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Mi, 14:08 Uhr
08.02.2017
Bonhoeffer-Wochenende in Niedersachswerfen

Ist die Kirche noch zu retten?

"Ist die Kirche noch zu retten?" unter diesem Motto lud die Kirchengemeinde Niedersachswerfen zum zehnten Mal ins Bonhoeffer-Haus ein. Angesichts des neuen Stellenplans im Kirchenkreis Südharz und der viel zitierten sinkenden Kirchenmitgliederzahlen eine brennend aktuelle Frage...

Entsprechend hatten sich Zuhörer aus dem gesamten Kirchenkreis auf den Weg gemacht. Sie erwartete ein lebendiger Vortrag mit Diskussion und Zeit für gute Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Referent war in diesem Jahr der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Südharz Michael Bornschein. Seit 2014 ist er Rektor des Pastoralkollegs in Drübeck.

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Ist die Kirche nun zu retten? Superintendent Andreas Schwarze hat den Vortrag für uns zusammengefasst. Nein und Ja – so lautet Bornscheins Fazit. Alles andere hätte auch verwundert. Nein, weil Veränderungen auch unumkehrbare Abschiede sind. Ja, weil im derzeitigen Veränderungsprozess nicht eine ganze Kirche stirbt, sondern eine Form von Kirche, die uns seit Kindertagen vertraut ist. Als anschauliches Beispiel nannte er den Wald im Hochharz, der derzeit unter einem massenhaften Befall von Borkenkäfern leidet. Aber….nicht der Wald stirbt, es sterben einzelne Bäume. Die absterbenden Bäume machen Platz für Neues. Der Anblick ist schmerzlich, man muss Abschied nehmen von Liebgewonnenem. Vergleichbares geschieht heute in der Kirche. Eine andere Art von Kirche wird aus dem derzeitigen Veränderungsprozess hervorgehen.

Ist die Kirche noch zu retten? - Bonhoeffer Wochenende in Niedersachswerfen (Foto: Regina Englert)
Ist die Kirche noch zu retten? - Bonhoeffer Wochenende in Niedersachswerfen (Foto: Regina Englert)
Ist die Kirche noch zu retten? - Bonhoeffer Wochenende in Niedersachswerfen (Foto: Regina Englert)
Ist die Kirche noch zu retten? - Bonhoeffer Wochenende in Niedersachswerfen (Foto: Regina Englert)

Mit Verweis auf sich selbst – er sei ein „hoffnungslos optimistischer“ Mensch – macht Bornschein seinen Zuhörern Mut, sich von den kleiner werdenden Zahlen nicht erdrücken oder gar mutlos machen zu lassen. Gleichzeitig fordert er aber auch eine ehrliche Analyse über den geistlichen Zustand unserer Kirche ein.

Zum Abschluss seines Vortrages ermuntert er die Zuhörer mit hilfreichen Einsichten. Beginnend mit Martin Luther: Das Evangelium ist ein „fahrender Platzregen“, wir haben es nicht in der Hand, ob und wie Gottes Wort Menschen erreicht oder nicht. Und sogleich folgt eine weitere, bildreiche Verdeutlichung.

Darin vergleicht er die kirchlichen Veränderungen unserer Zeit mit einem großen Garten. Bisher waren für seine Pflege viele Gärtner zuständig. Nun sind es weniger geworden. Der Garten aber blieb in seinem Umfang gleich. Jetzt können die verbleibenden Mitarbeiter überlegen, ob sie alles so weiter machen wie bisher, nur nicht mehr so schön und tiefgreifend oder ob sie mehr arbeiten als vorher, um das Pensum zu schaffen. Beides wäre wenig sinnvoll. Im ersten Falle würden sich trotz bleibender und regelmäßiger Arbeit Unkraut ausbreiten. Mit der Erkenntnis, nicht alles schaffen zu können, wären Frust und Unzufriedenheit verbunden. Im zweiten Fall würden die Mitarbeiter irgendwann überarbeitet sein und ein hoher Krankenstand das ganze Vorhaben zum Scheitern bringen.

Der gesamte Garten wäre gefährdet. Ein dritter Weg könnte Abhilfe schaffen: Der Garten erfährt in seiner Kernzone weiterhin tatkräftige und zu schaffende Arbeit, in den Randzonen und an geeigneten Stellen könnten Rasen oder Brachzonen zur Entlastung beitragen. Übertragen auf die Kirche bedeutet dies: Ein Schlüssel zur Lösung liegt in der Konzentration auf das, was Gemeinden von sich aus wollen und können - als Kirche vor Ort, als Kirche im Ort, als Kirche für den Ort. Letztendlich ist dies ein deutliches Ja für eine neue Art von Kirche, die den Blick der Gemeinden wieder auf den Samen des Evangeliums im täglichen Leben lenkt.
Kirchenkreis Südharz
Autor: red

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Kommentare
Leser X
08.02.2017, 14:58 Uhr
Klar wäre die Kirche noch zu retten...
... wenn sie endlich auf die Sorgen und Nöte der Leute einginge. Sie könnte sogar ganz besonders mutig und tapfer sein, und sich gar an die Spitze einer dringend benötigten sozialen Bewegung setzen, da es dafür keine geeignete Partei mehr zu geben scheint in diesem Land.

Chancen gäbe es also durchaus, die Kirche noch zu retten. Und wenn sie die nicht nutzt, wird sie weiter an Bedeutung verlieren.
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