Mo, 13:20 Uhr
22.08.2016
Schwerer Sturz führt Mühlhäuserin von Estland nach Bleicherode
Aus der Bahn geworfen, aber weich gefallen
Auf die Reise durch das Baltikum hat Annemarie Burghardt lange gewartet. Mit einer Gruppe war die 64-Jährige Zahnärztin aus Mühlhausen gerade einmal drei Tage in Estland unterwegs, als sie sich auf einer Burg eine komplizierte Sprunggelenksfraktur zuzieht...
Kann wieder lachen: Annemarie Burghardt während ihres stationären Aufenthaltes in der HELIOS Klinik Bleicherode (Foto: J. Weller)
Es war ein schöner Burgbesuch für Annemarie Burghardt auf der estnischen Insel Saaremaa. Mit einer Reisegruppe ist die 64-Jährige Zahnärztin aus Mühlhausen in Estland unterwegs, um die Landschaft und Sehenswürdigkeiten des Baltikums kennenzulernen.
Beim Verlassen der Burg passiert es: Sie übersieht die letzten Stufen, knickt um und landet mit ihrem Körpergewicht auf dem umgeknickten Fuß. Die Medizinerin ahnt sofort, dies ist keine harmlose Bänderdehnung. Zu groß sind die Schmerzen. Mir war sofort klar, das ist das Ende der Reise, erinnert sie sich.
Sie kommt in das Inselkrankenhaus auf Koressaare. Innerhalb einer Stunde wird sie unter Narkose eingerenkt und gegipst. Ihr behandelnder Arzt spricht glücklicherweise Deutsch. Er war der Einzige, mit dem ich mich verständigen konnte. Das war beruhigend. Der Mediziner erklärt der Touristin, es würde eine Operation nötig sein, um den komplizierten Bruch zu reparieren. Er empfiehlt auch, sie solle sich in Deutschland operieren lassen – das Krankenhaus habe wenig Erfahrung mit dieser Art von Verletzungen.
Ich ermahnte mich, ruhig zu bleiben. Die Kraft, die mir blieb, musste ich nutzen, sagt Annemarie Burghardt. Während der nächsten zwei Tage managt sie per Smartphone von ihrem Krankenhausbett aus alles selbst. Sie informiert ihre Versicherung, die Reisegesellschaft, ihre Familie und nimmt Kontakt zur HELIOS Klinik Bleicherode auf, um dort einen Termin zu vereinbaren. Ich wusste, ich würde mich nur in Bleicherode operieren lassen. Ich wurde dort vor vielen Jahren am Knie operiert und kenne im Bekanntenkreis ehemalige Patienten, die von der Behandlung ebenfalls überzeugt waren.
Zwei Tage später fliegt Annemarie Burghardt nach Frankfurt, wo sie ihr Lebensgefährte abholt und zu ihrer Wohnung nach Mühlhausen bringt. Dort erlebt sie erstmals einen Moment der Schwäche. Beim Versuch vor ihrem Krankenhausaufenthalt noch einmal in ihre Wohnung zurückzukehren, muss sie erkennen, wie schwer ihre Verletzung tatsächlich war.
Ich konnte mich überhaupt nicht bewegen. Nach vier Stufen musste ich aufgeben und mir kamen erstmals die Tränen, erzählt sie. Obwohl der Termin für ihre stationäre Aufnahme in der HELIOS Klinik Bleicherode erst am Folgetag gesetzt war, begab sie sich noch am selben Abend in die Fachklinik für Orthopädie. Das Personal war sehr fürsorglich und ich habe mich sofort gut aufgehoben gefühlt. Zudem waren die Koffer von der geplanten Reise ja noch fast vollständig gepackt, sagt sie.
In ihrem Patientenzimmer kann sie erstmals die vergangenen Tage Revue passieren lassen. Der Unfall und der Krankenhausaufenthalt in Estland sowie der Transfer nach Deutschland – das war schon sehr abenteuerlich. Aber ich bin von Grund auf Optimist und wusste, es wird schon irgendwie weitergehen. Dr. Steffen Kohler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Orthopädie, operiert die Sprunggelenksfraktur der Mühlhäuserin. Während der Operation wurde der Bruch eingerichtet und zwei Platten mit mehreren Schrauben eingesetzt. Der Eingriff verläuft bestens, jedoch ist der Fuß noch nicht voll belastbar. Würde sie mit dem Fuß auftreten, könnten die Verschraubungen nachgeben. Die Konsequenzen wären gravierend.
Für die niedergelassene Ärztin ist die Zwangspause ein echter Schock, doch wieder ist sie stark und gelassen. Ich habe viel Energie, wenn man mich lässt, aber ich muss jetzt eben einsehen, dass ich mir und meiner Gesundheit die Auszeit gönne. Es ist ja nicht zu ändern. Der Praxisbetrieb wird derzeit auf ein Minimum herunter gefahren. Annemarie Burghardt wird voraussichtlich erst im September wieder praktizieren können. In der Zwischenzeit muss sie in einem behindertengerechten Hotel in Mühlhausen wohnen, da sie aufgrund ihrer Verletzung nicht in ihre Wohnung gelangt – Kosten, die von ihrer Versicherung nicht übernommen werden. Ihr Optimismus und Kampfgeist helfen ihr, mit den Umständen ihrer Rehabilitation zurechtzukommen. Es muss weitergehen. Ich habe liebe Menschen um mich herum, die mir helfen und ich bin kein Mensch, der aufgibt. Es könnte immer schlimmer kommen.
