Mi, 07:00 Uhr
18.01.2017
Heute vor zehn Jahren:
Orkan Kyrill tobte über den Südharz
Nach dem Sommerorkan am 15. Juni 1980 mit 200.000 Festmetern Schadholz war der Winterorkan Kyrill am 18. Januar 2007 das größte Schadereignis der letzten Jahrzehnte im Thüringer Südharz. Forstamtsleiter Klaus-Wilhelm Brüggemann erinnert an diesen Tag...
Ein durchbrochenes Fichtenaltholz bei Rothesütte. Die strammen Bäume hielten Kyrill nicht stand. (Foto: Forstamt)
An diesem Donnerstag nahm der Wind in Böen stetig zu. In Nordhausen brachen Äste ab und vereinzelt entwurzelte der Orkan auch Bäume. Im Harz ging es bis Mitternacht richtig zur Sache. Es kam vor allem an der Nordgrenze von Thüringen zu Wurf- und Bruchholz als Flächen- und Einzelbruch. Fallwinde hinterließen wahllos Bruchflächen auf der Linie Rothesütte, Sophienhof, Christianenhaus, Birkenmoor.
Es sah aus, ob ein Riesenelefant durch den Wald gelaufen sei und mit den großen Fußsohlen die Bäume wie Streichhölzer gefällt hätte. Bis Sonntag kam es durch recht windiges Wetter zu Nachbrüchen.
Die erste Bilanz hieß 40.000 Festmeter liegen am Boden, die größten Mengen in den Forstrevieren Christianenhaus und Rothesütte. 245 ha Wald war unmittelbar betroffen und musste wiederbewaldet werden. Am 26. Januar 2007 fand im Forstamt eine Krisensitzung mit den örtlichen Forstunternehmern statt.
Es war zu klären, schaffen die Stammbetriebe und die staatlichen Waldarbeiter die Herkulesaufgabe einer zeitnahen Schadholzaufbereitung ohne Umsetzungen aus Österreich, Teilen Deutschlands oder Skandinaviens. Die einhellige Antwort von diesem Freitag nach Kyrill war, ja! Die Aufarbeitungsreviere wurden aufgeteilt. Die Flächenbrüche waren der hochmechanisierten Holzernte mit Harvester und Forwarder vorbehalten. Das Technikzeitalter hatte endgültig die Oberhand im Südharz.
Die Einzelbrüche wurden traditionell motor-manuell aufgearbeitet. Das Ziel war, die Fichtenwürfe und –brüche bis zum Sommer zu sanieren und dem Borkenkäfer die Brutgrundlage zu entziehen. Parallel sollte die Wiederaufforstung beginnen. Die ursprünglich reinen Fichtenforste wurden in Mischbestände überführt. Die Laubholzinseln bedurften des Zaunschutzes. Wo es möglich war, wurde die Naturverjüngung genutzt. Die Kahlflächen der Südhänge stellten besonders große Anforderungen an die Kulturbegrünung. Hoher Wilddruck und Temperaturextreme verzögerten die Wiederbewaldung.
Der gute Holzmarkt war ein Segen. Die Fichtenhölzer aus dem Harz flossen kontinuierlich ab. Der Tag hatte 24 Stunden. Ein Großzerspaner aus Rottleberode legte Nasslager bei Roßla an. Die Fichte kam raus aus dem Wald. Ein österreichischer Großsäger mit Sitz in Frisau bei Schleiz verlud die Fichtenabschnitte auf Ganzzüge in Rottleberode und auf den Schienen kam das Rohholz ins Zweigwerk nach Wismar. Es lief 2007 rund.
Neben dem positiven Holzabsatz war die personelle Besetzung der Reviere mit gestandenen, im Harz ergrauten, Revierleitern ein Glücksfall. Jeder hatte Erfahrungen mit der Bewältigung von Großschad-ereignissen. Genannt sei Manfred Krumbein (†)(Fürstlich Stolbergische Forstverwaltung), Arnd Petzsch
(Stiftsforst Ilfeld), Uwe Schürer (Revier Wiegersdorf), Klaus Thiemrodt (Revier Christianenhaus) und Jürgen Schmeißer (Revier Rothesütte).
Ein weiteres Faustpfand war auch in den Folgejahren der Draht nach Erfurt zur Hausspitze. Der Landwirtschaftsminister, Dr. Volker Sklenar, hatte stets ein offenes Ohr für die Belange aus dem Südharz. Örtliche Landtagsabgeordnete vermittelten. Besonders wichtig, Dr. Sklenar hatte nicht den starren südlichen Blick in Richtung Rennsteig, in Erfurt von altersher verbreitet.
In den Steilhängen zog sich die Holzbringung mittels Seilkränen bis 2008 hin. Das Wegesystem war stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Abfuhrwege mussten grundhaft instandgesetzt werden. Der Wald hatte noch Wunden. Diese schlossen sich nur langsam. Nicht jeder Bürger hatte dafür Verständnis. Nach drei Jahren waren es mit Nachbrüchen, Käferholz und Arrondierungen doch knapp 100.000 Festmeter Schadholz im Landkreis Nordhausen geworden. Fazit: Das war ein Kraftakt!
