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Mo, 11:18 Uhr
22.02.2016
Dichterstätte zu Gast in Nordhausen

Verse von Freiligrath und Herwegh

Am Samstag Nachmittag erklingen in der Bibliothek „Rudolf Hagelstange“ Verse von Ferdinand Freiligrath (1810-1876) und Georg Herwegh (1817-1875.) Beide waren neben Heinrich Heine (1797-1856) die populärsten deutschsprachigen Lyriker in der Mitte des 19. Jahrhunderts, ihre Gedichte konnte man in ganz Deutschland auswendig...

Zuerst kommt an diesem Nachmittag Freiligrath bei den Mitgliedern des Fördervereins „Dichterstätte Sarah Kirsch“ zu Wort. Zahlreiche Komponisten haben ihn vertont. Sein Werk entstand zwischen dem Biedermeier und den revolutionären Ereignissen vor und nach 1848. In seinem Dichterleben spiegelt sich wie auch in denen der beiden anderen genannten Poeten die rasante deutsche und europäische Geschichte der Zeit. Liest man seine Verse, so erfährt man darüber ganz Authentisches, man ist als Leser unmittelbar dabei, angerührt, betroffen, begeistert, entsetzt.
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1844 erscheint sein Gedichtband „Ein Glaubensbekenntnis“. Im Vorwort schreibt er: „Fest und unerschüttert trete ich auf die Seite derer, die mit Stirn und Brust der Reaktion sich entgegen stemmen! Kein Leben mehr für mich ohne Freiheit!" Von nun an war die Familie auf der Flucht, zuerst nach Brüssel, dort wird er mit Karl Marx bekannt, dann geht es in die Schweiz. Freiligraths Gedichte werden in Anthologien und auf Flugblättern rasch verbreitet. Sie schildern nicht mehr nur die politischen Missstände und die soziale Not, sondern fordern nun den Umsturz. Es gelingt ihm, in seinen Gedichten Geschichten und Sinnbilder zu finden, die sich in den Köpfen festsetzen und die Herzen der Leser ergreifen. Genannt sei das berühmte Gedicht vom Heizer, der den Kessel des Rheindampfers bedient, auf dem der preußische König fährt. „Du bist viel weniger ein Zeus als ich, o König, ein Titan!“, spricht er zu seinem Herrscher hin auf das Oberdeck.

„Wir sind die Kraft! Wir hämmern jung das alte, morsche Ding, den Staat,...“ Bei den Liedermachern der 1970-er Jahre in Ost- und Westdeutschland, während der Ereignisse im Herbst 1989 in der DDR, - denn der Ruf, „Wir sind das Volk“ stammt von ihm -, war er präsent. Freiligrath hatte nach den letztendlich gescheiterten revolutionären Kämpfen um 1848 das wieder Erwachen der reaktionären Kräfte miterlebt. Dem setzte er sein „Trotz alledem“ entgegen, sein bekanntestes politisches Gedicht. „Nur, was zerfällt, vertretet ihr! / Seid Kasten nur, trotz alledem! / Wir sind das Volk, die Menschheit wir, / Sind ewig drum, trotz alledem! / Trotz alledem und alledem: /... / Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht – / Unser die Welt trotz alledem.“

Lesung im Lesesaal - die Dichterstätte Sarah Kirsch zu Gast in der Nordhäuser Bibliothek (Foto: Heidelore Kneffel) Lesung im Lesesaal - die Dichterstätte Sarah Kirsch zu Gast in der Nordhäuser Bibliothek (Foto: Heidelore Kneffel)
Der zweite im Bunde ist Georg Herwegh, wie Freiligrath mit außergewöhnlicher Sprachkraft ausgestattet, mitreißend und leidenschaftlich. Er versteht es, die Sehnsucht nach Volkssouveränität in Worte zu fassen. Mit seiner Frau Emma wird er in den Freiheitskämpfen eine bekannte, für manche berüchtigte Person.

1841 erschien noch anonym sein Erstling, die „Gedichte eines Lebendigen“. Er lebte damals bereits im Schweizer Exil. Das Büchlein wurde nach Deutschland geschmuggelt. Vor allem Studenten rezitierten und sangen die rebellischen Worte: „O wag’ es doch, nur Einen Tag, / Nur Einen, frei zu sein“, oder „Und durch Europa brechen wir / Der Freiheit eine Gasse!“ Die Klein- und Kleinststaaten sollen in Deutschland verschwinden, ein einheitliches demokratisches Deutschland entstehen. 1842 wagt er sich nach Deutschland zurück. Die Dichter Theodor Fontane, Conrad Ferdinand Meyer und Gottfried Keller sind von seinen Versen begeistert, Heine in Paris begrüßt den jungen Kollegen als „eiserne Lerche“. Bereits 1843 muss er wieder ins Exil, geht dann nach Paris. Die Freundschaft mit Karl Marx, Friedrich Engels und den französischen Frühsozialisten verändert ihn, seine Forderungen werden konkreter. Man verkehrt mit Iwan Turgenjew, Michail Bakunin, mit Heine, George Sand, Franz Liszt, Victor Hugo, aber auch mit den aus Deutschland zugewanderten Handwerkern und Arbeitern, die zu Zehntausenden in Paris eintreffen. Auf den Revolutionsfeiern fordert Herwegh: „Es lebe die Freiheit, die Gleichheit, die Bruderliebe! Es lebe die Demokratie! Es lebe die europäische Republik“. Das Leben der Familie geht dramatisch weiter, wie es am 27.2. zur Sprache kommen wird. 1863 schreibt er aus der Schweiz für den Allgemeinen Deutsche Arbeiterverein das „Bundeslied“: „Mann der Arbeit, aufgewacht! / Und erkenne deine Macht! / Alle Räder stehen still. / Wenn dein starker Arm es will.“
Heidelore Kneffel
Autor: red

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