Fr, 14:41 Uhr
01.04.2016
Entbürokratisierung der Pflege
So viel wie nötig – so wenig wie möglich!
Was ist ausschlaggebend für die Attraktivität eines Berufes? Klar: Bezahlung, gesellschaftliche Anerkennung und Karrierechancen rangieren ganz weit oben. Doch auch andere Faktoren erhalten nach Auffassung des Nordhäuser Jugendsozialwerkes im Laufe der Zeit eine immer wichtigere Bedeutung...
Weniger Bürokratie gefordert (Foto: S. Spehr)
So kann die Entscheidung für einen Beruf auch bestimmt werden von Überlegungen, die innerhalb des Tätigkeitsfeldes relevant sind: Ist zum Beispiel jemand Pflegefachkraft in einer Pflegeeinrichtung, dann ging der Entscheidung oft voraus, dass man sich gern mit Menschen beschäftigt und mit Herz und Hand dafür sorgen möchte, dass die ihm Anvertrauten einen liebevoll umsorgten Alltag erleben können.
Genau das leisten Pflegefachkräfte täglich in den Einrichtungen des JugendSozialwerk Nordhausen. Was aber genau diesem Anspruch an den Beruf gegenübersteht, ist die überbordende Bürokratie. Sie zwingt jeden noch so kleinen Schritt im Pflegealltag zu dokumentieren.
Mit dem Wohnbereich 1 im Seniorenzentrum Salza beteiligen wir uns seit September 2015 am bundesweiten Programm zur Entbürokratisierung der Pflege, erläutert Projektleiter Holger Bierau. Die Testphase wird im Sommer abgeschlossen sein. Bis dahin wird der Alltag aller Bewohner dieser Gruppe nach dem verschlankten und vereinfachten Strukturmodell dokumentiert. Das spart bis zu 40 Prozent Zeit, die unsere Pflegefachkräfte bisher vor dem Bildschirm verbracht haben, erläutert der junge Pfleger weiter.
Das System erscheint denkbar einfach: während bisher jeder Schritt, jede Handreichung täglich aufs Neue in Listen markiert werden mussten, gibt es mit dem aktuellen System nach einem intensiven Aufnahmegespräch mit dem neuen Bewohner eine einfache Risiko-Matrix. Hier werden täglich wiederkehrende Pflegemaßnahmen – wie zum Beispiel Unterstützung bei der täglichen Hygiene oder Unterstützung beim Essen – aufgelistet sowie die für den Bewohner relevanten Risiken dokumentiert. Zukünftig ist es lediglich bei Abweichungen dieser Matrix notwendig diese zu beschreiben.
So bleibt uns viel mehr Zeit für die individuelle Betreuung. Die Pflegefachkräfte haben endlich wieder die Möglichkeit, ihren Alltag mit den Bewohnern zu gestalten, ohne dass sie viel mehr Zeit als nötig vor dem Bildschirm verbringen müssen. Allerdings ist auch weiterhin eine Dokumentation notwendig, zum Beispiel bei der Behandlungspflege, der ärztlich verordneten Medikamentengabe oder beim Erstellen eines Bewegungsplanes für immobile Bewohner, erklärt Holger Bierau weiter.
Aber endlich hat das Urteil der Fachkraft wieder mehr Gewicht als die Häkchen in den täglichen Tabellen. Das ist eine größere Verantwortung an jede einzelne Fachkraft, die wir aber gern annehmen. Immerhin haben wir während der Ausbildung, des Arbeitsalltages und zahlreichen Fortbildungen viele Kompetenzen entwickelt, die wir leider bisher oft genug an die Pflegedokumentationsprogramme abgeben mussten. So wird Pflege endlich wieder ein Beruf, der die Menschen ohne einen ‚trennenden Bildschirm zwischen sich’ miteinander leben, arbeiten und lachen lässt.
Eine Ausbildung zur Pflegefachkraft ist auch beim JugendSozialwerk Nordhausen möglich. Der Verein betreibt Einrichtungen in Bleicherode, Ellrich und Nordhausen und unterhält darüber hinaus zahlreiche ambulante Angebote für Seniorinnen und Senioren sowie Familien.
