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Mi, 16:12 Uhr
09.03.2016
AM SAMSTAG IM VEREINSHAUS „THOMAS MANN“:

Die letzten Tage des Rio Xingu?

Vor allem Naturliebhaber und Aquarianer sollten sich den Film „Die letzten Tage des Rio Xingu“ am Samstag im Vereinshaus „Thomas Mann“ ansehen. Er beginnt um 19.30 Uhr...

Unterwegs in Brasilien (Foto: Swen Buerschaper) Unterwegs in Brasilien (Foto: Swen Buerschaper)
Nordhausen. Am kommenden Samstag, dem 12. März, findet im Vereinshaus „Thomas Mann“ ein hochinteressanter Filmvortrag statt. Hierbei handelt es sich um ein riesiges Areal im Amazonasgebiet, welches durch den Bau einer riesigen Stauanlage mit seiner teilweise endemischen Tiervielfalt für immer untergehen wird. Eine Information vorab ließ uns nnz-Leser Peter Probst vom Verein Vivarium Rossmäßler zukommen.

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Gemeinsam mit Andreas Tanke und Michael Berg (IG-BSSW) bereiste ich 2013 den Rio Xingu und sein Einzugsgebiet. Ziel unserer kleinen Expedition waren die natürlichen Lebensräume der L-Welse und anderen Fischarten. Wir wollten nachweisen welche Arten in den von uns untersuchten Biotopen vorkommen und möglichst viele davon Unterwasser filmen und fotografieren.

Das, was wir dann erlebten, hatte keiner von uns erwartet - ein unglaublicher Artenreichtum. Auf teilweise sehr kleinem Raum. Viele verschiedene Wels-Arten teilten sich den Lebensraum mit Buntbarschen und Salmlern. In den meisten Biotopen war das Wasser klar genug für die begehrten Unterwasser Aufnahmen.

In den ersten Tagen trafen wir auf ein Wissenschaftler Team, das wir einige Tage begleite durften. Das Forscher-Team bestand aus über 30 Personen. Viele Wissenschaftler aus aller Herren Länder - von Amerika bis Japan, von Geologen bis Ichthyologen - alles war vertreten. Grund dafür war allerdings eher ein trauriger Anlass: Die brasilianische Regierung hat einen gigantisches Staudammprojekt geplant und fast fertig gestellt. Theoretisch kann nächstes Jahr der Fluss aufgestaut werden. Dann werden viele Biotope zerstört. Einerseits überschwemmt vom aufgestauten Wasser und andererseits trockengelegt durch Umleitung des Flusses.

Es war eine interessante Zeit mit den Forschern. Wir aber wollten weiter. Wir fuhren den Rio Iriri hinauf bis es für unser Boot kein Weiterkommen mehr gab. Eine beeindruckende Stromschnelle, mit mehreren Metern Höhenunterschied, stoppte uns. Hier fängt auch die Xipaya Indianer Reservation an. Für ein Betreten der Stammesgebiete hätten wir eine Sondergenehmigung gebraucht.

Ancistomus feldbergae (Foto: Swen Buerschaper) Ancistomus feldbergae (Foto: Swen Buerschaper)
Unterwasser erwartete uns eine Überraschung nach der anderen, fast im Minutentakt fingen wir die verschiedensten Welse (Ancistrus, Pseudancistrus, Baryancistrus) und viele verschiedene L- Nummern. Ich tastete unter freigespülten Felsen die Welse auf, packte zu (vorsichtig- wegen der vielen Flossenstacheln und Odontoden) und löste sie durch gleichmäßiges vorsichtiges ziehen vom Felsen. Die Welse verkeilten sich mit ihrem ganzen Körper in den Felsspalten, stellten alle Flossen auf und saugten sich mit ihren Mäulern fest.

So sollte es die ganze Zeit weitergehen. Die Vielfalt und Schönheit des Rio Xingu und seiner Nebengewässer überraschte uns alle Drei jeden Tag aufs Neue. Ich hatte gehofft auf klareres Wasser zu treffen, aber im Grunde war ich mehr als zufrieden. Unglaubliche Biotope mit tiefschwarzen Felsen- mal rund geschliffen- mal aufgebrochen und immer voller Leben.

Wunderschöne Welse, Buntbarsche und Salmler konnten wir für uns entdecken, den Fluss und seine Artenvielfalt bestaunen, die herrlichen Naturschauspiele der Stromschnellen, mit schier unglaublichen Wassermassen „erforschen“ und nicht zuletzt nette, freundliche und interessante Menschen kennenlernen.

Vergessen sind die vielen Stiche und Bisse der unzähligen Insekten, die Schrammen und Kratzer, die ich in den Stromschnellen erlitt. Nur die Geschichte zählt und das Erlebte. Hoffen wir für andere Weltenbummler, dass der Rio Xingu weiterhin mit seinen Geheimnissen und Schätzen erhalten bleibt, zumindest Teile davon!
Swen Buerschaper
Autor: red

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