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Mi, 17:15 Uhr
12.10.2016
Betrachtet

Alles auf Linie der Partei(en)

Nun ist sie raus - die ominöse Karte der neuen Landkreise und ein Aufschrei geht durch die Menschen, die sich unmittelbar betroffen fühlen. Doch eigentlich ist diese Karte eine Selbstverständlichkeit - mit Historie und Zukunft...


Es wird die zweite Kreisgebietsreform in Thüringen nach der Wende werden - wenn die Zeit reicht. Rot, Rot und Grün kämpfen dafür und vermitteln dem interessierten Betrachter eigentlich das Bild, was die regierenden Damen und Herren nicht nach außen vermitteln wollen. Es geht um sie, um ihre Parteien, um ihre Macht. Das ist bei der CDU nicht anders. Und nur aus diesen drei Gründen sind die Christdemokraten so stur gegen neue Kreisgrenzen.

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Nicht etwa weil sie denen, die sie vielleicht gewählt haben, etwas Gutes tun wollen, nein: Es geht darum, bei den nächsten Landtagswahlen möglichst viele christdemokratische Sitze im Landtag zu bekommen und endlich wieder auf der Sonnenseite sitzen zu können.

Es ist bislang nicht erwiesen, dass eine Kreisgebietsreform Geld einsparen wird. Konkret abrechenbare Zahlen liegen wohl kaum vor. Was abrechenbar ist: diese Reform wird Geld kosten. Viel Geld. Allerdings nur das Geld des Steuerzahlers. Das sind Fakten.

Nun zu den Motiven von Rot, Rot und Grün. Hier ist tatsächlich erwiesen, dass ein linkes Bündnis in größeren Strukturen immer einen gewissen Wahlvorteil hat vor dem konservativen Lager. Will heißen - und das ist das Ziel: Mit größeren Landkreisen - so die Strategie - steigen die Chancen für RRG, auch 2019 wieder eine Regierung stellen zu können. Kleinere Strukturen hingegen favorisiert die CDU, weil sie genau dort das Reservoir ihrer Wähler sieht. Deshalb auch der Kampf an allen parlamentarischen und außerparlamentarischen Fronten. Es geht nicht im das Wohl und Wehe des Landkreises Nordhausen - nein, es geht ausschließlich um Mandate im Landtag.

Wenn man Politik annähernd verstehen will, dann muss man das wissen. Und so muss man auch die Reaktionen einordnen. Aufschrei bei CDU, Alibiaufschreie bei Landrat Matthias Jendricke, dem das vermutlich völlig egal ist. Bis auf den Sitz der Kreisstadt, denn er möchte schon Oberbürgermeister der Kreisstadt werden und nicht einer Kommune mit einem kreislichen Service-Center. Linken und Grünen ist das sowieso egal, wie man in diversen Facebook-Chats mitverfolgen kann. Die hoffen nicht nur auf größere Strukturen, sondern denken in anderen Dimensionen und Kategorien. Zum Beispiel wäre bei einem Zusammenschluss von Nordhausen mit dem Eichsfeld die Wahrscheinlichkeit sehr gering, einen linken Landrat zu stellen. Hier würde die CDU klar dominieren und das will RRG auf jeden Fall verhindern. Also packt man Nordhausen, Kyffhausen und Sömmerda zusammen in der Hoffnung auf eine sozialdemokratische Landrätin namens Hochwind.

Noch einmal kurz zu den Kosten, die angeblich eingespart werden sollen. Mit einem Großkreis wird kein einziger Mitarbeiter der drei Landkreisverwaltungen entlassen. Nun wird man sagen, dass durch natürliche Abgänge Arbeitsplätze frei und nicht wieder besetzt werden. Diese Chance, den Verwaltungsapparat zu verschlanken, die hatten die Verantwortlichen seit mehr als 25 Jahren. Das Ergebnis ist bekannt.

Mit dieser Landkarte, die der Herr Poppenhäger da gestern vorstellte, werden sich die Roten und die Grünen noch weiter von den Menschen entfernen. Eine Wiederwahl in Regierungsfunktion ist vermutlich so gut wie ausgeschlossen. Und so werden diese fünf Jahre ein Experiment werden, das neben der CDU nur eine andere Kraft stärker gemacht hat - die AfD, die dann für die CDU interessant werden würde. Auch wenn das immer wieder dementiert wird - es geht letztlich bei allem politischen Handeln nur um eines: um Macht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Treuhänder
12.10.2016, 18:05 Uhr
Sehr schön
Sehr schöner Beitrag. Hier wird den etablierten Parteien der Spiegel vorgehalten. Das was sie tun, ist in erster Linie Eigeninteresse. Das kann mit vielen Beispielen belegt werden.

Schaut man zur Bundespolitik und deren Rentenpläne. Da kommt nur die Idee, für die gesetzlich Rentenversicherten die Rentenbeiträge zu erhöhen, um das Rentenniveau stabil zu halten.

