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Mo, 06:36 Uhr
23.05.2016
Unwiederbringlich

Vernichtet am Kohnstein (3)

Wussten Sie, dass am Samstag der Internationale Tag zur Erhaltung der Biologischen Vielfalt war? Die Medien widmen sich diesem Thema nur selten oder am Rande. Die nnz ist da eine der wenigen Ausnahmen: Zur Erhaltung der biologischen Vielfalt passt das Thema Gipsabbau jedenfalls nicht. Hier nun der dritte Teil zu den am Kohnstein vernichteten Wuchsorten bedrohter Arten...

Blick zum Kohnstein (Foto: Bodo Schwarzberg) Blick zum Kohnstein (Foto: Bodo Schwarzberg)
Der Kohnstein – gesehen vom Hopfenberg zwischen Rüdigsdorf und Harzungen aus (2016)

Es gibt keinen naturverträglichen Gipsabbau. Weltweit bringt der ungehemmte Ressourcenverbrauch ganze Ökosysteme ins Wanken oder gar zum Verschwinden. Der Verlust von immer mehr Pflanzen- und Tierarten ist nachgewiesenermaßen eine Folge davon. Kompromisse sind scheinheilig, da sie den Trend nicht aufhalten.

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Die Zahl der am Kohnstein mutmaßlich durch den Gipsabbau zerstörten Wuchsorte bedrohter Pflanzenarten überrascht selbst den Autor dieses Beitrages. Verstecken sich die früheren Vorkommen ansonsten doch unter vielen in Büchern und anderen Publikationen. Erst das Zusammenstellen der Verluste für ein begrenztes Gebiet macht die Dramatik plastisch.

Für die hier dargestellten Arten, die nach VOCKE & ANGELRODT (1986) einst am Kohnstein vorkamen, muss eines jedoch berücksichtigt werden: Einen Beweis, dass ihre Wuchsorte weggesprengt oder abgebaggert wurden, kann ich nicht erbringen. Da sich aber die Pflanzengesellschaften, in denen die meisten siedeln, nach Autoren wie z.B. MEUSEL (1939) fast ausschließlich am vernichteten Nord- und Nordostrand des Kohnsteins befanden, ist der Abbau als Ursache äußerst wahrscheinlich.

Als weitere Verlustursachen könnten theoretisch zumindest für einige Arten auch weitere Biotopveränderungen durch die Art und Weise der forstwirtschaftlichen oder landwirtschaftlichen Bewirtschaftung infrage kommen. Der mit Abstand massivste Eingriff aber war und ist der Bergbau. Er radierte einfach ein großes Stück Karstlandschaft aus und nahm damit zahlreichen Arten eine der grundlegendsten ihrer Existenzgrundlagen. In jedem Fall geschahen die Verluste in einem erdgeschichtlich gesehen verschwindend kurzen Zeitraum von wenigen Jahrzehnten infolge menschlicher Aktivitäten. Allein das muss erschrecken.

Nicht immer wird klar, wo VOCKE & ANGELRODT die Grenzen des „Kohnsteins“ zogen. Einige heute bedrohte Arten, die sie für den Kohnstein“ erwähnten, und die heute noch in Randbereichen vorkommen, wurden daher nicht mit in die Liste übernommen. Die Verluste am Kohnstein wurden jeweils mit dem Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thürungens (KORSCH et al. 2002) sozusagen als Gegenprobe abgeglichen.

Aufgelistet werden ausschließlich Arten, die heute nach der Thüringer und deutschen Roten Liste bedroht sind. Sonst wäre die Liste bedeutend länger.

Die Angaben hinter dem deutschen Namen beziehen sich auf die aktuell gültige Thüringer bzw. auf die deutsche Liste gefährdeter Gefäßpflanzenarten (1=vom Aussterben bedroht, 2=stark gefährdet, 3=gefährdet, +=regional stärker gefährdet, -=regional schwächer gefährdet), ein § kennzeichnet den gesetzlichen Schutz nach der Bundesartenschutzverordnung.

