Mi, 15:00 Uhr
20.04.2016
KURT UND MARIANNE KÜHNE ÜBER DAS ROLANDHAUS:
Wir sind hier gut aufgehoben
Heute Vormittag zur offiziellen Einweihung des Rolandhauses: Sekt zum Empfang. Halbtrocken. Die Reden, die danach folgten, würzig und voller Lob. Großer Bahnhof und mittendrin die nnz...
Pflegehelferin Pia Reinsch mit Anna Wengemut, die schon im November des Vorjahres in das Heim gezogen war. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen: Eingefunden hatten sich Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh, Vizelandrat Stefan Nüßle, Wolfgang Asche, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, Benno Wolfgang Ecker und Prof. Dr. Heinrich Schnatmann, Geschäftsführer bzw. Finanzvorstand des Internationalen Bildungs-und Sozialwerkes aus Iserlohn sowie andere Honoratioren.
Es war zu einem Schandfleck für die Stadt geworden, das kontaminierte ehemalige Areal des Kraftverkehrs Nordhausen an der Geseniusstraße. Dann traten die Herren aus Iserlohn in Aktion. Am 13. August 2014 erfolgte mit dem erste Spatenstich für das neue Senioren-Wohn-und Pflegezentrum ein erster denkwürdiger Tag.
Was sich seitdem dort vollzog, nahmen am Vormittag die Gäste in Augenschein. Und lobten die Einrichtung über den grünen Klee. Zu Recht. Allen Grund zur Freude hatte vor allem der Oberbürgermeister. Das Rolandhaus setzt einen weiteren Glanzpunkt für seine Stadt. Auf einer Teilfläche von 6100 Quadratmetern – das alte Kraftverkehrs-Gelände zählt 11000 Quadratmeter - entstand ein dreigeschossiger, teils unterkellerte Flügelbau in massiver Bauweise. Die Baukosten beliefen sich auf sieben Millionen Euro.
Höhepunkt der über einstündigen Eröffnungszeremonie, kulturell umrahmt unter anderem von kleinen Mädchen und Jungen von der Johanniter Kindertageseinrichtung in der Neustadtstraße, war die symbolische Schlüsselübergabe von Eva Matern, Inhaberin und leitende Architektin des gleichnamigen Büros in Paderborn, an Heimleiterin Annett Tolle und Finanzvorstand Prof. Dr. Schnatmann.
Schon Mitte November 2015 bezogen die ersten Menschen das Heim, das für insgesamt 74 Bewohner vorgesehen ist. 26, überwiegend Einzelpersonen, Frauen wie Männer, und zwei Ehepaare wohnen derzeit hier. Alle im Alter zwischen 80 und 93 Jahren. Schon der optische Eindruck vermittelt Wohlfühl-Atmosphäre: Helle freundliche Räume und Korridore.
Jedes Zimmer verfügt über Balkon oder Terrasse. Ebenso laden geräumige und überdachte Terrassen zum Verweilen ein. Die trägereigene Küche und die Cafeteria warten mit einem ausgewogenen Speisenangebot auf. Gemeinschaftsräume für gemütliche Spiel-und Plauderstunden, für kreative und therapeutische Angebote runden den guten Gesamteindruck ab. Diese Zeitung hat vorab schon ausführlich darüber in: Ein neues Leben im Heim und Wohin, wenn Körper und Geist versagen? berichtet.
Anna Wengemut gehörte zu den ersten Heimbewohnern. Seit dem 23. November des Vorjahres wohnt die 82-Jährige hier. Mittlerweile wurde ich heimisch, versichert sie in einem Gespräch mit der nnz. Im März zogen Kurt und Marianne Kühne aus dem Plattenbau von nebenan in das Rolandhaus. Der 92-Jährige war als selbstständiger Heizungsbauer tätig, die ein Jahr jüngere Ehefrau mit im Geschäft.
Weil seine Frau kränkelte, tätigte bis zuletzt Kurt Kühne alle Besorgungen. Er kümmerte sich um sie, hielt die Wohnung in Schuss. Das Ehepaar blieb kinderlos, hatte keine Verwandten und Bekannten in der Nähe, die sich um die alten Leute kümmern konnten. So blieb das Heim als letzter Weg. Wir sind hier gut aufgehoben, beteuert der Senior. Wenn es notwendig ist, halte er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Die bisherigen Erfahrungen seien für ihn und seine Frau aber nur die allerbesten. Wenn alles so bleibt, haben wir hier im Heim das große Los gezogen, ist der alte Herr überzeugt.
