So, 20:30 Uhr
29.05.2016
2. Naturheilkundetag in Nordhausen
Drei Wege, ein Ziel
Großer Andrang hatte es zur ersten Ausgabe des Naturheilkundetages im vergangenen Jahr gegeben. Gestern nun legten die Veranstalter nach. Mit Workshops, Vorträgen und Ausstellern suchte man auf unterschiedlichstem Wegen das gleiche Ziel - die Gesundheit von Körper, Geist und Seele. Die Bilanz des Tags fiel indes gemischt aus...
Anders als im vergangenen Jahr fand das vollgepackte Programm nicht an einem Ort statt, sondern im Carpe Diem, der Apotheke am Theater, dem St. Jacob Haus und dem CoDeck, also in den eigenen vier Wänden der Veranstalter.
Wirklich weite Wege sind das nicht, sollte man meinen, gerade für ein vermeintlich Gesundheitsbewusstes Publikum. "Der erste Naturheilkundetag ist sehr gut angekommen", sagte Apothekerin Kathrin Mucke, "die Nachfrage ist einfach da und heute wollten wir dazu einfach ein bisschen Bewegung in die Stadt bringen", so die Apothekerin gestern.
Der Ansatz des Tages war im besten Sinne des Worte ganzheitlich. Wer etwa das Carpe Diem aufsuchte wurde von den Fitnessexperten Thomas Schmidt und Mark Amling begrüßt und gleich zwei kleinen Tests unterzogen, die Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und Muskelkraft überprüften.
Thomas Schmidt und Mark Amling begrüßten die Gäste mit zwei kleinen Übungen (Foto: Angelo Glashagel)
Das Haus als solches hat eine ganze Palette an Angeboten - vom klassischen Fitnesstudio über Zumba, Qi Gong und Pilates bis zum Café mit allerlei gesundem auf der Speisekarte. Die sportlichen Herren am Eingang standen gestern aber auch für das vorrangig physische, das Mess- und Greifbare, für Gesundheit durch Sport und Bewegung.
Nur ein paar Meter weiter hat Andrea Rose ihren kleinen Stand aufgebaut, sie wird im St. Jakob einen Vortrag zu Hypnose in der Naturheilkunde halten. Zwanzig Jahre lang hat sie in der Schulmedizin gearbeitet, im Nordhäuser Krankenhaus auf verschiedensten Stationen, auch in der Intensivmedizin. Im September des vergangenen Jahres eröffnete sie ihre eigene Praxis für Naturheilkunde und Psychotherapie. "Ich habe gesehen was die Schulmedizin leisten kann und auch das, was sie nicht kann", sagt Heilpraktikerin Rose, die nach wie vor einige Stunden in der Woche im Klinikum tätig ist.
Andrea Rose hat 20 Jahre in der Schulmedizin gearbeitet - heute ist sie auch Heilpraktikerin (Foto: Angelo Glashagel)
In der klassischen Medizin bleibe das menschliche allzuhäufig auf der Strecke. In der eigenen Praxis arbeite sie deswegen ganzheitlich, könne sich Zeit nehmen die Facetten eines Menschen zu erfassen. Nicht jedes Leiden sei auch körperlichen Ursprungs - das Sprichwort vom gesundem Geist im gesunden Körper gelte auch umgekehrt, das leibliche Wohl kann auch durch das psychische Befinden beeinflusst werden.
Sowohl in der Schulmedizin wie auch in der alternativen Medizin gebe es Menschen, die Extrempositionen verträten, sagte Rose, eigentlich aber müssten beide Formen nebeneinander existieren können und je nach Krankheit zum tragen kommen. Realität ist das noch nicht: die Technik der Hypnose ist Schulmedizinisch anerkannt, wird sie aber von einem Heilpraktiker durchgeführt, wird sich die Krankenkasse wahrscheinlich querstellen. Es gibt aber auch Wege, die man mit sich und für sich allein beschreiten kann.
