eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Sa, 09:15 Uhr
04.06.2016
Zur Erinnerung an Hans Steinhoff

Brockenwirt verstorben

Gerade einmal 13 Menschen durften sich in der langen Geschichte der Brockengastronomie „Brockenwirt“ nennen. Mit dem Tod von Brockenwirt Hans Steinhoff am Donnerstag dieser Woche geht eine Ära zu Ende. Bodo Schwarzberg erinnert an den Mann...


Er nutzte die Gunst der Stunde, nachdem am 3. Dezember 1989 auch auf dem Brocken die Mauer gefallen war und baute die Versorgung der heranflutenden Brockenbesucher komplett neu auf. Ich selbst habe Hans Steinhoff mehrmals persönlich getroffen, zuerst im Jahre 2003 anlässlich der Aktion „Wandern für Olympia – Leipzig 2012“ und später mehrfach zu Interviews oder eben rein zufällig als Wanderer. Ich lernte ihn als freundlichen, offen- und warmherzigen Menschen kennen, der seine Familie und sein Schierke über alles liebte.

Anzeige Refinery (lang)
Trotz seines unternehmerischen Erfolges war sich Hans Steinhoff stets der Tatsache bewusst, dass Gastronomie ohne Naturschutz im Brockengebiet keine gute Gastronomie sein würde. Das Nebeneinander hochsensibler subalpiner Matten mit Brocken-Anemone, Brocken-Habichtskraut und weiteren Raritäten wie Starrer Segge oder Scheiden-Segge einerseits und zehntausenden Brockenbesuchern andererseits, funktioniert allen Unkenrufen zum Trotz meist gut. Die Ängste vor einer Vernichtung der einzigartigen Brockennatur durch die Menschenmassen erwies sich als unbegründet. Man hat sich eingerichtet auf dem höchsten Harzgipfel und respektiert die wechselseitigen Interessen, da sie gemeinsame Interessen sind. Zumindest gewann ich diesen Eindruck stets, wenn ich mit Vertretern des Brockengartens oder aber mit Hans Steinhoff sprach.

Zur Erinnerung an den legendären Brockenwirt veröffentlicht die nnz noch einmal den Text, den ich über ihn für mein Buch „Menschenbilder aus der Harz- und Kyffhäuserregion“ (Bd. II) im Jahre 2013 schrieb.

Hans und Daniel Steinhoff

Brockenwirte
Internet: www.brockenwirt.de

Hans Steinhoff war gerade mit dem Abwaschen der Tassen seiner Gäste beschäftigt, als aus dem Mund eines anwesenden ZDF-Fernsehjournalisten der entscheidende Satz fiel: „Also hat der Brocken jetzt wieder einen Brockenwirt!“, sagte er halb fragend zu dem Gastronomen und hielt ihm erwartungsvoll das Mikrofon hin: Das war am Tag der deutschen Wiedervereinigung, also am 3. Oktober 1990. Hans Steinhoff bejahte umgehend und die traditionsreiche Bezeichnung „Brockenwirt“ war, 28 Jahre nach dem Mauerbau wieder auferstanden. Unbestritten ist, dass es im Harz und weit darüber hinaus wohl keinen bekannteren Gastronomen gibt. Ganze 13 Menschen durften sich in der langen Geschichte der Bewirtung auf dem Brocken „Brockenwirt“ nennen. Ganz gewiss dürfte dies mit den zahlreichen Alleinstellungsmerkmalen des 1.142 Meter hohen Berges zusammenhängen: Der höchste Gipfel im Norden Deutschlands und auf seinem Breitengrad in ganz Europa, vom Atlantik bis zum Ural. Demzufolge gibt es auch keinen Wirt, der auf tausenden Kilometern Entfernung in West-Ost-Richtung an höherer Stelle, als auch dem Brocken seinen Dienst verrichtet.

