Mi, 11:08 Uhr
04.01.2017
Der Wodmannstag im Südharz
Feiertag der Waldarbeiter
Der Wodmannstag, Wooltmannstag, auch Waldmannstag, Waldmännchentag, ist nach altem Volksglauben ein Unheiltag für alle im Waldtätigen, Walarbeiter, Kräuterfrauen, Jäger und auch Reisende. Es ist der zweite Tag im Hartung, der 2. Januar. Auch im Südharz...
Es ist der Tag des Waldmännchens oder auch des Wilden Jägers. Der Wald gehört an diesem Tag ihnen. Wer trotzdem hinein geht, kommt zu Schaden. Es ruhte die Arbeit und es wurde deftig gefeiert. Verbreitet war der Wodmannstag vor allem im Harz, im westlichen Thüringer Wald (um Eisenach) und in Hessen.
Der Schüler Rudolf Koch aus Rothesütte beschrieb in einem Aufsatz 1939 den Waldfeiertag im Forstamt Ilfeld. Am Morgen des 2. Januar trafen sich die Holzhauer an ihrer Arbeitsstelle im Heimatrevier. Die Feuer-stelle der vergangenen Tage wurde zu einem großen Feuer entfacht. Die Jüngsten mussten aus dem nächstliegenden Ort Hackus (Gehacktes), Bier und Schnaps holen. Außerdem hatte jeder mehr Brot und Wurst von zu Hause mitgebracht als sonst. Um das offene Feuer herum wurde gegessen, getrunken, gesungen und Lärm geschlagen um den Wodmann, den bösen Waldgeist, zu vertreiben. Je mehr getrunken wurde, je mehr Unfug wurde getrieben.
Lehrlinge hatten den Schwur: Ich schwöre bei Säge, Beil und Keil und dem Meterstock. Behüte das Beil vor Bein, Stein, Birken- und Weißbuchenästen. zu leisten. Der Waldlehrling wurde nach dem ersten Satz mit einem Meterstock über den Rücken zum Waldmann geschlagen.
Am Nachmittag trafen sich dann die einzelnen Rotten aus den umliegenden Forstrevieren, die bis dahin getrennt gefeiert hatten, in der Kneeperburg (Dorfkneipe) um gemeinsam weiter zu feiern. In der Zeit der großen Not, der Weltweltwirtschaftskrise, wurde der Wodmannstag nicht gefeiert.
Auch nach 1945 wurde im Thüringer Südharz der Wodmannstag begangen. So berichtet die ehemalige Sachbearbeiterin im Forstamt, Silvia Attich, die aus einer Waldarbeiterfamilie stammt, aus der Zeit ihrer Kindheit von ihrem Großvater Albert Patze, der 1902 in Ilfeld geboren wurde und dann auf dem Christianenhaus aufwuchs. Albert Patze war bis zum Eintritt ins Rentenalter 1967 Brigadeleiter im Forstrevier Christianenhaus. Am ersten Arbeitstag im Jahr wurde nicht gearbeitet. Die bis zu zehn Mann starke Holzhauerrotte heizte die Waldarbeiterhütte kräftig ein.
Es gab hausgeschlachtene Wurst, Speck und natürlich Gehacktes. Diverse alkoholische Getränke fehlten nicht. Der verantwortliche Revierleiter überbrachte Vormittags die Neujahrswünsche. Der Heimweg vom Christianenhaus über Hagental und Sandlünz zu Fuß oder mit dem Fahrrad war dann oft beschwerlicher als sonst.
Auch der langjährige Revierleiter Klaus Thiemrodt kann sich noch an die Duldung des Wodmannstages in der ehemaligen Oberförsterei Rothesütte in den Jahren ab 1983 gut erinnern. So wurden die 8 Waldarbeiter und 3 Kulturfrauen in seinem Revier Sophienhof, dem nordwestlichsten Revier im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Nordhausen, am ersten Arbeitstag des neuen Jahres von dem Hauptbuchhalter des Betriebes, Forstmeister Hermann Linsel, Pate der Oberförsterei und dem Oberförster, Forstmeister Horst Koch, traditionell in der Jagdhütte Stierberg aufgesucht.
Es wurden die Neujahrsgrüße der Partei- und Staatsführung überbracht. Der zuständige Revierleiter wertete die Planerfüllung des vergangenen Jahres und die Aufgaben des Neuen aus. Die obligate Arbeitsschutzbelehrung war auch auf dem offiziellen Programm. Es handelte sich ja auch um einen bezahlten Arbeitstag. Es war der Tag des Planstartes. Auch der zuständige Abschnittsbevollmächtigte (Ortspolizist) aus Rothesütte, Horst Thiele, schaute vorbei.
Die geschichtlichen Hintergründe des Waldfestes waren allen bekannt, wurden aber pragmatisch auf die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse umgemünzt. Nach dem dienstlichen Teil folgte in traditioneller Weise das Gesellige mit Gehacktem aus der Fleischerei Fessel aus Ilfeld. Auf dem Hüttenherd wurden Grog mit Rum mit wenig Wasser angerichtet.