Wenn sich die Herren im Carpe Diem mit dem Körper und Frau Rose mit dem Geist beschäftigte, dann ist Phillip Buchheits Arbeitsfeld die Seele. In den Räumen des CoDeck sprach er darüber, wie man den Herausforderungen des alltäglichen Wahnsinns mit mehr Selbstreflexion, mehr Achtsamkeit begegnen kann. Auch er hat sich selbstständig gemacht und sieht sich als Impulsgeber für nach Ausgleich suchende Menschen. "Wir erleben heute eine enorme Reizüberflutung, ständig steigende Anforderungen in der Arbeitswelt und auch gesteigerte Erwartungen an uns selbst, an Familie, Beziehung und Partnerschaft. Dazu kommt ein Überangebot an Ablenkung. Die Achtsamkeit ist da eine Grundtugend um sich nicht überwältigen zu lassen."
Buchheit spricht nicht über Trainingseinheiten, Messtechniken oder Therapiemethoden, es geht vielmehr um Lebenseinstellungen, um die Philosophie der eigenen Existenz. Am Ende des Vortrages klingt die Klangschale, Referent und Publikum machen gemeinsam Atemübungen.
Ob körperliche Fitness, psychische Hygiene oder der Weg zum inneren Frieden - bei allen drei Ansätzen soll am Ende ein gesünderer, glücklicherer Mensch stehen.
Das Interesse eben jener Menschen ließ gestern allerdings zu wünschen übrig, so das Fazit am Ende des Tages. "Für uns ist es gut gelaufen, der Tag war gut organisiert", sagte Kathrin Mucke der nnz, "die Klangreisen, die Vorträge zur Theralogie, die Vitamethik, die Spagyrik und vor allem auch die seelischen Themen sind gut gelaufen aber es hätten mehr Besucher sein können, da hat uns wohl das gute Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht".
Verzagen wird man deswegen trotzdem nicht - bereits im November will man Ausgabe drei des Nordhäuser Naturheilkundetages organisieren, erklärte Kathrin Mucke, dann wahrscheinlich wieder an einem einzigen Veranstaltungsort.
Angelo Glashagel
Autor: redAnders als im vergangenen Jahr fand das vollgepackte Programm nicht an einem Ort statt, sondern im Carpe Diem, der Apotheke am Theater, dem St. Jacob Haus und dem CoDeck, also in den eigenen vier Wänden der Veranstalter.
Wirklich weite Wege sind das nicht, sollte man meinen, gerade für ein vermeintlich Gesundheitsbewusstes Publikum. "Der erste Naturheilkundetag ist sehr gut angekommen", sagte Apothekerin Kathrin Mucke, "die Nachfrage ist einfach da und heute wollten wir dazu einfach ein bisschen Bewegung in die Stadt bringen", so die Apothekerin gestern.
Der Ansatz des Tages war im besten Sinne des Worte ganzheitlich. Wer etwa das Carpe Diem aufsuchte wurde von den Fitnessexperten Thomas Schmidt und Mark Amling begrüßt und gleich zwei kleinen Tests unterzogen, die Reaktionsvermögen, Gleichgewichtssinn und Muskelkraft überprüften.
Thomas Schmidt und Mark Amling begrüßten die Gäste mit zwei kleinen Übungen (Foto: Angelo Glashagel)
Das Haus als solches hat eine ganze Palette an Angeboten - vom klassischen Fitnesstudio über Zumba, Qi Gong und Pilates bis zum Café mit allerlei gesundem auf der Speisekarte. Die sportlichen Herren am Eingang standen gestern aber auch für das vorrangig physische, das Mess- und Greifbare, für Gesundheit durch Sport und Bewegung.
