eic kyf msh nnz uhz tv nt
So, 17:01 Uhr
11.12.2016
„Tollkirschenbaum“

Botanisch falsch

Eigentlich war es nur ein Cartoon, doch die Diskussion zur Tollkirsche in Nachbarschaft zum Landratsamt nimmt einen anderen Verlauf. Jetzt gibt es eine wissenschaftliche Erklärung zur Tollkirsche allgemein...

Tollkirsche (Foto: B. Schwarzberg) Tollkirsche (Foto: B. Schwarzberg)
Die Tollkirschenblüte ist für menschliche Augen durchaus attraktiv. Nahe Verwandte von Atropa bella-donna sind beliebte Kulturpflanzen wie Kartoffel und Tomate sowie weitere durchaus tödliche heimische Giftplanzen: Gewöhnlicher Stechapfel und Bilsenkraut seien als Beispiele genannt. Letzteres ist auf Umwegen mit der Stadt Pilsen und dem trinkbaren "Pils" verbunden.

Anzeige Refinery (lang)
Unsere heimische Tollkirsche (Atropa bella-donna) ist eine krautige Pflanze, die kaum höher als 1,50 m wird. Als „Baum“ wäre sie daher nicht geeignet. Zudem zählt sie botanisch zu den Hemiktryptophyten, deren Erneuerungsknospe sich an der Erdoberfläche befindet. Diese wird im Herbst vom Laub und im Winter von Schnee bedeckt.

„Echte“ Bäume jedoch sind Phanerophyten, ihre Erneuerungsknospe liegt mindestens 30 Zentimeter oberhalb der Erdoberfläche. Ein „Tollkirschenbaum“ ist damit botanisch nicht existent. Die gesamte Gattung Atropa der Nachtschattengewächse enthält nur krautige Pflanzenarten.

Aber auch hinsichtlich ihrer Ansprüche ist keine Tollkirschenpflanzung als Straßenbegleitgrün zu empfehlen. Schließlich bevorzugt die Art bei uns Säume und Schläge in und an wärmeliebenden Laubwäldern auf Kalkboden. Auf Grund ihrer Giftigkeit oder ihrer „wesensverändernden“ Wirkung sowie wegen des süßlichen Geschmacks ihrer Beerenfrüchte verböte sich eine gezielte Kultivierung im menschlichen Siedlungsbereich zudem wohl von selbst.

Tollkirsche (Foto: B. Schwarzberg) Tollkirsche (Foto: B. Schwarzberg)
Es ist natürlich nicht auszuschließen, dass diverse Zierbäume mit dem Trivialnamen „Tollkirschenbaum“ versehen wurden, eventuell irreführend zu Werbezwecken.
Bodo Schwarzberg
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)