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10.06.2016
Gipsstreit im Südharz: Redaktion von casea

Warnsignal für künftige Investoren

Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund will den kompletten Winkelberg unter Naturschutz stellen und den sogenannten Gipskompromiss nicht anerkennen. Jetzt reagiert das betroffene Unternehmen...


"Die Absicht der Umweltministerin Thüringens, Anja Siegesmund, den Gipsabbau am Winkelberg – der sich zu 42 ha im Bergwerkseigentum der CASEA GmbH befindet - zu verhindern, hat an sich keinen Neuigkeitswert, da sie sich wiederholt entsprechend geäußert hat. Da dieses Ziel auch vor Ort politisch vielfach geteilt wird, hatte die CASEA GmbH angeboten, für die Suche nach einem Kompromiss zur Verfügung zu stehen, der die Arbeitsplätze im Spezialgipswerk Ellrich erhält.

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Diese Gespräche haben im März begonnen, der Landrat des Kreises Nordhausen, Matthias Jendricke, hatte dazu eine nächste Gesprächsrunde angekündigt, die längst hätte stattfinden sollen. Das Ministerium Frau Siegesmunds hatte überdies schriftlich mitgeteilt, bei der Suche nach einem Kompromiss mitwirken zu wollen, den auch Ministerpräsident Bodo Ramelow öffentlich favorisiert hat.

Mitten in diesen Bemühungen hat Frau Siegesmund nun – ohne die CASEA Gmbh als betroffene Bergwerkseigentümerin und Grundstückseigentümerin vorab auch nur zu informieren – die Weisung erteilt, das Naturschutzgebiet „Rüdigsdorfer Schweiz“ um jene 18 Hektar zu erweitern, die nach dem „Gipskompromiss“ aus dem Jahr 1997 dem Rechtsvorgänger der CASEA GmbH von der Landesregierung zum Abbau zugesagt worden waren. Das eröffnet die Möglichkeit
einer kalten Enteignung, der auch jedem privaten Gartenbesitzer zeigt, wozu Politik auch in der Nachwendezeit doch immer noch fähig ist.

Grundlage ihrer Absicht ist ein von ihr beauftragtes Rechtsgutachten, das zu dem Ergebnis kommt, aus dem Gipskompromiss von 1997 ergebe sich – wie es in der entsprechenden Pressemitteilung heißt - „keine rechtsverbindliche Verpflichtung, die den Freistaat noch heute verpflichten würde, von einer Erweiterung des Naturschutzgebietes auf den gesamten Winkelberg abzusehen.“

Das Thüringer Umweltministerium hat damit zunächst noch einmal bestätigt, dass der Gipskompromiss im Jahr 1997 zwischen dem Freistaat Thüringen und der Rechtsvorgängerin der CASEA GmbH geschlossen wurde. Im Anschluss daran hatte das Ministerium 1997 sogar festgestellt, dass ein Kompromiss gefunden werden konnte, der den Belangen des Naturschutzes wie denen der Südharzer Gipswerk GmbH (heute CASEA GmbH) Rechnung trägt.

Die in diesem Rahmen getroffenen Abstimmungen, Zusicherungen und Erklärungen können durch die Umweltministerin heute nicht einfach nachträglich und einseitig aufgehoben oder als nicht mehr bindend erklärt werden. Das angesprochene Rechtsgutachten liegt der CASEA GmbH nicht vor, kann diese Ausgangslage jedoch nicht ändern. Damit fehlt es auch an der Grundlage für die angekündigte Ausweitung des Naturschutzgebietes „Rüdigsdorfer Schweiz“.

Die CASEA GmbH wird ihre Position – falls dies nötig werden sollte – mit allen rechtlichen Mitteln verteidigen. Anstatt sich mit dem Unternehmen auf eine anderweitige Möglichkeit der Arbeitsplatzerhaltung zu einigen, begibt sich Frau Siegesmund auf Kosten des Steuerzahlers durch ihr Vorgehen auf das Feld eines unnötigen und langwierigen Rechtsstreits.

