Mi, 16:20 Uhr
24.02.2016
Erdfall am Salzagraben
Erdfälle gehören seit Jahrhunderten zum Südharz (2)
Viel wurde geschrieben, gesendet und veröffentlicht zum Erdfall auf dem Gelände der Service Gesellschaft. Nordhausen war plötzlich bundesweit in den Medien. Steffen Iffland hat sich historisch an Erdfälle herangewagt...
Betrachtet man unseren Landkreis aus der Luft, so kann man sehr gut feststellen, dass die Erdfälle fast in einer Reihe von Ost nach West verlaufen. Dies lässt die Vermutung bestärken, dass im Untergrund Wasser in Bewegung ist, wobei manche von einem starken Fluss reden.
Die Geologen bezeichnen die Erdlöcher als Dolinen. Das Wort stammt vom slowenischen Wort Doliná was Talsohle oder Talgrund bedeutet. Man kennt vier Formen von Dolinen, die praktisch in allen Karstlandschaften vorkommen. Diese allseits geschlossenen und in den Untergrund entwässernden Erdlöcher haben im Allgemeinen eine rundliche bis elliptische Hohlform. Die Durchmesser können von wenigen Metern bis zu tausend Metern betragen.
Heutzutage werden Erdfallgebiete bei Planungen berücksichtigt. So zum Beispiel beim Bau der Bundesautobahn 71, wo im Bereich Sömmerda, südlich der B 85, die Oberfläche auf einer Länge von etwa 400 Metern mit bis zu 35 Tonnen schweren Gewichten mit einer Fallhöhe von 10 – 30 Metern eingesetzt, um den Baugrund zu verdichten. Durch diese Dynamische Intensivverdichtung sollten oberflächennahe Hohlräume zum Einsturz gebracht und aufgelockerte Bereiche verdichtet werden. Anschließend wurde eine 300 m lange Erdfallplatte aus Stahlbeton aufgebracht.
Ehemalige große Erdfälle in Obersalza: Der Schauckelteich nach dem grundlosem Loch (Foto: Archiv Iffland)
So berichtet Magister Johann Gottfried Gregori in seinem Buch Das jetzt florirende Thüringen (Erfurt 1711) von dem Erdfall zu Krimderode. Hier lagen vermutlich zwei ähnliche Augenzeugenberichte vor, zum Einen von einem Schafhirten und zum Anderen von einem Fuhrmann. Beide Erlebnisberichte zusammengefasst heißt es: Hier bei Krimderode entstand 1710 am 21sten April am hellen Mittag ein Erdfall. An diesem Tage welches gerade der zweite Ostertag war, kam ein Fuhrmann des Weges und war eben im Begriff durch das Flüsschen Zorge zu fahren, als er fühlte, dass die Erde unter ihm zitterte und wankte. Ein Schäfer weidete neben dem Fluss Zorge auf einer Wiese, auch er fühlte, dass die Erde unter ihm zitterte und wankte, und eilte mit seiner Herde, so schnell er konnte, nach dem Berge zu. Erschrocken hielt der Fuhrmann die Pferde an und blickte umher.
Da sah er, wie auch der Schäfer, dass sich die Erde an fünf Orten von einander riss, der Erdfall große Stücken verschlang und selbst den Strom (Zorge) verschluckte, welcher auch gegen 1 Stunde ausblieb.
Auf der benachbarten Wiese aber, wo eben noch der Schäfer seine Schafe hütete, stiegen zwei große Wasserstrudel, fast wie ein Haus hoch, in die Höhe, warfen mit großen Brausen einige mit samt den Wurzeln ausgerissene Bäume empor und schleuderten dieselben eine bedeutende Strecke weit fort. Nachdem das Wasser wieder gesunken war, blieben die zwei mit Wasser gefüllten Löcher zurück. Die Erdlöcher wurden später untersucht und 10 Klaftern (17,52 Meter) tief befunden.
Herr Magister Johann Heinrich Kindervater bezeichnete diesen Erdfall sogar als Vorboten für die am 23. August des Jahres 1710 erfolgte Feuersbrunst in Nordhausen. (Feuer-Chronica, Nordhausen 1712)
Ehemalige große Erdfälle in Obersalza: Ein Erdfall am Göthestein. (Foto: Archiv Iffland)
Von einem anderen, doch nicht so bedeutenden Erdfalle auf einem Bergrücken zwischen Rüdigsdorf, Harzungen und Niedersachswerfen wusste der damalige Pfarrer zu Leimbach, Justus Ludwig Günther Leopold, selbst aus einer grausenvollen Erfahrung zu berichten. Im Jahre 1803 ritt ich, nach vollendeten Amtsgeschäften, auf einem Filialdorf Petersdorf am zweiten Ostertage diesen Weg, um mit meiner über Nordhausen vorausgefahrenen Familie einen Verwandtenbesuch zur Zorge abzustatten. Die Wege waren größtenteils schon sehr gut. Auf der äußersten Anhöhe stand indessen im Fahrwege noch eine kleine Pfütze. Mein behutsames Pferd wich derselben aus und nahm den Fußsteig daneben. Gleich nach den ersten Schritten auf demselben bäumte es sich und in demselben Augenblicke versank es mit mir dergestalt, dass von mir und ihm nur noch die Köpfe sichtbar blieben. Wie sowohl ich, als das Pferd – und mit welcher Schnelligkeit – wieder herauskamen, ist mir noch jetzt unbegreiflich! – Noch an demselben Tage hatte sich die Vertiefung merklich vergrößert.
