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Di, 10:14 Uhr
17.08.2004

nnz-Betrachtung: Die Menschen!

Nordhausen (nnz). Die gestrige Montagsdemo in Nordhausen hatte wieder Tausende Menschen auf den Rathausplatz geholt. Sie wollen gegen Hartz IV demonstrieren, sie machen aber auch gegen etwas anderes mobil...


Es war vielleicht nur unterschwellig herauszuhören, was da bei einigen Rednern zu Tage trat. Die Menschen, die da gestern sich versammelten, die applaudierten auch bei Worten und Sätzen, die das politische System der Republik in Frage stellten. Es ist nicht mehr nur Hartz IV Gesetz und seine Folgen, es ist der Zustand der Republik, der diskutiert wird. Daß diese Diskussion auf der Straßen nun stattfindet, das ist schade. Denn es ist die Pflicht derer, die sich in Gruppen zusammengefunden haben, die sich Parteien nennen. Doch sind die Parteien überhaupt noch in der Lage, über die Befindlichkeit des Landes, über dessen Menschen zu diskutieren? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, es geht in den Schaltzentralen nur noch um die pure Macht. Es geht darum, sich vor TV-Kameras zu präsentieren, von den großen Zeitungen und Magazinen angerufen und befragt zu werden.

Einer derjenigen, die keiner Kamera ausweichen, ist Ludwig Stiegler, seines Zeichens Vize-Chef der SPD-Bundestagsfraktion. Der Oberpfälzer brachte in der vergangenen Woche einen Satz hervor, der so unsinnig wie nachdenklich gleichermaßen ist: „Die Menschen stehen hinter uns!“ Und das Schlimme daran, Ludwig Stiegler glaubt das auch noch. Ihm und vielen seiner Kollegen in den großen Volksparteien ist scheinbar das „Vergnügen“ abhanden gekommen, in die Menschenansammlung Volk hineinzuhören und Stimmungen aufzunehmen. Nicht, das da gleich nach vielen Fahnen sich neu ausgerichtet werden muß, doch die Antenne für die Stimmungsaufnahme ist nicht auf Empfang geschaltet. Und es kommt für viele Sozis in diesem Land noch verheerender. Stiegler und Co. hören vermutlich nicht einmal mehr in die Basis ihrer eigenen Partei hinein.

Sonst hätten sie doch merken müssen, was da mit Hartz IV aufgerührt wird. Auch wenn das erst mal „nur“ im Osten des Landes auf die Straße getragen wird. Der Pfarrer der Nikolai-Kirche in Leipzig, Christian Führer, brachte es gestern auf den Punkt. „Harzt IV ist der brühmte Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte.“ Hatte man in SPD-Kreisen schon gemunkelt, daß die Folgen der Gesundheitsreform „überstanden“ seien, so hatte man geirrt. Das Faß ist voll und übervoll für die Menschen. Die Vermittlungsprobleme mit Hartz IV, die sich Parteien unter einander und mit der Arbeitsagentur zuschieben, sind hausgemacht. Wie gesagt, es ist das Gespür für das Land abhanden gekommen.

Und diese Gefühlslosigkeit öffnet Trittbrettfahrern Tür und Tor. Auch in Nordhausen. Und die Organsiatoren sind derzeit gut beraten, sich auf das zu besinnen, was einst ihr Ausgangspunkt war. Proteste gegen die Sozialabbau in diesem Land zu organisieren.

Ob zu den kommenden Demos auch Politiker aus Nordhausen und Umgebung reden werden, kann momentan nicht gesagt werden. Gestern waren sie schon mal Zuhörer. Dagmar Becker, die Kreisvorsitzende der SPD oder der ehrenamtliche Beigeordnete der Stadt Nordhausen, Dr. Klaus Gebhardt. Auch Vertreter der Grünen hatte die nnz ausgemacht. Vielleicht haben die noch nicht den Mut, vor den Menschen zu reden. Sollten sie es tun, dann sollte man ihnen zuhören. Denn im Gegensatz zu den Montags- oder Dienstagsdemos der Wendezeit in Nordhausen sind Abgeordnete und Parteienvertreter heute Teil des demokratischen System dieser Republik. Damals gingen die Menschen gegen eine Diktatur auf die Straße. Heute soll man ihnen zuhören, auch das ist Teil des Umgangs miteinander und vor allem im Sinne der Frauen, die diese Demos organisierten.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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