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08.07.2016
nnz-Betrachtung (2)

Eine Moschee für Nordhausen? Noch nicht!

Soll in Nordhausen eine Moschee errichtet werden? Es war nur ein Gedankenspiel - doch die Reaktionen waren zum Teil heftig. Ich sage: Nordhausen braucht keine Moschee - noch nicht…

Moschee in Nordhausen (Foto: Fotomontage: Peter Blei) Moschee in Nordhausen (Foto: Fotomontage: Peter Blei)
Angelo Glashagel hatte sich dieser Frage schon einmal angenommen und sie auch beantwortet. Ich respektiere seine Auffassung, obwohl ich sie nicht teile. Das ist nicht verwerflich, das ist Streit der Meinungen. Meinungsfreiheit eben - im Grundgesetz verankert, trotzdem mitunter schwer zu praktizieren. Weil zu dieser Meinungsfreiheit auch das “Entgegennehmen” anderer Meinungen gehört. Und zu dieser Meinungsfreiheit gehört auch meine Meinung, dass eine Moschee noch nicht zu Nordhausen gehört. Dass müssen jene aushalten, die exakt anderer Meinung sind.

Ich glaube nicht an irgendeinen Gott, aber ich achte und respektiere die Menschen, die glauben. Ich lebe mit den Kirchen, gehe bei Besuchen in anderen Städten in nahezu jede. Dort kann ich mich erholen, dort atme ich die Größe, wie es in dem Song “Tritt ein in den Dom” der Ostrock-Gruppe Electra heißt. Aber es ist bei mir nicht die Größe des Geistes oder irgendeines Gottes, die ich empfinde, sondern die Größe menschlicher Baukunst, menschlichen Vermögens, menschlichen Geistes, denn auch diese Zeile wird von Stefan Trepte gesungen: “Den Dom haben Menschen errichtet”. Die Kirchen auf diesem Stückchen Erde, auf dem ich groß und alt wurde, sind Bestandteil dessen, was man Gesellschaft nennt. Sie haben sich hier eingebracht, sie gehören dazu. Für mich wahrnehmbar vor allem im sozialen Bereich. Sie haben meinen Respekt, weil ich annehme, dass Christen auch mich als "Ungläubigen" respektieren.

Dieser Status Quo ist das Ergebnis einer Jahrhunderte langen Entwicklung, vor allem die der Kirchen. Kirche, das war eben auch das Verbrennen und Foltern von Menschen, war das Zufügen unermesslichen Leids, war Absolutismus und vor allem Machtbesitz. Kirche heute ist anders. Kirche und Staat sind getrennt, obwohl, wer genau hinsieht, da auch einige Vermengungen ausmachen kann. Damit kann und muss man leben.

Zur Meinungsfreiheit in diesem Land gehört aber auch der kritische Umgang mit dem, was in den zurückliegenden zwölf Monaten hier passiert ist und was das Wort “Flüchtingsproblematik” gebar. Eine Entwicklung, die das Land, die Gesellschaft nicht überfordert hat. Auch, weil es stark genug ist, die mehr als eine Million von Menschen aufzunehmen, logistisch zu betreuen und zu versorgen. Der weitaus schwierigere und kostenintensivere Teil jenes “Abenteuers” liegt vor uns und nennt sich Integration.

Aber hat schon jemals ein Politiker gefragt, ob sich diese Geflüchteten denn überhaupt integrieren wollen? Natürlich wird immer wieder auf positive Beispiele verwiesen, da ist die Politik Meister im Beherrschen der Klaviatur. Aber, sind diese positiven Beispiel nicht auch nur das - rein rechnerisch betrachtet - “eine Prozent”, das mein Kollege Glashagel mehrfach beschrieb?

Der Kapitalismus, in dem wir leben, der kümmert sich nicht um Ideologie, Religion oder Weltanschauung. Er machte schließlich auch den Faschismus möglich. Dem Kapitalismus geht es um Ressourcen, auch um menschliche. Es geht um billige Arbeitskräfte, um das Ausfüllen der Hilfsjob-Löcher. Denn - auch das kommt immer mehr zum Vorschein - der Großteil der Geflüchteten ist nicht in der Lage, sich relativ schnell zu integrieren. Für einige Generationen ist es schon zu spät. Wissenschaftler und Ökonomen sprechen hier mittlerweile von Jahrzehnten, die es braucht, um einen Nutzen aus der Einwanderung zu ziehen. Nutzen - das bedeutet - dass jene, die heute zu uns kommen, in die Sozialsysteme einzahlen oder - anders ausgedrückt - einen Teil dessen zurückzahlen, was sie erhalten haben.

