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Di, 13:20 Uhr
07.06.2016
800-Kilo-Bombe muss gesprengt werden

Zwei Ortsteile werden komplett evakuiert

Immer wieder werden in und um Nordhausen herum Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Die haben im Durchschnitt ein Gewicht von rund 250 Kilogramm. Zwischen Steigerthal und Leimbach wurde jetzt ein 800-Kilo-Koloss entdeckt. Und der bereitet Sorgen...

Der Krisenstab beim Pressegespräch (Foto: nnz) Der Krisenstab beim Pressegespräch (Foto: nnz)
Von links: Leimbachs Ortsbürgermeister Manfred König, Inspektionschef Ronny Groos, Feuerwehrchef Gerd Jung, Bürgermeisterin Jutta Krauth, Feuerwehr-Vizechef Thomas Schinköth und die amtierende Ordnungsamtsleiterin Christine Heidel

Es war ein Leimbacher Bürger, der die letzten Kriegstage als Kind erlebte, der berichtete, das eine Bombe nicht gezündet habe. Das hatte sich in diesen Tagen bestätigt, nachdem systematisch gesucht wurde. Gestern wurde dann der Blindgänger gefunden, eine britische Fliegerbombe, die mit 250 Kilogramm TNT gefüllt ist. Zum Vergleich: Die häufig in Nordhausen gefundenen Blindgänger haben ein Gesamtgewicht von 250 Kilogramm, die Masse des TNT wird mit rund 80 Kilogramm angegeben. Die Bombe zwischen Leimbach und Steigerthal kann nicht entschärft werden, deshalb eine kontrollierte Sprengung. Ein hergerichteter Krater soll die Bombe aufnehmen, dann wird mit Erdreich und Wasser abgemindert. Ein kurzer Transport über 100 Meter sei möglich, da es sich um einen Aufschlagzünder handele.

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Heute laufen die Vorbereitungen auf die Sprengung. Das Erdreich wird ausgehoben, die Bombe wird acht Meter tiefer gelegt. Dort werden 200 Tonnen Erdreich und zahlreiche Wassertanks, insgesamt 100 Tanks mit je einem Kubikmeter Wasser, zur Abdeckung genutzt.

Bürgermeisterin Jutta Krauth sprach von einer ungeheuren Druckwelle, die zu erwarten sei, die insbesondere das Bettenhaus 1 des nahe gelegenen Klinikums treffen könnte, das sich in der gleichen geografischen Höhe wie der Bomben-Fundort befindet. Die beiden Ortsteile Leimbach und Steigerthal müssen vollständig evakuiert werden. Die Verwalter werden heute Nachmittag in den beiden Ortsteilen Flyer mit den notwendigen Informationen austeilen. Auch Lautsprecherwagen werden eingesetzt. Die Evakuierung beginnt morgen um 10 Uhr und soll 13 Uhr abgeschlossen sein. Bürger werden mit Bussen in die Evakuierungszentren gebracht.

Gerd Jung vor einem Teil der Wasserbehälter (Foto: nnz) Gerd Jung vor einem Teil der Wasserbehälter (Foto: nnz)
100 dieser Tanks sollen die Druckwelle im Zaum halten

Die 780 Einwohner von Leimbach sollen in die Turnhalle der Schule in Nordhausen/Ost gebracht werden, die 300 aus Steigerthal kommen in der Buchholzer Gemeindegaststätte unter. Die Busse fahren um 10 Uhr, 11 Uhr und um 12.30 Uhr. Die Kinder aus dem Leimbacher Kindergarten werden im Regenbogenhaus in Nordhausen Ost betreut.

Um den Ort der Sprengung wird ein Radius von 1,5 Kilometer gezogen, hier werden sämtliche Straßen und Wege durch Posten der Polizei gesichert. Die „leeren“ Immobilien und Grundstücke in den beiden Ortsteilen werden durch die Polizei ebenfalls bewacht. Wer sich den Anweisungen von Ordnungsamt und Polizei widersetzt, der wird mit empfindlichen Bußgeldern belegt. Im Nordhäuser Bürgersaal (Markt 15) wird das Lagezentrum eingerichtet. Die Bombe selbst soll um 18 Uhr gesprengt werden. Sollte die Wetterlage dem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung machen, wird gewartet. Man wartet den günstigsten Moment ab.

In Nordhausen wurde am Taschenberg im Jahr 2012 die letzte Bombe entschärft. Sie wog 250 Kilogramm. Seit 1952 sind in und um Nordhausen herum 356 Sprengkörper entschärft worden, doch so etwas Großes sei noch nicht dabeigewesen. Am 3. und 4. April hatten britische Bomber rund 6.500 Bomben und Luftminen über Nordhausen abgeworfen. Auf Leimbach fielen 350.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz

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Kommentare
free Gigi
07.06.2016, 14:47 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht mehr zum Thema des Beitrags
Pusteblume1
07.06.2016, 15:10 Uhr
In welchem Zusammenhang...
... wurde denn die Bombe gefunden?
Alex Gösel
07.06.2016, 15:15 Uhr
Bombe
@Pusteblume1: Das steht doch im Text - ein Anwohner hat dort einen Blindgänger vermutet. Was mich eher interessiert: Warum so eine große Bombe, was genau war das Ziel der Bombe?
geloescht.20220913
07.06.2016, 15:36 Uhr
Schon erstaunlich
dass dies dem Anwohner erst 70 Jahre später wieder eingefallen ist. Trotz alledem muss man froh sein, dass solch ein Monstrum irgendwo im Wald und nicht mitten in Nordhausen liegt.
Günther Hetzer
07.06.2016, 16:40 Uhr
@gandalf
Es werden noch einige solcher "Kracher" in Nordhausen unter der Erde schlummern. Gerade gegen Kriegsende war die Zahl von "Blindgängern" enorm hoch. Bei den Tonnen die über NDH ausgeschüttet wurden, darf man also noch einiges vermuten. Laut Aussagen einer Zeitzeugen (inwiefern die Aussagen stimmen, weiß ich nicht) wurde bei den letzten Angriffen, auch einiges planlos in die "Heide geraucht". Viel war ja nicht mehr da, was man hätte zerstören können.

Jedoch kostet Kampfmittelbeseitigung viel Geld und deshalb wird auch nur das Nötigste gemacht. Ich kann mich noch daran erinnern (es ist schon einige Jahre her), da lagen in einem Waldstück in einem Ort dieses Landkreis, Granaten und weitere Kampfmittel kurz unterhalb der Laubschicht. Diese waren auch ohne eine Sonde, gut zu finden. Zumindest wies ein Schild auf dem Weg darauf hin.
Gut möglich, dass es inzwischen beräumt wurde. (hoffentlich)
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