Zugleich signalisiert sie, dass sich die Kommunalvertreter und auch die Wirtschaft in Thüringen auf Abmachungen mit anderen Gebietskörperschaften nicht mehr verlassen können, indem sie versucht, sich aus vom Land eingegangenen Verpflichtungen heraus zu manövrieren. Für mögliche Investoren in Thüringen und besonders im Landkreis und der Stadt Nordhausen muss dies ein Warnzeichen sein.

Das Vorgehen Siegesmunds ist damit auch ein Schlag gegen die öffentlichen Haushalte, die aus der Gipsindustrie Millionen an Steuerzahlungen erhalten. Betroffen werden von dem Vorgehen auch alle Förderungen für Sport und Kultur sowie freiwillige Renaturierungsmaßnahmen (auch der Plan der Kohnstein-Renaturierung), für die die Gipsunternehmen Gelder bereitgestellt haben.

Frau Siegesmund macht zudem klar, dass ihr die Arbeitsplätze in der Gipsindustrie gleichgültig sind. Sie setzt bewusst die weitere Existenz des Spezialgipswerkes der CASEA GmbH in Ellrich sowie die davon direkt und indirekt abhängigen Arbeitsplätze in der Region aufs Spiel. An unsere Arbeitnehmer und an alle anderen Arbeitnehmer der Branche sowie alle, die direkt oder indirekt dafür arbeiten, sendet sie ein Zeichen der sozialen Kälte, das alle Bemühungen der Grünen andernorts in Deutschland, sich als arbeitnehmer- und wirtschaftsfreundliche Partei zu profilieren, konterkariert.

Zu bedenken ist auch: Dem Land Thüringen kommt auf Grund der nicht abänderbaren geologischen Gegebenheiten nicht nur regional, sondern auf Bundesebene eine besondere Bedeutung und Verantwortung für die Sicherung der Rohstoffversorgung des Marktes mit hochwertigen Naturgipsen zu, die zur Herstellung von Spezialgipserzeugnissen benötigt werden. Diese Spezialgipse sind insbesondere für die keramische Industrie, Formgipse, Gipse für die Medizintechnik und besondere Gipsgrundprodukte für die Lebensmittel- und Futtermittelindustrie unabdingbar. Mit dem Ansatz, eine Rohstoffgewinnung im Bergwerkseigentum Rüdigsdorf/Winkelberg ohne jeden Kompromissansatz generell auszuschließen, gefährdet die Thüringer Umweltministerin damit auch die entsprechende bundesweite Sicherung der Rohstoffversorgung des Marktes mit einheimischen Rohstoffen.

Müssten Rohstoffe, über die unser Land eigentlich selbst verfügt, aber importiert werden, findet die Förderung in anderen Ländern in der Regel unter weniger nachhaltigen Bedingungen statt als wir dies für die Bundesrepublik garantieren können. Es müsste eigentlich ein grünes Anliegen sein, hier Verantwortung zu zeigen.

Es ist heutzutage hierzulande selbstverständlich, dass der Abbau von Naturgips naturschonend und mit einer Rekultivierung stattfindet, die die Abbaufelder schließlich zu wertvolleren Biotopen macht als sie dies zuvor gewesen sind. CASEA GmbH hat sich schon mehrfach dazu bekannt, die geplante Rohstoffgewinnung im Bergwerkseigentum Rüdigsdorf/Winkelberg an einem schonenden Ressourceneinsatz auszurichten sowie Eingriffe in die Natur und die Landschaft so weit wie möglich zu vermeiden. Unvermeidbare Eingriffe können und sollen durch Rekultivierung und Renaturierung wieder geheilt werden. Dies hat weiterhin Gültigkeit.

Die CASEA GmbH hat sich bisher als verantwortungsbereiter Partner erwiesen. Sie war und ist bereit, das mit dem Freistaat vereinbarte Abbaurecht in ihrem Bergwerkseigentum am Winkelberg gegen eine qualitativ und quantitativ akzeptable Alternative einzutauschen, wenngleich man solchen Vereinbarungen mit der öffentlichen Hand in Thüringen nun offenbar nicht mehr trauen kann.

