So, 18:25 Uhr
10.04.2016
Erinnerung an grausames Kapitel der Ellricher Geschichte
Erzählen von mutigen Menschen
Am 11. April 1945, vor nunmehr 71 Jahren, befreiten amerikanische Soldaten das einstige KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte. Am Sonntagnachmittag erinnerten auf dem einstigen Appellplatz ehemalige Häftlinge und Vertreter aus Politik und Gesellschaft an dieses Ereignis. Sie legten Kränze und Blumen nieder…
Gedenkveranstaltung zum 71. Jahrestag der Befreiung des KZ Elllrich Juliushütte (Foto: Susanne Schedwill)
Die Vögel zwitschern, die Sonne wärmt angenehm. Diese Frühlingsidylle nimmt dem einstigen Appellplatz des früheren Außenlagers Ellrich-Juliushütte beinahe sein grauenhaftes Gesicht. Dieser Schein trügt, sagte Dr. Stefan Hördler, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, in seiner Rede.
Denn das Lager, das am 2. Mai 1944 auf dem Gelände einer stillgelegten Gipsfirma eingerichtet wurde, war nicht so harmlos wie es dieser herrliche Frühlingssonntag vermuten lässt: Ellrich-Juliushütte sollte nicht nur das größte der 39 Außenlager vom KZ Dora werden, sondern auch mit eines der schlimmsten. Das Außenlager mit dem Decknamen Erich war ein Todeslager, konzipiert für rund 8000 männliche Häftlinge.
Wer hier interniert war, der musste schwerste Arbeiten verrichten, unter anderem im Stollenvortrieb. Über 4000 Häftlinge verloren hier ihr Leben durch Erschöpfung oder Hunger, sie wurden erschossen oder erschlagen, erinnerte Stefan Hördler an die grausamen Verbrechen der SS. Weitere rund 3000 Menschen starben auf den Todesmärschen.
Gut 50 Menschen, darunter zehn Überlebende und deren Angehörige, hatten sich auf dem früheren Appellplatz versammelt. Ellrichs Bürgermeister Matthias Ehrhold (SPD) mahnte in seiner Rede, nicht zu vergessen, wo die Ursachen der größten Katastrophe des letzten Jahrhunderts liegen. In Erinnerung an die französischen Deportierten, die im August 1944 nach Ellrich kamen, wird es nun eine neue Partnerschaft mit der französischen Stadt Saacy-sur-Marne geben. Voraussichtlich im September soll der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet werden, berichtete Ehrhold den Zuhörern.
Gedenkveranstaltung zum 71. Jahrestag der Befreiung des KZ Elllrich Juliushütte (Foto: Susanne Schedwill)
Der 90 Jahre alte Yaacov Hardeli berichtete den Zuhörern, wie er nach Ellrich und dann schließlich nach Dora kam. Der griechische Jude wurde mit seiner gesamten Familie am 14. April 1943 von Thessaloniki nach Auschwitz III gebracht. Bis auf seine zwei Brüder verlor er noch am Ankunftstag seine restliche Familie. Hardeli arbeitete als Kesselwäscher in der Küche. Im Vergleich zu Dora war das ein Paradies, sagte er. Die Arbeit in der Küche war sein großes Glück. Denn als es an einem kalten Januartag auf den 60 Kilometer langen Todesmarsch ging, war er kräftig und gesund genug, diesen durchzustehen. Er berichtete von Mithäftlingen, die sofort erschossen wurden, sobald sie sich aus Kraftlosigkeit setzten. Der Schnee war rot vom vielen Blut.
Über einen grausamen Häftlingstransport per Kohlezug kam er schließlich nach Ellrich-Juliushütte, bevor er weiter nach Bergen-Belsen geschickt wurde, wo er schließlich befreit wurde.
Der 102-jährige Boris Pahzor ist noch immer in der Mission unterwegs, den jungen Generationen von der Mördermaschine zu berichten. Als Überlebender bereiste er viele einstige Konzentrationslager, schrieb über seine Geschichte Bücher. Er forderte die Wissenschaft auf, noch mehr ihrer Arbeit den politischen Gefangenen in den Todeslagern zu widmen. Es gab in allen Lagern mutige Menschen, die auch Sabotage betrieben und mit ihrem Leben dafür zahlen mussten, sagte der Italiener mit slowenischen Wurzeln. Dieses Kapitel muss in allen KZ-Gedenkstätten noch mehr aufgearbeitet werden.
