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Di, 09:40 Uhr
12.04.2016
Lesung und Gespräch in der FLOHBURG

Gesperrte Ablage –unterdrückte Literaturgeschichte in DDR

Am Donnerstagabend lädt das Museum Flohburg zu einer Lesung und Gespräch ein. Über 40 Jahre Literaturgeschichte, die nicht stattfinden sollte, die unterdrückt und auch nach 1989 bislang kaum in den Blick genommen wurde. Ines Geipel und Joachim Walther erzählen sie...

Veranstalter sind die Konrad-Adenauer-Stiftung Politisches Bildungsforum Thüringen in Kooperation mit dem Verein Gegen Vergessen für Demokratie und die Stadt Nordhausen. Der Eintritt ist frei!

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Der SED-Diktatur ist es gelungen, auch nach ihrem Untergang das Gedächtnis der Öffentlichkeit im Hinblick auf die Geschichte des literarischen Schaffens zu beeinflussen. Das einfache Bild, das während ihrer Existenz vorherrschte, ist das von den „staatstragenden“ Künstlern und deren „Kontrapunkten“, den kritischen, aber trotzdem loyalen Autorinnen und Autoren, die oft auchim Westen zu Berühmtheit gelangen konnten. Ein sehr geschöntes Bild, denn in Wahrheit ist dies nur der zugelassene Teil der Literaturgeschichte – bestimmte Stoffe und Ästhetiken, ja, alles wirklich Nonkonforme, Experimentelle, Widerständige wurde konsequent behindert, unterdrückt, verfolgt, verschwiegen, abgelegt und weggesperrt.

Wenn Kunst etwas mit Freiheit zu tun hat, dann ist dies die wahre Literaturgeschichte Ostdeutschlands, und sie muss gegen die nach wie vor zähe Propaganda eines Systems erzählt werden. Ines Geipel und Joachim Walther tun dies detail- und kenntnisreich und eröffnen den Blick auf ein literarisches Leben, das trotz lebensgefährlicher Konsequenzen für die Freiheit des Wortes einstand.

Ines Geipel wird in der Flohburg über die unterdrückte Literaturgeschichte der DDR sprechen (Foto: privat) Ines Geipel wird in der Flohburg über die unterdrückte Literaturgeschichte der DDR sprechen (Foto: privat)

Prof. Dr. Ines Geipel möchte an diesem Abend mit den Besuchern ins Gespräch kommen und aus erster Hand ihre Forschungsergebnisse offen legen. Unterstützt wird sie von Mitautor Joachim Walther.

Ines Geipel, geboren 1960 in Dresden, war Sprintweltrekordlerin, beendete 1985 aus politischen Gründen ihre Sportkarriere und flüchtete 1989 in die Bundesrepublik. Seit 1996 arbeitet sie als Schriftstellerin und Publizistin, 2000 war sie Nebenklägerin im Berliner Doping-Prozess. Seit 2001 ist sie Professorin an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. Sie veröffentlichte Romane und Lyrik, aber auch zu konfliktgeladenen Themen der Nachwendezeit, wie Amok, Doping, Leben und Literatur in der DDR-Diktatur und deren Transformation. Zuletzt erschien „Generation Mauer. Ein Porträt“, 2014. Gemeinsam mit Joachim Walther begründete sie das „Archiv unterdrückter Literatur in der DDR“.
Autor: red

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Kommentare
henry12
12.04.2016, 10:04 Uhr
Politunterricht in der Flohburg
Ich wusste bisher gar nicht, das die Hauptfunktion der Flohburg ist, Standort für Politunterricht und Klassenkampf zu sein.
Aber diese Art abenteuerlicher Veranstaltungen scheinen ja gerade in zu sein.
Das eine Frau Geipel der Welt die wahre Literaturgeschichte Ostdeutschlands erklären möchte, ist aber wirklich niedlich.
Leser X
12.04.2016, 10:31 Uhr
Agit-Prop
Doch Henry, die Flohburg hat sich längst als Ort für Anti-DDR-Events gemausert. So eine Art Parteiversammlung für alle, die schon immer was gegen die DDR hatten.
gosalianer
12.04.2016, 14:15 Uhr
Pro-DDR Events
Warum gibt es nur so wenig Pro-DDR Veranstaltungen in der Flohburg? Diese Ungleichheit ist furchtbar. Und damit auch alle zufrieden sind und keiner benachteiligt wird, suchen wir uns noch ein paar übriggebliebene NSDAP-Anhänger, die uns die Vorteile des Nationalsozialismus näher bringen. Natürlich nur das Gute - Massenmord und Krieg lassen wir weg. Gleiches gilt natürlich für die Nachteile des Sozialismus.