Wir fordern die Beteiligten jetzt auf, die Gespräche zu einer Kompromissfindung nun unverzüglich fortzusetzen, anstatt die Energie in Rechtsstreitigkeiten zu investieren."
Autor: nnz

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Kommentare
Feuerwehrgeologe
10.06.2016, 13:07 Uhr
Ekelhaft, wie hier wieder versucht wird, die Bürger gegen den Staat aufzuwiegeln.
Da tut das Land Thüringen einmal das richtige und versucht solche Landschaftsverschandelungen ohne Gleichen zu verhindern. Ich kenne das aus Südniedersachsen. Wo früher schönste Karstlandschaft war, ist heute ein klaffendes Loch. Außerdem sind die ständigen Sprengungen eine Belastung für Mensch, Tier und Material. Bleibt nur zu hoffen, dass das Land Thüringen und der LK Nordhausen standhaft bleibt und diesen raffgierigen Geldhaien zeigt, dass es auch noch anderes außer Geld gibt.

P.S.: Mir ist durchaus bewusst, dass Gips für die Herstellung wichtiger Waren benötigt wird. Aber anstatt jedoch einen – für das Unternehmen hoffentlich aussichtlosen – Rechtsstreit einzugehen, sollte das Unternehmen lieber an Alternativen forschen. Die Hochschule hat da einige interessante Projekte zu dem Thema.
Gips
10.06.2016, 13:30 Uhr
Keine Ahnung
Ihr redet von Alternativen und habt doch eigentlich keinen Dunst davon. Ihr seit auch nicht Kompromissbereit. Für Euch gibt es nur 1:0 Lösungen,
elektriker
10.06.2016, 14:45 Uhr
Gipsköppe
Wie wäre es denn das Ganze unter die Erde zu verlagern.Oben bleibt alles heil und wird verfüllt. Wie war das mit dem Profit?
lieber Scholli
10.06.2016, 18:00 Uhr
Casea ist das Wort Nachhaltigkeit fremd?
Sicher ginge der Businessplan von Casea Nicht auf, wenn die Ministerin das durchsetzt. Aber fast 20 Jahre lang auf dem zu beharren, was 1997 bestimmt wurde gleicht einem Dornröschenschlaf.
Die Welt dreht sich weiter und muss vor nicht umkehrbaren Umwelteinflüssen bewahrt werden.
Die Arbeitsplätze müssen nicht flöten gehen, wenn Casea umstellt auf der Produktionsarten.
Verantwortungsvolles Unternehmertum ist hier gefragt.
lieber Scholli
10.06.2016, 18:57 Uhr
Nicht nur Dornröschen.....auch weitere Märchen
Am Ende des Artikels werden Renaturierungsversprechen gemacht, die nun wirklich nur als leere Versprechungen oder Märchen bezeichnet werden können.
Ein 30 m tiefer oder höher Gipstagebau - das wäre mal interessant, wie diese Renaturierung geplant ist.
Soll geflutet werden oder verfüllt? Oder nur abgedeckt? Wird das Gelände für Menschen betretbar sein?
Interessant wäre eine Prognose bezüglich der Transporte für Rohstoff- und Renaturierungsstoffe.
"Es ist heutzutage hierzulande selbstverständlich, dass der Abbau von Naturgips naturschonend und mit einer Rekultivierung stattfindet, die die Abbaufelder schließlich zu wertvolleren Biotopen macht als sie dies zuvor gewesen sind. " wenn nach dem Abbau wertvollere Biotope als zuvor entstünden, liebe Autoren, dann würde es sich nicht um Rekultivierung handeln, sondern um Renaturierung. Egal wie, glaubhaft ist dies nicht. Wie gesagt, es fehlt die Transparenz bezüglich der entsprechenden Planung.
Andere potentielle Investoren in Anbetracht dieser Sachlage vor Nordhausen warnen zu wollen ist unsachlich, manche würden sagen schäbig, deutet jedenfalls nicht auf eine Haltung hin, die pro Region zu sehen ist.
Paulinchen
10.06.2016, 20:23 Uhr
Feuerwehrgeologe
Die Alternativen hat doch der MDR am letzten Dienstag aufgezeigt!!
Beim Verbennen von Kohle für die Energiegewinnung fällt Gips als ABFALLPRODUKT an!! In OSTDEUTSCHLAND wurde eine Wiederaufbereitungsanlage errichtet (mit EU- Fördergeldern) damit aller (!) Gipsabfall in Deutschland wieder aufbereitet werden kann. Leider werden die dortigen Kapazitäten nicht ausgeschöpft. Nein - der Wahn nach der Zerstörung von Naturschutzgebieten lässt die Aternativen einfach nicht zu. Die Firma ist so profitgesteuert, dass ihr der Lebensraum der Menschen, Pflanzen und der Tiere ganz einfach scheißegal ist . Der Sohnemann vom Chefteam der Fa. Casea will Großraumlader fahren und dieser Wunsch soll erfüllt werden. Koste es was es wolle!!!