Was passiert jedoch mit denen, die sich nicht integrieren wollen oder können. Vorbilder gibt es in vielen deutschen Großstädten, vornehmlich in der alten Republik. Ich kenne das Ruhrgebiet nicht, aber ich kenne Berlin. Neukölln. Dort gibt es in der Hermannstraße ein türkisches Restaurant, in dem es außergewöhnlich gut schmeckt. Vor dem Restaurant fünf Jungs so um die zehn Jahre. Drei mit Migrationshintergrund, zwei ohne. Sie kommen aus der Schule, flachsen miteinander auf deutsch. Sie verabschieden sich. Das Trio geht anschließend in die Gaststätte und spricht mit dem Personal, es sind Verwandte: ausschließlich türkisch.

Zurück nach Nordhausen: Wer legt auch hier dafür die Hand ins Feuer, dass sich der Großteil derer, die kamen, überhaupt integrieren wollen? Und damit meine ich soweit wie möglich. So tief und verzahnt es nur geht? Deren Integrationsbemühen dort endet, wo es für die Integration in die sozialen Sicherungssysteme notwendig ist? Meine Prognose ist düster: Auch ich komme nur zu diesem einen Prozent, das es schaffen wird, Teil dieser Gesellschaft zu werden.

Und mit diesem Teilhaben an der Gesellschaft ist auch das Respektieren anderer Religionen als der eigenen gemeint. Das Akzeptieren der Trennung von Staat und Kirche. Das Akzeptieren, dass Gerichtsverfahren nicht vor einem Geistlichen oder dem Familienoberhaupt durchgeführt werden, sondern vor einem staatlichen Richter. Der Mann aus dem Irak, der sich wunderte vor Gericht zu stehen, nur weil er seine Frau getötet hatte, der gehört nicht zu den ein Prozent islamistischer Terroristen, wie mein Kollege Glashagel ausführte. Der gehört ja zu den 99 anderen Prozent, der seine Kinder in Frieden aufwachsen sehen wollte. Und das macht mir Sorgen, genauso wie jene muslimischen Männer, die einer Frau hier in Deutschland den Handschlag verweigern. Das will ich nicht akzeptieren, nicht hier in diesem Land.

Braucht Nordhausen eine Moschee? Ich sage: noch nicht. Wer garantiert denn mit dem vielleicht auch offenen Gebetshaus, dass woanders nicht das gepredigt wird, was sich die Politiker so erhoffen? Ja, gebt den neu angekommenen Menschen eine Chance der Integration, die den Respekt unseres Zusammenlebens zum Maßstab haben muss. Sie müssen sie in erster Linie nutzen. Nach nicht mal einem Jahr ist das nicht möglich, der reale Blick allein in eine Nordhäuser Regelschule zeigt, wie schwierig diese Aufgabe sein wird. Und zu guter Letzt noch der Ausflug zur eingangs beschriebenen Meinungsfreiheit: Den Lehrerinnen und Lehrern dieser Schule wurde staatlicherseits untersagt, über bestehende Probleme offen zu reden...
Peter-Stefan Greiner

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Autor: nnz

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Kommentare
soni-1959
08.07.2016, 17:58 Uhr
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HeinzelmannthomasH
08.07.2016, 18:46 Uhr
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Cornelia Wilhelm
08.07.2016, 20:54 Uhr
Flüchtlinge fördern und fordern
Menschen, die zu uns kommen, müssen gefördert, aber auch gefordert werden. Das steht überhaupt nicht zur Debatte. Es ist ein wichtiger Ansatz, den wir verfolgen müssen.

Diese Menschen müssen wesentliche Teile, die uns ausmachen wie Gleichberechtigung und Religionsfreiheit, erst kennenlernen. In vielen Erstaufnahmelagern werden auch Polizeibeamte mit Migrationshintergrund eingesetzt, die unsere Werte möglichst schnell vermitteln können.

