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Mi, 13:11 Uhr
23.06.2004

nnz-Forum: Ertragen ist eine Gabe

Nordhausen (nnz). Die orientalische Nacht, speziell ihre Lautstärke zu später Stunde, sorgte für Diskussionen. Micheal Funk war bei der Veranstaltung, fand sie toll und meint auch sonst, daß man sich mit Meckern nicht beliebt macht.

Lieber Herr St. Schmidt:

Da haben Sie aber ordentlich Dampf abgelassen und der Stadtverwaltung Ihre Meinung gesagt. Ich habe den Eindruck, da hatte sich etwas in Ihnen aufgestaut, dem Sie einfach mal Luft machen mußten, um sich wieder richtig gut zu fühlen. Doch lesen Sie meinen Brief, vielleicht fühlen Sie sich danach noch besser, was ich Ihnen von Herzen wünsche.

Ich war einer von schätzungsweise 200 bis 300 begeisterten Teilnehmern an der Orientalischen Mitsommernacht. Das gebotene Programm war sehr gut und abwechslungsreich. Es wurden u.a. ein köstliches, humorvolles Theaterstück „1001 Sternennacht“, Bauchtanz und eine imposante Feuershow geboten. Dazwischen wurde getrommelt und verschiedene arabische Musik gespielt.

Ihnen, der Sie einige 100 m vom Ort des Geschehens wohnen, war die Musik zu laut. Das kann ich verstehen, auch mir war die Musik zu laut, ich habe mich ihr aber freiwillig ausgesetzt, denn laute Musik gehört zu so einer Veranstaltung eben dazu. Ich habe mich natürlich nicht, wie viele andere, direkt neben die Boxen gestellt. Es ist mir auch kein Gedanke gekommen, mich bei der Technik über die Lautstärke zu beschweren. Denn mir war und ist klar, daß ich mit meiner Meinung, absolut gesehen, stets in der Minderheit bin.

Als Demokrat akzeptiere ich, selbst wenn ich gegenteiliger Meinung bin, die Meinung der Mehrheit. Die Hunderte neben den Boxen fanden jedenfalls die Lautstärke in Ordnung. Ich empfinde auch keinerlei Abneigung oder gar Haß gegen all die Menschen, die gern laut Musik hören; genau sowenig ich irgendein ablehnendes Gefühl gegenüber Menschen empfinde, die anders als ich denken, anders handeln oder auch nur anders aussehen. Im Gegenteil freut es mich, wenn Menschen gern Musik hören. Das ist doch allemal besser, als wenn sie z.B. Autos aufbrechen oder Graffiti sprühen würden, was fast unhörbar für Anwohner vor sich geht.

Ich möchte mich deshalb ausdrücklich bei den Organisatoren für diesen gelungenen Abend bedanken, ich erinnere mich sehr gern daran. Es war auch toll, daß trotz knapper Kassen, dafür kein Eintritt kassiert wurde. Ich freue mich über jede kulturelle Aktivität in unserer Stadt, auch wenn nicht jede für mich interessant ist.

Da wir uns nicht kennen, möchte ich Ihnen nun noch etwas von mir erzählen: Vor Jahren wohnte eine Familie mit 4 Kindern unter mir. Die Mutter war sichtlich überfordert mit ihnen. Irgendein Kind hat immer Lärm gemacht, sei es durch Schreien oder irgendwelche Musik, die mir nicht gefallen hat. Auch wurde fast regelmäßig am Wochenende eine Party abgehalten, im Sommer auf dem Balkon. Das hat manche Hausbewohner dazu veranlaßt, die Polizei zu rufen. Aber ist das tatsächlich der richtige Weg oder ist es nicht eher ein Eingestehen des eigenen Versagens, eine Kapitulation vor sich selbst? Weil man mit einer Situation nicht klarkommt, sich ein Problem geschaffen hat und dieses nicht lösen kann, delegiert man die Problemlösung an andere.

Jetzt höre ich Sie schon entgegnen, wieso selbstgeschaffenes Problem, das Problem hat doch die Familie mit ihrer lauten Party geschaffen. Das ist aber ein vorschneller Trugschluß, dem ist ganz und gar nicht so. Für die betreffende Familie war laute Musik angenehm, sonst hätte sie sie ja nicht so laut gespielt. (Ich spiele Zuhause doch deshalb leise Musik, weil ich es leise und nicht laut mag.) Und ob ich bzw. Sie für irgendeinen Ton bzw. eine Tonfolge, eine Farbe, einen Duft, ein Gefühl oder Worte Behagen oder Mißbehagen empfinden, bestimmen ausschließlich Sie selbst. Denn woher kommen sonst die verschiedenen Vorlieben? Sie werden nun noch wissen wollen, was ich unternommen habe. Gegen den augenblicklichen Lärm habe ich entweder das Schlafzimmerfenster geschlossen oder mir Ohrstöpsel eingesteckt. Damit konnte ich ganz normal schlafen. Bei einer günstigen Gelegenheit habe ich auch mit den Lärmverursachern gesprochen und ihnen gesagt, daß es mich zwar freut, wenn sie ausgelassen feiern, aber daß mir die Musik zu laut ist.

Das hat zwar wenig Einfluß auf die Lautstärke der übernächsten Party gehabt, hat mich aber nicht betrübt. Alte Gewohnheiten sind sehr tief verwurzelt, gute Vorsätze sind schnell gefaßt, doch die Umsetzung dauert lange. Ferner will ich Ihnen auch noch sagen, daß ich, wenn vorm Haus oder im Stadtpark mal wieder eine leere Tüte oder Verpackung liegt, diese wegräume. Es ist doch ein viel besseres Gefühl, ich habe einen Schandfleck selbst beräumt, als mich darüber zu ärgern und auch noch andere Menschen damit zu behelligen.

Sie können es mir glauben, seit Jahren bin ich ein glücklicher Mensch, egal was um mich herum passiert. Glück (aber auch sein Gegenteil) entsteht in uns und wirkt dann nach Außen auf andere. Liebe, Mitfreude und Mitleiden, Großzügigkeit und Verzicht, Geduld und Verständnis, Gleichmut und Toleranz machen das Leben reich und lebenswert. Ein Mensch mit diesen Eigenschaften ist bei seinen Nachbarn, Kollegen, Freunden usw. immer gern gesehen. Sie werden keinen besseren Weg zu Ihrem und Ihrer Mitmenschen Glück finden.

Denken Sie an die alte Volksweisheit: Glück ist das einzige, was sich vervielfältigt, wenn man es teilt. Alle Lebewesen (d.h. nicht nur wir
Menschen) wollen glücklich sein und haben dasselbe Recht darauf. Und fragen Sie sich ruhig ab und zu: Was könnte meine Mitmenschen an mir stören? Kann ich da vielleicht Abhilfe schaffen und mich ändern? Ich wünsche Ihnen alles Liebe und Gute in Ihrem Leben.

Wenn Sie Fragen haben oder sich einfach mit mir unterhalten möchten, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Michael Funk, Nordhausen

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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