Ein Leben in Schierke

Hans Steinhoff gehört zu den ganz wenigen verbliebenen Schierker Einwohnern, die in dem Harzort geboren wurden (21.03.1944). Seit Generationen bekannt war dort der Name seiner Familie mütterlicherseits, vor allem in Bezug auf die Fleischerei: „Den Namen Winkel kannte in Schierke jeder. Bereits meine Urgroßeltern und meine Großeltern waren selbstständige Fleischer; und meine Mutter Ruth Steinhoff, geb. Winkel, führte das Geschäft bis zu ihrem frühen Tod mit 59 Jahren fort“, sagt er.

Einen schon fast legendären Ruf genoss auch Wilhelm Winkel, der Urgroßvater meines Gesprächspartners: Denn ihn nannte man nicht nur „Schierker Kuhhirte“, sondern „Wunderdoktor“: „Er konnte fast jede kranke Kuh heilen, obwohl er kein Tierarzt war. Und die Tiere waren für das Überleben der damaligen Familien existenziell“, sagt er.

Der Ehemann von Ruth Winkel, Josef Steinhoff, stammt aus Westfalen, wo Fleischer auch „Peikert“ genannt werden. Daher riefen die Schierker Einwohner den jungen Hans Steinhoff auch gern „Hänschen Peikert“.
Nach dem damals üblichen Abschluss der achten Klasse in Schierke absolvierte er im legendären Wernigeröder Café Wien eine Lehre zum Konditor und arbeitete von 1962 bis 1963 in einer Bäckerei seines Heimatortes.
Als für seine weitere berufliche Entwicklung wichtigen Schritt sieht der heutige Brockenwirt seine Lehre zum Koch im Interhotel Magdeburg an: „Für meine berufliche und Persönlichkeitsentwicklung war es gut, für eine gewisse Zeit aus Schierke herauszukommen“, erklärt er. Die Bedeutung dieser Jahre wird durch den 1971 ebenfalls in Magdeburg erlangten Abschluss als Küchenmeister unterstrichen.

Ausgestattet mit diesen Qualifikationen, stand Hans Steinhoff der Weg hin zu leitenden Positionen (zunächst als Küchenleiter) in den Urlauberheimen des FDGB-Feriendienstes offen, zu dem damals die Häuser „Hermann Duncker“, „Hermann Gieseler“, „Bodeblick“ und „Feuerstein“ (heute Hotel „König“) gehörten. Stets hatte er dabei nicht nur das Wohl seiner Gäste, sondern die gesamte Entwicklung Schierkes im Blick und er erwähnt in diesem Zusammenhang nicht ohne Stolz die Bedeutung des Ortes als Trainingszentrum der deutschen Teilnehmer für die Olympischen Winterspiele 1936 und als Austragungsstätte der (gesamt-)deutschen Wintersportmeisterschaften des Jahres 1950. Eine westdeutsche Zeitung jenes Jahres lobte Schierke sogar als „Garmisch der Ostzone“. Auch er selbst war oft im sportlichen Auftrag unterwegs: als Kampfrichter für den Bob- und Schlittensport, sogar mit internationaler Lizenz. Doch dem Einsatz Hans Steinhoffs für Schierke waren durch seine Mitgliedschaft in der DDR-CDU Grenzen gesetzt: Seine leitenden Kollegen, allesamt mit SED-Mitgliedsbuch“, haben die Schierker CDU gern als „Untergrundpaartei“ bezeichnet, erklärt er. „Bereits meine Mutter war ein politischer Tiefflieger, was ich in der Schule nicht selten zu spüren bekam“, denkt er zurück.

Dennoch erreichte Hans Steinhoff für seine Urlauber viel: Er initiierte Jägerabende, Schlachtfeste und Wanderungen inklusive Verpflegung aus der Gulaschkanone. In der hochsensiblen Sperrzone mussten die durchschnittlich 1.200 Touristen (bei ebenso vielen Einwohnern) beschäftigt und gelenkt werden. „Ich war schon damals ein ausgesprochenes Organisationstalent. Etwas für die Menschen auf die Beine zu stellen, machte mir ausgesprochen viel Spaß!“, sagt er. Das DDR-Fernsehen war einmal sogar für die Sendung „Sie und Er und tausend Fragen“ in Schierke zu Gast und zeichnete ein von Hans Steinhoff organisiertes Schlachtfest auf.
Zeitweilig bekleidete er die Position des Wirtschaftsleiters in der FDGB-Zentrale des Bezirkes Magdeburg. Die letzten Jahre vor der Wende standen im Zeichen seiner Tätigkeit als Restaurantleiter im Schierker FDGB-Heim „Bodeblick“.