Bleibt zu klären, wieviel wurde dem Unterzeichner gezahlt, als der seine Unterschrift geleistet hat, dass der Winkelberg ein Teilstück aus den Naturschutzgebiet abtreten musste? Wer war denn der Unterzeichner auf der Kommunalseite?????
Motte83
10.06.2016, 20:53 Uhr
CASEA sorgt sich um die Mitarbeiter?
So so. Was würde denn CASEA tun, wenn sie den gesamten Südharz abbagern dürften und am Ende damit fertig sind. Wenn sie sich so sehr um die Mitarbeiter sorgen, müssten sie sich auch einen Plan machen. Und den hätte man eben schon seit 20 Jahren machen können. Die Mitarbeiter sind hier wohl nur ein vorgeschobenes Argument.

Wenn ich gutes Geld damit verdienen würde, Altöl im Boden einzubuddeln, hätte doch auch niemand Angst um meine Mitarbeiter und man würde mir das verbieten. Ja, der Vergleich hinkt ein wenig :-)

Vielleicht akzeptieren die Gipsunternehmen einfach mal, dass der Gipsabbau durch die Mehrheit der Bevölkerung hier nicht erwünscht ist!
geloescht.20240214
10.06.2016, 23:38 Uhr
Sicherheitsleistung?
Casea redet und schreibt gern über Renaturieung oder zumindest Rekultivieung. Aber was ist, wenn es dann wirklich soweit komen sollte, was ich nicht hoffen will. Dann lässt der übermächtige Remondis-Konzern seine Tochter Casea mal so kurz pleite gehen und schickt die Arbeitneher, die sich heute noch für den Gipsabbau persönlich engagieren gnadenlos zur Agentur. Und wer beseitigt den Naturschaden? Deswegen muss hierfür eine Sicherheitsleistung in Höhe der Renaturierungskosten vor Beginn ds Abbaues erhoben werden um den Supergau zu verhindern. Mal sehen ob die sich das leisten könne.
Gehard Gösebrecht
11.06.2016, 10:16 Uhr
Fragen über Fragen
Wem gehört der Gips im Boden?
Wer hat ein Anrecht auf die Systematische Ausbeutung der Natur im Südharz, um mit der Arbeitsplatz-Rettungskeule seine Profitinteressen durch zu setzen?
Wer hat ein Anrecht darauf, tausende Tonnen Gips mit LKW durch Nordthüringen zu karren, ohne Rücksicht auf die Anwohner.
Wieviel tausende Liter Diesel werden in die Luft geblasen, um diese Menge Gips zu transportieren?
Aber Vati will dem Sohnemann die Zukunft sichern, damit die Nachkommen ein besseres Leben haben.
Es gibt viele tausende Arbeitslose in Nordthüringen.
Wer hat diese denn gefragt?
Wer fragt denn den Bürgermeister Erfurt im noch!!! jetzigen Luftkurort Neustadt, wenn jeden Tag die 40 Tonner den Ort in Rauch und Dreck hüllen?
Oder will man etwa die LKW Karawane durch NDH schicken?
Wirklich schade, dass die A38 nicht am Winkelberg vorbeiführt, sonst könnte man sich heimlich, still und leise??(laut) davonstehlen.
Hat man mittlerweile Sprengstoff entwickelt, welcher keinen Detonationslärm erzeugt?
Aber jetzt kommen wieder die Gegenargumente die Industrie, welche den Bürgern einredet, dass es ohne die Gipsindustrie kein Leben auf dieser Welt geben würde.
tsnsw
11.06.2016, 10:36 Uhr
Gipsstreit ? Vertrauen in Behörde? Gipsindustrie auch noch in 100 Jahren.
Ist es denn im Naturschutz beliebig, welche Flächen tauschbar sind? M.E. ist Naturschutz nicht beliebig und auch nicht von einer grünen Ministerin "anweisbar". Deren Motivation ist verständlich. Ich möchte auch, dass Naturschutz gilt oder wo nicht, renaturiert wird. Das Risiko der juristischen Niederlage besteht immer, dürfte hier konkret aber signifikant erhöht worden sein. Wer trägt dieses Risiko?

