie wertvoll ein Stück ist und was in Ausstellungen gezeigt werden kann. Einiges ist jedoch für immer verloren, da es der Lagerung auf dem Boden nicht standgehalten hat.
Der Speicher im Kunsthaus ist für die Allgemeinheit nicht zugänglich. Das Depot im Walkenrieder Hof können Sie am 12. September zum Tag des offenen Denkmals besichtigen.
Autor: wf
Besuch im Depot
(Foto: nnz)
Eigentlich sieht es auf dem Boden des ehemaligen Meyenburgmuseums nicht anders aus als in der Rumpelkammer alter Häuser. Möbel stehen herum, staubige Tierpräparate, Einzelteile aus Holz und die unwiederbringlichen, alten Fahnen hängen von der Decke. Die Wände sind nicht isoliert, im Sommer ist es hier brennend heiß, nicht selten über 40 °C, im Winter eiskalt. Das ist wirklich kein guter Ort zur Lagerung wertvoller, stadtgeschichtlicher Exponate. Viele Dinge besitzen nicht mal eine Registriernummer. Nur was einmal in einer Ausstellung des Meyenburgmuseums gezeigt wurde, bekam eine Nummer im Katalog zugewiesen.
Die wertvollsten Stücke wurden schon vor einer Weile in das neue Depot im Walkenrieder Hof gebracht. Dazu gehört unter anderem ein Altartuch, welches jahrelang als "Teil eines barocken Kleides" katalogisiert war. Auch die Porzellansammlung und die archäologischen Exponate befinden sich dort. Um letztere kümmert sich Denkmalpfleger Hans-Jürgen Grönke.
Andere Ausstellungstücke gehen an die ursprünglichen Besitzer zurück. So stellte die Stadt Heringen Ansprüche an Gegenständen, die in den 1950 er Jahren dem Museum überlassen wurden. Kulturamtsleiterin Dr. Cornelia Klose empfindet das als Entlastung für das Depot.
Der Boden des Kunsthauses Meyenburg soll nach einer Renovierung weiterhin genutzt werden. Hier können Bilderrahmen, Vitrinen für Ausstellungen und wenig empfindliche Gegenstände untergebracht sein.
Über wie viele Exponate die Stadt Nordhausen verfügt, wissen weder Dr. Klose noch Astrid Sanftleben, die sich um die Katalogisierung kümmert, wirklich. Sie schätzen, daß 20.000 bis 30.000 Dinge an verschiedenen Orten lagern. Der älteste Besitz sind vermutlich Pfennige aus dem 13. Jahrhundert. Archäologische Funde sind aber oft noch älter.
Einige Stücke wurden von späteren Generationen zweckentfremdet. So wurde eine Friedensschlußdecke vom 15. Februar 1763 später als Kaffeedeckchen mißbraucht. Entsprechende Flecken der braunen Brühe weisen darauf hin. Die Friedensdecken wurden in früherer Zeit gewebt, um an bedeutende Verträge zu erinnern.
Sie bestanden aus sehr hochwertigen Stoffen, sonst wären sie längst zerstört wie einige der historischen Fahnen. Diese hingen früher einfach unter dem Dach des Meyenburgmuseums, was ihnen nicht gut tat. Fahnen sind kompliziert zu lagern, da sie aus Holz, Metall und Stoff bestehen, Materialien also, die jeweils unterschiedliche Bedingungen brauchen. Ein passender Schrank ist schon bei den Werkstätten des Horizont-Vereines bestellt. Es wird eine fahrbare Spezialanfertigung ausschließlich aus Holz sein.
Einiges ist auch im neuen Depot im Walkenrieder Hof noch nicht so wie es sein soll. Nicht alle Möbelstücke stehen auf Paletten. Das liegt daran, daß der Boden dort leicht abschüssig ist und sich die Möbel verziehen, wenn sie nicht genau senkrecht stehen. Dieses Problem muß noch ausgeglichen werden.
Seit 2002 wurden Exponate vom Museum hier ins Depot geschafft. Astrid Sanftleben ist erst seit Februar diesen Jahres damit beschäftigt diese Dinge zu sortieren und zu entscheiden, was man rekonstruieren könnte. Das hängt davon ab, wie wertvoll ein Stück ist und was in Ausstellungen gezeigt werden kann. Einiges ist jedoch für immer verloren, da es der Lagerung auf dem Boden nicht standgehalten hat.
Der Speicher im Kunsthaus ist für die Allgemeinheit nicht zugänglich. Das Depot im Walkenrieder Hof können Sie am 12. September zum Tag des offenen Denkmals besichtigen.