Die neue Gastronomie auf dem Brocken

Die Wende hatte für den Urlauberort Schierke und für dessen Einwohner besonders weitreichende und positive Konsequenzen. Vor allem die Einmaligkeit, DER Ausgangspunkt für die Besteigung des Brockens schlechthin zu sein, führte auf dem Gebiet des Tourismus zu ungeahnten Perspektiven. Hans Steinhoff erfuhr im November 1989 von einem Nachbarn, dass in Elend die Grenze offen sei. Er wollte die Gunst der Stunde schnell nutzen und bot dem Objektleiter des FDGB-Ferienheims Bodeblick dessen Kauf oder Pacht an, was dieser jedoch mit den Worten ablehnte, man werde ‚diesen Goldesel‘ niemals abgeben.

Der Schierker besann sich auf seine Erfahrungen mit Gulaschkanonen und erwarb jene, die einst Eigentum des Heimes Hermann Duncker war. Noch bevor die Menschen am 3.12.1989 vor der den Brockengipfel damals umschließenden Mauer Einlass begehrten, hatte Hans Steinhoff beim Rat der Gemeinde zudem einen Antrag auf einen Kiosk und einen Rodelschlittenverleih gestellt – natürlich zum Betrieb im Ort selbst. Dass der höchste Harzgipfel so schnell zugänglich sein würde, das überstieg zunächst auch sein Vorstellungsvermögen. Am 3. Dezember weilte Hans Steinhoff gerade zu einem Wettkampf in Oberhof und erinnert sich noch heute an die hervorragende Fernsicht. „Wir haben vom Thüringer Wald aus bis zum Brocken sehen können, so klar war die Luft“, sagt er. Und für ihn stand eines sofort fest: „Ich wollte unbedingt etwas auf dem Brocken unternehmen.“ Beflügelt wurden die Pläne des damals knapp 46-jährigen von der Nachricht, dass die Grenzer als bisherige Nutzer den Brockenbahnhof räumen wollten. Zudem stand der Verkauf des Objektes durch die Eigentümerin Deutsche Reichsbahn bevor.

Mitte Januar 1990 schaute sich Hans Steinhoff erstmals in dem massiven Granitbau um und zeigte sich enttäuscht: „Wir fanden nur eine fast leere Hülle vor. Das einzige Objekt drinnen war ein Dreibock mit einem Fernseher darauf. Vor diesem vertrieben sich mehrere Grenzer die Zeit“, sagt er. Bei der denkwürdigen Besichtigung waren neben dem späteren Brockenwirt auch der Schierker Bürgermeister, Vertreter der Bergwacht und der Deutschen Reichsbahn zugegen. „Die Bahn forderte eine gigantische Summe, die ich ablehnte. Denn ich ahnte, dass die Werterhaltungsmaßnahmen mit sehr hohen Investitionen verbunden sein würden.“

Trotz seines anfänglichen Pessimismus‘ fanden die Beteiligten noch am selben Tag eine tragfähige Lösung. Hans Steinhoff erhielt von der Gemeinde Schierke zum 1. Februar 1990 einen „Versorgungsauftrag“ der lediglich den Verkauf von Bockwurst, Tee und „Skiwasser“ erlaubte: „Skiwasser bestand aus Himbeersirup verdünnt mit Wasser. Das gab es auf dem Brocken und in der damaligen Skihütte im Eckerloch bereits vor 1961“, erklärt er. Alkohol durfte Hans Steinhoff hingegen nicht ausschenken, weil die Verantwortlichen des gerade gegründeten Nationalparks Angst vor betrunkenen, die Natur schädigenden Wanderern hatten. Die „Prohibition“ kam jedoch spätestens nach einem BILD-Zeitungsartikels massiv in die Kritik: Die Schlagzeile „Bonzen legen den Brocken trocken“ führte zunächst zu einer Sondergenehmigung für den Verkauf von Glühwein. „Ab 3.10.1990 aber habe ich mir diesbezüglich gar nichts mehr vorschreiben lassen. Seitdem gibt es auch Bier, Wein und Schnaps bei uns“, erklärt Hans Steinhoff. Apropos Bier: Beinahe hätte der damals marktwirtschaftlich noch unerfahrene Brockenwirt übrigens einen Knebelvertrag mit einer großen Brauerei unterschrieben: „Wir schenken Dir einen Geländewagen und sorgen für eine hochwertige Schankraumgestaltung im Wert von 20.000 DM, wenn Du auf dem Brocken unser Bier ausschenkst“, wurde er gelockt. – Doch glücklicherweise war die Zusammenarbeit zunächst nicht über einen Vorvertrag hinaus gediehen.