Die Argumentation der CASEA erscheint überzogen. Denn wenn man wonaders billiger abbauen kann, so ist es Gesetz des Marktes, dass dies so geschieht.

Andererseits sind Vereinbarungen dafür da, eingehalten oder fortentwickelt zu werden. Da ist die Kritik der CASEA m.E. begründet.

Ein weiterer Aspekt ist doch mal herauszuarbeiten, wer am Kohnstein zur Situation beigetragen hat. Schon nach 1945 sind Gelder aus der Gewinnung des Rohstoffes zweckentfremdet und nicht zur Renaturierung eingesetzt worden. Auch zuletzt hieß es, dass solche Rücklagen verloren waren. Kann man also auf die Behörden vertrauen? Ohne wirksame Kontrolle möglicherweise auch nicht, oder? Die Kontrolle sehe ich noch nicht.

Quo vadis Gipsabbau? Weiter so oder endlich eine ordentliche Lösung? Mit den jetzt Beteiligten wird eine gute Lösung im Sinne eines Kompromisses aufgrund der politischen Impotenz dazu (?) m.E. negiert. Die Gipsindustrie wird es hier wohl auch in 100 Jahren noch geben. Lieber Gott hilf, dass eine nachhaltige, clevere Lösung gefunden wird!
Kritiker2010
11.06.2016, 11:27 Uhr
Die Umwelt ist kein Terrarium!
Seit Jahren werfen beide Seiten gewichtige Argumente in die Waagschale, die sich sicher auch ins Gleichgewicht bringen ließen. Jedoch neigen beide Seiten auch immer wieder zur Hysterie, die seit vielen Jahren eine sinnvolle Einigung verhindert.

Sicher will ein Unternehmen Gewinne erwirtschaften. Aber auch unzählige Arbeitnehmer in der Gips- und weiterverarbeitenden Industrie haben ein berechtigtes Interesse am Gipsabbau. Mehr noch, die vielen Initiativen und öffentlichen Einrichtungen - ja selbst ein Umweltministerium - leben fast ausschließlich von Steuergeldern, die auch von diesen Unternehmen und Arbeitnehmern gezahlt werden.

Auch die von Casea genannte Unabhängigkeit von externen Rohstoffquellen sollte man in Zeiten geopolitischer Unsicherheiten nicht aus den Augen verlieren.

Auf der anderen Seite stehen die Umweltschützer, die vor lauter angelesener Umweltliebe gar keinen Schimmer davon zu haben scheinen, wie Natur und Umwelt funktionieren. Liebe Leute, Natur ist ein lebendiges und chaotisches System, kein Terrarium. Die Natur ist zum Glück weitaus flexibler und robuster, als so mancher Umweltschützer. Und all zu oft zeigt sich, dass der theoretisch erdachte Umweltschutz in der Praxis nicht funktioniert.

Nach meinen bisherigen Beobachtungen als umwelt-fachlich ungebildeter Mensch behaupte ich: Wenn man so ein unschönes Abbauloch nach Ende des Abbaus ein wenig schleift und hier und da wahllos ein paar LKW voll Abraum, Grünschnitt und verrottbares Material einbringt, dauert es nur wenige Jahre oder Jahrzehnte, bis sich die Natur dieses Gebiet komplett zurück erobert hat.

Die Natur braucht keine Käfer zählenden Lehrbuch-Naturschützer und erobert von selbst zurück, was ihr der Mensch abgerungen hat!