Nur ein paar Meter weiter hat Andrea Rose ihren kleinen Stand aufgebaut, sie wird im St. Jakob einen Vortrag zu Hypnose in der Naturheilkunde halten. Zwanzig Jahre lang hat sie in der Schulmedizin gearbeitet, im Nordhäuser Krankenhaus auf verschiedensten Stationen, auch in der Intensivmedizin. Im September des vergangenen Jahres eröffnete sie ihre eigene Praxis für Naturheilkunde und Psychotherapie. "Ich habe gesehen was die Schulmedizin leisten kann und auch das, was sie nicht kann", sagt Heilpraktikerin Rose, die nach wie vor einige Stunden in der Woche im Klinikum tätig ist.
Andrea Rose hat 20 Jahre in der Schulmedizin gearbeitet - heute ist sie auch Heilpraktikerin (Foto: Angelo Glashagel)
In der klassischen Medizin bleibe das menschliche allzuhäufig auf der Strecke. In der eigenen Praxis arbeite sie deswegen ganzheitlich, könne sich Zeit nehmen die Facetten eines Menschen zu erfassen. Nicht jedes Leiden sei auch körperlichen Ursprungs - das Sprichwort vom gesundem Geist im gesunden Körper gelte auch umgekehrt, das leibliche Wohl kann auch durch das psychische Befinden beeinflusst werden.
Sowohl in der Schulmedizin wie auch in der alternativen Medizin gebe es Menschen, die Extrempositionen verträten, sagte Rose, eigentlich aber müssten beide Formen nebeneinander existieren können und je nach Krankheit zum tragen kommen. Realität ist das noch nicht: die Technik der Hypnose ist Schulmedizinisch anerkannt, wird sie aber von einem Heilpraktiker durchgeführt, wird sich die Krankenkasse wahrscheinlich querstellen. Es gibt aber auch Wege, die man mit sich und für sich allein beschreiten kann.
Wenn sich die Herren im Carpe Diem mit dem Körper und Frau Rose mit dem Geist beschäftigte, dann ist Phillip Buchheits Arbeitsfeld die Seele. In den Räumen des CoDeck sprach er darüber, wie man den Herausforderungen des alltäglichen Wahnsinns mit mehr Selbstreflexion, mehr Achtsamkeit begegnen kann. Auch er hat sich selbstständig gemacht und sieht sich als Impulsgeber für nach Ausgleich suchende Menschen. "Wir erleben heute eine enorme Reizüberflutung, ständig steigende Anforderungen in der Arbeitswelt und auch gesteigerte Erwartungen an uns selbst, an Familie, Beziehung und Partnerschaft. Dazu kommt ein Überangebot an Ablenkung. Die Achtsamkeit ist da eine Grundtugend um sich nicht überwältigen zu lassen."
Buchheit spricht nicht über Trainingseinheiten, Messtechniken oder Therapiemethoden, es geht vielmehr um Lebenseinstellungen, um die Philosophie der eigenen Existenz. Am Ende des Vortrages klingt die Klangschale, Referent und Publikum machen gemeinsam Atemübungen.
Ob körperliche Fitness, psychische Hygiene oder der Weg zum inneren Frieden - bei allen drei Ansätzen soll am Ende ein gesünderer, glücklicherer Mensch stehen.
Das Interesse eben jener Menschen ließ gestern allerdings zu wünschen übrig, so das Fazit am Ende des Tages. "Für uns ist es gut gelaufen, der Tag war gut organisiert", sagte Kathrin Mucke der nnz, "die Klangreisen, die Vorträge zur Theralogie, die Vitamethik, die Spagyrik und vor allem auch die seelischen Themen sind gut gelaufen aber es hätten mehr Besucher sein können, da hat uns wohl das gute Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht".
Verzagen wird man deswegen trotzdem nicht - bereits im November will man Ausgabe drei des Nordhäuser Naturheilkundetages organisieren, erklärte Kathrin Mucke, dann wahrscheinlich wieder an einem einzigen Veranstaltungsort.
Angelo Glashagel