Nach der Wende wurde die Tradition durch die Forstarbeiter im Thüringer Harz fortgesetzt. Am ersten Arbeitstag des neuen Jahres wird seitdem Urlaub genommen. In der Waldgaststätte Braunsteinhaus bei Ilfeld wird eine gesellige Runde gepflegt.
Klaus-W. Brüggemann
Autor: redEs ist der Tag des Waldmännchens oder auch des Wilden Jägers. Der Wald gehört an diesem Tag ihnen. Wer trotzdem hinein geht, kommt zu Schaden. Es ruhte die Arbeit und es wurde deftig gefeiert. Verbreitet war der Wodmannstag vor allem im Harz, im westlichen Thüringer Wald (um Eisenach) und in Hessen.
Der Schüler Rudolf Koch aus Rothesütte beschrieb in einem Aufsatz 1939 den Waldfeiertag im Forstamt Ilfeld. Am Morgen des 2. Januar trafen sich die Holzhauer an ihrer Arbeitsstelle im Heimatrevier. Die Feuer-stelle der vergangenen Tage wurde zu einem großen Feuer entfacht. Die Jüngsten mussten aus dem nächstliegenden Ort Hackus (Gehacktes), Bier und Schnaps holen. Außerdem hatte jeder mehr Brot und Wurst von zu Hause mitgebracht als sonst. Um das offene Feuer herum wurde gegessen, getrunken, gesungen und Lärm geschlagen um den Wodmann, den bösen Waldgeist, zu vertreiben. Je mehr getrunken wurde, je mehr Unfug wurde getrieben.
Lehrlinge hatten den Schwur: Ich schwöre bei Säge, Beil und Keil und dem Meterstock. Behüte das Beil vor Bein, Stein, Birken- und Weißbuchenästen. zu leisten. Der Waldlehrling wurde nach dem ersten Satz mit einem Meterstock über den Rücken zum Waldmann geschlagen.
Am Nachmittag trafen sich dann die einzelnen Rotten aus den umliegenden Forstrevieren, die bis dahin getrennt gefeiert hatten, in der Kneeperburg (Dorfkneipe) um gemeinsam weiter zu feiern. In der Zeit der großen Not, der Weltweltwirtschaftskrise, wurde der Wodmannstag nicht gefeiert.
Auch nach 1945 wurde im Thüringer Südharz der Wodmannstag begangen. So berichtet die ehemalige Sachbearbeiterin im Forstamt, Silvia Attich, die aus einer Waldarbeiterfamilie stammt, aus der Zeit ihrer Kindheit von ihrem Großvater Albert Patze, der 1902 in Ilfeld geboren wurde und dann auf dem Christianenhaus aufwuchs. Albert Patze war bis zum Eintritt ins Rentenalter 1967 Brigadeleiter im Forstrevier Christianenhaus. Am ersten Arbeitstag im Jahr wurde nicht gearbeitet. Die bis zu zehn Mann starke Holzhauerrotte heizte die Waldarbeiterhütte kräftig ein.
Es gab hausgeschlachtene Wurst, Speck und natürlich Gehacktes. Diverse alkoholische Getränke fehlten nicht. Der verantwortliche Revierleiter überbrachte Vormittags die Neujahrswünsche. Der Heimweg vom Christianenhaus über Hagental und Sandlünz zu Fuß oder mit dem Fahrrad war dann oft beschwerlicher als sonst.
Auch der langjährige Revierleiter Klaus Thiemrodt kann sich noch an die Duldung des Wodmannstages in der ehemaligen Oberförsterei Rothesütte in den Jahren ab 1983 gut erinnern. So wurden die 8 Waldarbeiter und 3 Kulturfrauen in seinem Revier Sophienhof, dem nordwestlichsten Revier im Staatlichen Forstwirtschaftsbetrieb Nordhausen, am ersten Arbeitstag des neuen Jahres von dem Hauptbuchhalter des Betriebes, Forstmeister Hermann Linsel, Pate der Oberförsterei und dem Oberförster, Forstmeister Horst Koch, traditionell in der Jagdhütte Stierberg aufgesucht.
Es wurden die Neujahrsgrüße der Partei- und Staatsführung überbracht. Der zuständige Revierleiter wertete die Planerfüllung des vergangenen Jahres und die Aufgaben des Neuen aus. Die obligate Arbeitsschutzbelehrung war auch auf dem offiziellen Programm. Es handelte sich ja auch um einen bezahlten Arbeitstag. Es war der Tag des Planstartes. Auch der zuständige Abschnittsbevollmächtigte (Ortspolizist) aus Rothesütte, Horst Thiele, schaute vorbei.
Die geschichtlichen Hintergründe des Waldfestes waren allen bekannt, wurden aber pragmatisch auf die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse umgemünzt. Nach dem dienstlichen Teil folgte in traditioneller Weise das Gesellige mit Gehacktem aus der Fleischerei Fessel aus Ilfeld. Auf dem Hüttenherd wurden Grog mit Rum mit wenig Wasser angerichtet.
Nach der Wende wurde die Tradition durch die Forstarbeiter im Thüringer Harz fortgesetzt. Am ersten Arbeitstag des neuen Jahres wird seitdem Urlaub genommen. In der Waldgaststätte Braunsteinhaus bei Ilfeld wird eine gesellige Runde gepflegt.
Klaus-W. Brüggemann






