Fr, 17:55 Uhr
16.12.2016
Das Fußballjahr ist zu Ende
Gastbeitrag im Stadionheft
Eigentlich hätte Wacker heute gegen Babelsberg das Fußballjahr 2016 beendet und die Rückrunde eröffnen sollen. Der Verein bat Stadionsprecher Peter-Stefan Greiner um einen Gastkommentar für das Stadionheft...
Nehmen wir mal an, Wacker stände dort, wo Jena jetzt steht? Sportlich wäre das ein weiterer Baustein in der Philosophie des Präsidiums. Doch mit dem Blick auf das Umfeld an der Parkallee wäre das jetzt schon ein Desaster. Nordhausen hätte selbst am Ende dieser Saison auf Platz 1 stehen können. Das Heimspiel in der Relegation hätte nie und nimmer im Albert-Kuntz-Sportpark ausgetragen werden können. Der Eigentümer des AKS ist die Stadt und Eigentum verpflichtet. Doch wie das Vereinshaus Thomas Mann, so wurde auch der AKS Jahrzehnte lange vernachlässigt.
Seit dem Jahr 1995 saß und sitze ich in der Sprecherkabine. Dort hat sich seitdem nichts, aber auch gar nichts verändert. Die toten Fliegen verreckten vermutlich zwischen 1996 und 1998, als Günther Beck und ich pro Spiel die Quälgeister mit je einer Schachtel F6 totgequalmt hatten. Die Lautsprecheranlage erinnert an die Agitationswagen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg beim Kampf um die Seelower Höhen.
Spaß beiseite: der Rest der Stadionanlage sieht ähnlich aus. Kleine Verbesserungen hat der Verein selbst organisiert, vieles selbst finanziert. Den Investitionsstau nun aber der jetzigen Stadtregierung anzulasten, ist zu kurz gedacht. Sie musste und muss mit dem Erbe der Ära Rinke zurechtkommen. Ja, da gibt es den Kunstrasenplatz, mehr aber auch nicht. Es wurde geflickt und geflickt. Die Kommune darf keine Kredite aufnehmen, der Stadtrat war und ist eher kulturbeflissen, denn sportlich veranlagt.
Jetzt, da Wacker Nordhausen in der vierten Liga kickt, scheint ein zaghaftes Erwachen erkennbar zu sein. Jetzt hat man in der Politik verstanden, dass ein Aufstieg in Liga 3 ein Super-Gau für die Rolandstadt gewesen wäre. Heimspiele in Halle oder Erfurt – echt stark für ein Gemeinwesen, das sich einen Ratssaal und eine Bücherei für 14 Millionen Euro gönnt.
Wem das kommunale Engagement jetzt zu schleichend erscheint, dem sei gesagt, dass es in diesen Rädern von Gesetzlichkeiten, Richtlinien und Kompetenzen nicht schneller geht. Kommune, Kommunalaufsicht, Landesverwaltungsamt und Ministerien – all diese Instanzen müssen beachtet werden. Und dann sind da noch die heimlichen Verzögerer, Verhinderer, die Bremser.
Jetzt soll der Hartplatz umgebaut werden. Das ist gut, aber noch längst nicht Realität. Als Beobachter des parteipolitischen Getriebes glaube ich das alles erst, wenn es den ersten Spatenstich geben wird.
Bis dahin wird sich Wacker Nordhausen noch in der vierten Liga gedulden müssen. Und: der Verein muss wieder zu sich selbst finden. Vor allem in den Strukturen, die auch nicht wirklich tauglich für eine höhere Spielklasse sind.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redGastkommentar
Es ist Halbzeit in der Regionalliga-Saison 2016/17. Die Bilanz fällt ernüchternd aus. Leider. Vor einem Jahr, exakt zu dieser Zeit, wurde am südlichen Rand des Harzes die Herbstmeisterschaft gefeiert. Heute ist der Verein im Niemandsland der Tabelle versunken. Und dabei waren alle, selbst die sonst immer auf die Bremse traten, überaus euphorisch.Nehmen wir mal an, Wacker stände dort, wo Jena jetzt steht? Sportlich wäre das ein weiterer Baustein in der Philosophie des Präsidiums. Doch mit dem Blick auf das Umfeld an der Parkallee wäre das jetzt schon ein Desaster. Nordhausen hätte selbst am Ende dieser Saison auf Platz 1 stehen können. Das Heimspiel in der Relegation hätte nie und nimmer im Albert-Kuntz-Sportpark ausgetragen werden können. Der Eigentümer des AKS ist die Stadt und Eigentum verpflichtet. Doch wie das Vereinshaus Thomas Mann, so wurde auch der AKS Jahrzehnte lange vernachlässigt.
Seit dem Jahr 1995 saß und sitze ich in der Sprecherkabine. Dort hat sich seitdem nichts, aber auch gar nichts verändert. Die toten Fliegen verreckten vermutlich zwischen 1996 und 1998, als Günther Beck und ich pro Spiel die Quälgeister mit je einer Schachtel F6 totgequalmt hatten. Die Lautsprecheranlage erinnert an die Agitationswagen der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg beim Kampf um die Seelower Höhen.
Spaß beiseite: der Rest der Stadionanlage sieht ähnlich aus. Kleine Verbesserungen hat der Verein selbst organisiert, vieles selbst finanziert. Den Investitionsstau nun aber der jetzigen Stadtregierung anzulasten, ist zu kurz gedacht. Sie musste und muss mit dem Erbe der Ära Rinke zurechtkommen. Ja, da gibt es den Kunstrasenplatz, mehr aber auch nicht. Es wurde geflickt und geflickt. Die Kommune darf keine Kredite aufnehmen, der Stadtrat war und ist eher kulturbeflissen, denn sportlich veranlagt.
Jetzt, da Wacker Nordhausen in der vierten Liga kickt, scheint ein zaghaftes Erwachen erkennbar zu sein. Jetzt hat man in der Politik verstanden, dass ein Aufstieg in Liga 3 ein Super-Gau für die Rolandstadt gewesen wäre. Heimspiele in Halle oder Erfurt – echt stark für ein Gemeinwesen, das sich einen Ratssaal und eine Bücherei für 14 Millionen Euro gönnt.
Wem das kommunale Engagement jetzt zu schleichend erscheint, dem sei gesagt, dass es in diesen Rädern von Gesetzlichkeiten, Richtlinien und Kompetenzen nicht schneller geht. Kommune, Kommunalaufsicht, Landesverwaltungsamt und Ministerien – all diese Instanzen müssen beachtet werden. Und dann sind da noch die heimlichen Verzögerer, Verhinderer, die Bremser.
Jetzt soll der Hartplatz umgebaut werden. Das ist gut, aber noch längst nicht Realität. Als Beobachter des parteipolitischen Getriebes glaube ich das alles erst, wenn es den ersten Spatenstich geben wird.
Bis dahin wird sich Wacker Nordhausen noch in der vierten Liga gedulden müssen. Und: der Verein muss wieder zu sich selbst finden. Vor allem in den Strukturen, die auch nicht wirklich tauglich für eine höhere Spielklasse sind.
Peter-Stefan Greiner