Es ist auch gefährlich, nicht zwischen Einwanderern und Flüchtlingen zu unterscheiden. Man sollte hier nicht alle über einen Kamm scheren. Unser Land ist wirtschaftlich stark, aber die Einwohnerzahlen gehen stetig zurück. Wir werben seit Jahren um Zuwanderer als Beispiel sei hier die Greencard aufgeführt, die in den Jahren 2000 bis Ende 2004 im Rahmen des „Sofortprogramm zur Deckung des IT-Fachkräftebedarfs“ ins Leben gerufen wurde um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Zu einer möglichst schnellen Integration derer, die sich auch integrieren wollen, sollte auch die Wirtschaft stärker in die Pflicht genommen werden. Bei den Fachkräften sollte dem Staat nicht allein die Führung überlassen werden. In den letzten Jahren kamen vorwiegend Einwanderer
aus den europäischen Nachbarländern nach Deutschland. Im Anschluss an das sogenannte „Anwerbeabkommen“ mit Italien, Griechenland, dem ehemaligen Jugoslawien, Portugal, Spanien, Südkorea und der Türkei wurden in Westdeutschland in den 60er Jahren bereits entsprechende Verträge mit den arabischen Staaten Marokko und Tunesien geschlossen.

Diese wurden dann hauptsächlich in der Eisen- und Stahlindustrie und in der Bauwirtschaft eingesetzt. In den 70er Jahren zogen Frauen und Kinder nach. Und auch in unseren Breitengraden gab es in den 1950er Jahren einen Mangel an Arbeitskräften. Da holte man ab den 60er Jahren Arbeiter Kuba, Ungarn, Vietnam und der Volksrepublik Mosambik. der Volksrepublik Polen, später auch Arbeiter aus den arabischen Staaten Algerien und Syrien. Viele kehrten nach der Wiedervereinigung wieder zurück in ihre Herkunftsländer. Und nicht anders verhält es sich heute. Bisher verfügen schätzungsweise erst 1/4tel der Flüchtlinge über eine entsprechende Qualifikation.

Das Integrationsgesetz bietet zwar Hilfe, aber die sprachliche und berufliche Qualifikation gestaltet sich nach wie vor als sehr schwierig. Außer Frage steht auch, dass wir nur eine gewisse Aufnahmefähigkeit haben. Und um den Menschen ein Bleiberecht zu ermöglichen, die wirklich in Not sind, haben wir bestimmte Instrumente. Beispielsweise
das Mitbestimmungsrecht der Kommunen. Diese können selbst bestimmen, wann die Kapazitätsgrenze für Aufnahme erreicht ist. Das ist nicht Staatsangelegenheit. Dieses Mitbestimmungsrecht soll auch Parallelgesellschaften entgegenwirken. Wir sollten aber ganz klar das Zeichen setzen: „Wer sich anstrengt und um Integration bemüht, wird dafür honoriert.“ Es muss also eine Anstrengung mit der Integration zusammenhängen. Und es braucht Akzeptanz in der Bevölkerung für Menschen, die sich wirklich integrieren wollen.

Auch die Behörden arbeiten auf Hochtouren an Verfahren, die eine eventuelle Rückführung nicht bleibeberechtigter Personen beschleunigen. Das ist aber Aufgabe des entsprechenden Bundesamtes und nicht Aufgabe von Journalisten, zu fragen, wer hier ein Aufenthaltsrecht besitzt und wer nicht. Das ist meine Meinung. Mit Schließung der Balkanroute sind die Zahlen der Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen stark zurückgegangen. Peter Beuth, Hessischer Minister des Inneren, spricht von „1000 Zugängen pro Tag“ derzeit. Vor einigen Wochen waren es noch 16000 pro Tag. Im Rahmen von Orientierungskursen, die zwischenzeitlich 100 Stunden umfassen, werden die Flüchtlinge mit unserer Sprache, unserem politischen System und dem Grundgesetz vertraut gemacht. Für den Rest braucht es Geduld, gegenseitigen Respekt und gesellschaftliche Akzeptanz für die, bei denen ein Wille zur Integration gegeben ist.
Harzer_jung
08.07.2016, 21:02 Uhr
Gebetshaus oder Minarett?
Wenn Moslems sich eine Kirche bauen wollen, dann lasst sie doch. Oder wir überlassen Ihnen eine der Kirchen für die wir kaum noch Besucher haben.

