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Fr, 17:33 Uhr
25.03.2016
Ein liturgisches Gesangbuch von 1565

Das „Psalterium Davidis“

Mit diesem Beitrag möchte nnz-Autorin Heidelore Kneffel eine kleine Vorstellung von dem Bücherschatz geben, der seit etwa 1488 im Kloster Himmelgarten angelegt wurde, 1525 zur Zeit des Bauernkrieges in ein dem Kloster gehörendes Gehöft in die Töpfergasse Nordhausens kam und ab dem Jahr 1552 in der St. Blasiikirche einen Platz fand...

Verlassene Grabkammer (Foto: Archiv Kneffel) Verlassene Grabkammer (Foto: Archiv Kneffel)
Interessierte finden die Bände der Kirchenbibliothek im im Folio-, Quart- oder Oktav-Format im Sonderausstellungsraum im Museum Flohburg. Bei Interesse können Bücher daraus eingesehen werden nach Voranmeldung im Stadtarchiv, Patenschaften für den einen oder anderen Band sind erwünscht. Auch Kunst bedarf der Pflege!

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Meine Aufmerksamkeit gilt vor allem der bildkünstlerischen Gestaltung, der ausdrucksstarken Schriftgestaltung, den Druckern mit ihren Druckorten. Man unternimmt eine spannende Zeitreise in die Buchdruckerei vergangener Jahrhunderte, von der bis heute profitiert wird. Der im Titel genannte ansehnliche Foliant wurde 1564/65 in Wittenberg gedruckt von Laurentz Schwenck, der dort eine florierende Druckerwerkstatt betrieb.

Der Band besteht aus hölzernen Buchdeckeln, die mit hellem, geprägten Schweinsleder bezogen wurden, wird von zwei Schließen gesichert und gehört zu den kostbar angelegten Psalterien der Buchdruckgeschichte des 16. Jahrhunderts. Die Notenschriften innerhalb der Psalmen und Hymnen zeigen die deutsche Quadratnotation, die Hufnagelschrift - ein imposanter Eindruck.

Nach Nordhausen gehören gleich 2 Exemplare, eines wurde um 1969 restauriert, das andere wird zur Zeit in einer Werkstatt in Leipzig intensiv behandelt. Dieses Buch ist für Nordhausen von besonderem Interesse, denn Paul Eber, der eine aussagestarke lateinische Vorrede verfasste und die Herausgabe initiierte, und der Theologe und Poet Johannes Major, der den Band mit einem lateinischen Distichon einleitet, sind mit dem in Nordhausen wirkenden Bürgermeister Michael Meyenburg verknüpft.

Major verfasste Verse über den Verstorbenen, die unter dem Epitaphgemälde in St. Blasii hingen und Eber war in Wittenberg der Betreuer der beiden jüngsten Söhne der Nordhäuser Bürgermeisterfamilie. In der nächsten Ausgabe der Nordhäuser Nachrichten werde ich ausführlich über dieses besondere Buch Kunde geben.
Im Eberpsalter findet man unter den vielen das Buch auszeichnenden Holzschnitten auch die Kreuzigungsszene, in der Bildenden Kunst in zahlreichen Variationen überliefert.

Kreuzigung (Foto: Archiv Kneffel) Kreuzigung (Foto: Archiv Kneffel) Dieser Künstler, vielleicht Horst Brosamer, konzentriert sich auf die drei Gekreuzigten und auf die Reaktionen der die Holzkreuze umgebenden Menschen. Ihr Verhalten dem Jesus gegenüber ist eindeutig dargestellt. Landschaftliches ist unwichtig. Um diese Kreuzigungsdarstellung im Buch noch besonders künstlerisch hervorzuheben, wird der Holzschnitt von vier individuell gestalteten Holzschnitt-Ranken eingefasst.

In den Evangelien des Markus, des Matthäus und des Lucas im Neuen Testament wird die Auffindung der leeren Grabkammer durch Frauen unterschiedlich erzählt. Der im Gesangbuch von Paul Eber gedruckte Holzschnitt des Monogrammisten C E, 1562 entstanden, zeigt drei Frauen, die die Kreuzigung des Jesus von Nazaret am Karfreitag miterlebten und nun am frühen Morgen des Ostersonntags vor der Grabkammer stehen, mit Salbgefäßen ausgestattet.

Das Problem des Wegräumens des schweren Steines, der die in einen Fels gehauene Grabkammer verschloss, hat sich gelöst, denn der Stein liegt bereits vor dem Eingang. Den toten Jesus von Nazaret finden die Frauen nicht mehr, jedoch ein Bote Gottes, ein Engel im wallenden Gewand, schemenhaft dargestellt, verkündet den Frauen vom Höhleneingang aus, dass sie von hinnen gehen sollen, um den Jüngern zu verkünden, dass der auferweckte Jesus ihnen begegnen werde.

Die drei Frauen tragen bereits einen Heiligenschein. Auf der Grafik erkennt man eine gebirgige Landschaft, davor die Bauten einer imposanten Stadt. Im Mittelgrund des Bildes sieht man sehr klein den Auferstandenen, vor dem eine Frau kniet.

Ich habe hier nur ein Buch der Himmelgarten- St. Blasii-Bibliothek herausgegriffen – welch ein Gestaltungsreichtum der Buchdruckerkunst ist allein darin überliefert! Ich kann versichern: das Staunen, das sich Freuen und das Gefühl der Hochachtung nimmt von Buch zu Buch nicht ab.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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