Mehr Information zur Ausbildung, Karrierechancen oder zu den einzelnen Einrichtungen unter jugendsozialwerk.de
Autor: red
Weniger Bürokratie gefordert (Foto: S. Spehr)
So kann die Entscheidung für einen Beruf auch bestimmt werden von Überlegungen, die innerhalb des Tätigkeitsfeldes relevant sind: Ist zum Beispiel jemand Pflegefachkraft in einer Pflegeeinrichtung, dann ging der Entscheidung oft voraus, dass man sich gern mit Menschen beschäftigt und mit Herz und Hand dafür sorgen möchte, dass die ihm Anvertrauten einen liebevoll umsorgten Alltag erleben können.
Genau das leisten Pflegefachkräfte täglich in den Einrichtungen des JugendSozialwerk Nordhausen. Was aber genau diesem Anspruch an den Beruf gegenübersteht, ist die überbordende Bürokratie. Sie zwingt jeden noch so kleinen Schritt im Pflegealltag zu dokumentieren.
Mit dem Wohnbereich 1 im Seniorenzentrum Salza beteiligen wir uns seit September 2015 am bundesweiten Programm zur Entbürokratisierung der Pflege, erläutert Projektleiter Holger Bierau. Die Testphase wird im Sommer abgeschlossen sein. Bis dahin wird der Alltag aller Bewohner dieser Gruppe nach dem verschlankten und vereinfachten Strukturmodell dokumentiert. Das spart bis zu 40 Prozent Zeit, die unsere Pflegefachkräfte bisher vor dem Bildschirm verbracht haben, erläutert der junge Pfleger weiter.
Das System erscheint denkbar einfach: während bisher jeder Schritt, jede Handreichung täglich aufs Neue in Listen markiert werden mussten, gibt es mit dem aktuellen System nach einem intensiven Aufnahmegespräch mit dem neuen Bewohner eine einfache Risiko-Matrix. Hier werden täglich wiederkehrende Pflegemaßnahmen – wie zum Beispiel Unterstützung bei der täglichen Hygiene oder Unterstützung beim Essen – aufgelistet sowie die für den Bewohner relevanten Risiken dokumentiert. Zukünftig ist es lediglich bei Abweichungen dieser Matrix notwendig diese zu beschreiben.
So bleibt uns viel mehr Zeit für die individuelle Betreuung. Die Pflegefachkräfte haben endlich wieder die Möglichkeit, ihren Alltag mit den Bewohnern zu gestalten, ohne dass sie viel mehr Zeit als nötig vor dem Bildschirm verbringen müssen. Allerdings ist auch weiterhin eine Dokumentation notwendig, zum Beispiel bei der Behandlungspflege, der ärztlich verordneten Medikamentengabe oder beim Erstellen eines Bewegungsplanes für immobile Bewohner, erklärt Holger Bierau weiter.
Aber endlich hat das Urteil der Fachkraft wieder mehr Gewicht als die Häkchen in den täglichen Tabellen. Das ist eine größere Verantwortung an jede einzelne Fachkraft, die wir aber gern annehmen. Immerhin haben wir während der Ausbildung, des Arbeitsalltages und zahlreichen Fortbildungen viele Kompetenzen entwickelt, die wir leider bisher oft genug an die Pflegedokumentationsprogramme abgeben mussten. So wird Pflege endlich wieder ein Beruf, der die Menschen ohne einen ‚trennenden Bildschirm zwischen sich’ miteinander leben, arbeiten und lachen lässt.
Eine Ausbildung zur Pflegefachkraft ist auch beim JugendSozialwerk Nordhausen möglich. Der Verein betreibt Einrichtungen in Bleicherode, Ellrich und Nordhausen und unterhält darüber hinaus zahlreiche ambulante Angebote für Seniorinnen und Senioren sowie Familien.
Mehr Information zur Ausbildung, Karrierechancen oder zu den einzelnen Einrichtungen unter jugendsozialwerk.de