Kürzlich zog auch Werner Stolle mit Frau hier ein. Noch vor wenigen Jahren radelte er in seinen Kleingarten, den er liebevoll hegte und pflegte. Bis es nicht mehr ging. Der Körper versagte. nnz traf ihn in der Frisierstube, wo er sich von Doreen Csillag, der Frau vom Fach, frisieren ließ. Der 88-Jährige leitete zu DDR-Zeiten das Reisebüro in Nordhausen.
Die Rundumpflege ist nicht zum Nulltarif zu haben. Der Eigenanteil richtet sich je nach Pflegestufe. Für die Pflegestufe 1 ist ein Monatsbeitrag von 1159,40 Euro fällig. Für Stufe 2 entfallen 1340,27 Euro, während für die 3. Pflegestufe 1616,78 Euro veranschlagt sind. Pflegebedürftige Menschen möchten aber, besagt die Statistik, lieber in den heimischen vier Wänden betreut werden. Solange, bis die Umstände dies nicht mehr zulassen.
Dies sieht auch Martin Juckeland, Amtsleiter für Stadtentwicklung und Zukunftsfragen im Rathaus, so. Er würde, trotz aller Fürsorge und Geborgenheit in einem Heim, lieber in den heimischen vier Wänden versorgt und gepflegt werden, wenn es die Umstände erlauben. Auch Vizelandrat Stefan Nüßle ist dieser Meinung. Es komme immer auf die jeweilige Situation an.
Erst 6100 Quadratmeter der insgesamt 11000 Quadratmeter zählenden Fläche sind bebaut. Die Brachfläche werde man noch sinnvoll nutzen, sagt Geschäftsführer Benno Wolfgang Ecker. (Foto: Kurt Frank)
Etwas mehr als die Hälfte des 11000 Quadratmeter großen Geländes ist erst bebaut. Was kommt auf die Freifläche nebenan? Eine großflächige Parkanlage mit Bäumen und Büschen zur Luftauffrischung? Eine geräumige Gartenanlage mit Duft-und Sinnesbeeten mit Blumen und Pflanzen zur gärtnerischen Selbstbetätigung? Betreutes Wohnen? Geschäftsführer Benno Wolfgang Ecker wollte das Geheimnis noch nicht recht lüften. Es wird wohl eine Kombination von allem. Wir werden es sinnvoll nutzen, beteuert er.
Kurt Frank
Autor: red
Pflegehelferin Pia Reinsch mit Anna Wengemut, die schon im November des Vorjahres in das Heim gezogen war. (Foto: Kurt Frank)
Nordhausen: Eingefunden hatten sich Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh, Vizelandrat Stefan Nüßle, Wolfgang Asche, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse, Benno Wolfgang Ecker und Prof. Dr. Heinrich Schnatmann, Geschäftsführer bzw. Finanzvorstand des Internationalen Bildungs-und Sozialwerkes aus Iserlohn sowie andere Honoratioren.
Es war zu einem Schandfleck für die Stadt geworden, das kontaminierte ehemalige Areal des Kraftverkehrs Nordhausen an der Geseniusstraße. Dann traten die Herren aus Iserlohn in Aktion. Am 13. August 2014 erfolgte mit dem erste Spatenstich für das neue Senioren-Wohn-und Pflegezentrum ein erster denkwürdiger Tag.
Was sich seitdem dort vollzog, nahmen am Vormittag die Gäste in Augenschein. Und lobten die Einrichtung über den grünen Klee. Zu Recht. Allen Grund zur Freude hatte vor allem der Oberbürgermeister. Das Rolandhaus setzt einen weiteren Glanzpunkt für seine Stadt. Auf einer Teilfläche von 6100 Quadratmetern – das alte Kraftverkehrs-Gelände zählt 11000 Quadratmeter - entstand ein dreigeschossiger, teils unterkellerte Flügelbau in massiver Bauweise. Die Baukosten beliefen sich auf sieben Millionen Euro.
Höhepunkt der über einstündigen Eröffnungszeremonie, kulturell umrahmt unter anderem von kleinen Mädchen und Jungen von der Johanniter Kindertageseinrichtung in der Neustadtstraße, war die symbolische Schlüsselübergabe von Eva Matern, Inhaberin und leitende Architektin des gleichnamigen Büros in Paderborn, an Heimleiterin Annett Tolle und Finanzvorstand Prof. Dr. Schnatmann.