Zum endgültigen Vertragsabschluss kam es nicht. „Das Entgegenkommen der Brauerei hatte mich sehr vorsichtig werden lassen!“, bekennt er. Überhaupt erkannten viele Unternehmen in der Bewirtung der nach Zehntausenden zählenden Brockenbesucher als eine schier unerschöpfliche Geldquelle: Eine US-Fastfoodkette wollten sich ebenso dort niederlassen, wie ein Kräuterschnapskonzern. „Ich glaube, trotz mancher kontroversen Diskussion ist man heute vielfach froh, mir als Ossi und Naturfreund damals den Zuschlag gegeben zu haben. Mit anderen Interessenten wäre die Zusammenarbeit gewiss schwieriger gewesen“, so Hans Steinhoff.

Im Februar 1990 tauchten der Brockenwirt, seine Ehefrau Ursula, die Kinder Christiane und Daniel sowie Christiane Steinhoffs damaliger Freund Dirk Strohschneider, erstmals eine große Kelle in einen Topf mit der legendären, längst zur Harzer Kultspeise avancierten Erbsensuppe. Alle Gäste, die sie sich bestellen, profitieren damit von einem Rezept, das einst die Großmutter des Brockenwirts, Johanna Winkel, kreiert hatte. „Mein Großvatter schüttete eines Tages Erbsen in die Schlachtebrühe und gab sie unter den schwierigen Nachkriegsverhältnissen kostenlos an die Schierker Schule ab. Diese Suppe war die Grundlage für das Rezept“, erklärt er. Durch die Feldküchenversorgung auf dem Brocken sei es zudem gleich zu Beginn möglich gewesen, für große Besuchermengen ausreichend zu kochen.

Noch im Jahre 1990 kam zu der anfänglichen Außenversorgung der Gaststättenbetrieb im von Hans Steinhoff gepachteten Brockenbahnhof hinzu. Angesichts des oft ungemütlichen Wetters auf dem Berg bedeutete das eine weitere Versorgungsoptimierung.

„Man darf nicht nur Gastronom sein“

Eine wesentliche Bereicherung der touristischen Erschließung des Nationalparks und ein Beitrag zur „Zivilisierung“ des Brockens war die Eröffnung des Brockenhotels im Jahre 2000. 43 potentielle Investoren legten Mitte der 90er Jahre ihre Konzepte für die Nutzung des der Deutschen Telekom gehörenden Gebäudes vor. Die Steinhoffs gingen zunächst als Zweitplatzierte aus dem Wettbewerb hervor. Die beiden Wernigeröder, die den Zuschlag für einen Pachtvertrag erhielten, hatten jedoch nicht mit den besonderen Verhältnissen auf dem höchsten Berg Norddeutschlands gerechnet: „Nachdem sie auf der Brockenstraße mit ihrem Fahrzeug einmal im Schnee stecken geblieben und einige „Schlecht“wettertage erlebt hatten, stiegen sie aus dem Vertrag aus. Der Brocken und seine Bewirtschaftung ist anspruchsvoll. Man darf hier nicht nur Gastronom sein“, sagt Hans Steinhoff.
Schließlich kam die Telekom auf ihn zu und 1998 erhielt der Schierker den Zuschlag. In den folgenden Wochen etablierte er ein Investorenkonsortium und gründete gemeinsam mit Sohn Daniel die Brockenwirt & Sohn GmbH & Co KG, zunächst mit zwei Gesellschaftern.