Steffen Iffland
Autor: redBetrachtet man unseren Landkreis aus der Luft, so kann man sehr gut feststellen, dass die Erdfälle fast in einer Reihe von Ost nach West verlaufen. Dies lässt die Vermutung bestärken, dass im Untergrund Wasser in Bewegung ist, wobei manche von einem starken Fluss reden.
Die Geologen bezeichnen die Erdlöcher als Dolinen. Das Wort stammt vom slowenischen Wort Doliná was Talsohle oder Talgrund bedeutet. Man kennt vier Formen von Dolinen, die praktisch in allen Karstlandschaften vorkommen. Diese allseits geschlossenen und in den Untergrund entwässernden Erdlöcher haben im Allgemeinen eine rundliche bis elliptische Hohlform. Die Durchmesser können von wenigen Metern bis zu tausend Metern betragen.
Heutzutage werden Erdfallgebiete bei Planungen berücksichtigt. So zum Beispiel beim Bau der Bundesautobahn 71, wo im Bereich Sömmerda, südlich der B 85, die Oberfläche auf einer Länge von etwa 400 Metern mit bis zu 35 Tonnen schweren Gewichten mit einer Fallhöhe von 10 – 30 Metern eingesetzt, um den Baugrund zu verdichten. Durch diese Dynamische Intensivverdichtung sollten oberflächennahe Hohlräume zum Einsturz gebracht und aufgelockerte Bereiche verdichtet werden. Anschließend wurde eine 300 m lange Erdfallplatte aus Stahlbeton aufgebracht.
Historische Augenzeugenberichte
Gerade in der Gegend um Krimderode kommt es immer wieder zu Erdfällen, so dass man über kleine gar nicht mehr sprach. Jedoch ereigneten sich auch große Erdfälle, welche bei der tiefgläubigen Bevölkerung großen Eindruck hinterließen.
Ehemalige große Erdfälle in Obersalza: Der Schauckelteich nach dem grundlosem Loch (Foto: Archiv Iffland)
So berichtet Magister Johann Gottfried Gregori in seinem Buch Das jetzt florirende Thüringen (Erfurt 1711) von dem Erdfall zu Krimderode. Hier lagen vermutlich zwei ähnliche Augenzeugenberichte vor, zum Einen von einem Schafhirten und zum Anderen von einem Fuhrmann. Beide Erlebnisberichte zusammengefasst heißt es: Hier bei Krimderode entstand 1710 am 21sten April am hellen Mittag ein Erdfall. An diesem Tage welches gerade der zweite Ostertag war, kam ein Fuhrmann des Weges und war eben im Begriff durch das Flüsschen Zorge zu fahren, als er fühlte, dass die Erde unter ihm zitterte und wankte. Ein Schäfer weidete neben dem Fluss Zorge auf einer Wiese, auch er fühlte, dass die Erde unter ihm zitterte und wankte, und eilte mit seiner Herde, so schnell er konnte, nach dem Berge zu. Erschrocken hielt der Fuhrmann die Pferde an und blickte umher.
Da sah er, wie auch der Schäfer, dass sich die Erde an fünf Orten von einander riss, der Erdfall große Stücken verschlang und selbst den Strom (Zorge) verschluckte, welcher auch gegen 1 Stunde ausblieb.
Auf der benachbarten Wiese aber, wo eben noch der Schäfer seine Schafe hütete, stiegen zwei große Wasserstrudel, fast wie ein Haus hoch, in die Höhe, warfen mit großen Brausen einige mit samt den Wurzeln ausgerissene Bäume empor und schleuderten dieselben eine bedeutende Strecke weit fort. Nachdem das Wasser wieder gesunken war, blieben die zwei mit Wasser gefüllten Löcher zurück. Die Erdlöcher wurden später untersucht und 10 Klaftern (17,52 Meter) tief befunden.
Herr Magister Johann Heinrich Kindervater bezeichnete diesen Erdfall sogar als Vorboten für die am 23. August des Jahres 1710 erfolgte Feuersbrunst in Nordhausen. (Feuer-Chronica, Nordhausen 1712)
Ehemalige große Erdfälle in Obersalza: Ein Erdfall am Göthestein. (Foto: Archiv Iffland)
Von einem anderen, doch nicht so bedeutenden Erdfalle auf einem Bergrücken zwischen Rüdigsdorf, Harzungen und Niedersachswerfen wusste der damalige Pfarrer zu Leimbach, Justus Ludwig Günther Leopold, selbst aus einer grausenvollen Erfahrung zu berichten. Im Jahre 1803 ritt ich, nach vollendeten Amtsgeschäften, auf einem Filialdorf Petersdorf am zweiten Ostertage diesen Weg, um mit meiner über Nordhausen vorausgefahrenen Familie einen Verwandtenbesuch zur Zorge abzustatten. Die Wege waren größtenteils schon sehr gut. Auf der äußersten Anhöhe stand indessen im Fahrwege noch eine kleine Pfütze. Mein behutsames Pferd wich derselben aus und nahm den Fußsteig daneben. Gleich nach den ersten Schritten auf demselben bäumte es sich und in demselben Augenblicke versank es mit mir dergestalt, dass von mir und ihm nur noch die Köpfe sichtbar blieben. Wie sowohl ich, als das Pferd – und mit welcher Schnelligkeit – wieder herauskamen, ist mir noch jetzt unbegreiflich! – Noch an demselben Tage hatte sich die Vertiefung merklich vergrößert.
Steffen Iffland