Schon Mitte November 2015 bezogen die ersten Menschen das Heim, das für insgesamt 74 Bewohner vorgesehen ist. 26, überwiegend Einzelpersonen, Frauen wie Männer, und zwei Ehepaare wohnen derzeit hier. Alle im Alter zwischen 80 und 93 Jahren. Schon der optische Eindruck vermittelt Wohlfühl-Atmosphäre: Helle freundliche Räume und Korridore.
Jedes Zimmer verfügt über Balkon oder Terrasse. Ebenso laden geräumige und überdachte Terrassen zum Verweilen ein. Die trägereigene Küche und die Cafeteria warten mit einem ausgewogenen Speisenangebot auf. Gemeinschaftsräume für gemütliche Spiel-und Plauderstunden, für kreative und therapeutische Angebote runden den guten Gesamteindruck ab. Diese Zeitung hat vorab schon ausführlich darüber in: Ein neues Leben im Heim und Wohin, wenn Körper und Geist versagen? berichtet.
Anna Wengemut gehörte zu den ersten Heimbewohnern. Seit dem 23. November des Vorjahres wohnt die 82-Jährige hier. Mittlerweile wurde ich heimisch, versichert sie in einem Gespräch mit der nnz. Im März zogen Kurt und Marianne Kühne aus dem Plattenbau von nebenan in das Rolandhaus. Der 92-Jährige war als selbstständiger Heizungsbauer tätig, die ein Jahr jüngere Ehefrau mit im Geschäft.
Weil seine Frau kränkelte, tätigte bis zuletzt Kurt Kühne alle Besorgungen. Er kümmerte sich um sie, hielt die Wohnung in Schuss. Das Ehepaar blieb kinderlos, hatte keine Verwandten und Bekannten in der Nähe, die sich um die alten Leute kümmern konnten. So blieb das Heim als letzter Weg. Wir sind hier gut aufgehoben, beteuert der Senior. Wenn es notwendig ist, halte er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg. Die bisherigen Erfahrungen seien für ihn und seine Frau aber nur die allerbesten. Wenn alles so bleibt, haben wir hier im Heim das große Los gezogen, ist der alte Herr überzeugt.
Kürzlich zog auch Werner Stolle mit Frau hier ein. Noch vor wenigen Jahren radelte er in seinen Kleingarten, den er liebevoll hegte und pflegte. Bis es nicht mehr ging. Der Körper versagte. nnz traf ihn in der Frisierstube, wo er sich von Doreen Csillag, der Frau vom Fach, frisieren ließ. Der 88-Jährige leitete zu DDR-Zeiten das Reisebüro in Nordhausen.
Die Rundumpflege ist nicht zum Nulltarif zu haben. Der Eigenanteil richtet sich je nach Pflegestufe. Für die Pflegestufe 1 ist ein Monatsbeitrag von 1159,40 Euro fällig. Für Stufe 2 entfallen 1340,27 Euro, während für die 3. Pflegestufe 1616,78 Euro veranschlagt sind. Pflegebedürftige Menschen möchten aber, besagt die Statistik, lieber in den heimischen vier Wänden betreut werden. Solange, bis die Umstände dies nicht mehr zulassen.
Dies sieht auch Martin Juckeland, Amtsleiter für Stadtentwicklung und Zukunftsfragen im Rathaus, so. Er würde, trotz aller Fürsorge und Geborgenheit in einem Heim, lieber in den heimischen vier Wänden versorgt und gepflegt werden, wenn es die Umstände erlauben. Auch Vizelandrat Stefan Nüßle ist dieser Meinung. Es komme immer auf die jeweilige Situation an.
Erst 6100 Quadratmeter der insgesamt 11000 Quadratmeter zählenden Fläche sind bebaut. Die Brachfläche werde man noch sinnvoll nutzen, sagt Geschäftsführer Benno Wolfgang Ecker. (Foto: Kurt Frank)
Etwas mehr als die Hälfte des 11000 Quadratmeter großen Geländes ist erst bebaut. Was kommt auf die Freifläche nebenan? Eine großflächige Parkanlage mit Bäumen und Büschen zur Luftauffrischung? Eine geräumige Gartenanlage mit Duft-und Sinnesbeeten mit Blumen und Pflanzen zur gärtnerischen Selbstbetätigung? Betreutes Wohnen? Geschäftsführer Benno Wolfgang Ecker wollte das Geheimnis noch nicht recht lüften. Es wird wohl eine Kombination von allem. Wir werden es sinnvoll nutzen, beteuert er.
Kurt Frank