Heute sind es fünf. Zwei Jahre nach den Unterschriften auf dem Pachtvertrag wurde das Brockenhotel, bestehend aus Goethesaal, Touristensaal, Hexenklause, Andenkenladen und Biergarten, feierlich eröffnet. Im Hotelturm selbst befinden sich 14 Zimmer, im angeschlossenen Nebengebäude weitere sechs. Die Übernachtungsgäste können zwischen den Kategorien II bis IV wählen, bei Kosten von 40 bis 80 Euro pro Person inklusive Frühstück.

Anfänglich trug das Haus noch die Bezeichnung „Brockenherberge“. Doch der Anspruch der Steinhoffs ist höher: ‚Wir können auch Hotel‘, sagten sie sich selbstbewusst und sorgten im Sinne dieser Kategorie für eine weiter steigende Qualität.

Mit der Auslastung ihres Hotels ist die Familie zufrieden, vor allem durch die Etappenwanderer vom Hexenstieg und vom Harzer Grenzweg. „Leider nur“, so Hans Steinhoff, buchten viele Gäste nur für eine Nacht.“ Es gebe jedoch auch einige „Insider“, die jedes Jahr wieder kommen und dann eine ganze Woche blieben. –
Zu den unzähligen Besonderheiten und Alleinstellungsmerkmalen des sagenumwobenen Brockens und seiner Gastronomie zählt auch der (länderübergreifende) Brockenstammtisch: Er wurde von Hans Steinhoff im Jahre 1990 mit dem Ziel initiiert, allgemeine und spezielle Fragen zu den Themenfeldern Politik und Wirtschaft und hier insbesondere zum Tourismus zu diskutieren. Die ersten Stammtische widmen sich vor allem den damals heiß diskutierten Feldern „Nationalpark und Brockenbahn ja oder nein“. Viele prominente Vertreter aus Politik und Wirtschaft saßen in den vergangenen 20 Jahren bereits auf dem Brocken zusammen.

Das Verhältnis zwischen der Unternehmerfamilie Steinhoff einerseits und dem Nationalpark und den Harzer Schmalspurbahnen andererseits, bezeichnet der Brockenwirt heute übrigens als entspannt, ja als ein Geben und Nehmen. Ungestört von der florierenden Brockengastronomie und den Besuchermassen werden die empfindlichen subalpinen Matten von Mitarbeitern des Nationalparks ausgeweitet und renaturiert. Die anfänglichen Ängste der Nationalparksverantwortlichen haben sich als unbegründet herausgestellt. Die Lenkung der Brockentouristen funktioniert, auch nach Aussagen von Nationalparkvertretern, tadellos.

Die Brockengastronomie ist ein Familienbetrieb

Hans Steinhoff steht vor der Vollendung seines 70. Lebensjahres. Er betont, dass alles, was in den vergangenen fast 25 Jahren gastronomisch auf dem Brocken aufgebaut wurde, ein Gesamtwerk seiner Familie ist. „Ohne sie, ohne ihre aktive Mitwirkung an allem, was mit dem FAMILIENbetrieb zusammenhängt, ohne unsere ständige Kommunikation miteinander und unseren Einsatzwillen, ohne all das, wären wir heute nicht dort, wo wir heute sind.“, sagt er. Und Sohn Daniel ergänzt: „Wir ziehen alle an einem Strang. Täglich zum Abendbrot besprechen wir gemeinsam die anstehenden Aufgaben und etwaige Probleme“, sagt er.