Sicher, wo zuvor ein weich geformter Bergrücken mit homogenem Baumbestand oder eine Wiese lag, wird dann eine andere Landschaft entstehen - vielleicht ein Tal, vielleicht ein See. Diese Landschaft wird sich in den folgenden Jahrzehnten ganz von allein entwickeln, den Lebensraum für unzählige Arten bilden, ein neues natürliches Gleichgewicht aus Flora und Fauna schaffen und das alles unabhängig von der Deutungshoheit der Umweltaktivisten. Dazu bedarf es auch keiner Hand-Umsiedlung von Florfliegenlarven.

Was in der Rüdigsdorfer Schweiz im "Kleinen" passieren soll, findet seit Millionen von Jahren im Großen auf diesem Planeten statt - Veränderung - und die Welt wie wir sie kennen ist das Resultat!

Auf Basis dieser Erkenntnisse sollten die Bestrebungen endlich dahin gehen, den Abbau gemeinsam mit Casea so zu planen, dass möglichst wenig Emissionen (Staub, Lärm, Erschütterungen) verursacht und so die Interessen (auch wirtschaftlichen) der umliegenden Orte nicht beeinträchtiget werden.
Zudem wäre es sicher machbar die Sichtbarkeit des Abbaus schon aus touristischen Gründen zu begrenzen. Denn so wie in Niedersachswerfen oder Appenrode muss es ja nicht aussehen. Dass die finanzielle Absicherung für die nur grobe Renaturierung vorher geklärt werden muss, versteht sich dabei von selbst. Und ein unterirdischer Abbauf würde auch nur Folgeprobleme bringen und die vollständige Rückgabe an die Natur auf lange Zeit verhindern.
Demut
11.06.2016, 13:34 Uhr
Kritiker2010 hat Recht
Umweltschutz ist wichtig! Umweltschützer sind ein Teil des Systems unserer Gesellschaft. Gewinnen sie Oberhand kommt das System aus dem Gleichgewicht.

Ich sehe als jahrelanger Beobachter zur Problematik Gipsausbau, dass die Umweltschützer durch Unverhältnismäßigkeit und bis weil demagogische Eskapaden eine über den Gipsabbau hinaus gehende industriefeindliche Atmosphäre erzeugt haben, die der Stadt und dem Landkreis nicht gut tun werden.

Ich bin z.B. kein Fan von Wacker, aber ohne Sponsorengelder aus der "Gipsecke" kann man auf dem ehrwürdigen Rasen demnächst Kartoffeln und Rüben anbauen!

Fazit: Das System muß wieder ins Gleichgewicht kommen!