Der Staat könnte doch mit Steuermitteln die gesetzliche Rente stabilisieren. Die Beamtenpensionen werden doch auch aus Steuermitteln bezahlt. Also auch die Pensionen der Politiker. Das Milliarden vorhanden sind, Wissen ja jetzt alle. Der Vertrag zur Generationengerechtigkeit ist doch längst aufgekündigt. Traurige, Traurig...
Gudrun1974
12.10.2016, 19:06 Uhr
Genau: Eine starke Stadt mit Herrn Jendricke!
Wenn unser Landrat, erst Oberbürgermeister ist wird er Nordhausen kreisfrei machen.

Er hat sehr gute Verbindungen zur Landesregierung.
Leser X
13.10.2016, 06:55 Uhr
Ja, Riese...
... und alles wird schön. Nordhausen heißt dann Schlaraffia, und wenn der kleine Hunger kommt, fliegen uns gebratene Hühner (Broiler) in den Mund:::)))
Gudrun1974
13.10.2016, 07:43 Uhr
@leser x: Nicht alle Bürger sind einsichtig in Gebietsreform
Nicht allen Bürgern erschließen sich die Vorteile der Gebietsreform.

Irgendwann muss aber mit den Diskussionen Schluss sein. R2G hat entschieden, jetzt ist Ende der Debatte. Pech gehabt.
RaWu
13.10.2016, 08:13 Uhr
Alles bleibt bis auf die Mitbestimmung.
Was ändert sich mit der Zusammenlegung?
Nix.
Aus zwei LRA werden "Service-Center" und aus den LRA-Posten werden nicht mehr wählbare Chef-Posten. Ob die schlechter als der LR bezahlt werden?

Die neuen Kreistagsabgeordneten haben dann von den anderen Kreisen keine Ahnung und es beginnen heftige Verteilungskämpfe. Die Mitbestimmung der Bürger ist damit endgültig im Ar.... Eimer. Die Verwaltung hat es noch leichter, die Abgeordneten hinters Licht zu führen.

Die ganze Aktion hat dann viiiiiiel Geld gekostet und wird wie in MVP, NS oder BRB nichts einsparen.
Typisch Rot-Grüne wir-machen-alles-neu Politik ohne wirkliche Inhalte.

Ob der Riese dann auch verkündet "Das haben wir gemacht!".

Wer hat die Begründungen den Entwürfe (Zusammenfassung der selben) des Herrn Prof mal gelesen? Komisch, dass jedes Modell mit der nahezu gleichen Begründung genau richtig war.
Nordhäuser Freiheit
13.10.2016, 08:22 Uhr
Dank ans "Nordhäuser System". Ich freu mich schon auf Sömmerda
Danke, liebe nordhäuser Politiker. Dem Kreis Sömmerda fühle ich mich schon immer historisch verbunden! Die gemeinsamen historischen Wurzeln sind auch sehr stark!

Danke dass Sie, für den Erhalt des Kreises Nordhausen so stark gekämpft haben.

Sie hätten ja auch Kräfte vergeuden können in den Sie sich monatelang mit den privaten Dienstreiseaffären "unseres" Landrats beschäftigt haben!

Das ist unterblieben. Sie sind die Besten!

Jendricke und Co forever. Meine Stimme dem "Nordhäuser System". Man sieht sich bei Behördengängen in Sömmerda.
Stadtbürger
13.10.2016, 08:47 Uhr
Gebietsreform spart kein Geld
Was R2G mit dieser Reform bezweckt, ist doch offensichtlich. Man will alles, wie in guten alten Zeiten, zentralisieren. Damit haben die Kommunisten ja Erfahrung.

Dass durch so einen Unsinn wie einer Gebietsreform kein Geld eingespart wird, zeigt ein Beispiel aus Sachsen. Der neugebildete Großkreis "Vogtlandkreis" hat sich als erstes mal ein neues Landratsamt gegönnt. Die Kosten waren in der Planung mit 30 Mio. veranschlagt. Am Ende wurden es 50. Mio Euro. Das Parkhaus hat nochmal 3 Mio. extra gekostet.

Und wenn ich mir nun anschaue, wie sich die meisten Kommunalpolitiker in unseren Gefilden schon jetzt benehmen, weiß ich, dass so etwas auch bei uns passieren wird. Da gehe ich jede Wette ein. Ich verweise nur mal auf ähnliche Beispiele wie z. B. das Bürgerhaus, die Flohburg, die Unterführung in der Freiherr-vom-Stein-Str. und natürlich nicht zu vergessen auch die Vorgänge um unsere innig geliebte Service-Gesellschaft.

Jetzt soll doch mal der Herr Landrat beweisen, dass er wirklich so gute Kontakte nach EF hat. Nur dass er diesmal seine Kontakte nicht für seine privaten Zwecke nutzen sollte, sondern im Interesse aller Bürger im Landkreis Nordhausen.
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