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Fr, 10:46 Uhr
03.02.2017
Durchblutung und Diabetes

Die schmerzlose Gefahr

Im Rahmen der Öffentlichen Vortragsreihe fanden sich am Mittwoch wieder über 100 Interessierte im Südharz Klinikum ein, um die sehr aufschlussreichen Ausführungen von Dr. med. Wieland Gunkel, langjähriger Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie, zu verfolgen. Thema des Abends waren Durchblutungsstörungen bei Diabetes mellitus...

Diabetes mellitus hat sich in den letzten Jahren zu einer Volkskrankheit nicht nur in Deutschland sondern weltweit entwickelt. Dabei macht Diabetes keine Schmerzen, sondern macht eher „schmerzlos"...

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Komplikationen mit alleiniger Entgleisung des Stoffwechsels mit Über- oder Unterzuckerung sind mit den heutigen medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten und Überwachungsmaßnahmen des Blutzuckers nicht mehr so relevant wie vor Jahren. Allerdings spielt die permanente, auch „leichte Überzuckerung" eine entscheidende Rolle für die Entstehung der Diabetes-Folge-Erkrankungen.
Umso mehr treten die Spätkomplikationen des Diabetes in den Fokus.

Die relevanten Diabeteskomplikationen spielen sich zunächst unbemerkt am arteriellen Gefäßsystem ab und führen an vielen Organen zur Funktionsverschlechterung.
Entscheidende Veränderungen betreffen die peripheren Nerven und deren Funktion in Form der diabetischen Neuropathie. Über lange Zeit unbekannt, unbeachtet und unbehandelt ist es ein besonders schwerer Verlauf der Arterioskleroseerkrankung die sich verstärkt im Rahmen des Diabetes, an den Arterien entwickelt.

Dr. med. Wieland Gunkel, langjähriger Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie (Foto: Südharz Klinikum Nordhausen gGmbH) Dr. med. Wieland Gunkel, langjähriger Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie (Foto: Südharz Klinikum Nordhausen gGmbH)

Erkrankungen der kleinen Gefäße führen u.a. zur Niereninsuffizienz und späteren Dialysepflichtigkeit. Die Schädigung der Augenarterien führt über Beeinträchtigung des Sehvermögens zur Blindheit.
Sind größere Gefäße betroffen sind Herzinfarkt und Schlaganfall die im Zusammenhang stehenden potenziell lebensbedrohenden Folgeerkrankungen.

Die periphere Form der Arteriosklerose verursacht die periphere Arterienverschlußkrankheit (pAVK) insbesondere der Beingefäße. Sie führt zu Einschränkungen der Blutversorgung der betroffenen Extremität und ist neben und gemeinsam mit der diabetischen Neuropathie eine Hauptursache für die erhöhte Amputationsrate bei Menschen mit Diabetes.

Die Bedeutung, die Auswirkungen der pAVK steigen mit zunehmendem Lebensalter. Im Alter von 70 Jahren findet sich die pAVK bei jedem 4. Menschen.
Kommen mehrere Risikofaktoren für die Arterioskleroseentstehung zusammen, erhöht sich der Anteil erheblich.

Die pAVK beim Diabetiker verläuft trügerisch und vermeintlich milder. Durch die häufige Störung der Nervenleitung, die diabetische Polyneuropathie werden Warnsignale, Schmerzen, nicht wahrgenommen. An den Füßen werden Wunden nicht bemerkt oder nicht ernst genommen. Fehlstellungen der knöchernen Fußstrukturen führen unbemerkt zur Entstehung von Druckstellen und nachfolgend Wunden. Aufgrund schlechter Durchblutung können diese nicht mehr heilen.

Das in seiner Komplexität entstehende „diabetische Fußsyndrom“ ist aber gerade dem Betroffenen, dem Diabetiker, immer noch weitgehend unbekannt. Anhand eindrucksvollen Bildern und Bespielen machte Dr. Gunkel in aller Klarheit deutlich, wie wichtig die rechtzeitige Behandlung von Durchblutungsstörungen bei Diabetes mellitus ist.

Verständnis und Aufklärung sind neben dem Interesse an eigener Gesundheit entscheidende Voraussetzungen um mit den lebenslang bestehenden Folgeerscheinungen des Diabetes umzugehen und Komplikationen lange aus dem Weg gehen zu können.