Der Brockenwirt hat seinem Sohn Daniel in den vergangenen Jahren altersbedingt zunehmend wichtige Aufgaben übertragen. Der am 29.07.1971 in Elbingerode geborene, heutige Unternehmer gehörte sogar zu den wenigen Zivilpersonen, die die Brockenkuppe vor 1990 betreten durften: Denn nach der von 1978 bis 1988 in Schierke an der POS „Leutnant Lutz Meier“ absolvierten Schulzeit, erlernte er den Beruf eines Facharbeiters für Nachrichtentechnik, wobei die auf dem Brocken tätige Deutsche Post sein Praktikumsbetrieb war. Nach seinem Dienst bei der Bundeswehr in den Jahren 1990 und 91 arbeitete er vier Jahre lang bei der Telekom und ist seit 1995 hauptberuflich im Betrieb seiner Familie tätig. Seitdem führt er das Schierker Hotel „Brockenscheideck“. Das in Oberschierke an der Brockenstraße gelegene Haus unterstand zu DDR-Zeiten dem FDJ-Zentralrat und hatte regelmäßig den letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR und damaligen FDJ-Chef Egon Krenz zu Gast. Die Steinhoffs kauften das Objekt 1994 und stellten es innen und außen auf die Anforderungen eines neuen Tourismus ein.

„Mein Leben war aber schon vor 1995 zweigeteilt: Seit 1990 habe ich fast jede freie Minute auf dem Brocken verbracht und meine Eltern unterstützt“, sagt Daniel Steinhoff, der heute auch Geschäftsführer des Brockenhotels und damit Brockenwirt ist! Im Hotel ist auch seine Lebenspartnerin Diana Klinger beschäftigt (siehe Text Klinger in diesem Band).

Hans Steinhoffs Tochter Christiane indes führt das von seinem einstigen FDGB-Objektleiter als Goldesel bezeichnete, heutige Hotel „Bodeblick“. Damit hatte dieser 1990 also zumindest langfristig unrecht behalten, als er das Haus nicht an die Steinhoffs verkaufen wollte. Vom Hotel König indes hat sich die Familie getrennt: „Wir haben verkauft, weil ein Investor ein sehr gutes Konzept für ein Gesundheitshotel vorlegte. Uns liegt die weitere touristische Entwicklung Schierkes und die Vielfalt an Angeboten am Herzen“, erklärt Hans Steinhoff. Die Familie ist zudem Eigentümer des bereits bei unzähligen Schierkebesuchern früherer Jahrzehnte bekannten „Cafés Winkler“.

Die Gaststätte im Brockenbahnhof wird von Daniel Steinhoffs Mutter Ursula geführt, untersteht aber ihrem Ehemann Hans. Er bedauert ein wenig, dass sie sich noch von früh bis spät in die Arbeit stürzt. Gern würde er mit ihr gemeinsam noch öfter, als bisher, verreisen.
In den Gaststätten, Cafés und Hotels der Familie haben 75 Menschen einen sicheren Arbeitsplatz gefunden. In einer ansonsten strukturschwachen Region ist das „Unternehmen Steinhoff“ damit ein nicht wegzudenkender Wirtschaftsfaktor geworden. In diesem Zusammenhang wird Hans Steinhoff nicht müde zu betonen, wie wichtig ihm die Vereinigung von Schierke mit Wernigerode ist. „Seitdem entwickelt sich Schierke endlich“, sagt er. An mehreren Baustellen im Ort wird dies sichtbar. Unter anderem gibt es Investitionen in ein Parkhaus und in ein Wintersportgebiet. Da seine Tochter Christiane Schierker Ortsteilbürgermeisterin ist, kann sie unmttelbaren Einfluss auf Entscheidungen nehmen, die ihren Heimatort betreffen.

Was planen die Steinhoffs für die Zukunft? Ganz wichtig ist der Familie, dass die Brockenbewirtschaftung in ihrer Hand bleibt. Die Zeichen dafür stehen auch fernerhin günstig: Denn zu Diana Klinger und Daniel Steinhoff gehören die gemeinsame Tochter Jette (4) sowie die Söhne des jungen Brockenwirts Johannis (13) und Lukas (16).

Perspektivisch wird Christiane Hopstock, geb. Steinhoff, die Gastronomie im Bahnhof übernehmen. Freizeit ist in einer so engagierten Familie ein kostbares Gut: Daniel Steinhoff nahm einst an Rallyes teil. Heute fährt er gern Ski, im Harz und in Österreich.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)