Picken wir uns aus vergangenen Systemen einfach das Beste raus. Ich bin mir sicher, dass wir dann endlich aus den Fängen der Demokratie (oder was auch immer das gerade ist) befreit werden und in eine rosige Zukunft blicken. Denn: Früher war nicht alles schlecht. Dumm nur, dass heute, irgendwann auch wieder früher sein wird.
henry12
12.04.2016, 15:16 Uhr
Geipel, Walther und Gosalianer
"Dumm nur, dass heute, irgendwann auch wieder früher sein wird."
Dann könnt Ihr ja zu dritt auftreten und gemeinsam flennen.
Sonntagsradler 2
12.04.2016, 15:52 Uhr
Henry12
da wir uns mit der DDR befassen noch ein passenden Slogan
Vorwärts immer - rückwärts nimmer Slogen von
aurell
18.04.2016, 20:12 Uhr
Gedanken eines Teilnehmer
Die Nazis verbrannten Bücher von sogenannten undeutschen Schriftstellern.
Nach 1945 hörte man an vielen Tischen. Bei Hitler war es ja nicht schlecht, die Menschen bekamen wieder Arbeit, nur das mit den Juden und Krieg durfte er nicht machen.
Es bedarf Jahre bis das deutsche Volk das System Nazi-Diktatur begriff.
Ein Fritz Bauer musste einen Kampf für einen Ausschwitz-Prozess führen. Vorrangig nicht um zu bestrafen sondern dem deutschen Volk wieder eine Rechtsordnung zu geben.
Erst 1985 sprach Richard von Weizäcker von einer Befreiung Deutschlands nicht von einer Kapitulation.
Die „SED-DDR“ entschied wer Nazi war und erklärte sich selbst zum historischen Sieger.
Ich frage, soll die Aufarbeitung der DDR-Diktatur wieder so lange dauern.
Natürlich erinnere ich mich auch gern an meine Jugend meinetwegen auch an FDJ-Lager und Jugendtouristreisen an sichere Arbeitsplätze und Kollektivfeiern.
Aber auch an die Leipziger Gruppe Renft oder Vroni Fischer, die auf einmal nicht mehr da waren !!
Oder an Reiner Kunze, Wolf Biermann deren Gedichte höchstens in privaten Kreisen vorgetragen wurden.
Prof. Dr. Ines Geipel führte uns an den Abend in eine literarische Welt, die die Mehrzahl der Anwesenden nicht kannte.
Ich war zutiefst beeindruckt aber auch wütend.
Den deutschen Volk wurde ein literarisches Schaffen vorenthalten was vielleicht mit dem Vermächtnis eines Thomas Mann, Siegfried Lenz, Heinrich Böll oder auch mit Christa Wolf und Erwin Strittmatter auf eine Stufe gestellt werden kann.
Namen wie Inge Müller, Gabriele Stötzer, Edelgard Eckert stehen dafür.
Das diese Menschen deren Schicksale in wahrsten Sinne „gesperrt u. abgelegt“ wurden nicht vergessen werden, dass war das Anliegen von Frau Professorin Ines Geipel.
Die verbrannten Bücher von 1933 wurden nach der Befreiung wieder gedruckt. Sie wurden gedruckt weil sie irgendwann mal verlegt wurden.
Wir sollten Frau Geipel danken dass sie die „gesperrte abgelegte Literatur“ in den „Stasi-Archiven“ erforschte Wie viele Schriften, Gedichte und Prosa für immer auf Anordnung abgelegt wurden kann keiner mehr sagen.
M. S.

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Du riefst mich noch einmal zurück,
Weil ich vergaß, Lebwohl zusagen.
Noch einmal fand ich Deinen Blick
Und wandte mich und ging zum Wagen.

Wie oft sah ich dies Bild vor mir,
Du lächelnd, ja beinah heiter,
Ein letztes Mal stand ich vor dir,
Ein Händedruck und dann - nichts weiter.

Ich musste gehen und wusste schon,
Mein Schritt ging deiner Welt verloren.
Ich hatte noch den warmen Ton,
Den Klang der Stimme in den Ohren.

Auf Wiedersehen sagtest du,
ich nickte, wollte dir nicht wehren,
und wusste doch so gut wie du,
Ich würde lange Zeit nicht wiederkehren."
(Edeltraud Eckert: Abschied, Juni 1950)
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