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Mo, 10:27 Uhr
09.05.2016
Zu Ursachen und Wirkungen des Gipsabbaus bei Nordhausen/Ha

Der Tod des Studentenröschens am Kohnstein

Auch das Sumpf-Herzblatt, auch Studentenröschen (wissenschaftlicher Name: Parnassia palustris) genannt, ist heute besonders geschützt. Es fand sich mit Sicherheit einst auch am Kohnstein. Dazu erscheint ja gerade in der nnz eine bemerkenswerte Ausarbeitung von B. Schwarzberg zu den Pflanzen, die durch den Abbau am Kohnstein vernichtet worden sind. Anmerkungen von Tim Schäfer...


Zweifellos hat sich gerade am Kohnstein vieles verändert. Aber nicht jede Veränderung steht im Kontext mit dem Gips- oder Anhydritabbau. Mitunter muss oder sollte man dies noch etwas differenzierter betrachten. Es ist auch nicht immer eine Kausalität zum Gipsabbau gegeben.

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Das zeigt sich in besonderer Weise am Kohnstein. Dessen Besonderheit konnte einst in der Trockenheit im Hang im Widerspruch zu einer vielfältigen Durchfeuchtung am Fuß gesehen werden. Dies galt bis zum Ende der 1930-er Jahre. In den 40-er Jahren änderte sich dies dramatisch.

Die Alten berichteten noch davon, wie viele Feuchtgebiete es um den Kohnstein gab. Natürlich davon, wie liebreizend und schön diese anzusehen waren. Davon ist aber nichts mehr übrig. Denn teils wurde trocken gelegt. Gar die Wieda und die Zorge wurden in den 1940-er Jahren verändert. Dazu kam es zu massiven weiteren Eingriffen, wie dem Auffüllen von Feuchtwiesen. Diese wurden dann kultiviert. Senken wurden verfüllt und Zuwegungen, Straßen und Schienen verlegt.

All das diente besonders dem damaligen Untertageproduktionsprogramm der Kriegswirtschaft in Nazideutschland (Mittel- Nordwerke). Später wurde großflächig auf Halden Material verbracht, dies kann man am Kohnstein gut beobachten.

Das Aussterben des Studentenröschens vor vielen Jahrzehnten am Kohnstein hatte offenbar eine Ursache im Austrocknen der Feuchtgebiete. Solche Ursachen müssen also nicht durch lokalen und temporären Gipsabbau begründet sein. Aber auch ein temporärer Abbau von Gips und Anhydrit bringt immer auch Veränderungen mit sich, manchmal gravierend, mitunter lokal und begrenzbar. Ein heute möglicher Kompromiss sollte letzteres berücksichtigen.

Dem Studentenröschen und vielen weiteren Aspekten des Naturschutzes am Kohnstein hilft möglicherweise nur eine Renaturierung. Eine Renaturierung am Kohnstein könnte, bspw. im Rahmen eines europäischen Projektes, auch hinsichtlich der Feuchtgebiete Lebensraum für das Beispiel des Studentenröschens schaffen, aber wer will das schon? Was ist schon ein Studentenröschen?!
Tim Schäfer
Autor: red

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Kommentare
Peppone
09.05.2016, 12:24 Uhr
Renaturierung bedeutet auch Chance
Das ist mal ein sehr sachlicher und vor allem auch fachlich fundierter Artikel über die Artenentwicklung im Gipskarst. Auch auf die Gefahr hin hier zur ahnungslosen Gipsmarionette "erhoben" zu werden, stimme ich diesem Artikel zu.

Ergänzend sei gesagt, dass Steinbrüche, Abbaugruben, Baggerseen,... für den Naturschutz äußerst wertvolle Flächen darstellen können. Viele Arten benötigen diese Art von Biotop und können damit zur Artenvielfalt beitragen.

Man muss Gipsabbau nicht gut finden, man sollte jedoch mit ehrlichen Argumenten arbeiten. Gipsabbau zerstört nicht die Artenvielfalt. Auf dem Gips steht und stand bei uns zu weit mehr als 90 Prozent Wald oder Acker. Würde so eine Fläche renaturiert entsteht ein vollkommen neues Biotop mit neuen Arten.

Gipsabbau sieht nicht schön aus. Das wäre das ehrliche Argument für einen Stopp und die Verhinderung von Neuverritzung. Kiesabbau ist prinzipiell das Gleiche wie Gipsabbau, hinterlässt aber Gruben in Form von prima Seen. Das wird breit akzeptiert und kaum jemand möchte das heute missen.
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