Susanne Schedwill
Autor: red
Gedenkveranstaltung zum 71. Jahrestag der Befreiung des KZ Elllrich Juliushütte (Foto: Susanne Schedwill)
Die Vögel zwitschern, die Sonne wärmt angenehm. Diese Frühlingsidylle nimmt dem einstigen Appellplatz des früheren Außenlagers Ellrich-Juliushütte beinahe sein grauenhaftes Gesicht. Dieser Schein trügt, sagte Dr. Stefan Hördler, der Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, in seiner Rede.
Denn das Lager, das am 2. Mai 1944 auf dem Gelände einer stillgelegten Gipsfirma eingerichtet wurde, war nicht so harmlos wie es dieser herrliche Frühlingssonntag vermuten lässt: Ellrich-Juliushütte sollte nicht nur das größte der 39 Außenlager vom KZ Dora werden, sondern auch mit eines der schlimmsten. Das Außenlager mit dem Decknamen Erich war ein Todeslager, konzipiert für rund 8000 männliche Häftlinge.
Wer hier interniert war, der musste schwerste Arbeiten verrichten, unter anderem im Stollenvortrieb. Über 4000 Häftlinge verloren hier ihr Leben durch Erschöpfung oder Hunger, sie wurden erschossen oder erschlagen, erinnerte Stefan Hördler an die grausamen Verbrechen der SS. Weitere rund 3000 Menschen starben auf den Todesmärschen.
Gut 50 Menschen, darunter zehn Überlebende und deren Angehörige, hatten sich auf dem früheren Appellplatz versammelt. Ellrichs Bürgermeister Matthias Ehrhold (SPD) mahnte in seiner Rede, nicht zu vergessen, wo die Ursachen der größten Katastrophe des letzten Jahrhunderts liegen. In Erinnerung an die französischen Deportierten, die im August 1944 nach Ellrich kamen, wird es nun eine neue Partnerschaft mit der französischen Stadt Saacy-sur-Marne geben. Voraussichtlich im September soll der Partnerschaftsvertrag unterzeichnet werden, berichtete Ehrhold den Zuhörern.
Gedenkveranstaltung zum 71. Jahrestag der Befreiung des KZ Elllrich Juliushütte (Foto: Susanne Schedwill)
Der 90 Jahre alte Yaacov Hardeli berichtete den Zuhörern, wie er nach Ellrich und dann schließlich nach Dora kam. Der griechische Jude wurde mit seiner gesamten Familie am 14. April 1943 von Thessaloniki nach Auschwitz III gebracht. Bis auf seine zwei Brüder verlor er noch am Ankunftstag seine restliche Familie. Hardeli arbeitete als Kesselwäscher in der Küche. Im Vergleich zu Dora war das ein Paradies, sagte er. Die Arbeit in der Küche war sein großes Glück. Denn als es an einem kalten Januartag auf den 60 Kilometer langen Todesmarsch ging, war er kräftig und gesund genug, diesen durchzustehen. Er berichtete von Mithäftlingen, die sofort erschossen wurden, sobald sie sich aus Kraftlosigkeit setzten. Der Schnee war rot vom vielen Blut.
Über einen grausamen Häftlingstransport per Kohlezug kam er schließlich nach Ellrich-Juliushütte, bevor er weiter nach Bergen-Belsen geschickt wurde, wo er schließlich befreit wurde.
Der 102-jährige Boris Pahzor ist noch immer in der Mission unterwegs, den jungen Generationen von der Mördermaschine zu berichten. Als Überlebender bereiste er viele einstige Konzentrationslager, schrieb über seine Geschichte Bücher. Er forderte die Wissenschaft auf, noch mehr ihrer Arbeit den politischen Gefangenen in den Todeslagern zu widmen. Es gab in allen Lagern mutige Menschen, die auch Sabotage betrieben und mit ihrem Leben dafür zahlen mussten, sagte der Italiener mit slowenischen Wurzeln. Dieses Kapitel muss in allen KZ-Gedenkstätten noch mehr aufgearbeitet werden.
Susanne Schedwill





























