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Mo, 11:58 Uhr
16.08.2004

Relativ schlecht!

Nordhausen (nnz). Überall in Thüringen blasen die IHK und das Handwerk zur Zeit zum Endspurt bei der Lehrstellensuche. Wie die Bilanz zur Zeit in Nordthüringen aussieht, das wollte die nnz vom Hauptgeschäftsführer der Nordthüringer Kreishandwerkerschaft wissen.


Die Antwort von Dr. Bernhard Senst lautet zusammengefaßt: „Relativ schlecht!“. Die Handwerker in den Landkreisen Eichsfeld und Nordhausen hatten sich Anfang dieses Jahres ein hohes Ziel gesteckt: Sie wollten 400 jungen Menschen eine Lehrstelle anbieten. Bislang sind mal gerade 287 Lehrverträge abgeschossen worden. Die Ursache hat Dr. Senft natürlich ausgemacht. „Es ist die Unsicherheit hinsichtlich der überbetrieblichen Lehrunterweisung.“

Erinnern wir uns: Die Handwerker in Nordthüringen hatten im Frühjahr zu einem Lehrstellenboykott aufgerufen, weil die Handwerkskammer Erfurt beschlossen hatte, die überbetriebliche Ausbildung der jungen Leute nach Erfurt zu verlagern und die in Leinfelde dicht zu machen (siehe ausführlich im nnz-Archiv). Nun hatte man sich Anfang Juli zwischen Erfurt und Nordthüringen zwar geeinigt, eine Arbeitsgruppe zu bilden, doch immer noch ist unklar, welche Gewerke ihre überbetriebliche Ausbildung nach Erfurt verlagern müssen. Im September, so Dr. Senft, könne es eine Lösung geben. Es wird auf jeden Fall ein Kompromiß sein.

Fakt ist jedoch schon jetzt, diese Immer-noch-Unsicherheit und die mit einer Verlagerung nach Erfurt verbundenen höheren Kosten für die Unternehmen haben zu einer Zurückhaltung beim Lehrstellenangebot geführt. Und dann führt Dr. Senft weitere Argumente ins Feld. Da ist zum einen die unsichere wirtschaftliche Situation in Thüringen und Deutschland überhaupt und dann sind in den vergangenen Jahren die Arbeitsplätze im nordthüringer Handwerk schlicht und ergreifend weggebrochen. Gab es vor zwei Jahren rund 18.000 Frauen und Männer, die im Handwerk in Lohn und Brot standen, so sind es aktuell 3.000 weniger. 18 Unternehmen haben aufgegeben, zum größten Teil wegen Zahlungsschwierigkeiten. Das jüngste Beispiel ist der Stahlbau Hundeshagen in Leinefelde.

Einzelne Gewerke sind mit ihren Lehrstellenangebot regelrecht eingebrochen. Konnten im vergangenen Jahr im Kfz-Handwerk noch 47 junge Leute eine Ausbildung beginnen, so sind es in diesem Jahr gerade mal 22. Die Dachdecker stellen ebenfalls nur noch die Hälfte an Plätzen zur Verfügung, im Bau allgemein sind es 30 Prozent weniger. Auch die Ausbildungsplatzzahl im Metallbau hat sich halbiert. Solange es von der Politik in diesem Deutschland keine klaren Signale gebe, wohin der Kurs geht, solang befinden sich die Handwerkunternehmen im Stand-by-Betrieb was Lehrstellen betrifft. Die Leidtragenden sind letztlich die jungen Menschen, deren erster Schritt in die berufliche Zukunft oftmals mit einem Fiasko endet.
Autor: nnz

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