Wechsel im praktizierten Glauben innerhalb eines Kirchengebäudes gab es immer wieder. Ich ziehe meine Grenze bei einem Minarett und dem Ruf des Muezzin.

Ich selbst stamme aus einem Ort in dem es die Evangelisch Lutherische Kirche gab, die Freikirchliche, Gemeinschaft, die Mothodisten, die Baptisten, 7 Tage Evangelisten, und anderswo haben sich bis vor kurzer Zeit Katholiken und Evangelische bis aufs Blut bekämpft.

Idiotischerweise sind es alles Religionen die bis auf Abraham zurückgehen. Ich finde es aber auch etwas unfair mit einer Prachtmosche als Titelbild zu ködern. Ich habe letztens einigen Leuten Bilder von der Yenidze in Dresden gezeigt.

Die Reaktion war eindeutig: was erlauben die sich, sowas in unser Deutschland hinzustellen, wer das erlaubt hat sollte erhängt werden, dabei war das nur eine Tabakfirma. und dem Betreiber hat es gefallen seine Fabrik eben so zu bauen.

Hagia Sophia, auch so eine Sache Mal Museum, mal islam, mal christlich. Voriges Jahr um diese Zeit war ich in Utrecht/ Niederlande. Die haben da wirklich einen Prachtbau von Moschee. Dagegen sind der Erfurter und der Kölner Dom zusammen ganz kleine Lichter.

Und warum ist es möglich das es verboten werden kann den Film Das Leben des Brian an kirchlichen Feiertagen zu zeigen?

Religionsfreiheit bedeutet auch das ich leben kann ohne von anderen Religionen belästigt zu werden.

Jan Richter

Überzeugter Pastafari und Gläubiger des unsichtbaren rosa Einhorns
Kama99
08.07.2016, 22:17 Uhr
Früher oder Später...
...wird auch in Nordhausen eine Moschee gebaut, wenn der Islam Deutschland übernommen hat.

M. Karl
Andreas Dittmar
08.07.2016, 22:42 Uhr
Super geschrieben Herr Greiner
Sehr geehrter Herr Greiner

Ihr Beitrag hat mich im Gegensatz zu denen Ihrer Vorredner am meisten überzeugt. Sie gehen auch auf die aktuellen Ereignisse ein und besonders im letzten Absatz geben sie denen eine Stimme, die von staatlicher Seite einen Maulkorb verpasst bekommen.

So stelle ich mir guten Journalismus vor. Man muß auch nicht so weit ausholen wie ihr Kollege, nur um irgendwelche Argumente zu finden, die für eine Moschee sprechen. Allein schon die Fotomontage der Moschee auf dem Bebelplatz... das passt nun wirklich nicht. Klar sollte man eine Meinung oder einen Standpunkt respektieren aber mit manchen Begründungen sieht es halt oft dürftig bis abenteuerlich aus.

Andreas Dittmar
Wie Bitte
09.07.2016, 00:55 Uhr
moschee mitten in der stadt?!
das kann ja wohl nicht sein, dass so ein prunkbau mitten auf dem bebelplatz gebaut werden soll, die parksituation ist schon zum jahrmarkt oder zirkus oder zu sonst nutzungen unerträglich, und da reden wir immer nur von einer woche. jetzt wollen die moslems da ihr gebetshaus hinstellen, wer genehmigt so einen wahnsinn denn. welcher architekt gibt sich her für so eine städtebauliche katastrophe her, wer hat den entwurf auf dem bebelplatz genehmigt? Die abrechnung zur nächsten wahl kommt!

Gerhard König

Anm. d. Red.: Bei dem Titelbild handelt es sich lediglich um eine Bildmontage. Zur Zeit gibt es keinerlei Pläne irgendwo in Nordhausen eine Moschee zu bauen. Die Betrachtungen beruhen auf dem Gedankenspiel eines Pfarrers
Wie Bitte
09.07.2016, 13:42 Uhr
bildmontage oder nicht,
wenn da ein pfarrer (!) ein gedankenspiel macht ob man auf dem bebelplatz eine moschee (!) bauen sollte, dann ist es doch zur realität nicht mehr weit.
Herr Taft
10.07.2016, 17:09 Uhr
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