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Do, 18:11 Uhr
11.08.2016
Wie weiter mit dem Vereinshaus Thomas Mann?

Bürgerdialog mit wenig Bürgern

Es war eine Premiere, zum ersten Mal in der Geschichte des Nordhäuser Stadtrates war es dem gemein-interessierten Volke vergönnt, einer nichtöffentlichen Sitzung von nichtöffentlich tagenden Ausschüssen beizuwohnen. Zumindest einem Teil davon...

Besichtigung im Garten, rechts die Büste Thomas Manns (Foto: nnz) Besichtigung im Garten, rechts die Büste Thomas Manns (Foto: nnz)
Das, was mit dem Wähler geteilt werden sollte, waren Aspekte der Zukunft des Vereinshauses Thomas Mann. Die Stadt Nordhausen als Eigentümer will das Gebäude verkaufen. Die Vereine, die hier eine Heimstatt haben, die wehren sich dagegen. Ein Teil von ihnen hat eine Bürgerinitiative gegründet, ein Einwohnerantrag wurde durch den Stadtrat eingenommen.

Zu Beginn des Dialogs mit den wenigen Bürgern führte Heiko Müller vom städtischen Bauamt durch und vor das Haus. Fazit: es gibt keinen Winkel, keinen Raum, keine Etage, die nicht sanierungsbedürftig ist. So müsste zum Beispiel das komplette Keller-Geschoss trockengelegt werden. Von außen muss abgedichtet, von innen der Schimmel „verjagt“ werden. Das muss komplett erneuert werden. Da kann der Laie nur schätzen: Mehrere 100.000 Euro.

Und so stellt sich die Frage, wer das bezahlen soll? Klar, die Antwort ist eindeutig: der Vermieter, also die Stadt. Doch wie jeder andere Vermieter auch, will der seine Ausgaben durch Einnahmen decken. Und da beginnt die Crux. Die meisten der hier aktiven Vereine sind gemeinnützig und die brauchen wie Selbsthilfegruppen übrigens auch keine Miete, sondern nur eine Betriebskostenpauschale in Höhe von 5 Euro pro Veranstaltung und pro Raum zahlen.

Wie die nnz recherchierte zahlt der Vermieter, also die Stadt Nordhausen, dem Kulturbund monatlich 300 Euro für organisatorische Aus- und Aufgaben. Die Wirtschaftlichkeit wird also auf den Kopf gestellt. Bleibt die Möglichkeit, dass die nutzenden Vereine die Sanierungskosten übernehmen. Unmöglich. Soweit der Status Quo, der sich praktisch als Ausgangsbasis einer eventuellen dialogischen Diskussion anbietet.

Die erste Frage kam von Tilly Pape, der Finanzausschussvorsitzenden. Was würde eine Sanierung kosten? Die Schätzung würde sich auf rund 650.000 Euro belaufen. Seitens der SPD-Fraktion, die vermutlich einen Verkauf verhindern möchte, wurde gefragt, was zwingend gemacht werden müsse und über welchen Zeitraum diese Sanierungsarbeiten gestreckt werden müsse? Selbst eine Mini-Variante würde einen sechsstelligen Betrag verschlingen.

Eine weitere Frage bezog sich auf die Zahl der Vereine, die das Gebäude nutzen? 23 Vereine nutzen das Haus, die allesamt zum Kulturbund Europa gehören. Im vergangenen Jahr gab es 300 Nutzungen, das sei eine Auslastung von rund 30 Prozent. Für dieses Jahr wird gar mit einer Auslastung von 20 Prozent gerechnet, weil der Hauptnutzer, der Schachclub ausgezogen ist. Die städtischen Ausgaben für Betriebskosten beliefen sich 2015 auf 15.650 Euro, dem stehen Einnahmen in Höhe von rund 9.600 Euro gegenüber, allein die jüdische Gemeinde zahlt davon 1.000 Euro Miete im Jahr.

