Mo, 20:52 Uhr
30.08.2004
Weg des Lebens gegangen
„Weg des Lebens gegangen“ (Foto: nnz)
Nordhausen (nnz). Mehrere französische, belgische und deutsche Überlebende des KZ Mittelbau-Dora gedachten heute gemeinsam mit rund 50 Schülern aus Göttingen und Osterode am Harz der Opfer Südharzer KZ-Außenlager. Dabei wurde auch eine Petition übergeben.Organisiert von der AG Spurensuche in der Südharzregion und der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora nahmen sie an dem nun schon seit vier Jahren veranstalteten Projekt Weg des Lebens teil, mit dem an die Opfer der Todesmärsche im April 1945 erinnert wird. Damals trieb die SS die Insassen des KZ Mittelbau, dessen 40 Einzellager sich über den gesamten Harz erstreckten, zu Fuß über den Harz Richtung Nordosten. Tausende überlebten die Strapazen der Todesmärsche nicht. Wer nicht mithalten konnte, wurde von den Wachmannschaften hinterrücks erschossen. Andere wurden, als sich die Alliierten näherten, Opfer von Massakern, so etwa 1200 Häftlinge, die Mitte April 1945 in einer von Volkssturm, Polizei, Hitlerjugend und SS in Brand gesteckten Scheune bei Gardelegen in der Altmark qualvoll starben. Als amerikanische Soldaten Stunden nach dem Massaker in Gardelegen einrückten, schwelte das Feuer in der Scheune noch.
Mit Gedenkveranstaltungen in Nüxei und in Neuhof gedachten die Überlebenden heute der Opfer der SS-Baubrigade 3. Diese setzte sich aus rund 1200 Häftlingen zusammen, die in vier KZ-Außenlagern in Nüxei, Osterhagen, Mackenrode und Wieda untergebracht waren. Der Todesmarsch der SS-Baubrigade 3 begann am 6. April 1945 im Südharz und endete am 13. April 1945 in der Gegend von Gardelegen, wo die wenigen Überlebenden von den Amerikanern befreit wurden. Todesmärsche fanden im Grunde jedoch nicht erst im April 1945 statt. Vielmehr waren sie die Fortsetzung dessen, was die Häftlinge der SS-Baubrigade III bereits in den Monaten zuvor hatten erleiden müssen: Täglich wurden sie von ihren Unterkünften zu den Baustellen der Helmetalbahn getrieben, jener nie fertiggestellten Bahnlinie zwischen Nordhausen und Osterhagen, mit der die Verkehrsanbindung des Rüstungszentrums rund um das KZ Mittelbau-Dora verbessert werden sollte.
Für viele Häftlinge wurden die täglichen An- und Abmarschwege zwischen den Unterkünften und den Baustellen entlang der Helmetalbahn zu Todesmärschen, denn die Zwangsarbeit auf den Baustellen der Helmetalbahn führte schnell zur vollständigen Erschöpfung. Verschlimmert wurde die Lage der Häftlinge noch durch Misshandlungen durch die SS, den allgegenwärtigen Hunger und katastrophale hygienische Bedingungen in den Lagern.
Hunderte von Häftlingen starben zwischen Sommer 1944 und Anfang 1945 beim Bau der Helmetalbahn. Auch an sie erinnerten die Schüler und KZ-Überlebenden, als sie am Gedenkstein im ehemaligen Außenlager Nüxei Blumen niederlegten. Die Anwesenheit des stellvertretenden Bürgermeisters von Bad Lauterberg, Walter Zietz, sowie des Ortsbürgermeisters von Neuhof, Klaus Liebing, nutzen die überlebenden Häftlinge, um eine Petition des Häftlingsbeirates der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora zu überreichen. Darin fordern sie, einen nunmehr schon drei Jahre alten Beschluß der niedersächsischen Landesregierung endlich umzusetzen, der vorsieht, ein Teilstück der ehemaligen Helmetalbahn zwischen Osterhagen und Mackenrode zu einem Gedenkweg auszubauen. Dieses Vorhaben ist bislang am Widerstand lokaler Grundstückseigentümer und Pächter gescheitert.