Rückblickend sagt sie, hatte sie großes Glück. Als Zahnärztin sind meine Hände, mein Kapital. Auch mein Standbein, welches während längerer Behandlungen belastet wird, ist verschont geblieben. Auf die Frage, wie sie ihre Reise beschreiben würde, sagt sie, Ich wurde aus der Bahn geworfen, bin aber weich gefallen. Die Rundreise durch Estland will sie schnellst möglich nachholen.
Autor: nnz
Kann wieder lachen: Annemarie Burghardt während ihres stationären Aufenthaltes in der HELIOS Klinik Bleicherode (Foto: J. Weller)
Es war ein schöner Burgbesuch für Annemarie Burghardt auf der estnischen Insel Saaremaa. Mit einer Reisegruppe ist die 64-Jährige Zahnärztin aus Mühlhausen in Estland unterwegs, um die Landschaft und Sehenswürdigkeiten des Baltikums kennenzulernen.
Beim Verlassen der Burg passiert es: Sie übersieht die letzten Stufen, knickt um und landet mit ihrem Körpergewicht auf dem umgeknickten Fuß. Die Medizinerin ahnt sofort, dies ist keine harmlose Bänderdehnung. Zu groß sind die Schmerzen. Mir war sofort klar, das ist das Ende der Reise, erinnert sie sich.
Sie kommt in das Inselkrankenhaus auf Koressaare. Innerhalb einer Stunde wird sie unter Narkose eingerenkt und gegipst. Ihr behandelnder Arzt spricht glücklicherweise Deutsch. Er war der Einzige, mit dem ich mich verständigen konnte. Das war beruhigend. Der Mediziner erklärt der Touristin, es würde eine Operation nötig sein, um den komplizierten Bruch zu reparieren. Er empfiehlt auch, sie solle sich in Deutschland operieren lassen – das Krankenhaus habe wenig Erfahrung mit dieser Art von Verletzungen.
Ich ermahnte mich, ruhig zu bleiben. Die Kraft, die mir blieb, musste ich nutzen, sagt Annemarie Burghardt. Während der nächsten zwei Tage managt sie per Smartphone von ihrem Krankenhausbett aus alles selbst. Sie informiert ihre Versicherung, die Reisegesellschaft, ihre Familie und nimmt Kontakt zur HELIOS Klinik Bleicherode auf, um dort einen Termin zu vereinbaren. Ich wusste, ich würde mich nur in Bleicherode operieren lassen. Ich wurde dort vor vielen Jahren am Knie operiert und kenne im Bekanntenkreis ehemalige Patienten, die von der Behandlung ebenfalls überzeugt waren.
Zwei Tage später fliegt Annemarie Burghardt nach Frankfurt, wo sie ihr Lebensgefährte abholt und zu ihrer Wohnung nach Mühlhausen bringt. Dort erlebt sie erstmals einen Moment der Schwäche. Beim Versuch vor ihrem Krankenhausaufenthalt noch einmal in ihre Wohnung zurückzukehren, muss sie erkennen, wie schwer ihre Verletzung tatsächlich war.
Ich konnte mich überhaupt nicht bewegen. Nach vier Stufen musste ich aufgeben und mir kamen erstmals die Tränen, erzählt sie. Obwohl der Termin für ihre stationäre Aufnahme in der HELIOS Klinik Bleicherode erst am Folgetag gesetzt war, begab sie sich noch am selben Abend in die Fachklinik für Orthopädie. Das Personal war sehr fürsorglich und ich habe mich sofort gut aufgehoben gefühlt. Zudem waren die Koffer von der geplanten Reise ja noch fast vollständig gepackt, sagt sie.
In ihrem Patientenzimmer kann sie erstmals die vergangenen Tage Revue passieren lassen. Der Unfall und der Krankenhausaufenthalt in Estland sowie der Transfer nach Deutschland – das war schon sehr abenteuerlich. Aber ich bin von Grund auf Optimist und wusste, es wird schon irgendwie weitergehen. Dr. Steffen Kohler, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Orthopädie, operiert die Sprunggelenksfraktur der Mühlhäuserin. Während der Operation wurde der Bruch eingerichtet und zwei Platten mit mehreren Schrauben eingesetzt. Der Eingriff verläuft bestens, jedoch ist der Fuß noch nicht voll belastbar. Würde sie mit dem Fuß auftreten, könnten die Verschraubungen nachgeben. Die Konsequenzen wären gravierend.
Für die niedergelassene Ärztin ist die Zwangspause ein echter Schock, doch wieder ist sie stark und gelassen. Ich habe viel Energie, wenn man mich lässt, aber ich muss jetzt eben einsehen, dass ich mir und meiner Gesundheit die Auszeit gönne. Es ist ja nicht zu ändern. Der Praxisbetrieb wird derzeit auf ein Minimum herunter gefahren. Annemarie Burghardt wird voraussichtlich erst im September wieder praktizieren können. In der Zwischenzeit muss sie in einem behindertengerechten Hotel in Mühlhausen wohnen, da sie aufgrund ihrer Verletzung nicht in ihre Wohnung gelangt – Kosten, die von ihrer Versicherung nicht übernommen werden. Ihr Optimismus und Kampfgeist helfen ihr, mit den Umständen ihrer Rehabilitation zurechtzukommen. Es muss weitergehen. Ich habe liebe Menschen um mich herum, die mir helfen und ich bin kein Mensch, der aufgibt. Es könnte immer schlimmer kommen.
Rückblickend sagt sie, hatte sie großes Glück. Als Zahnärztin sind meine Hände, mein Kapital. Auch mein Standbein, welches während längerer Behandlungen belastet wird, ist verschont geblieben. Auf die Frage, wie sie ihre Reise beschreiben würde, sagt sie, Ich wurde aus der Bahn geworfen, bin aber weich gefallen. Die Rundreise durch Estland will sie schnellst möglich nachholen.