Korrektur
21-Tephroseris helenitis ssp. helenitis (Spatelblättriges Greiskraut) RL 2/3) Im zweiten Teil der Reihe „Vernichtet am Kohnstein“ wurde das Steppen-Greiskraut (Tephroseris integriolia ssp. integrifolia) als Sippe benannt, von der Wuchsorte am Kohnstein mutmaßlich durch den Gipsabbau zerstört wurden. Diese Art kam dort jedoch nie vor. VOCKE & ANGELRODT erwähnten viel mehr das Spatelblättrige Greiskraut (Tephroseris helenitis)für den Kohnstein. Deren Verlust ist aber nicht minder hoch zu bewerten. Für die weltweite Erhaltung der Art kommt Deutschland nach LUDWIG et al. (2007) eine „besonders hohe Verantwortlichkeit“ zu, da sie nur über ein kleines mitteleuropäisches Verbreitungsgebiet verfügt und Deutschland im Arealzentrum liegt.
22-Serratula tinctoria (Färber-Scharte) -/3-
23-Podospermum laciniatum (Schlitzblättriger Stielsame) 2/2
24-Crepis praemorsa (Abbiss-Pippau) 2/3+
25-Campanula glomerata (Knäuel-Glockenblume) 3/-
26-Pyrola rotundifolia (Rundblättriges Wintergrün) 2/3+
am Kohnstein wahrscheinlich nicht mehr, mitunter siedelt sich die Art aber sekundär in aufgelassenen Steinbrüchen an, so im Steinbruch Hohe Schleife
27-Pyrola minor (Kleines Wintergrün)-/3
28-Pyrola chlorantha (Grünblütiges Wintergrün)2/3+
29- Gentianella campestris ssp. baltica (Baltischer Feld-Enzian)1/2

Der von einigen Autoren als Unterart des Feld-Enzians Gentianella campestris angesehene Baltische Enzian steht in Thüringen und deutschlandweit vor dem Aussterben. Es gibt nur noch sehr wenige Wuchsorte. Die Sippe ist zudem auf wenige Teile Mittel- und Nordeuropas beschränkt, wo sie ebenfalls meist stark zurückgeht. Auch scheint sie unter den zunehmend trockeneren und heißeren Frühjahren und Sommern zu leiden. In Nordthüringen bemüht sich der Autor durch ein gezieltes Management um die Erhaltung der letzten beiden Wuchsorte des Freistaates.

30-Asperugo procumbens (Schlangenäugein) 3/3
32-Lappula squarrosa (Kletten-Igelsame) 2/-
Die Reihe, die fortgesetzt wird.
Bodo Schwarzberg

Quellen: LUDWIG, G., R. MAY & C. OTTO (2007): Verantwortlichkeit Deutschlands für die weltweite Erhaltung der Farn- und Blütenpflanzen - vorläufige Liste. BfN-Skripten 220, 2007.
KORNECK, D, SCHNITTLER, M. & VOLLMER, I. (1996): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Deutschlands. – Schriftenreihe Vegetationsk. 28: 21-187.
Korsch, H., W. Westhus, K. HORN & W. JANSEN (2011): Rote Liste der Farn- und Blütenpflanzen (Pteridophyta et Spermatophyta) Thüringens. - Naturschutzreport 26: 365-390.
KORSCH, H., WESTHUS, W. & ZÜNDORF, H.-J. (2002): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Thüringens. Jena.
MEUSEL, H. (1939): Die Vegetationsverhältnisse der Gipsberge im Kyffhäuser und im
südlichen Harzvorland. – Hercynia 2: 1-372
VOCKE, A. & ANGELRODT, C. (1886): Flora von Nordhausen und der weiteren Umgebung. Berlin.
Autor: nnz

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