Also ran an den Verhandlungstisch und nicht einer Ministerin im fernen Erfurt gestatten uns in die Suppe zu spucken. Oder glaubt wirklich wer, dass die gleiche Ministerin auch nur einen Arbeitsplatz in NDH sichert geschweige den schafft!!
lieber Scholli
11.06.2016, 22:16 Uhr
@Demut und Kritiker2010 - Gips vom Winkelberg nach Ellrich Beamen?
Ganz klar vetreten Sie eine Casea unterstützende Meinung. Ihr gutes Recht. Ihre Versuche einer Argumentation sind jedoch zumeist ohne Substanz.
Ein Tagebau ist ein Tagebau mit all seinen Begleiterscheinungen. Der Niedergang von Neustadt als Luftkurort und aller seiner touristischen Betriebe ist dann besiegelt. Die Arbeitnehmer sind dann auf alle Fälle arbeitslos. Zählen die weniger als die Mitarbeiter von Casea? Ist es denn sinnvoll, den Wirtschaftszweig Tourismus zu Gunsten der Gipsindustrie zu zerstören?
Die Welt verändert sich seit Millionen Jahren, stimmt. Aber der Mensch hat die Chance sinnvoll Einfluss zu nehmen. Das heißt hier: Keinen Weiteren Tagebau zu eröffnen.
Falls Sie jedoch schon einen Schritt weiter sind und eine Technologie erfunden haben, um den Gips vom Winkelberg nach Ellrich zu beamen....wäre schon mal das Transportproblem gelöst. Bleiben dann noch die Anwohner und das wiederherzustellende Gebiet.
andreas.huebner
12.06.2016, 11:19 Uhr
Anmerkung
Wir hatten eigentlich die Hoffnung ein wenig zur Aufklärung einiger hier erwähnter Punkte in der MDR Sendung am 7.6. beitragen zu können - aber wie Fernsehen eben funktioniert wurde das gar nicht gezeigt, obwohl vorher diskutiert und aufgezeichnet.... Die im Film gezeigte Gipsrecyclinganlage gehört zur Remondis ebenso wie die Casea. Die Casea war der erste Gipsproduzent in Deutschland, welcher Recyclinggips tatsächlich einsetzt - wenn auch nicht in Ellrich. Der Standort Ellrich ist aber der einzige, der REA-Gips im Südharz verarbeitet. Es gibt einige weitreichende EU-Verordnungen und zudem so etwas wie Anstand, welche verbieten, dass diese beiden Alternativen zum Beispiel im Tierfutter, Lebensmittel oder Gipsbinden verwendet werden können - diese Tatsachen kann ein Produzent nicht beeinflussen.
Außerhalb dieses Landkreises bedeutet ökologisches Bauen die Verwendung von Naturbaustoffen - insbesondere Naturgips. Wir haben Standorte, welche ausschließlich Produkte aus REA-Gips produzieren - und selbst jetzt nach über 30 Jahren kann gerade ansatzweise von einer Marktakzeptanz die Rede sein. Das geht anderen Gipsproduzenten ebenso.
Das Einstellen der Steinkohleförderung im Ruhrgebiet hat nicht dazu geführt, dass weniger Kohle verstromt wird. Importiert wird dann eben aus Kolumbien, Australien und den USA. Nur hat der deutsche Arbeiter davon nichts und der 'Pott' ist mit hohen Arbeitlosigkeiten in die Perspektivlosigkeit getrieben worden.
Tourismus ist keine tragende Säule der Gesellschaft, Griechenland kann davon auch nicht leben. Wohl jede Region hofft auf Tourismus, aber irgendwo muss dazu das Geld verdient werden, was der Tourismus dann abschöpfen könnte. 
Oft kommt das Argument der Lkw-Transporte, verständlich für jedermann, der davon betroffen ist. Nun machen Sie sich selbst ein Bild und stellen sie sich für sagen wir eine Stunde in Neustadt an die Landesstrasse : Holz, Kies, Busse fahren weit mehr bereits jetzt durch den Ort, einer öffentlichen Bewertungen dazu musste sich niemand stellen, es beschwert sich auch keiner im Tagestakt darüber in der Presse. Luftkurort und Verkehr vertragen sich nicht, das ist jedem klar. Eine Umgehungsstraße wäre wohl eine Lösung, die hätten aber etwa 1000 andere Orte in Deutschland auch gern. Wenn ein paar zusätzliche Lkw die Notwendigkeit dazu 'verbesserrn', dann sollte jemand sich darum kümmern....
Im übrigen kommen die jetzigen 25.000to REA-Gips auch nicht per Beamen nach Ellrich und das nächste Kohlekraftwerk ist nicht 'um die Ecke'. Aber solange Mineralwasser aus Italien nach Deutschland gefahren wird, denkt darüber niemand nach.
Im Übrigen ist die Casea für Nachhaltigkeit vom Thüringer Umweltministerium ausgezeichnet worden, nicht für den Gipsabbau, aber für eine nachhaltigen Umgang mit Energie.

Andreas Hübner, Casea
Peppone
12.06.2016, 13:13 Uhr
Lese ich das richtig Herr Hübner?
Es gibt so etwas wie "Anstand" bei Casea, dass Rea-Gips nichts in Tierfutter, Lebensmitteln und Gipsbinden zu suchen hat? Ist das Ihr Ernst?

Gips in jeglicher For, auch in natürlicher, hat nichts in Tierfutter oder Lebensmitteln zu suchen! Aber kommentieren Sie bitte weiter, hier lernt der Verbraucher und Konsument dazu. Danke.
Gips
12.06.2016, 16:31 Uhr
Über Gips mal schlau machen
Immer erstmal schlau machen. Natürlich ist Gips in Lebensmitteln und Tierfutter. Auch im Bier. Zum Wohl ihr Ahnungslosen.
andreas.huebner
12.06.2016, 18:23 Uhr
Lebensmittelzusatzstoff
Lebensmittelzusatzstoff E516 = Calciumsulfat.
Und Gips gehört nicht in Gipsbinden? Woraus dachten Sie, werden die sonst gemacht? Uns wird immer vorgeworfen, nicht auf Alternativen zum Naturgips zu setzen, aber es gibt Grenzen, welche wir nicht versuchen werden auszuloten.