Klaus-W. Brüggemann
Autor: nnz
Ein durchbrochenes Fichtenaltholz bei Rothesütte. Die strammen Bäume hielten Kyrill nicht stand. (Foto: Forstamt)
An diesem Donnerstag nahm der Wind in Böen stetig zu. In Nordhausen brachen Äste ab und vereinzelt entwurzelte der Orkan auch Bäume. Im Harz ging es bis Mitternacht richtig zur Sache. Es kam vor allem an der Nordgrenze von Thüringen zu Wurf- und Bruchholz als Flächen- und Einzelbruch. Fallwinde hinterließen wahllos Bruchflächen auf der Linie Rothesütte, Sophienhof, Christianenhaus, Birkenmoor.
Es sah aus, ob ein Riesenelefant durch den Wald gelaufen sei und mit den großen Fußsohlen die Bäume wie Streichhölzer gefällt hätte. Bis Sonntag kam es durch recht windiges Wetter zu Nachbrüchen.
Die erste Bilanz hieß 40.000 Festmeter liegen am Boden, die größten Mengen in den Forstrevieren Christianenhaus und Rothesütte. 245 ha Wald war unmittelbar betroffen und musste wiederbewaldet werden. Am 26. Januar 2007 fand im Forstamt eine Krisensitzung mit den örtlichen Forstunternehmern statt.
Es war zu klären, schaffen die Stammbetriebe und die staatlichen Waldarbeiter die Herkulesaufgabe einer zeitnahen Schadholzaufbereitung ohne Umsetzungen aus Österreich, Teilen Deutschlands oder Skandinaviens. Die einhellige Antwort von diesem Freitag nach Kyrill war, ja! Die Aufarbeitungsreviere wurden aufgeteilt. Die Flächenbrüche waren der hochmechanisierten Holzernte mit Harvester und Forwarder vorbehalten. Das Technikzeitalter hatte endgültig die Oberhand im Südharz.
Die Einzelbrüche wurden traditionell motor-manuell aufgearbeitet. Das Ziel war, die Fichtenwürfe und –brüche bis zum Sommer zu sanieren und dem Borkenkäfer die Brutgrundlage zu entziehen. Parallel sollte die Wiederaufforstung beginnen. Die ursprünglich reinen Fichtenforste wurden in Mischbestände überführt. Die Laubholzinseln bedurften des Zaunschutzes. Wo es möglich war, wurde die Naturverjüngung genutzt. Die Kahlflächen der Südhänge stellten besonders große Anforderungen an die Kulturbegrünung. Hoher Wilddruck und Temperaturextreme verzögerten die Wiederbewaldung.
Der gute Holzmarkt war ein Segen. Die Fichtenhölzer aus dem Harz flossen kontinuierlich ab. Der Tag hatte 24 Stunden. Ein Großzerspaner aus Rottleberode legte Nasslager bei Roßla an. Die Fichte kam raus aus dem Wald. Ein österreichischer Großsäger mit Sitz in Frisau bei Schleiz verlud die Fichtenabschnitte auf Ganzzüge in Rottleberode und auf den Schienen kam das Rohholz ins Zweigwerk nach Wismar. Es lief 2007 rund.
Neben dem positiven Holzabsatz war die personelle Besetzung der Reviere mit gestandenen, im Harz ergrauten, Revierleitern ein Glücksfall. Jeder hatte Erfahrungen mit der Bewältigung von Großschad-ereignissen. Genannt sei Manfred Krumbein (†)(Fürstlich Stolbergische Forstverwaltung), Arnd Petzsch
(Stiftsforst Ilfeld), Uwe Schürer (Revier Wiegersdorf), Klaus Thiemrodt (Revier Christianenhaus) und Jürgen Schmeißer (Revier Rothesütte).
Ein weiteres Faustpfand war auch in den Folgejahren der Draht nach Erfurt zur Hausspitze. Der Landwirtschaftsminister, Dr. Volker Sklenar, hatte stets ein offenes Ohr für die Belange aus dem Südharz. Örtliche Landtagsabgeordnete vermittelten. Besonders wichtig, Dr. Sklenar hatte nicht den starren südlichen Blick in Richtung Rennsteig, in Erfurt von altersher verbreitet.
In den Steilhängen zog sich die Holzbringung mittels Seilkränen bis 2008 hin. Das Wegesystem war stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Abfuhrwege mussten grundhaft instandgesetzt werden. Der Wald hatte noch Wunden. Diese schlossen sich nur langsam. Nicht jeder Bürger hatte dafür Verständnis. Nach drei Jahren waren es mit Nachbrüchen, Käferholz und Arrondierungen doch knapp 100.000 Festmeter Schadholz im Landkreis Nordhausen geworden. Fazit: Das war ein Kraftakt!
Klaus-W. Brüggemann