Der nächste kostenfreie Vortrag findet am 01.03.2017 um 17.00 Uhr in der Kantine des Südharz Klinikums zum Thema: „Und jetzt sind wir Eltern – Was in den ersten Tagen nach der Geburt passiert“ statt.
Autor: red

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Kommentare
Bodo Schwarzberg
04.02.2017, 01:28 Uhr
Volksseuche Diabetes-und niemand tut was.
Die WHO warnte die Staaten der Welt vor einigen Jahren eindringlich vor den gesellschaftlichen Folgen der weltweit explodierenden Diabetes-Pandemie. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat gerade einen abermals besorgniserregenden Bericht über die Fettleibigkeit der Deutschen veröffentlicht. Beides hängt, wir wissen es, zusammen. Innerhalb weniger Jahre sei der Anteil Übergewichtiger um 40 % gestiegen. Leider aber scheinen sich Fachleute wie Dr. Gunkel den Mund fusselig reden zu können: Die meisten Präventivmaßnahmen gelten als wirkungslos. "Dick ist normal" titelte eine Zeitung. Und auch Diabetes wird immer normaler. Vier bis 6 Millionen Deutsche haben das. Und wenn mehr als die Hälfte der Erwachsenen übergewichtig ist, dann wird das eigentlich normale Aussehen tatsächlich unnormal. Dabei ist der Mensch nicht für ein Dasein als "Mastschwein" und Bewegungsmuffel gedacht. Unsere Erbsubstanz hat schließlich die "Erfahrungen" von Jahrzehntausenden Natürlichkeit gespeichert, nicht aber die von 50 Jahren vor dem Fernseher, PC und am Schreibtisch. Die Folgen für das Gemeinwohl sind gravierend: Menschliches Leid durch die von Dr. Gunkel geschilderten Krankheiten ebenso, wie Milliarden Kosten für die Solidargemeinschaft. Nierenversagen, Verlust des Augenlichts, Herzinfarkt, Schlaganfälle, Amputationen und mehr....Es ist eine Katastrophe in unseren Alltag gekommen, ja sie ist allgegenwärtig.

Politiker und Krankenkassen fordern eine Revolution gegen das grassierende Übergewicht, hohe Steuern auf Süßes und Fettes und mehr Bewegung. Doch für wirkliche Effekte fehlt nur eins: Der Willen auf allen Seiten: Weder Pharmawirtschaft, noch Gesundheitswesen - und die Bevölkerung selber möchten gern auf lieb Gewonnenes bzw. Profitables verzichten. Denn Leid bringt viel Geld und ein Volk, das sich mit Essen und Trinken beschäftigt, hat weniger Zeit zum Denken. Brecht wusste doch: "Erst wird gefressen, dann kommt die Moral."
Aber ist es menschlich von der Politik, wenn sie keine Gegenmaßnahmen ergreift?
Zukunft
04.02.2017, 08:59 Uhr
Herr Schwarzberg
Herr Schwarzberg, ihr Kommentar ist gut aber einseitig. Sie vergessen eins, die Werte für Bluthochdruck, Blutzucker und Cholesterin sind in den vergangenen 25 Jahren immer weiter abgesenkt worden. Wer 1980 noch als gesund galt, ist heute krank.

Und sie vergessen noch was, schauen Sie sich mal an, welche Leute heute älter als 90 Jahre sind, sind das Leute die dünn sind, oder etwas beleibt? Ihre Theorie mit dem Übergewicht ist nicht allgemein gültig.

Studien an 100 jährigen haben gezeigt, dass die Wissenschaft nicht wirklich das Geheimnis des hohen Alters kennt!!!
Leser X
04.02.2017, 11:27 Uhr
Jeder hat es in der Hand
Nicht jede Form des Diabetes ist Folge ungesunden Lebens. Doch egal ob Typ 1 oder 2, der Betroffene hat es in der Hand, Folgeerkrankungen zu vermeiden oder zumindest abzuschwächen. Hier sollte jeder Patient lernen, dass er selbst sein eigener Doktor wird. Das kann, ja das sollte man lernen, wenn diese Erkrankung einmal diagnostiziert wurde.

Wichtig ist, die heutigen Möglichkeiten der Selbstkontrolle über die vorhandenen Meßsysteme zu nutzen und vor allem für sich zu interpretieren. Das erfordert Selbstdisziplin, ein gewisses Maß an Tagesplanung und die Anpassung der Malzeiten an die Insulingaben - bei insulinpflichtigen Patienten.

Und wenn das einhergeht mit regelmäßiger Bewegung und auch einigen Sporteinheiten, egal ob z.B. gehen, laufen, radfahren, schwimmen... dann wird man merken, dass Diabetes keine Krankheit sein muss, sondern eher eine etwas bedingte Gesundheit.

Wer dann merkt, dass nicht der Diabetes ihn beherrscht sondern er/sie den Verlauf des Diabetes erfolgreich in Grenzen halten kann, wird sich immer wieder das nötige Maß an Eigenmotivation verschaffen.

Wer allerdings das Problem verdrängt und versucht weiterzuleben als ob nichts wäre, dem drohen schlimmstenfalls Dialyse, Amputationen oder Blindheit. Jeder hat es in der Hand.
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