Erfunden haben wir eine solche Nutzung übrigens nicht.....
Peppone
12.06.2016, 19:16 Uhr
Nicht ganz korrekt, trotzdem danke
Herr Hübner für die Reaktion. Gibs in Gibsbinden stelle ich nicht in Frage. Lediglich die Verwendung in Lebensmitteln oder Tierfutter. Dort ist E516 verzichtbar.

@ Gips, E516 ist kein notwendiger Bestandteil des Bieres. Es wird leider von einigen, ausschließlich profitorientierten Brauereien dazu benutzt, das Brauwasser zu "manipulieren". Eigentlich Quatsch, da das Brauwasser zur Note des Bieres beiträgt und die Kunden keine rundgelutschten Biersorten möchten, sondern Biere verschiedenen Geschmackes. Niemand braucht Gips im Bier und wer es braucht kann sich doch gerne einen Löffel voll unterrühren.;)1
Kritiker2010
12.06.2016, 20:00 Uhr
So, da haben wir sie wieder, die Hysterie.
@lieber Scholli: Zumindest ich bin in keiner Weise mit Casea verbandelt und kenne jeden Winkel in Neustadt, weiß auch um die Bedeutung des Tourismus und des Titels Luftkurort. Da ich dem Thema aber eben neutral gegenüber stehe, sehe ich durchaus Kompromiss-Möglichkeiten. Sollte ich mich vielleicht als Mediator anbieten?

Ich würde es durchaus als sinnvoller erachten, wenn sich die „Betroffenen“ mit dem/den abbauenden Unternehmen über das "Wie" und den Umfang reden würden und so eine für alle Seiten tragbare Lösung zu entwickeln. Dazu muss man sich aber von der notorischen Verweigerungshaltung lösen, denn diese hat zuweilen einen Bumerang-Effekt.

Und zur Beruhigung für die Zeit danach bleibe ich dabei: Schleift man den Tagebau nach Abbauende ein wenig (sodass zumindest keine akute Absturzgefahr mehr besteht) und lädt mehr oder weniger wahllos ein Erde und Grünschnitt darin ab, erledigt die Natur den Rest ganz von allein, wenn Sie nicht von Umweltschützern dabei gestört wird, die ihr vorschreiben wollen, welcher Käfer sich zu welcher Zeit in genau welchem Planquadrat aufzuhalten hat.

@Peppone: Ich kann Ihnen beim Bier nicht ganz zustimmen. Die Tatsache, dass die großen Brauereien so groß sind, ist nicht nur dem tollen Marketing zu verdanken, sondern hat eben auch damit zu tun, dass viele Leute wollen, dass die Brühe immer gleich schmeckt. Aber das nur am Rande...
Gips
12.06.2016, 20:11 Uhr
Peppone
Warum holt die Zuckerindustrie viele Tonnen Natürlich während der Rübenernte? Sicher auch unnötig.
Gips
12.06.2016, 21:22 Uhr
Peppone
Sorry. Schreibfehler. Die Zuckerindustrie holt Naturgips.
Peppone
12.06.2016, 22:01 Uhr
Den Leuten wird aber erzählt,
es gibt ein Reinheitsgebot @Kritiker2010. Die Wenigsten wissen, dass die Brauwasser u. a. mit Calziumsulfat zur Einheitsplärre gemacht werden.

Das schlimme sind ja genau diese "Argumente"11, mit denen die Gipsindustrie die Leute überzeugen möchte. Gips ist angeblich überall drin, das möchte man gern erzählen. Blödsinn, es geht und ging seit tausenden Jahren auch ohne E516!

Und jetzt möchte hier @ Gips erzählen, es gäbe keinen Zucker, wenn da kein Gips drin wäre. Das muss man doch nicht mehr ernst nehmen.:)
Gips
13.06.2016, 07:43 Uhr
Peppone
Also haben wir Kunden die unsere Produkte nur kaufen? Wie geschrieben, erstmal Schlau machen und sich dann öffnen
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