Uwe Joch plädierte dafür die Nutzungsgebühren zu erhöhen, um zumindest bei den Betriebsausgaben kostendeckend zu agieren. Gisela Hartmann regte an, den Garten als Baugrundstück zu veräußern. Auf die Frage nach räumlichen Alternativen, sagte Hannelore Haase, dass zum Beispiel der Tabakspeicher oder das Kunsthaus Meyenburg Räume hätten. Genutzt werden könnte auch der Seminarraum im Bürgerhaus sowie Räume der Jugendkunstschule. Möglich wäre auch die Nutzung des Bürgersaals im Neuen Rathaus als Tagungs- und Begegnungsstätte.

Prof. Ansgar Malich sagte, dass zum Beispiel die IG Doppelkopf ihre Spiele durchaus in einer Gaststätte austragen könne. Das handhabe er persönlich schon seit Jahren.

Zum Abschluss des Dialogs sagte Jutta Krauth, dass die Stadt nicht das Geld für eine Sanierung habe, das Haus aber der Stadt erhalten werden müsse.
Peter-Stefan Greiner

PS: Die Debatte um die Zukunft des Vereinshauses ist so neu nun auch nicht. Hier der Beleg aus dem Archiv der nnz.
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Vereinshaus besichtigt (Foto: nnz)
Autor: nnz

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Kommentare
U. Alukard
12.08.2016, 09:32 Uhr
Frau Krauth
hat ihre Entscheidung, meiner Meinung nach, schon zum Wohle der Stadtfinanzen getroffen. Sie spart wo sie nur kann, das wurde auch in einem anderen Artikel sehr deutlich, wo es am Ende heißt: Auch könne da und dort die Gebührenschraube weitergedreht werden, selbst dann, wenn es dem “Bürger wehtut”. Nun werden wir kaputt gespart, Schäuble kommt aus dem Schwabenland und Frau Krauth hat dort studiert.
Waldemar Ceckorr
12.08.2016, 12:12 Uhr
frau hartmann
könnte doch ihre verbindung zur gipsindustrie nutzen, vielleicht lassen die ja mal was springen.
bei der villa park hohenrode hat's doch funktioniert.
C.Doe
12.08.2016, 12:23 Uhr
Kultur contra Geld
Man kann es drehen und wenden wie man will. Kultur kostet Geld. Und eben dieses Geld hat die Stadt nicht. Die begrenzten Geldmittel (Haushaltsmittel) wurden in den letzten Jahren in diverse Projekte investiert. Als Beispiel sei hier die Stadtbibliothek oder diverse Museen genannt.

Viel Geld wurde in Plaungen, wie bspw. dem Blasiikirchplatz oder der Feuerwehr investiert. Noch mehr Geld wurde in Baumkataster und ähnliche Sinnhaftighkeiten ausgegeben. Nun sind die Kassen leer und der steuerzahlende Bürger auf Anschlag ausgepresst, wie die sprichwörtlich bekannte Zitrone. (Grundsteuer, kommunale Abgaben, Parkplatzgebühren, etc.).

Kultur kostet immer, da ihr keine eigene Wertschöpfung , zumindestens betriebswirtschaftlich innewohnt. Auch hat die Stadt das Gebäude, wie so viele dauerhaft vernachlässigt. Frau Krauth und die ganze Riege der städtischen Verwaltung sind nun erstaunt, dass die Investitionen aus den 90er Jahren verzehrt sind. Das ist weltfremd. Aber so sind sie eben.

Die Lösungen, welche präsentiert sind, sind eigentlich keine. Die Vereine können doch die Immobilie nie bewirtschaften und die Stadt hat ja auch keinen Plan zu einer sinnhaften Nutzung. Am Ende wird das Gebäude genauso leerstehen, wie die alte Hagelstangebibliothek, da die festgesetzten Veräußerungspreise der Stadt (Verkehrswert) weltfremd sind und kein Investor bei den aufgerufenen Mondpreisen zugreifen kann.

Kultur ist aber der Beitrag, der für ein sinnvolles soziales Zusammenleben nötig ist. Dieses zu organisieren ist Aufgabe der Stadtverwaltung und des gewählten Oberbürgermeisters und dessen Beigeordneten.
Ein Blick auf die Vorgänge um das Seniorenbegegnungszentrum in Nordhausen-Nord lässt nichts Gutes ahnen. Und da schließt sich der Kreis! Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
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