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Fr, 06:37 Uhr
01.04.2016
Nach "wildem Tag" mit Mammut:

Cézanne in seiner "wilden Phase"

Eine fast erschöpfte, aber dennoch glückliche Susanne Hinsching begrüßte die Gäste im bis auf den letzten Platz gefüllten KuK – dem „Kunsthaus-Keller“ – zu einer dem Wirken Cézannes gewidmeten Veranstaltung der Reihe „KUNST&KAFFEE“, wie immer gefördert durch den Kunsthaus Meyenburg Förderverein...


Erschöpft, da die Fragen, Interviews, Aufzeichnungen des MDR und nnz-tv nicht ohne Spuren an der Leiterin des Museums vorübergegangen waren – glücklich, da dieses ‚Urtier‘ fast schon organisch sich in den Park einordnete.

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Während draußen Mütter ihren Kindern die neue Attraktion zeigten, eine Reihe von Jungen mit Hund ihrer Neugier freien Lauf ließen, wurde im Kunsthaus-Keller die Kunst Paul Cézannes, vor allem aber seine Stillleben den Gästen nahe gebracht. Eingeleitet wurde der Vortrag mit einem Selbstbildnis, einem Aquarell aus dem Jahr 1895, mit dem Cézanne die abschließende, die „Synthetische Periode“ (1895 – 1906) einleitete und von der impressionistischen Bewegung kommend in diesen zehn Jahren doch eigene Wege ging, immer auf der Suche nach einer individuellen künstlerischen Bildaussage.

Die Bildbeschreibung, die Erläuterung der dieser Kunstepoche typischen Ausdrucksweise erfolgten dann an dem Werk „Stillleben mit Früchten und Geschirr“ – geschaffen in den Jahren 1869 bis 1871. Und wer sich näher mit den Lebens- und Wirkungsphasen Cézannes beschäftigt, der ist mit diesem Stillleben in der ‚wilden Zeit‘ des Künstlers angekommen. Schaut man die wuchtigen Pinselhiebe, mit denen dieses doch großformatige Werk (64 x 80 cm) geschaffen wurde, an, so drängt sich fast der Widerspruch auf zu dem Titel „Stillleben“ und dem Pinselduktus.

Betrachtet man aber die Jahre der Entstehung dieses Bildes, so löst sich dieser Gegensatz zwar nicht auf, ist aber erklärlich. Es waren ‚wilde Jahre‘: Nicht nur, dass Frankreich im Krieg mit Preußen war – und unterlag. Cézanne selbst war um die 30, ein junger Wilder seiner Zeit, und die ungelenke Heftigkeit jedes Pinselstrichs ist ein Protest gegen die eingeführte Salonkultur. Nachlässig hängt das Tischtuch von der genagelten Kiste, die Gegenstände darauf sind von provozierender Schlichtheit, und das Licht scheint von allen Seiten zu kommen.

Cézanne liebte dieses Bild, es hing an seiner Atelierwand. Wenn man also will, so war es in fast jeder Hinsicht ein ‚wilder Tag‘: von 9 Uhr bis 14 Uhr das „Projekt Mammut“ mit all seinen Begleiterscheinungen, Paul Cézanne und ein Beispiel seiner Kunst in seinen ‚wilden Jahren‘ und ein Stillleben, das trotz seines Titel eine gewisse ‚Wildheit‘ in Pinselführung und Darstellungsweise aufweist. Die Gäste dankten der Leiterin des Kunsthauses, Frau Susanne Hinsching, ausdrücklich für die Verständlichkeit bei gleichzeitiger Tiefe ihres Vortrages. Die nächste Veranstaltung dieser Reihe am 27. April wird sich mit dem Expressionismus befassen – und wieder wird ein ‚volles Haus‘ erwartet.
Dr. Wolfgang R. Pientka
Nach einem "wilden" Tag (Foto: privat)
Nach einem "wilden" Tag (Foto: privat)
Nach einem "wilden" Tag (Foto: privat)
Nach einem "wilden" Tag (Foto: privat)
Autor: red

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Kommentare
Babette Klingert
01.04.2016, 07:35 Uhr
Bravo, Herr Dr. Pientka!
Ihre Betrachtungen zu Kunst und Co. in unserem schönen Kunsthaus gehören zu dem Besten, was es zu lesen gibt!
U. Alukard
01.04.2016, 09:03 Uhr
Auf der riesen Schleimspur,
die der Riese macht, darf keiner ausrutschen, weder der Landrat noch der Dr. P..
Auch am 1. April nicht.
Weiter so mit den Scherzen.

Trotz aller Scherze bin ich der Meinung, Manni ist auf dem Petersberg artgerechter untergebracht (der Auslauf ist größer).
Möglicherweise wandert er heute ja noch dorthin, und Peter Blei macht Bilder vom Umzug.
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